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"Maung Maung Thans Geschäftsidee" von Ma Sandar

Maung Maung Than war Arzt. Tüchtig oder nicht, das wusste Htway Htway nicht sicher, ehrlich aber war er. Dass Ehrlichkeit und Reichtum selten Hand in Hand kommen, müsste Ma Lay genauso gut wissen wie sie, dachte Htway Htway. Außerdem war Maung Maung Than zwar Arzt, aber keiner der reichen Familien. Nicht ein Arzt mit Luxusauto, wie er in manchen Liebesromanen vorkommt, sondern ein ‚Arzt von der Bushaltestelle’. Bis er einen eigenen großen Wagen fahren könnte, würde es auch noch ziemlich lange Zeit dauern, da er der älteste von zahlreichen Geschwistern war.
„Maung Maung Than ist nicht reich, obwohl er Arzt ist, nicht wahr?“
Als Htway Htway so sprach, lächelte Ma Lay.
„Seine familiäre Situation und seine finanzielle Lage sind mir bekannt, Htway Htway. Dafür, dass es wirtschaftlich aufwärts geht lässt sich sorgen.“
Solche Worte von Ma Lay zu hören, überraschte Htway Htway, hatte sie doch gedacht, dass Ma Lay sich eher von ihrem Verstand leiten ließe als von ihren Gefühlen.
„Liebe aber lässt sich nicht erzwingen, Htway Htway.“
Ma Lay lächelte verschämt. In ihren Wangen stieg ein rosenroter Schimmer auf, und ihre sanften Augen strahlten lebhaft. Vom Widerschein der Liebe überhaucht, war Ma Lays Gesicht noch schöner als sonst.
„Ma Lay, sei mir nicht böse, ich dachte, du hättest ein kleines Herz und einen großen Verstand.“
Als Htway Htway sprach, als ob sie sich entschuldige, kniff Ma Lay ihr liebevoll in die Wange und lachte herzhaft.
„Versuche mein Herz und meinen Verstand jeweils auf eine Waagschale zu legen; der Zeiger der Waage wird sich nach keiner Seite neigen, weißt du? Mein Verstand und Herz nehmen sich nichts. Größe und Gewicht beider sind ausgeglichen.“
Ma Lay scherzte. Htway Htway aber war beruhigt, als sie über Ma Lays zukünftiges Leben nachdachte. Da sie der nicht erzwingbaren Liebe Vorrang gab, glaubte Htway Htway, würde sie es schaffen, so zu handeln, dass sich auch ihre wirtschaftliche Situation verbesserte. Wenn Ma Lay und Maung Maung Thans gemeinsames Leben auch nicht schon morgen von Wohlstand gesegnet sein wird, würden sie übermorgen gewiss hohen Lebensstandard haben und reich werden wie erhofft.

 

„Geduld werde ich schon haben müssen. Wie könnte auch sofort alles sein, wie ich es gerne hätte. Ich werde ihn natürlich drängen müssen, sich mit einem solchen Leben nicht zufrieden zu geben und sich mehr anzustrengen.“
Angesichts der frohgemuten Ma Lay wurde Htway Htway vergnügt. Gewaltige Bewunderung für die Macht der Liebe, die vermag, einen Menschen noch schöner, noch heiterer, noch fröhlicher zu machen, stieg in ihr auf. In den nächsten Tagen kam Maung Maung Than häufiger zu Besuch. Ma Lay ging nicht mit ihm aus. Sie pflegten unter dem großen Bougainvillienstrauch vor dem Haus zu sitzen und sich zu unterhalten. Mutter aber wollte die beiden nicht zu zweit allein lassen und schickte deshalb Htway Htway los: „He, Htway Htway. Geh und halte dich in der Nähe deiner älteren Schwester auf.“ „Lass sie sich doch in Ruhe unterhalten, Mutter. Wenn ich mich störend einmischen gehe, wie kann das gut sein? “„Tochter! Noch hat er nicht, wie es sich für einen Sohn aus gutem Hause gehört, um ihre Hand angehalten, verlobt sind die beiden auch noch nicht. Wie sollte ich sie sich selbst überlassen? Ein Mädchen muss seinen Wert kennen.“

 

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