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"Maung Maung Thans Geschäftsidee" von Ma Sandar

„Was hältst du eigentlich von Maung Maung Than?"
Als Ma Lay so fragte, war Htway Htway um eine Antwort verlegen. Sie legte das Buch, das sie gerade las, sacht beiseite, blickte zu Ma Lay hinüber und versuchte, in ihren Augen zu lesen, was sie im Innern dachte.
„Er gefällt dir wohl, was?“
„Hm, direkt gefallen nicht“, antwortete Ma Lay unbestimmt, während sie die duftenden Rosen in der Porzellanvase auf dem Tisch unverwandt betrachtete.
„Ha, ha, das sagst du nur, weil er dir gefällt. Wäre das nicht so, würdest du doch wohl: ‚So ein Quatsch!’ sagen. Stimmt’s?“
Als Htway Htway, wie es ihre Art war, so herausplatzte, schien Ma Lay verlegen zu werden. Verstohlen warf sie Htway Htway einen schrägen Blick zu und lächelte.

Von diesem Zeitpunkt an war Htway Htway klar, dass Ma Lay Maung Maung Thans Antrag akzeptieren würde. Obgleich leibliche Schwestern, war Ma Lay viel, viel schöner als Htway Htway. Dem Vater ähnlich war Htway Htways Haut dunkel und ihre Figur stämmig. Nicht nur waren die Linien ihres Gesichtes hart, auch ihre Stimme klang scharf. Von Natur aus durchaus nicht hässlich, war einfach ihre Schönheit nicht erblüht. Ma Lay aber, die nach der Mutter kam, hatte weiße Haut, und ihre Körperhaltung war grazil. Ihr Gesicht war sanft und lieblich. Mit ihrer ruhigen Stimme vermochte sie es, sich in das Ohr des anderen zu schmeicheln, wenn sie sprach.
„Nur ein einziges berauschendes Liebesbriefchen würde ich mir mal wünschen“, lachte Htway Htway, während zur gleichen Zeit Bewerber reihenweise um Ma Lays Liebe warben. Nicht nur die jungen Männer, auch Htway Htways Freundinnen pflegten zu sagen:
„Wenn ich nur ein Mann wäre, würde ich um sie werben, sie zu bekommen“.
„Maung Maung Thans Liebe werde ich annehmen.“
Als Ma Lay das sagte, war Htway Htway nicht überrascht. Dennoch stieg ein besorgter Gedanke in ihr auf : „ Ob das wohl gut gehen wird?“
vollkommen anzusehen. Ma Lay aberSo wie Ma Lay viel schöner war als Htway Htway, so waren auch ihre Lebensziele weit höher gesteckt. Htway Htway war ein Mensch, dem ein Buch, eine Matte, ein Kopfkissen und eine gemütliche Ecke genügten, um ihr Leben als sagte stets: „Das Morgen muss vollkommener sein als das Heute. Besser als mein eigenes Leben muss das meiner Söhne und Töchter sein.“

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