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"Moskitos" von Aung Nay Thway

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Tatsächlich! In dem großen Zinkzylinder, der eben noch ganz leer vorgeführt wurde, befindet sich jetzt eine Schlange von beachtlicher Größe. Die Kappe ist gebläht, ihr ist wohl nicht mehr kalt. „So, was glaubt ihr, womit wird Shin Nagareinda, der fähiger ist als Shin Pamauk, diesen besiegt haben? Mein liebes Publikum, denkt nach!“
Während die Zuschauerschaft in Bewegung gerät und Namen raunt wie „See-Elefant, Drache, Garuda“, die die Schlange besiegen könnten, kommt sie der Moskitofangmaschine immer näher. Der Zauberer tut ahnungslos, räuspert sich, klatscht drei-vier Mal laut in die Hände, damit Ruhe eintritt, und setzt seine Rede fort: „Hier ist wie eben ein langer Behälter, leer, gar nichts ist drin. Ich werde gleich alles erklären. Das ist schwierigere, tiefgründigere Magie als schlichte Zaubertricks. Unter den Zuschauern sind sie – Scharlatane, Hexen, Anhänger der Schwarzen Magie, Weiber mit dem bösen Blick, die zu Adlern werden, wenn sie sich ihren Htamein wickeln … An Stelle der edlen Herren, die zu Wei’zas geworden sind, fordere ich sie alle heraus. Haltet gegenüber denen, die auf ihren Sandalen hocken und die Haare offen tragen, wie bei Anhängerinnen der Schwarzen Kunst üblich, nicht hinterm Berge, seid geradeheraus!“
Aufgestachelt von den Anspielungen des Zauberkünstlers schauen die Leute die Frauen, die mit offenen Haaren auf ihren Sandalen hocken, scheel an. Am liebsten würden sie sie rauswerfen, weil ihretwegen das Erlangen von Wissen erschwert, verzögert werden kann, schlucken aber ihren Zorn hinunter und wenden sich ab. Rein zufällig in diese Zaubervorstellung geraten, sind die so Angeschwärzten unversehens zu Beleidigern der Erlöser geworden und bedauern sehr, gekommen zu sein. Aber aus Angst, es könnte statt besser noch schlimmer werden, wenn sie jetzt gehen, schauen sie demütig und ergeben weiter zu.
„He, Herr des Beckens, mäßige dich!“ schnauzt der Meister seinen Gehilfen an und öffnet den Zylinder. „Was ist das, was für ein großes Tier?“
„Eh, oh, oh, ein Frosch, eine Riesenkröte, klein ist die nicht!“, ertönt schrill die Stimme eines Klosterschülers, der ganz vorn sitzt. Er ist so voller Staunen, dass er das Essensammeln vergessen hat. So wie er sind auch andere verblüfft. Dass noch vor kurzem infolge der Einflüsterungen des Herrn unter den Zuschauern Zwist geherrscht hatte, ist vergessen.
„Als nun Shin Nagareinda den Frosch erscheinen ließ, lachte Shin Pamauk. Im Leben ist der Frosch der Schlange unterlegen. Aber …“ Die Menge wendet sich Schlange und Frosch zu. Ängstlich wartet sie, was wohl nach dem „Aber“ kommt, das der Magier in der Schwebe gelassen hat.

Oje, die Schlange, die anfangs ihre Kappe aufgebläht hatte, liegt nun zusammengerollt da. Und auch der Riesenfrosch sitzt unbeweglich wie eine Statue. Der Herr ergreift Schlange und Frosch, steckt sie flink in den langen Zylinder, verschließt ihn, murmelt dabei Zauberformeln wie „Ohn ba nya kwi kwa“ und öffnet ihn dann wieder. Nichts ist drin.In der Zauberkunst ist das nichts Besonderes. Ungewöhnlich aber die Worte des Meisters: „Auf diese Weise hat Shin Nagareinda die Natur auf den Kopf gestellt. Indem er den Frosch die Schlange schlucken ließ, hat er nicht nur gewonnen, sondern zugleich auch Shin Pamauk, der so gern zaubern wollte, in die Schranken verwiesen. Das habt ihr, erlauchtes Publikum, mit eigenen Augen gesehen.“Das ist ein wahres Wunder. Schwierig. Das Publikum ist benommen, weiß nicht mehr, warum was passiert ist, eben Moskitos, die gleich der Moskitofangmaschine geopfert werden. Wertlose Moskitos, die in Töpfen mit Mango-, Tamarinden-, Limettenmarinade versinken und ertrinken.

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