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"Moskitos" von Aung Nay Thway

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Wie ich zu Beginn gesagt habe, heißt Menschsein, tagtäglich Wissen, Besitz, spirituelles Verdienst zu erwerben. Jetzt habt ihr fast alles Wissen erhalten. Und 85 glückliche Leute haben Besitz erworben. Was ihr noch braucht, ist das Verdienst. Dieses Verdienst werde ich euch verschaffen. Es hängt mit den beiden Mönchen zusammen, die mit dem Wissen und Eigentum, das ihr erhalten habt, in Verbindung  stehen. Hier sind vervielfältigte Abbilder dieser beiden Mönche. Die Verehrung verehrungswürdiger Personen ist Segen, ist Verdienst. Also, das muss ich euch ja nicht erst erklären. Besonders denjenigen, die eben wie gewünscht die Figuren in Besitz genommen haben, möchte ich ans Herz legen: Nur wenn ihr zu diesen Bildern morgens beim Aufstehen, abends beim Zubettgehen betet, wird sich die Wunderkraft der Figuren, die ihr immer bei euch tragt, entfalten. Seid nicht ungläubig!
Also, Gehilfe, verkaufe denen, die eben die Thi’kane’-Figuren erhalten haben, diese Bilder. Eins kostet genau 25 Kyat.“ Gefangen, gefesselt. Wie da rauskommen? Zögerlich kaufen vier, fünf, zehn ausgewachsene Moskitos. Sie sehen aber nicht sehr glücklich aus.
Hallo, wer ist denn das? Rikschafahrer Ya Pa! Als ob eine Anophelesmücke, eine Tigermücke erscheint. Kühn betritt er das Reich des Zauberkünstlers. Während dieser sitzt und sinnt, wie viel saure Moskitos er wohl heute schlucken kann und ob die Rechnung aufgeht, emsig Bilder ausgibt und einsteckt, schrecken die Schritte Ya Pas ihn auf.
nach denDie Moskitos, die keine Figur ergattert haben, weil sie zu langsam waren, und somit vom Kauf entlastet sind, verlassen lärmend die Vorstellung. Die scheinheiligen Mücken, die so tun, als hätten sie keine Figur abbekommen, noch kein Bild gekauft und kein Verdienst erworben haben, wagen nicht laut zu lachen. Die echten Sauermücken aber, die 25 Kyat ausgegeben haben, sind nu  Worten des Zauberkünstlers wahre Menschen von Jambudipa geworden, und obwohl sie im Innern kochen, geben sie sich gelassen.
„Hallo Chef, was gibt’s?“
„Ich habe keine der Figuren bekommen, die Sie verteilt haben. Aber ich möchte die Bilder der beiden Erlöser kaufen und mit ihrer Verehrung Verdienst erwerben.“
Ha, toll! Ist das eine Anopeheles-Mücke mit malariavernebeltem Gehirn? Das ist eine gute Gelegenheit. Solche Mücken mit Weltverstand sucht die Maschine. Auf ins Finale!
„Seht ihr! Das ist keiner, der wie ihr die Figur umsonst erhalten hat. Sondern einer, der bewusst nach Verdienst strebt, weil er die Bilder der Erlöser gesehen hat und sie zutiefst verehrt. Hier, mein Lieber, eine Figur, zwei Verse, nimm sie umsonst. Die Bilder aber erwirb gegen Geld. In Ordnung? Also, hört und seht, 350 Einnahme, also nur 14 Leute. Wo sind die 61, nein, 71 anderen? Ich habe euch mit Barmherzigkeit und unter Mühen Wissen, Besitz gegeben, euch mit Gewalt ins Himmelreich gehoben. Zu kalt, sagt ihr, und möchtet runterspringen. Möchtet ihr kein Verdienst mehr erwerben? Sogar ein Unbeteiligter, der gar keine Chance hatte, hat die Bilder gekauft. Schämt ihr euch denn nicht? Seid ihr nicht ehrlich? He, Bursche, verteile, mach’s genau!“
Eben eine Moskitofangmaschine. Tourt hoch. Mit steigender Anziehungskraft entrichten 20-30 fast ausgereifte Moskitos ihren Obolus unter krampfartigen Zuckungen.
„Kurz vor Ende der Vorstellung möchte ich euch noch etwas auf den Weg geben. Diejenigen, die Figur und Bilder erhalten haben, sollen voll Vertrauen sein, wie ich schon sagte. Ihr seid jetzt vollwertige Menschen, werdet nicht nur der Schlangen Herr, sondern aller giftigen Lebewesen. Die Magie schützt euern Körper und sichert das Liebesglück.

Denkt aber dran: Geht nie unter einer Leine hindurch, auf der Htameins hängen! Schultert nicht den Sarg anderer Leute, abgesehen von eigenen Familienangehörigen! In Ordnung … Das war’s eigentlich. Drückebergern aber wird der ganze Körper jucken, sobald sie zu Hause sind. Genau sieben Tage lang werden sie jede Nacht den Albtraum haben, von einer Kobra oder anderen Schlange gebissen zu werden. Und was passiert danach? Erspart mir, das zu sagen!Wenn ihr wollt, glaubt nur, dass es leere Drohungen sind. Wisst, dass ihr nicht davonkommt, selbst wenn ihr die Figur unterwegs wegwerft. Soweit dazu.“ Wie auch immer, letztendlich gibt es zwei Moskitoarten: diejenige, die sich in die Moskitofangmaschine locken lässt und gefressen wird, und die, die, in der Nähe geblieben, versucht dem Bann zu entkommen, als ihr das bewusst wird, und mehr oder minder Schaden genommen hat.Was mich betrifft – während ich nach Ende der Vorstellung grüble, dass Markthändler lebenslang solchen Sachen ausgesetzt sind, öffne ich meine Geldschatulle, für die ich noch nichts verkauft hatte. Auf dem kleinen Spiegel darin erblickte ich überall kurze Schnurrbarthaare und ein Moskito.

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