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"Yurou tu thaun-sin" von Min Lu

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Auch Meister Hpo Byaw sprach davon, dass in den Heiligen Schriften die Rede von einer Sintflut sei, und dass nur diejenigen, die Buddha, die Heiligen Lehren und die Traditionen nicht vergessen hatten, übrig bleiben würden. Weil nun einige, obwohl es gar nicht die entsprechende Zeit dafür war, zum Vollmond im Dezember Opfergaben zwecks Gefahrenabwendung darbrachten, hatte Meister Hpo Byaw ein gutes Einkommen.
Weil sich die Frauen mehr als die Männer fürchteten, hockten sie da und starrten wartend vor sich hin. Die Gruppe um Wa, Hpo Ni und Pwa Gyi nahm das zum Vorwand, traf sich in fröhlicher Runde und ließ sich bei einer Flasche Hochprozentigen wohl sein. Kurz vor zwölf wurden sie unruhig. Dann wurde es Mitternacht. In der Wachhütte, die extra aufgestellt worden war, weil es im Zwielicht Strauchdiebe geben konnte, wurde der Gong geschlagen. Auf der ganzen Welt passierte: nichts. Die Mitternachtshähne krähten „kikeriki, kikeriki, kikeriki“. Und das Siebengestirn zeigte sich, wie jede Nacht, von seiner schönsten Seite. Man konnte sich auf nichts mehr verlassen. Weil manche bezweifelten, dass die Uhren richtig gingen, warteten sie noch ein Weilchen ab. Nichts Außergewöhnliches geschah. Das Einzige, was passierte: Sie bekamen einen kleinen Schreck, weil Pway ein Pups etwas zu laut entwichen war.
In jener Nacht schlief Thi nicht bei Gyi Ngway, sondern ging nach draußen. Am Abend hatte sie ihn gefragt, ob er den Fünfziger, den sie unter der Matte versteckt hatte und der verschwunden war, genommen habe. Gyi Ngway schwor, er sei es nicht gewesen. Unter den Schwüren war auch: „Bei Buddha, möge der Blitz mich treffen, wenn ich ihn genommen habe!“ Sie befürchtete, dass sie mit getroffen werden konnte, wenn ein Blitz einschlagen sollte. Ba Nu hatte noch nicht vergessen, welche Ängste sie in jener Nacht ausgestanden hatte. Und jetzt war es wieder so: Yurou tu thaun-sin…
Während sie sich eine Teetasse herunternahm, fragte sie: „Diese Yurou tu thaun-sin, ist die schlimmer als Y2K“? Kyaw Kunt darauf: „Hä? Was redest du da? Was hat das damit zu tun?“

Da ertönte aus einer Tischrunde am anderen Ende das Lachen von Shein: „Haha, Mensch, Ba Nu, nun red’ doch nicht wie deine Freundin Hla Htone! So was Blödes! Yurou tu thaun-sin, da ist ein Auto mit gemeint!“„Was denn für’n Auto??“„Na ja doch! Der Wagen, der den Weizen zur Fabrik von Herrn Kalabringt, ist ein E-2000, oder? Und nun Yurou tu thaun-sin, das wird jetzt wohl ein besseres Modell sein! Ist es übrigens ein Diesel oder ein Benziner? Hey, Kyaw Kunt!“„Oje, Shein, was du da erzählst, das wird ja immer schlimmer. DieYurou tu thaun-sin, das ist ein Fußballturnier!“
Als er das Wort „Fußballturnier“ vernahm, blickte der Nanbrot backende Pa Tay blitzartig herüber. Weil Fußball das war, was er außer Ba Nu am meisten liebte, musste er einfach zuhören. Er eilte zum Tisch von Kyaw Kunt und den anderen. „Sprich weiter!“
„Na ja. Das stand in der Zeitschrift von meinem Chef Gyi Wun. Yurou tu thaun-sin ist die europäische Fußballmeisterschaft!“
„Macht Brasilien auch mit? Dann treffen sie wieder auf Frankreich!“, warf Pwa Gyi ein.
„Wie können die bei Europa mitmachen?! Brasilien, das ist doch Afrika!“, verbesserte Pa Tay.
Hpo Ni fragte: „Wieso Afrika? Das ist Südamerika!“
Gerade, als Kyaw Kunt antworten wollte, meinte die neben ihm stehende Ba Nu: „Oh, was riecht denn da? Da brennt was an! Pa Tay– was hast du gemacht?“
„Ah ja, stimmt ja! Ich hab Nanbrot in den Ofen getan und es vergessen… Geh doch mal schnell!“
Ba Nu warf ihm einen schiefen Blick zu und rannte zum Ofen. „Los, erzähl’weiter!“ – „Es spielen die Topmannschaften Europas, die sich in der Qualifikation durchgesetzt haben.“
„Ist auch Manchester United dabei?“, fragte Shein herüber. Er kannte die Mannschaft von Manchester, weil er sie schon malim Fernsehen gesehen hatte.

 

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