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"Yurou tu thaun-sin" von Min Lu

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„Ach was, das hier ist viel mehr als die Premier League! Dort treten Clubs aus einem Land an. Die Euro 2000 ist aber ein Wettkampf von Nationalteams, so wie bei uns der Asienpokal oder die Südostasienspiele.“
„Wann geht’s los?“
„Nächsten Monat.“
„Dann ist es ja nicht mehr lange hin.“
„Genau. Das wird ein ganz großes Turnier.“
„Welche Länder sind denn dabei?“
„Viele, viele! Aber Titelchancen haben nur Holland, Frankreich, Deutschland, Italien und England.“
„Zeigen sie’s im Fernsehen?“
„Es heißt ja. Aber ob live oder was, keine Ahnung.“
„He, du, hast du die Zeitschrift mit? Lass mal reinschauen!“
„Klar hab ich sie mit. Ich hab’ sie extra eingesteckt, damit wir alle lesen können“, sagte Kyaw Kunt und holte die Zeitschrift unter seinem Hemd hervor.
Er legte sie auf den Tisch, und sie lasen alle gemeinsam.
Shein sagte: „Lies mal laut vor, dass wir das auch mitkriegen!“
Pwa Gyi, der die lauteste Stimme hatte, las vor. In der Woche darauf brachte Kyaw Kunt wieder die Zeitschrift von seinem Chef mit. Außerdem sammelte Pa Tay von den Fußballfans Geld und kaufte in der Buchhandlung am Markt Sportmagazine. Reihum wurde gelesen und diskutiert. Sie spekulierten darüber, wer gewinnen würde. In jenen Tagen war es im Le’pe’yei-hsain so, als ob es kein anderes Thema mehr gäbe außer Fußball.
Während sie Luftfußball spielten, gab es da einen, der aus der Euro 2000 Profit schlagen wollte. Das war Sagalay aus dem anderen Viertel. Er verbreitete über seinen Gehilfen Kyet Kaung die Nachricht, dass man mit Fußballwetten zu ihm kommen solle, er werde sie annehmen. Die von vielen ersehnte Euro 2000 hatte begonnen. Der Fernsehsender Myawady übertrug sie für die Fußballfans, aber nicht live. Das Spiel eines Abends wurde am folgenden Nachmittag um viertel nach vier gezeigt.

Das wussten einige nicht. Sie dachten, dass das, was am Nachmittag gezeigt wird, eine Live-Übertragung sei. Sie wussten auch nicht, dass es eine Zeitverschiebung zwischen Asien und Europa gibt. Dies machte sich Sagalay zunutze. Die Spielergebnisse des Vorabends brachte er am nächsten Morgen auf dem Markt in Erfahrung.
Er wusste, dass auf dem Markt Leute aus der Stadt waren. Wenn er die Ergebnisse hatte, öffnete er die Bank für die Nachmittagsspiele. Zum Beispiel gab es beim Spiel Portugal gegen England viele, die glaubten, dass England gewinnen würde. In Wirklichkeit aber gewann Portugal. Weil er das vorher wusste, tippte er auf Portugal im Gegensatz zu den Leuten, die auf Unentschieden oder Niederlage setzten. Die England-Fans hielten mit Macht dagegen. Auf diese Weise machte Sagalay guten Gewinn.
Ein, zwei Tage kam er damit durch. Dann wurde bekannt, dass er die Leute betrog, und sie beschwerten sich lautstark. Sie forderten ihren Wetteinsatz zurück. Sagalay lehnte spöttisch ab.
„Ha, an meinem Haus ist nicht mal eine Satellitenschüssel. Wie hätte ich die Ergebnisse vorher wissen sollen? Ich hab’das Spiel wie ihr erst am Nachmittag darauf gesehen! Und wie ich beim englischen Führungstor gesagt habe: „Das war’s!“, und ganz fertig war, das habt ihr doch selbst gesehen?!“

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