Suche innerhalb von reisebuch.de

"Yurou tu thaun-sin" von Min Lu

<<< Vorherige Seite

Maung Wa sagte: „Was auch geredet wird – mir gefällt die jugoslawische Mannschaft.“ Kyaw Kunt wandte ein: „Aber sie spielen ein bisschen brutal.“
„Ach, das ist Fußball. Da wird gestoßen und gekämpft. Das ist kein Theaterspiel. Da sieht man nicht, dass der Ball nach hinten gegeben wird. Schau dir mal die Nr. 9 der Jugoslawen an – der ist gut! Der läuft, der stürmt nach vorn. Mir gefällt das, wenn ein Stürmer so mutig durchgeht.“
„Klar ist der gut. Dieser Milo?sevi´c ist doch auch der jugoslawische Präsident“, fiel ihm Pwa Gyi ins Wort.
Kyaw Kunt darauf: „Was? Sag’mal… Red keinen Unsinn! Spielt der Präsident Fußball?“
„Also, na, äh, so… was ist, äh, es ist doch so, dass sie es nicht besonders mögen, wenn die NATO-Truppen ihr Land bombardieren. Deshalb, wenn sie schon nicht im Krieg gewinnen, kommen und spielen sie unter Führung des Präsidenten höchstpersönlich, damit sie wenigstens beim Fußball gewinnen können.“
„Kann nicht sein. Wer hat dir das erzählt?“
„Pa Tay sagt das.“
Als sie zu Pa Tay, der gerade Tee machte, hinüberblickten, rief dieser mit einem breiten Grinsen: „Ich hab in der Zeitung gelesen, dass der Präsident so heißt wie der Fußballer. Da dachte ich, es könnte ja sein…“
Währenddessen kam Shein in den Laden. Er zog sich einen Schemel heran und setzte sich: „Also, ich bin für die Holländer.“
Shein versuchte wie alle anderen englische Fußballbegriffe zu benutzten. Deshalb redete er mit, indem er Englisch unter seine Worte mischte. Die Aussprache stimmte allerdings selten.
„Holland“ nannte er „Ollan“, „Germany“ „Sameni“, „Bergkamp“ „Berkin“ und „Schmeichel“ „Sein-mai-ke“. Als er hörte, dass andere die Ecken „Corner“ nannten, sagte er: „Auf dem Platz ist niemand so gut wie Berkin.“ Wenn er sah, dass im Spiel der Linienrichter ein Abseits nicht anzeigte, schrie er, weil er „man in out“ nicht sagen konnte: „Ha, baingtaung, baing-taung! Hat der mit der Lizenz das nicht gesehen? Gib sie zurück!“

Auch jetzt, als Shein sagte, Holland sei seine Lieblingsmannschaft, sagte Maung Wa: „Wie können die Holländer gut sein? Gegen die Tschechen haben sie alles geben und dann Glück gehabt, dass sie per Strafstoß gewonnen haben.“
Darauf Shein: „Was weißt denn du? Holland hat sich absichtlich zurückgehalten, die sind nicht aufs Ganze gegangen. Die haben ihre guten Leute nicht eingesetzt, sondern mit Ersatzteilen gespielt.“
Kyaw Kunt gab zurück: „Ach, du! Mit Ersatzteilen spielen – hier geht’s doch nicht um Autos! Nachher hat auch Raza noch mitgespielt…“
„Hey, Raza bei einer europäischen Mannschaft! Das ist ’ne Europameisterschaft,wie können da Inder mitmachen?“
„Was? Was sagst du?“ „Du hast Raza gesagt! Der indische Altstoffhändler in unserem Stadtteil heißt doch Raza, oder?“
Da konnten Po Ni, Pa Tay und die anderen nicht mehr an sich halten und wieherten los. Wie die Erwachsenen sich über Fußball unterhielten, so richteten auch die Kinder ihre Aufmerksamkeit auf den Fußball. Sie begnügten sich aber nicht wie die Erwachsenen mit Luftfußball, sondern spielten wirklich. Sie teilten sich in zwei Mannschaften auf und benannten sie nach ihrem jeweiligen Lieblingsland. Auch sich selbst gaben sie die Namen bekannter Fußballer. Einige sagten: „Wem ähnelst du, was spielst du?“ Und weil sie die Namen einiger Fußballer nicht aussprechen konnten, gaben sie sich eigene Bezeichnungen. Fabien Barthez nannten sie „Pinzette“, Patrick Kluivert „Bäuchlein“, Zinedine Zidane „Tonsur“, Nicolas Anelka „indischer Wasserträger“ und so weiter. Die Leute stimmten nicht immer mit den Ländern überein. So konnte „Schnauzbart“ David Seaman Torwart der französischen Mannschaft sein und Edgar Davids, die „Brillenkatze“, inder deutschen Mannschaft. In ihrer Sprache stimmte das so.

 

Nächste Seite >>>