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"Yurou tu thaun-sin" von Min Lu

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„Man sagt, dass der französische Torwart myanmarisches Blut hat. Als er jung war, ist er mit seinen Eltern nach Frankreich gegangen, und deshalb darf er jetzt mitspielen. Genau! Weil er myanmarisches Blut hat, hat er auch einen myanmarischen Namen. Sieh doch, er heißt Ba Thet!“
Der weltbekannte französische Torwart Barthez war zu Ba Thet, einem der ihren, geworden. Es wurde spekuliert, dass er des Turniers wegen das Kloster verlassen hatte und Fußballer geworden war. Nyan Sein, der keine bestimmte Mannschaft anfeuerte, war mal für die einen und mal für die anderen. Er war der Torwart der Stadtteilmannschaft.
Deshalb gefiel ihm der portugiesische Torwart, der clever und sicher hielt. Aber er war nicht einseitig für die Portugiesen. Er befürchtete, dass er bei einer Niederlage der Portugiesen genauso enttäuscht wäre wie die Jungs auf dem Platz, die mit so viel Einsatz gespielt hatten. Auch bei den Franzosen überkam ihn Mitleid, weil es peinlich wäre, als Weltmeister zu verlieren. Wenn im anderen
Spiel aber die Niederlande verlören, würden sie nicht mehr erhobenen Hauptes vor die Zuschauer treten können. Und würden die Italiener verlieren – wie würden sie mit dieser schwierigen Situation umgehen? Er konnte sich in alle Mannschaften hineinversetzen und deswegen nicht sagen, wer weiterkommen und wer verlieren sollte. Als dann wirklich gespielt wurde, erhielt Frankreich gegen die Portugiesen kurz vor Ende der Spielzeit einen Elfmeter und gewann. Damit war niemand einverstanden. Es wurde kritisiert, dass die reichen Franzosen den Schiedsrichter großzügig bestochen hätten. Selbst die Leute, die Fans von Barthez gewesen waren, sagten, dass sie mit so einer krummen Aktion nicht gewinnen wollten.
Im nächsten Match spielten die Italiener mit vollem Einsatz. Damit war man zufrieden. Dass Holland den Heimvorteil gegen andere Mannschaften überstrapaziert hatte, daran zweifelte kaum jemand. Die Italiener spielten mit Disziplin und waren so die Favoriten der Zuschauer geworden.
Im Finale trafen sich Frankreich und Italien. Fast alle sagten, sie seien für Italien. Die italienische Mannschaft hatte sich im Halbfinale gegen die Niederländer mit ihrem leidenschaftlichen Einsatz in die Herzen der Zuschauer gespielt. Weil außerdem die meisten italienischen Spieler gut aussahen, waren auch die Frauen auf ihrer Seite. Das letzte Finale wurde live im Fernsehen übertragen, deshalb warteten sie gespannt. Das Spiel würde in der Nacht um 0:30 Uhr beginnen. Einige hatten vor, früh schlafen zu gehen und dann noch einmal aufzustehen. Weil sie aber so aufgeregt waren, fanden sie keinen Schlaf.
Pa Tay hielt mit dem Sonderprogramm den Le’pe’yei-hsain bis spät in die Nacht geöffnet. Die meisten Leute tranken Tee, redeten und warteten. Auch das weibliche Publikum hatte sich an diesem Abend im Le’pe’yei-hsain versammelt. Einige hatten ihre Kinder dabei. Als es spät wurde, legten sich die Kinder in den Vorraum von Pa Tays Haus und schliefen.

„Sag mal! Wie kommen die bloß darauf, das Finale auf nach Mitternacht zu legen?“, fing Hla Htone an. Ba Nu: „Na, sie werden es wohl auf Mitternacht gelegt haben, weil es ein Finale ist und sie fürchten, die vielen Leute nicht unter Kontrolle zu bekommen.“
Meister Hpo Byaw bemerkte: „Das stand so in den Sternen.“ Gyi Ngwe aber machte eine Geste, er müsse das richtig stellen, und warf mit einem Räuspern ein:
„Das ist so: Auf der Welt sind doch die Zeiten von Land zu Land unterschiedlich. Bei uns im Osten ist es früher. Bei ihnen später.“
„Wenn es bei uns früher Mitternacht ist, dann müssten sie da, wo’s später ist, ja hellen Tag haben“, warf Pway, die das nicht verstand, ein. Gyi Ngway: „So stimmt das nicht. Wenn’s hier Mitternacht ist, ist es bei ihnen früher Abend.“
„Sie sind also später dran…“
„Wieso ist die Sonne bei ihnen später, ist sie langsamer?“
„Nein, äh…“

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