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Lois Pryce, Mit 80 Schutzengeln durch Afrika - Die verrückteste, halsbrecherischste, schrecklich-schönste Reise meines Lebens

Kategorie: Reisebücher des Monats ǀ

Im Alter von 30 Jahren schmeißt die britische Journalistin Lois Pryce ihren gutbezahlten Job bei einem britischen Radiosender hin, macht ihre 225er Enduro reisefertig und erfüllt sich ihren lange gehegten Traum von Reisen und Abenteuern mit dem Motorrad. Das starke Fernweh ließ sich allerdings nicht so einfach stillen, ganz im Gegenteil. In ihrem neuesten, in deutscher Sprache erschienenen Buch erzählt sie von ihrem Solo-Trip durch den schwarzen Kontinent, 15.000 km von Tunis nach Kapstadt.

Als Frau mit dem Motorrad durch Afrika; (c) Dumont

„Wenn es einen Kontinent gibt, für den ich nicht gemacht bin, dann ist es Afrika.“, sagt Lois Pryce. Als weiße Frau allein auf einem Motorrad durch Länder zu fahren, denen es zum Teil nicht nur an touristischer Infrastruktur fehlt, sondern auch an der notwendigen Sicherheit, weckte sogar bei ihrem ebenfalls reiseerfahrenen Ehemann zunächst arge Zweifel. Die andere Sache war das mörderische Klima, das sie erwarten würde. Mit einem blassen Teint in Motorradkluft den Unbilden des Wetters ausgeliefert zu sein, vor allem Sonne und Hitze, endete bereits bei einem kurzen Sahara-Trip in Marokko als Desaster. Und obwohl sie sogar auf einer heimischen Sonnenbank einen Hitzschlag erleidet, wird ihre Faszination für Afrika immer stärker, der schwarze Kontinent war ihr buchstäblich unter die käsige Haut gegangen.

Vier Monate dauert ihre lange Reise durch Afrika, die in der tunesischen Hauptstadt Tunis beginnt und durch elf afrikanische Länder führt. Sie bewältigt sengende Sonne und strömenden Regen, Sand- und Schlammpisten, entsetzliche Straßenzustände und fragwürdige Übernachtungsplätze. Der englische Originaltitel ihres Buches lautet „Red Tape and White Knuckles“, was so viel heißt wie „Bürokratie und weiße Knöchel“. In der Tat macht ihr die Bürokratie bei jedem Grenzübergang erneut zu schaffen.

Oft ist sie hin- und hergerissen zwischen Freude, Zweifel und Angst. Im von Krieg und Unruhen geschüttelten Kongo, wo die Menschen den Frieden verlernt zu haben scheinen, verfolgen sie grauenhafte Bilder. In Angola, wo Landminen noch heute ihre Opfer finden, ist sie sich dieser Gefahr bei jedem nicht zu vermeidendem Meter, den sie abseits der Piste fährt, voll bewusst. Doch nach endlosen, abenteuerlichen Wochen steht sie am Kap der Guten Hoffnung, dem Ziel ihrer Reise.

Dass Lois Pryce fesselnd schreiben kann, hat sie bereits mit früheren Reiseberichten unter Beweis gestellt. In „Vollgas - Eine Frau, ein Motorrad, 20.000 Meilen Abenteuer“ (deutsche Ausgabe vergriffen) beschreibt sie ihre erste große Reise im Alleingang von Alaska im äußersten Norden bis nach Feuerland ganz im Süden des amerikanischen Kontinents. „Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren – Was passierte, als ich es trotzdem tat“ handelt von ihrer Fahrt durch das Land im Nahen Osten, die mit einem Zettel an ihrem Motorrad in London begann.

Für die meisten Menschen in unseren Breiten besteht der afrikanische Kontinent oft nur aus den Reiseländern im Norden, Osten und Süden. Der überwiegende „Rest“ entzieht sich unserer Kenntnis, taucht bestenfalls mal in den Nachrichten auf. Lois Pryce erlebte einige von diesen Ländern und schildert sehr eindrucksvoll, wie sie das Land und seine Menschen erlebt hat. Der Bericht ihrer Afrika-Reise liest sich spannend wie ein Krimi, kribbelnde Gänsehaut inbegriffen.

Das Buch enthält einen Block mit 38 Farbfotos, die das von ihr Er-Fahrene zusätzlich unterstreichen. Leider ist die Reihenfolge der Bilder ein völliges Durcheinander, so als sei noch nicht einmal der Versuch gemacht worden, sie in der Reihenfolge der Reise zu sortieren. 

Lois Pryce, Mit 80 Schutzengeln durch Afrika -Die verrückteste, halsbrecherischste, schrecklich-schönste Reise meines Lebens, Taschenbuch 412 Seiten, Dumont, 14,99€