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Ökologie und Umwelt auf Mallorca

Typischer Olivenhain auf Mallorca; pixabay CC0


Umweltschutz ist auf Mallorca kein Fremdwort. Die Insel besitzt diesbezüglich sogar eine – in Spanien – führende Position. Das klingt zunächst erstaunlich. Denn die Bausünden und die damit einhergegangene Zerstörung der Natur sind rund um die Insel offensichtlich.

Naturschutz

Andererseits gibt es erhebliche Erfolge. So verhinderte die GOB, wie sich die Umweltschutzorganisation auf Mallorca nennt, u.a. die Bebauung hinter dem Strand von Es Trenc und sorgte sogar für die Aufdeckung eines riesigen Immobilienskandals.

 

Ein vielleicht noch größerer Erfolg war die Freigabe der Insel Cabrera vor der Südostküste Mallorcas durch das Militär. Über Jahrzehnte hatte sie als Manöverterritorium gedient, aber nach jahrelangem Tauziehen wurde diese Nutzung höchstrichterlich untersagt und Cabrera zum Nationalpark erklärt.

Auch der noch relativ neue Naturpark Mondragó an der Ostküste bei Portopetro wäre ohne die Umweltschützer wohl nicht zustande gekommen, vielmehr die malerische Bucht zugebaut worden wie der kleine nördliche Nachbar Cala Barca.



Dass es zur »Umfunktionierung« der Vogelinsel Dragonera in eine Luxusurbanisation mit Yachthafen und allen Schikanen nicht kam, ist ebenfalls der einst in erster Linie ornithologisch orientierten Umweltschutzgruppe zu danken. Dragonera bleibt wie sie ist – unbewohnt.

Mittlerweile haben sich Inselregierung und viele Gemeinden den Umweltschutz auf die eigenen Fahnen geschrieben, nicht zuletzt im Sinne einer Zukunftssicherung der Attraktivität Mallorcas. Sichtbar positive Auswirkungen sind z. B. Rückbaumaßnahmen im Straßennetz der Urlaubsorte und Abriss von »Schandflecken« an der Bucht von Palma.

Umweltschutz

Um die Umweltbemühungen weiter zu intensivieren, führte die Balearenregierung 2002 eine Ökoabgabe, die sog. »ecotasa«, auf Übernachtungen ein. Die spülte zwar ein gutes Jahr lang Millionen in den Staatshaushalt, wurde aber als eine ungerechtfertigte Sondersteuer für Touristen bekannt. Die Nachfolgerregierung schaffte die ecotasa wieder ab, als diese tatsächlich einen Einbruch – speziell bei den Urlauberzahlen aus Deutschland – bewirkte.

Um Touristen wie einheimische an der Finanzierung von Umweltprojekten zu beteiligen, hat man sich später die »Grüne Karte« ausgedacht, deren Erwerb für €10 freiwillig ist. Mit dem über Jahre kontrovers geführten streit über die ecotasa gelang es immerhin, das Thema »Umweltschutz« in der öffentlichen Diskussion zu halten. Den Problemen der Wasserversorgung bzw. des Umgangs mit dieser auf Mallorca knappen Ressource, der Abwasserbeseitigung, der Müllentsorgung bzw. -verwertung und der Energieerzeugung/-einsparung gilt heute hohe Aufmerksamkeit. Dabei spielt auch eine Rolle, dass man den Umweltschutz als Werbeargument für Mallorca entdeckt hat.

In diesem Zusammenhang interessant ist, dass Veranstalter bei ihren Hotelbeschreibungen den Punkt »Umweltschonende Hotelführung« vermehrt als zusätzliche Kennzeichnung berücksichtigen oder den Kunden versichern, in den angebotenen Häusern auf umweltverträgliche Zustände zu achten.

Wer über Umwelt und Ökosystem Mallorcas nachdenkt, stellt sich fast unweigerlich die Frage, woher – zumal auf einer Insel – denn das Trinkwasser für nahezu 900.000 Einwohner plus – in der saisonalen Spitze – über 300.000 Urlauber kommt? Und natürlich, wo die Abwässer und der tägliche Müll bleiben.

Trink- und Brauchwasser

Die Wasserversorgung war lange ein Dauerproblem, das durch den Tourismus »nur« relativ geringfügig verschärft wurde. Mallorca verbraucht weit über 30 Mio. m³ Trinkwasser pro Jahr, wovon sage und schreibe 20% auf Verluste im maroden Leitungsnetz entfallen sollen. Vom »echten« Verbrauch holt sich die Landwirtschaft, die am Sozialprodukt Mallorcas nur noch nachgeordnet beteiligt ist, allein rund 60%, die Industrie 1%-2% und die Golfplatzbewässerung 1%. Die Bevölkerung und Touristen verbrauchen den Rest, also nur wenig mehr als ein Drittel.

Der Gesamtbedarf wird aus unterschiedlichsten »Quellen« gedeckt; dabei spielen natürliche Süßwasserressourcen heute eine wichtige Rolle (z.B. schon immer Kavernen unter Cala Rajada und die erst seit kurzem ausgebeutete Frischwasserquelle Sa Costera an der Westküste). Früher waren auch Tiefbrunnen wesentliche Lieferanten. Aber deren Wasser ist heute leicht salzhaltig und muss mit Süßwasser vermischt werden. Für den Raum Palma sind die Stauseen Cuber und Gorge Blau bedeutsam. Sie tragen aber nur nach niederschlagsreichen Wintern signifikant zur Versorgung bei. Der sichere Eckpfeiler der Wasserversorgung sind heute Meerwasserentsalzungsanlagen mit einer Kapazität von bis zu 150.000 m³/Tag, die aber nur selten voll genutzt werden.



Abwasserverbleib

Während noch in den 1970er-Jahren das Gros der Abwässer ungeklärt über oft nur wenige hundert Meter lange Rohre ins Mittelmeer floss, sind heute über 70 Kläranlagen flächendeckend in Betrieb. Der Grad der Aufbereitung ist unterschiedlich. Das meiste Klärwasser geht über kilometerlange Leitungen ins Meer. Nur ein geringer Teil kann als sog. Brauchwasser zur Beregnung von Grünanlagen und Golfplätzen genutzt werden. Immerhin spricht die alljährlich gemessene (nicht nur optisch) sehr gute Wasserqualität an allen Stränden für das erreichte Klärniveau. Weitere Verbesserungen und Kapazitätserweiterungen der Kläranlagen stehen auf dem Investitionsprogramm Mallorcas.

Zwar hat man schon vor Jahren das Problem der Abwässer von Booten erkannt, jedoch trotz neu erlassener Gesetze noch nicht gelöst.

Abfallentsorgung

Auf Mallorca entstehen heftige ca. 700.000 t Müll pro Jahr, die früher auf »wilden«, d.h. nicht fachmännisch ausgebauten und überwachten Müllkippen abgeladen wurden. Bereits seit 1996 ist die Müllverbrennungsanlage Son Reus bei Palma in Betrieb. Sie kann ca. 300.000 t jährlich verarbeiten und ermöglichte die Schließung der Kippen. Aber diese Kapazität reicht nicht, obwohl immerhin 200.000 t weiterverwertet werden können. Die restlichen ca. 200.000 t und die Verbrennungsrückstände wurden auf einer Riesenkippe (ebenfalls im Bereich Son Reus) abgelagert, dessen Kapazität aber seit 2008 erschöpft ist. Eine neu geschaffene Fläche mit 1,3 Mio t Kapazität übernimmt seither den Abfallüberschuss. Eine weitere Anlage mit 300.000 t Kapazität soll 2012 in Betrieb gehen.

In Nachbarschaft zu Son Reus entstand schon vor Jahren ein Umwelttechnologiepark, mit dessen Hilfe Trennung und Recycling der bereits in separaten Tonnen gesammelten Abfälle erfolgt. Dadurch kommt es zur oben bereits angesprochenen Verwertung von ca. 200.000 t. Der Clou sind ein Infocenter und eine vollverglaste Besucherbahn rund ums Gelände. Der Besuch ist indessen nur Gruppen nach Anmeldung möglich. Anfahrt nach Son Reus über die Straße Palma-Soller nördlich Son Sardina rechts ab (ausgeschildert).

Elektrizität

Gasturbinen bei Palma und ein kürzlich (nach Installation einer Gaspipeline vom Festland über Ibiza) auf Gas umgestelltes altes Kohlekraftwerk beim Albufera Nationalpark zwischen Sa Pobla und Las Gaviotas sorgen für die Erzeugung elektrischer Energie. Da deren Kapazität in Spitzenzeiten an ihre Grenzen stösst, wurde ein Unterwasserkabel aufs Festland verlegt, das ab 2012 etwa ein Drittel des Inselbedarfs liefert (speziell die Meerwasserentsalzung kostet sehr viel Strom).

Naheliegend wäre die Nutzbarmachung von Solarenergie; bislang blieb das aber Privatinitiative vorbehalten. Auch eine stärkere Nutzung von Windenergie wird angestrebt. Ein Renovierungsprogramm für die alten Windräder in der Ebene des Südostens läuft schon seit Jahren.

Heizung

Geheizt wird auf Mallorca entweder mit Strom, Öl oder Gas, wobei es kein Gasleitungsnetz gibt. Betreiber der noch wenigen Gaszentralheizungen benötigen einen Flüssiggastank. In vielen Häusern heizt man auch mit offen brennenden (bei uns nicht erlaubten) Einzelgasöfen, wobei das Gas aus einer Propangasflasche in Haushaltsgröße stammt. Dieselben Flaschen stehen auch in den meisten Küchen unter dem Gasherd.

Viele neue Häuser und Apartments haben einen Kamin. Das Problem dabei ist die Versorgung mit Brennholz (leña). Wenn alle Kaminbesitzer ernsthaft daran dächten, an kalten Tagen Feuer zu entfachen, gäbe es schon bald kein Holz mehr auf Mallorca. Auch so schon ist Brennholz knapp und daher extrem teuer.