Tradition und Wandel
Historisch entstanden die Würstelstände aus mobilen Garküchen, die Kriegsinvaliden eine Einkommensquelle boten. Mit der Zeit wurden sie zu festen Institutionen, die sich stets an gesellschaftliche und gastronomische Entwicklungen angepasst haben. Viele Stände sind seit Generationen in Familienbesitz und verbinden Tradition mit Innovation, etwa durch neue Produkte oder nachhaltige Angebote.
Die Würstelstandkultur findet sich in Literatur, Musik, Theater und Fotografie wieder und ist damit auch ein wichtiger Bestandteil der künstlerischen Auseinandersetzung mit Wien. Der Würstelstand ist so zu einem Symbol für Gemütlichkeit, Offenheit und das besondere Lebensgefühl der Stadt geworden.
Würstelstände dienen als niederschwellige Orte der Begegnung, an denen Menschen aller Alters-, Gesellschafts- und Bevölkerungsschichten zusammenkommen. Hier treffen sich Arbeiter, Büroangestellte, Künstler, Prominente und Touristen auf Augenhöhe – soziale Barrieren verschwinden. Die ungezwungene Atmosphäre fördert den Austausch und das Gemeinschaftsgefühl, oft begleitet vom berühmten „Wiener Schmäh“.
Die Anzahl der Würstelstände in Wien liegt heute bei etwa 120. Noch bis 2010 soll es rund 500 Würstelstände gegeben haben, doch diese Zahl ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.
Andere Quellen nennen leicht unterschiedliche Zahlen: Die Wiener Wirtschaftskammer spricht von etwa 179 Würstelständen, basierend auf einer Zählung vor der Corona-Pandemie. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zahl der traditionellen Wiener Würstelstände heute ungefähr zwischen 120 und 180 liegt, wobei die Tendenz rückläufig ist.
Dafür, dass die Zahl der Würstelstände in Wien ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist, gibt es mehrere Gründe:
Wachsende Konkurrenz: Neben klassischen Imbissständen wie Dönerbuden, Pizzaständen und asiatischen Nudelboxen haben vor allem Bäckereiketten und Supermärkte mit Warmtheken das Angebot an schnellen Mahlzeiten stark erweitert. Diese bieten oft längere Öffnungszeiten, ein breiteres Sortiment und moderne Verkaufsflächen, was zu einer sinkenden Kundenfrequenz bei den traditionellen Würstelständen führt.
Veränderte Essgewohnheiten: Die Bevölkerung in Wien isst heute bewusster und vielfältiger. Der Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung sowie zu internationaler Küche hat die Nachfrage nach klassischen Würstelstand-Angeboten reduziert.
Systemgastronomie und Fast-Food-Ketten: Große Ketten wie McDonald’s, Burger King, KFC und Subway haben ihr Filialnetz in Wien und ganz Österreich stark ausgebaut. Der Umsatz eines einzelnen Fast-Food-Restaurants liegt im Schnitt etwa beim Zehnfachen eines Würstelstands, was den wirtschaftlichen Druck auf die kleinen Stände erhöht.
Wirtschaftliche Herausforderungen: Die Corona-Pandemie, gestiegene Energiepreise und höhere Betriebskosten haben viele Standbetreiber zusätzlich belastet. Einige mussten deshalb aufgeben.
Kultureller Wandel: Mit dem Zuzug neuer Bevölkerungsgruppen und dem Wandel der Stadt verändern sich auch die kulinarischen Vorlieben. Die Würstelstände sind für viele Menschen weniger attraktiv als früher, und ihre einstige Anziehungskraft ist nicht mehr selbstverständlich.
Die Bedeutung der Wiener Würstelstände
Die Wiener Würstelstände haben dennoch einen spürbaren Einfluss auf das Alltagsleben der Wiener und sind tief im städtischen Leben verankert:
Niederschwellige Treffpunkte: Würstelstände sind Orte, an denen Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten spontan zusammenkommen – vom Banker bis zum Punk, vom Nachtschwärmer bis zur Familie. Sie fördern den sozialen Austausch und bieten Raum für Begegnungen, die sonst im Alltag selten wären.
Kulinarische Versorgung rund um die Uhr: Sie bieten schnelle, preiswerte und vielfältige Speisen – von klassischen Würsten bis zu modernen, auch vegetarischen Varianten. Besonders nachts, wenn Restaurants geschlossen sind, sind sie wichtige Anlaufstellen für den kleinen oder großen Hunger nach dem Ausgehen, Arbeiten oder Feiern.
Teil des Stadtbilds und der Identität: Die Würstelstände gehören zum typischen Wiener Straßenbild wie der Stephansdom. Sie sind Symbole der Wiener Lebensart und prägen das Stadtgefühl – sowohl für Einheimische als auch für Touristen.
Kulturelle und sprachliche Eigenheiten: Eigene Begriffe wie „Eitrige“ (Käsekrainer) oder „16er-Blech“ (Ottakringer Dosenbier) sind Teil des Wiener Sprachschatzes und stärken das Gemeinschaftsgefühl sowie die lokale Identität.
Familienbetriebe und Tradition: Viele Stände werden seit Generationen als Familienbetriebe geführt und verbinden so Tradition mit Alltagsleben. Sie sind Teil von Erinnerungen und Ritualen vieler Wienerinnen und Wiener.
Ort für Reflexion und Einkehr: Für viele ist der Würstelstand auch ein Ort, um nach einem langen Tag zur Ruhe zu kommen, sich zu stärken oder einfach zu verweilen – „Bojen im Meer der Stadt“, wie es treffend beschrieben wurde.
Zusammengefasst prägen die Würstelstände das Alltagsleben in Wien durch ihre soziale, kulinarische und kulturelle Funktion und sind für viele Wienerinnen und Wiener ein unverzichtbarer Bestandteil des täglichen Lebens.
Wiener Würstelstände – eine Auswahl
Die Palette der Wiener Würstelstände reicht von traditionellen Klassikern bis zu modernen, biozertifizierten Konzepten und kreativen Gourmet-Interpretationen: Hier sind die besten Empfehlungen für Würstelstände in Wien, die für ihre Qualität, Vielfalt und Atmosphäre sowie Nachhaltigkeit besonders herausragen.

Wiener Würstelstand
Standort Pfeilgasse 1 und Josef-Holubek-Platz am Aufgang der U4 in der Spittelau.
Dieser Stand gilt als Vorreiter in Sachen Bio- und vegane Würstel und ist der erste biozertifizierte Würstelstand Wiens. Er bietet neben klassischen Würsten auch vegetarische Alternativen wie Bio-Würstel, vegane Alternativen und kreative Snacks wie frittierte Maisstreifen. Neben klassischen Würsten gibt es kreative Spezialitäten wie vegane Bosna mit Austernpilz-Würstel und ausgefallene Snacks wie Kukuruzi Fritti.
Die Atmosphäre ist modern und familienfreundlich, mit Palettenmöbeln und sogar einem Sandkasten für Kinder. Besonders für Ernährungsbewusste und Veganer:innen ein Muss. Der Stand ist berühmt für seine gemütliche Atmosphäre mit Sitzgelegenheiten, Kinderbereich und gelegentlichen DJ-Events. Ideal für alle, die Wert auf Qualität und zeitgemäße Auswahl legen.
Würstelstand zum Hohen Mark
Mitten im Herzen der Innenstadt auf einer Verkehrsinsel gelegen, ist dieser Stand ein echter Kultort – tagsüber für den schnellen Imbiss, nachts ein Treffpunkt für Nachtschwärmer. Die Auswahl an Würsten ist riesig, inklusive Spezialitäten wie Meterwurst, Pferdeleberkäse und XL-Ho Dogs. Die große Bierauswahl und die lange Öffnungszeit machen ihn besonders attraktiv für Einheimische und Touristen.
Dieser Stand punktet mit Kultfaktor und einer einzigartigen Lage mitten in der Innenstadt. Er ist bekannt für seine langen Öffnungszeiten bis in die frühen Morgenstunden und zieht ein bunt gemischtes Publikum an. Perfekt für einen schnellen Imbiss beim Stadtbummel oder einen Snack nach dem Ausgehen.
Hermann‘s Würstelstand
Ein echter Geheimtipp im 7. Bezirk, gelegen in einer Parkhaus-Einfahrt abseits des Trubels. Hermann’s überzeugt mit freundlichem Service, einer breiten Auswahl an klassischen und veganen Würsten sowie Fassbier und einfachen Weinen. Die ungewöhnliche Lage, Sitzgelegenheiten und das entspannte Ambiente machen diesen Stand besonders bei Einheimischen beliebt.
Würstelstand Leo ist eine echte Institution in Wien und gilt als der älteste Würstelstand der Stadt. Gegründet wurde er 1928 von Leopold Mlynek sen., nachdem er bereits seit 1918 mit einem fahrbaren Stand unterwegs war. Heute befindet sich der Stand am Döblinger Gürtel 2, 1190 Wien, Ecke Währinger Gürtel. Seit 1991 wird der Stand von Vera Tondl, geborene Mlynek, in dritter Generation geführt. Mit freundlicher Atmosphäre, Familienfreundlichkeit und langer Tradition ist Leo ein Muss für Würstelstand-Fans. Berühmte Stammgäste wie der ehemalige Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky gehörten ebenso zur Kundschaft wie viele Nachtschwärmer und Prominente aus Kultur, Medien und Politik
Die Speisekarte umfasst über 60 Speisen, darunter auch vegane Alternativen wie vegane Currywurst und Gourmet-Hot Dogs. Es gibt saisonale Spezialitäten, etwa Wildschweinleberkäse, und auf Wunsch zu jeder Speise eine Salatgarnitur ohne Aufpreis.
Leo ist besonders bekannt für die legendäre Käsekrainer, vor allem die Riesenkäsekrainer „BIG MAMA“ mit über 0,5 kg Wurst, serviert mit hausgemachten Saucen, Gebäck und pikanten Beilagen.
Wiener Würstelstand Zum Kaiser (/Krugerstr./Kärntnerstraße)
Zum Kaiser bezeichnet sich selbst alsden besten Wiener Würstelstand mit Tradition und Geschmack. Seine Kaiserwürstel zeichnen sich vor allem durch ihre hohe Qualität und Frische aus. Sie werden mit Würsten vom renommierten Fleischer Franz Krainer zubereitet, was für beste regionale Zutaten und handwerkliche Herstellung steht. Zudem werden die Würstel frisch gegrillt und mit traditionellen Beilagen wie Senf und gehobeltem Kren (Meerrrettich) serviert, was den authentischen Wiener Geschmack unterstreicht.
Ein weiterer besonderer Aspekt ist die Atmosphäre am Würstelstand Zum Kaiser: Hier trifft man nicht nur auf exzellentes Essen, sondern auch auf freundlichen, authentischen Service und ein gemütliches, typisches Wiener Ambiente. Der Stand ist ein sozialer Treffpunkt, an dem man das Wiener Lebensgefühl erleben kann – ein Ort, an dem man verweilt, lacht und das Stadtleben beobachtet.
Ein zusätzliches Highlight sind die legendären Kaiser Pommes, die hausgemacht, knusprig und mit einer geheimen Gewürzmischung verfeinert sind. Diese Kombination aus hochwertigen Würsteln und besonderen Beilagen schafft ein Geschmackserlebnis, das Zum Kaiser in Wien besonders macht. Alternativ dazu gibt es natürlich eine Kaisersemmel.
Würstelstand – Zum scharfen René
Der Würstelstand „Zum Scharfen Rene“ befindet sich am Schwarzenbergplatz 15, 1010 Wien (Innere Stadt).
Als Gourmet-Würstelstand bekannt, begeistert Zum scharfen René mit hochwertigen Würsten, scharfen Chili-Mischungen, die zu den schärfsten in Wien zählen, und hausgemachter Currysauce. Der Betreiber bringt Erfahrung aus der Spitzengastronomie mit. Wer es scharf und kreativ mag, ist hier richtig – auch die Atmosphäre ist trendig und einladend.

Zum Goldenen Würstel
Steht am Graben und bietet eine Auswahl an traditionellen Wiener Würsteln, darunter auch sehr beliebte Käsekrainer, die frisch und gut zubereitet werden. Der Stand ist bis spät in die Nacht geöffnet (bis 4:00 Uhr). Das Ambiente ist eine moderne und zugleich stilvolle Interpretation der klassischen Wiener Würstelstandkultur, mit einem Marmortresen, der im Winter beheizt wird, und einem kühlenden Sprühnebel im Sommer. Die Lage im historischen Zentrum und die hochwertige Gestaltung machen den Stand auch architektonisch bemerkenswert.
Die Bewertungen sind gemischt: Viele loben die Qualität der Würste und den Geschmack, während einige kritisieren, dass die Würste manchmal nur lauwarm serviert werden und die Preise vergleichsweise hoch sind.
Bitzinger Würstelstände (Albertinaplatz & Riesenrad)
Diese beiden Stände zählen zu den bekanntesten in Wien. Sie bieten nicht nur Klassiker wie Bosna, Hot Dog und Käsekrainer, sondern auch eine Auswahl an Fassbier, Weinen und sogar Champagner. Die zentrale Lage, das breite Angebot und die lange Öffnungszeit machen sie besonders beliebt bei Touristen und Nachtschwärmern.
Der grüne Hase auf dem Dach des Bitzinger Würstelstandes in Wien ist ein optisch signifikantes Merkmal, das dem berühmten Aquarell „Feldhase“ von Albrecht Dürer nachempfunden ist. Dieses Werk von Dürer wird in der benachbarten Albertina ausgestellt, was die Verbindung erklärt.
Der Hase ist also nicht nur ein auffälliges Werbesymbol, sondern auch eine kulturelle Referenz zur Kunstsammlung in unmittelbarer Nähe. Zusätzlich ziert neben dem Hasen eine Moët-&-Chandon-Champagnerflasche das Dach, da Bitzinger der einzige Würstelstand in Wien ist, der auch Champagner im Angebot hat, was besonders bei Veranstaltungen wie dem Opernball geschätzt wird.
Extra Würstel (Taborstraße)
Extra Würstel überzeugt mit einem hochwertigen, modernen Angebot, darunter kreative Spezialitäten wie Kimchi Bosna sowie vegetarische und vegane Optionen. Der Stand wurde 2024 als einer der beliebtesten Wiens ausgezeichnet und spricht besonders Genießer an, die Neues probieren möchten.
Alles Wurscht, Börseplatz 1 direkt am Hermann-Gmeiner-Park
Hier wird Würstelstand-Kultur neu interpretiert: Neben klassischen Würsten gibt es hausgemachte fermentierte Beilagen wie Kimchi, Trüffelpommes oder sogar Beef Tartare, Calamari fritti und Wildschweinleberkäse. Der Betreiber ist Haubenkoch, was sich in der Qualität widerspiegelt. Perfekt für alle, die außergewöhnliche Standgerichte suchen und Lust auf Würstelstand mit Gourmet-Note haben.
Alles Wurscht hebt sich deutlich von klassischen Wiener Würstelständen ab: Hier stehen Regionalität, Nachhaltigkeit und höchste Produktqualität im Mittelpunkt. Die Würste, Beilagen wie Pommes, Senf, Ketchup, Semmeln und Gurkerln stammen alle aus regionaler und nachhaltiger Produktion und sollen laut Betreiber Sebastian Neuschler „die Gäste in die unverfälschten Geschmackserlebnisse ihrer Kindheit entführen“. Das Motto: „… weil nicht alles Wurscht ist.“
Würstelstand zum Hohen Markt
Mitten in der Innenstadt auf einer Verkehrsinsel steht dieser legendäre Würstelstand. Er ist bekannt für seine langen Öffnungszeiten und das bunte Publikum – hier treffen Banker auf Nachtschwärmer. Das Angebot reicht von klassischen Würsten bis zu kleinen Snacks. Vorteil: Perfekt für einen schnellen Imbiss beim Stadtbummel oder nach dem Ausgehen.
Würstelstand am Südtiroler Platz
Dieser Stand ist besonders beliebt für seine große Auswahl und die freundliche Atmosphäre. Hier gibt es neben den Klassikern auch vegane Würste und kleine Snacks. Viele Gäste schätzen die gemütliche Stimmung und die Möglichkeit, auch spät abends noch etwas zu essen. Nachteil: Nur Barzahlung möglich.
Kaiserzeit Würstelstand Augartenbrücke/Obere Donaustraße
Der Kaiserzeit Würstelstand bietet neben traditionellen Würsten (natürlich mit Kaiser-Semmel) auch regionale Spezialitäten wie prämierte Blutwurst, Gulaschsuppe und sogar Fischsemmeln. Hier gibt es auch tschechisches Bier. Der Stand ist bekannt für seine Qualität und die zentrale Lage nahe dem Augarten und Donaukanal. Die gemütliche Atmosphäre und das vielfältige Angebot machen diesen Stand besonders attraktiv für alle, die Wiener Klassiker in bester Qualität genießen möchten.
Wiener Würstel – Parade

Typische Wiener Würstel sind Klassiker wie die Käsekrainer, Burenwurst (Klobasse), Frankfurter oder Debreziner, die meist mit Senf, Kren (Meerrettich) und einer Semmel serviert werden. Besonders beliebt ist auch die sogenannte „Eitrige“, eine Käsekrainer, die mit reichlich Senf und manchmal sogar mit einer Portion Sauerkraut gegessen wird.
Die Würstelstände sind nicht nur ein Ort für den schnellen Imbiss zwischendurch, sondern auch ein Treffpunkt für Nachtschwärmer, denn viele Stände haben bis spät in die Nacht geöffnet. Hier treffen sich Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, um eine Kleinigkeit zu essen, zu plaudern oder einfach das bunte Treiben zu beobachten. Die Atmosphäre ist unkompliziert und herzlich, und oft kommt man mit anderen Gästen ins Gespräch.
Neben den klassischen Würsteln gibt es an vielen Ständen auch Leberkäse, Bosna oder Hot Dogs. Die Auswahl an Getränken reicht von Limonaden über Bier bis hin zu Mineralwasser. Ein Besuch am Würstelstand ist für viele Wienerinnen und Wiener ein Stück gelebte Tradition und für Besucher eine authentische Möglichkeit, die Stadt und ihre Menschen kennenzulernen.
Das Wiener Würstel
Das außerhalb von Wien bekannteste Wiener Würstchen, Würstel oder auch Wienerle heißt in Wien Frankfurter, und das kam so:
Es heißt, dass das Wiener Würstel von Johann Georg Lahner erfunden wurde. Er war ein Metzger aus Deutschland, genauer gesagt aus Franken. Lahner lernte das Metzgerhandwerk in Frankfurt am Main. Später zog er nach Wien, wo er im Jahr 1804 eine eigene Fleischerei eröffnete.
In Frankfurt durfte man damals Würste nur aus Schweinefleisch machen. In Wien war das anders: Dort konnte Lahner Schweinefleisch und Rindfleisch mischen. Er nahm also beide Fleischsorten, gab Speck und Gewürze dazu und füllte die Masse in einen dünnen Schafsdarm. Die Würstel wurden leicht geräuchert und dann erhitzt.
Am 15. Mai 1805 verkaufte Lahner zum ersten Mal diese neuen Würstel in Wien. Er nannte sie „Frankfurter“, weil er an seine Lehrzeit in Frankfurt dachte.
Die Würstel waren schnell sehr beliebt. Sogar der Kaiser von Österreich ließ sich die Würstel bringen. Auch berühmte Leute wie Franz Schubert und Johann Strauß aßen sie gern. Später wurden die Wiener bzw. Frankfurter Würstel auch in anderen Ländern bekannt, zum Beispiel auf Weltausstellungen in Paris und Chicago.
Man isst sie meistens warm, aber nicht kochend heiß, mit etwas Senf.
Übrigens: der Name Frankfurter Würstel hat sich in Wien bis heute erhalten. In der Gastronomie reicht bei der Bestellung allerdings schon „Würstel“, und alles ist klar.
In Deutschland ist der Begriff „Frankfurter Würstchen“ seit etwa 1860 als geografische Herkunftsbezeichnung geschützt und darf seit 1929 nur für Würstchen verwendet werden, die tatsächlich aus dem Raum Frankfurt am Main stammen.
Lahners Variante, die in Wien entstand und Rindfleisch enthält, durfte in Deutschland daher nicht als „Frankfurter Würstchen“ verkauft werden. Stattdessen wurde sie nach ihrem Entstehungsort „Wiener Würstchen“ genannt.
Die Unterscheidung ist also rechtlich begründet: Nur Würstchen aus Frankfurt dürfen in Deutschland „Frankfurter“ heißen; alle anderen, auch wenn sie nach Lahners Wiener Rezept hergestellt werden, werden als „Wiener Würstchen“ verkauft.
Das Sacherwürstel ist eine traditionelle Wiener Brühwurst und gilt als besonders lange, schlanke Variante des klassischen Frankfurter oder Wiener Würstchens. Es ist etwa doppelt so lang wie ein Frankfurter (meist ca. 20–27 cm) und zeichnet sich durch eine feine, milde Würzung, eine stärkere Räucherung und einen knackigen Biss aus, der durch den dünnen Naturdarm (meist Schafsaitling) entsteht.
Die Burenwurst ist eine grobe Brühwurst, die vor allem in Wien sehr beliebt ist, besonders auf Jahrmärkten und an Imbissständen. Sie besteht meist aus Schweine- und Rindfleisch, Speck und Gewürzen. Die Burenwurst ist kräftig gewürzt, hat eine grobe Fleischstruktur und wird oft gekocht oder gebraten serviert.
Debreziner sind würzige, meist leicht scharfe Brühwürste, die ursprünglich aus Österreich und Ungarn stammen. Sie bestehen aus grobem Brät aus Schweine- und/oder Rindfleisch, Speck, Wasser und einer kräftigen Gewürzmischung, wobei Paprika für die typische rötliche Farbe und den pikanten Geschmack sorgt. Debreziner werden heißgeräuchert, gebrüht und sind sowohl als Einlage in Eintöpfen als auch pur sehr beliebt.
Die Krainer ist eine geräucherte Brühwurst aus grob gehacktem Schweine- und Rindfleisch, die ihren Ursprung im heutigen Slowenien hat. Die Wurst besteht aus mindestens 68 % Schweinefleisch, 12 % Rindfleisch und maximal 20 % Speck, das mit Gewürzen wie Knoblauch, Majoran und Pfeffer abgeschmeckt wird. Gewürzt wird sie klassisch mit Salz, Knoblauch und Pfeffer. Die Masse wird in Schweinedärme gefüllt, zu Paaren geformt und heiß geräuchert.
Das Besondere an der Käsekrainer ist die Füllung aus Käse (meist Emmentaler, 10–20 % Anteil), der beim Grillen oder Braten schmilzt und einen cremigen Kern bildet. Käsekrainer werden oft gegrillt oder gebraten und mit Senf und Brot serviert. An den Würstelständen sind sie besonders beliebt.
Sie wird umgangssprachlich als „Eitrige“ bezeichnet. Der Name stammt von den gelblichen Käsestücken, die beim Anschneiden oder Erhitzen aus der Wurst austreten und optisch an Eiter erinnern.
Besonders in Wien ist diese Bezeichnung bekannt, wird dort aber eher selten von Einheimischen verwendet – wer am Würstelstand eine „Eitrige“ bestellt, gilt meist als ortsfremd.
Blunzn ist die mundartliche Bezeichnung für Blutwurst, besonders in Österreich und Bayern. Es handelt sich dabei um eine Kochwurst, die hauptsächlich aus Schweineblut, vorgekochtem Schweinefleisch, Speck, Schweineschwarten, und Gewürzen wie Majoran, Pfeffer, Thymian und Piment hergestellt wird. Je nach Variante werden auch Innereien, Weißbrot oder gekochte Zerealien hinzugefügt. Die Wurst wird in Därme gefüllt, gekocht, wodurch das Bluteiweiß gerinnt und die Wurst schnittfest wird. Blunzn wird sowohl warm (z.B. gebraten mit Sauerkraut) als auch kalt gegessen.
Die Bosna ist ein beliebter Imbiss und besteht aus einer oder mehreren gewürzten Bratwürsten, die in ein längs aufgeschnittenes, angeröstetes Weißbrot (das sogenannte Bosnaweckerl) gelegt werden. Typische Zutaten und Garnierungen sind fein gehackte Zwiebeln, Petersilie, Senf oder Ketchup sowie eine charakteristische Curry-Gewürzmischung, die der Bosna ihre würzig-scharfe Note verleiht.
Die Bosna ähnelt äußerlich einem Hot Dog, ist jedoch deutlich kräftiger gewürzt und oft schärfer. Varianten mit zusätzlichen Zutaten wie Käse, Knoblauch oder besonders scharfen Saucen sind ebenfalls verbreitet.
Die Waldviertler ist eine stark geräucherte Fleischwurst, die ihren Ursprung im niederösterreichischen Waldviertel hat. Sie wird auch als Waldviertler Rauchwurst oder Rauchwürstel bezeichnet und fällt besonders durch ihre grobe Struktur, das intensive Raucharoma und die dunkle Farbe auf. Sie wird heiß oder kalt gegessen.
Um ausländische, vor allem deutsche Touristen nicht gänzlich zu überfordern, kann man an den meisten Würstelständen auch eine (im Ausland) ganz normale Bratwurst bekommen.
Currywurst gibt es in Wien auch, allerdings nicht an allen der traditionellen Würstelstände, sondern in der angrenzenden Gastronomie.
Öffnungszeiten der Wiener Würstelstände
Die Öffnungszeiten der Wiener Würstelstände haben sich im Laufe der Zeit deutlich verändert und an die Bedürfnisse der Stadtbevölkerung angepasst. Ursprünglich waren Würstelstände vor allem tagsüber geöffnet, doch mit dem Wandel des urbanen Lebens und dem Aufkommen des Nachtlebens in Wien haben sich viele Stände auf längere und flexiblere Öffnungszeiten eingestellt.
Heute sind zahlreiche Würstelstände – besonders in der Innenstadt und an verkehrsreichen Plätzen – bis spät in die Nacht oder sogar bis in die frühen Morgenstunden geöffnet. Manche Stände, wie jener am Schwedenplatz, haben beispielsweise unter der Woche bis 4 Uhr und am Wochenende sogar bis 6 Uhr früh offen. Andere bekannte Stände wie Bitzinger bei der Albertina oder „Zum goldenen Würstel“ sind täglich bis 4 Uhr geöffnet. Auch der Würstelstand Leo hat an Wochenenden bis 5:30 Uhr früh geöffnet.
UNESCO-Kulturerbe
Eine Gruppe von 15 Standbesitzern hat sich zusammengeschlossen und erfolgreich beantragt, die „Wiener Würstelstandkultur“ als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO anerkennen zu lassen. Diese Anerkennung wurde 2024 offiziell ausgesprochen. Ziel ist es, die Besonderheit und den sozialen Wert der Würstelstände hervorzuheben und sie vor dem Verschwinden zu schützen. Die Initiative wird von der Stadt Wien und ihrem Bürgermeister Michael Ludwig sowie von der Wirtschaftskammer unterstützt. Sie betonen, dass die Würstelstände nicht nur kulinarische, sondern auch soziale Treffpunkte sind, die zur Identität und Geschichte Wiens gehören. Viele Standbetreiber setzen zudem auf Innovation, etwa durch vegane Würstel, internationale Spezialitäten und nachhaltige Verpackungen, um die Tradition an aktuelle Essgewohnheiten anzupassen und weiterzuführen.
Diese Initiativen zeigen, dass die Wiener Würstelstandkultur aktiv geschützt und weiterentwickelt wird, um ihren Platz im Stadtbild und in der Gesellschaft zu sichern.
In 2024 war es endlich soweit. Die Wiener Würstelstände wurden offiziell als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Diese Auszeichnung würdigt ihre Bedeutung als soziale, kulturelle und kulinarische Institution, die das Zusammenleben in Wien bis heute prägt.
„Der Wiener Würstelstand ist nicht nur ein Ort der kulinarischen Genüsse, sondern auch ein lebendiges Symbol der Wiener Lebensart. Seine Ernennung zum immateriellen Kulturerbe ehrt die Tradition, die Gastfreundschaft und die Vielfalt unserer Stadt.“
Würstelstände sind fest in der Wiener Alltagskultur verankert. Sie bieten nicht nur eine breite Auswahl an traditionellen Würsten und Snacks, sondern stehen auch für kulinarische Vielfalt und Innovation. Die typische Sprache und die speziellen Begriffe rund um den Würstelstand sind Teil des Wiener Sprachgebrauchs und spiegeln die lokale Identität wider.
Edith Kölzer 2025
