Suche innerhalb von reisebuch.de

Reisen im 18., 19. und 20. Jahrhundert

Venedig © by lidian neeleman - Fotolia.com
Venedig ist seit Jahrhunderten ein beliebtes Reiseziel; Venedig © by lidian neeleman - Fotolia.com

18. Jahrhundert: Der Bildung wegen reisen

Im Laufe der Zeit entschieden sich immer mehr Menschen für eine Bildungsreise: Sie erreichte im Verlauf des 18. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Das Vorrecht, eine solche Reise zu unternehmen, blieb zunächst natürlich dem Adel und den Reichen vorbehalten. So brachten vor allem Reisende aus England die Bildungsreise in Mode: Sie zogen ins Ausland auf die „Grand Tour“, um Kulturen und Küste des europäischen Festlandes zu erforschen. Üblich war es auch, seinen Nachwuchs auf eine solche Reise zu schicken. Beliebte Reiseziele waren damals die kulturellen Zentren, wie Wien, Paris, Nizza, Rom, Florenz und Venedig.

Der bekannteste Bildungsreisende war wohl Goethe: Er begab sich im September des Jahres 1786 auf seine erste Reise nach Italien. Zunächst war ein Aufenthalt von einigen Monaten geplant, doch letztendlich kehrte er erst nach zwei Jahren wieder zurück. Dabei hatte es sich Goethe zum Ziel gesetzt, die Antike neu zu erfahren. Sehr schnell begann er jedoch, auch das gewöhnliche Leben in Italien zu entdecken und sich zu entspannen. Dabei entstand die „Italienische Reise“, das bis heute zu seinen beliebtesten und meistgelesenen Werken zählt.

Während es sich Goethe auf seinen Reisen leisten konnte, in seiner Kutsche ein eigenes Bett und einen Koffer mit Extra-Fach für seinen Zylinder mitzunehmen, reisten weniger Begüterte mit entsprechend weniger Gepäck und Komfort: Ein einfacher Tornister aus Wolfsfell, in dem man ein Hemd, etwas Unterwäsche und die wichtigsten Medikamente verstauen konnte, musste genügen.

Ein Luxus im 19. Jahrhundert: Die Entwicklung der Erholungs- und Vergnügungsreisen

Im 19. Jahrhunderte konnten sich Luxusreisen – die man durchaus mit heutigen Reisen vergleichen kann – etablieren. Man reiste, um sich zu vergnügen und zu erholen. Die idealen Reiseziele mussten schon etwas Besonderes sein: Italien oder das Rheingebiet lockte nicht mehr. Spaß haben und Außergewöhnliches entdecken – das war das Motto. So reiste man zum Beispiel mit dem Dampfer nach Ägypten oder stieg in den Orientexpress nach Istanbul. Passend zu den extravaganten Reisezielen war natürlich auch das Gepäck: Man nahm in der Regel zwei bis drei Schrankkoffer beträchtlichen Umfangs mit – schließlich durften diverse Hutschachteln, Bürsten, Pulver, Schmink- und Rasierzeug sowie Kleidung in großer Auswahl auf Reisen nicht fehlen.

Wer sich ein Bild dieser Luxusreisen machen möchte, dem seien Agatha Christies Krimis „Der Tod auf dem Nil“ sowie „Mord im Orientexpress“ empfohlen: Besonders anschaulich werden hier die Atmosphäre und der Ablauf solcher Reisen geschildert. So reiste auch die Autorin selbst öfters nach Arabien und Ägypten – auch, um ihren Mann, einen Archäologen, zu begleiten.