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Romain Puertolas, Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte

Kategorie: Reisebücher des Monats ǀ

Der Fakir Ayarajmushee Dikku Pradash (ein Name, der im Verlaufe des Buches unzählige Male verschandelt wird), Turban- und Schnurrbartträger, ist ein ausgekochtes Schlitzohr. Andere würden ihn einen Hochstapler nennen, denn um dem Ruf eines Fakirs gerecht zu werden, arbeitet er mit Tricks, die nur ganz wenigen Eingeweihten bekannt sind.

 

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte

Die wahrhaft unglaubliche Reise des Fakirs ...

Eines Tages fliegt er nach Paris und lässt sich mit dem Taxi unverzüglich zu Ikea fahren, wo es Nagelbetten im Angebot geben soll. Geld hat er, einen 100-Euro-Schein, fachmännisch kopiert, wenn auch nur einseitig. Damit er ihn mehr als einmal ausgegeben kann, hat Ayarajmushee ihn mit einem unsichtbaren Faden versehen, was der Taxifahrer allerdings erst bei der abendlichen Abrechnung bemerkt, und Rache schwört.

Ein solches Nagelbett zu erwerben: Modell „Likstupikstå“, schwedische Kiefer, 15.000 Nägel, rostfrei und höhenverstellbar (und selbst in vorgestanzte Löcher einzusetzen…), Farbe: Puma-rot, das ist der Plan. Am nächsten Morgen kann er es abholen und mit ihm zurück nach Indien fliegen.

Ayarajmushee gelingt es, sich bei Ikea einschließen zu lassen und die Nacht in der Bettenabteilung zu verbringen, was anfangs auch ganz gemütlich ist. Wie hätte er denn ahnen können, dass ausgerechnet in dieser Nacht die Schlafzimmer umgebaut werden sollen! In letzter Minute kann er sich in einem blauen Metallschrank (Modell: American Teenager) verstecken.

Dies ist der Beginn einer irrwitzigen Reise zu Land, in der Luft und zu Wasser, die ihn – zunächst noch im Schrank – nach England führt und von dort über Barcelona, Rom, Tripolis wieder zurück nach Paris.

Viele Menschen lernt er im Laufe seiner Irrfahrt kennen: Flüchtlinge und Asylsuchende, arme Schlucker, Wohlhabende, Einflussreiche und Vergeltung suchende (Taxifahrer nebst angeheuerter Verwandtschaft). Und natürlich die schöne Marie, in die er sich schon im Ikea-Bistro noch vor seiner Odyssee verliebt hat. Für viele von ihnen gibt es ein Happy End, was nicht zuletzt direkt oder indirekt dem Fakir zu verdanken ist, der am Ende der Geschichte kein Fakir mehr sein will (wenn ihm auch noch der eine oder andere Trick zugute kommt).

Eigentlich ist die ganze Geschichte reiner Nonsens, aber herrlich leicht und flott zu lesen. Die Fantasie ging mit dem Autor durch, doch er schickt seinen Protagonisten durch eine real existierende globalisierte Welt und bleibt im Ansatz durchaus glaubwürdig. Jeder, der einmal bei Ikea war oder in einem Flughafen-Terminal, wird beim Lesen gleich Bilder im Kopf haben. Und jeder, der an den Flüchtlingsschicksalen aus Afrika Anteil nimmt, wird im Buch Parallelen finden.

Dieses Reisebuch der anderen Art ist eine lustige Sommerlektüre auf gutem Niveau.

Auch als Kindle E-Book erhältlich...