Suche innerhalb von reisebuch.de

True Tales: Matthew Shaer, Der Untergang der Bounty – Mayday aus dem Hurrikan Sandy – Die Geschichte einer wundersamen Rettung

Kategorie: Reisebücher des Monats ǀ

Die – im wahrsten Sinne des Wortes – „kleine“ Reihe „True Tales“ aus dem Dumont Reiseverlag erzählt „Gänsehautgeschichten aus dem wahren Leben“. Im Zentrum stehen hier oft beispielhafte Überlebenskämpfe oder andere dramatische Krisen von Abenteurern, Entdeckern, Retter oder Reportern auf der ganzen Welt, die pointiert ohne Liebe zum Detail von routinierten Autoren (vielfach in deutscher Übersetzung aus dem Amerikanischen) packend erzählt werden. Maßgeschneidert für eine Generation von Lesern, denen der lange Atem fehlt, sich auf dicke Wälzer einzulassen.

 

Die "wahre Geschichte" vom Untergang der "Bounty" im Hurrikan Sandy 2012; (c)amazon.de

Das gilt natürlich auch für den Band Der Untergang der Bounty von Starreporter Martin Shaer, der sich mit dem tragischen Schicksal des (Nachbaus des) legendären Dreimasters aus dem 18. Jhd. im Hurrikan Sandy (Ende Oktober 2012) vor der Ostküste der USA befasst. Nahezu jeder kennt die Geschichte von der „Meuterei auf der Bounty“, die Stoff zahlreicher Romane, Theaterstücke und Filme geworden ist. Die original Bounty war laut Wikipedia „ein dreimastiges Segelschiff der britischen Admiralität, das 1787 unter Führung von Lieutenant William Bligh zu einer Reise in die Südsee aufbrach, um Stecklinge des Brotfruchtbaums von Tahiti zu den Antillen zu bringen.“ Auf der Rückreise kam es dann unter Anführung des scheinbar edelmütigen Unteroffiziers Fletcher Christian zur berüchtigten Meuterei gegen den Kapitän, dem man u.a. vorwarf, seine Crew grausam misshandelt zu haben. Den Rest der „wahren Geschichte“ kann man z.B. hier nachlesen.

Überflüssig zu erwähnen, dass die vielen künstlerischen Bearbeitungen dieses Stoffes, vor allem die Hollywoodverfilmungen, sich weit von der historischen Vorlage und somit von der Wahrheit entfernten, um eine melodramatische Fabel nach dem vermeintlichen Publikumsgeschmack auszurichten.

Der Erfolg all dieser schön erzählten, aber realitätsfernen Bearbeitungen war dann die Schaffung eines Mythos. Und dieser führte schließlich dazu, dass der detailgetreue und doch abweichende Nachbau der HMS Bounty zwischen 1960 und 2012 Filmemacher, Romantiker und Abenteurer aus aller Welt anzog, um das Schiff für Filmdrehs und Erlebnisfahrten als Museumsschiff zu nutzen.

Am 29. Oktober 2012 braute sich vor der Küste North Carolinas ein Sturm zusammen, der als Hurrikan Sandy in die Geschichte eingehen wird. Der langjährige Kapitän Robin Walbridge der mittlerweile schon leicht rotten Bounty entschließt sich, dennoch abzulegen und den Sturm auf hoher See abzuwettern. Wenig später finden er und seine weitgehend unerfahrene Mannschaft sich im Auge des Wirbelsturms wieder.

Matthew Shaer rekonstruiert in seiner Reportage nun akribisch, aber immer spannend und anschaulich aus verschiedenen Perspektiven, wie die 16 Mann starke Besatzung gefangen in einem der schwersten Hurrikans aller Zeiten ihr sinkendes Schiff aufgeben muss und wie 14 von ihnen durch die heldenhaften Coast Guards mehr tot als lebendig aus dem tobenden Atlantik gezogen werden. Ironischerweise können der umstrittene Kapitän und eine Nachfahrin des Meuterers Fletcher Christian, die sich leichtfertig auf diesen nostalgischen Abenteuertripp begeben hatte, nicht gerettet werden…

Den ansprechend aufbereiteten kleinen Band legt man erst wieder aus der Hand, wenn man diese „wahre Geschichte“ bis zum bitteren Ende in sich aufgesogen hat.

Die maximal ca. 120 Seiten starken Bücher der durchweg empfehlenswerten Reihe True Tales gibt es zum kleinen Preis von 5,95€ im handlichen Pocket-Format oder noch etwas günstiger als E-Book für 3,99€.