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Kopenhagen Reisebericht, Teil IV

Schloss Christiansborg
Schloss Christiansborg © EKö - Reisebuch.de

3.Tag

Draußen scheint es heute kühler und windiger zu sein. Die Fahne vor dem Haus, die gestern schlaff herunter hing, flattert hin und her. Auf der Straße bläst uns ein heftiger Wind entgegen. Am Himmel ballen sich dicke, graue Wolken, aber die Sonne scheint. Am Busbahnhof warten wir auf die Linie 11, die Circle Line. Im 7-Minuten-Takt fährt sie auf immer derselben Runde alle wichtigen Punkte der Stadt an.

Beim Schloss Christiansborg steigen wir aus. 1167 gründete Bischof Absalon hier die Stadt Kopenhagen. Das Schloss ist heute Sitz des Folketing, des dänischen Parlaments. Wie das Gebäude heute dasteht, ist es aus den Jahren 1907-1928, nachdem zuvor an derselben Stelle 1736 und 1806-1828 bereits zwei  Schlösser gleichen Namens errichtet worden sind.

Es ist kurz vor 10 Uhr, gleich öffnet das Museum “Königliche Empfangsräume“.
Am Eingang bekommt jeder Besucher Müllsack-blaue Schutzüberzüge für die Schuhe. Im großen Rittersaal empfängt die Dänische Königin ihre Staatsgäste. Beeindruckend sind die 11 Gobelins, welche die Wände zieren. In frischen, kräftigen Farben beschreiben die Wandteppiche die Geschichte Dänemarks und die Weltgeschichte: die Wikingerzeit, das Mittelalter, die Reformation, den Zweiten Weltkrieg, die Gegenwart und die Zukunft. Der Künstler Bjørn Nørgaard hat die Teppiche entworfen. Sie sind ein Geschenk der dänischen Industrie an die Königin zu deren 50. Geburtstag im Jahr 1990. Fertiggestellt waren sie erst 10 Jahre später zu ihrem 60. Geburtstag. Zu besichtigen sind auch der Kronsaal, wo am 15.1.1972 die Proklamation zur Königin von Dänemark stattfand, und der Bankettsaal.

Thorvaldsen Relief
Thorvaldsen Relief © EKö - Reisebuch.de

Draußen hat der Sonnenschein aufgehört. Einmal um die Ecke ist gleich das Thorwaldsen Museum. Bertel Thorwaldsen (1970-1844) war der bedeutendste Bildhauer seiner Zeit. Er hat 175 Porträtbüsten geschaffen, Skulpturen und Reliefs. Einen großen Teil seines Lebens hat er in Rom zugebracht. Seine Werke vermachte der Stadt Kopenhagen, die ihm 4 Jahre nach seinem Tod dieses Museum widmete, in dessen Innenhof Thorwaldsen auch begraben liegt. Fast in seinem gesamten Werk thematisierte Thorwaldsen mythologische Gestalten, die er meist idealisiert, aber auch mit leisem Humor, in ihrer Einfachheit darstellte. So amüsiert uns zum Beispiel über ein Relief, das etliche Frauen zeigt, die damit beschäftigt sind, übermütige Amor-Engelchen einzufangen. Eines wird an den Flügeln gehalten und davongetragen. Es zieht einen Flunsch und hat trotzig die Ärmchen verschränkt.

Thorvaldsen, Christus und Apostel
Thorvaldsen, Christus und Apostel © EKö - Reisebuch.de

Wie hat Thorwaldsen das alles schaffen können!? Er muss sich, bevor er sich ans Werk machte, mit den Inhalten auseinandersetzen, musste sich in Geschichte, Religion, Mythologie und Anatomie bestens auskennen. Dazu kommt noch, dass er oft zunächst einmal Modelle schuf, wie zum Beispiel die Figuren im Christussaal. Christus mit ausgebreiteten Armen und die 12 Apostel sind nur Modelle! Die Originale aus weißem Marmor stehen in der Vor Fru Kirke.

Treppe Jacobsen Museum
Jacobsen Museum, Treppenaufgang © EKö - Reisebuch.de

Man kann sich gar nicht alles genau anschauen. Es ist einfach zu überwältigend, was dieser Mann hinterlassen hat.

Kaum sind wir wieder draußen, fallen die ersten Tropfen. Der Himmel hat eine Farbe angenommen, die uns gar nicht gefällt, und es wird immer dunkler und bedrohlicher. Der Wind wird noch stärker, es fängt an zu prasseln. Nach 2 Minuten ist der Schirm drei Mal umgeschlagen, man weiß gar nicht mehr, wie man sich drehen soll. Dann knackst es noch einmal, und der Schirm ist kaputt. Aber es hat schon wieder zu regnen aufgehört, über der Holmens Kirke ist der Himmel schon wieder blau. Der Wind schiebt die Wolken schnell über Kopenhagen hinweg.

Die Holmens Kirke ist die Hauskirche der Königsfamilie. Es ist nicht so einfach, den Eingang zu finden. Zwei völlig identische, für eine Kirche recht kleine Türen hinter einem größeren Portal tragen winzige Hinweisschilder. Auf der rechten Tür steht „Toilet“, auf der linken „Kirke“. Hier in dieser Kirche wurden 1967 Königin Margarethe und Prinz Henrik getraut. Zudem ist es die Kirche der Marine.

Im Inneren ist sie weiß gestrichen und lichtdurchflutet. Dadurch kommen der hölzerne Altar, die riesige Kanzel und die Galerien besonders gut zur Geltung.

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