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Berlin im Frühling, Teil II

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Sonntag, 28.3.2010

Durch rechtzeitige Reservierung können wir rechts an der Warteschlange vorbei gehen und das Reichstagsgebäude direkt betreten. Zunächst müssen wir durch die Eingangskontrolle. Es kommt uns vor wie im Flughafen: das gleiche Procedere, Jacken aus, mit den Taschen auf das Fließband legen zwecks Durchleuchtung, durch die Schleuse gehen.

Ein Aufzug bringt uns nach oben zum Käfer-Restaurant, wo uns die Plätze zugewiesen werden. Das Kuppelfrühstück, eines von 5 Angeboten, kostet € 17,00. Der Kaffee wird mit € 4,70 extra berechnet, dafür wird er auch lange vor dem restlichen Frühstück serviert und ist bereits kalt, als die Brötchen kommen.
Die Motivation des Personals lässt sehr zu wünschen übrig. Bei mir fehlt die Butter, nebenan wartet man auf die Marmelade. Sollte nicht auch noch ein Freilandei dabei sein? Die Teller werden einfach abgeräumt, auch wenn das Besteck gekreuzt drauf liegt und noch Brötchen da sind. Zeit lässt man sich allerdings, als wir bezahlen wollen. Schließlich sind wir draußen, und angesichts des Panoramas, was sich um uns ausbreitet, ist alles schnell wieder vergessen.

Vorher hatte es geregnet und die Sicht war trüb. Nun aber scheint die Sonne, blauer Himmel, Weitsicht. Die Kamera läuft heiß. Anschließend noch die Runde in der Kuppel bis ganz nach oben. Ständig neue Aussichten, sowohl nach innen, als auch nach außen. Wir sind ganz überrascht, dass die Kuppel oben offen ist!

Schließlich haben wir uns sattgesehen und fahren mit dem Lift wieder nach unten. Vor der Tür schauen wir einer langen Warteschlange entgegen und können uns ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Von hier aus ist es nur ein Katzensprung bis zum Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen Deutschlands schlechthin. Immerhin ziert es auch die Rückseite unserer 10-, 20- und 50-Cent-Münzen.

Man bewegt sich fast genau auf dem ehemaligen Verlauf der Mauer, wie man an Markierungen im Boden erkennen kann. Das Brandenburger Tor stand auf östlicher Seite zwischen Ost- und Westberlin, zwischen Britischem und Sowjetischem Sektor, zwischen Warschauer Pakt und Nato. Berlin als geteilte Stadt, unvorstellbar ist das heute! Das Tor und die nach Osten gerichtete Quadriga sind restauriert, zerstörte umliegende Gebäude (wie das Hotel Adlon) wieder aufgebaut. Und von den Hunderten von Menschen, die den Pariser Platz dicht bevölkern, sind viele jünger als die Republik.

Berliner Bären laufen herum, Männer in Russischen und Amerikanischen Uniformen, es wird fotografiert, was die Linse hergibt. Wer hier nicht gewesen ist, der war nicht in Berlin.

Am Brandenburger Tor beginnt die Straße „Unter den Linden“. In der Ferne sehen wir das Rote Rathaus, den Sitz des Regierenden Bürgermeisters und des Senats von Berlin. Es steht unmittelbar am Alexanderplatz.

Wir gehen zu Fuß weiter, nicht nur, weil die Bushaltestellen wegen des Halbmarathons, der heute stattfand, noch nicht wieder angefahren werden. Auf der rechten Seite geraten wir an der Botschaft der Russischen Föderation in eine russische Reisegruppe. Natürlich wollen alle vor dem Eingang fotografiert werden, wenn sie auch durch das Eisengitter ein paar Meter von den prächtig vergoldeten Türen getrennt sind. Auf der anderen Straßenseite wartet eine geduldige Menschenmenge auf Einlass in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett. Hier findet jeder sein Idol, sei es Brad Pitt, Barack Obama, Hildegard Knef oder Bill Kaulitz. Insgesamt sind es 80 Figuren. Eine der neuesten ist Moritz Bleibtreu.

Es folgt eine etwas unspektakuläre Strecke. Wir passieren Bürogebäude des Deutschen Bundestags, das ZDF Hauptstadtstudio und der, die oder das Deutsche Guggenheim, ein Joint Venture zwischen der Deutschen Bank und der Solomon R. Guggenheim Foundation mit mehr als 50.000 Kunstwerken.

Dann sind wir an der Deutschen Staatsoper und am Bebelplatz. Die Deutsche Staatsoper ist Berlins ältestes Theatergebäude. Mit dem Bau wurde bereits 1741 unter Friedrich II. begonnen.

Auf dem Bebelplatz erreichten am 10. Mai 1933 die Bücherverbrennungen, bei der als „undeutsch“ eingestufte Werke deutschsprachiger Dichter, Schriftsteller und Künstler den Flammen übergeben wurden, ihren Höhepunkt. Zu den Verfemten gehörten unter anderem Bertolt Brecht, Erich Kästner, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Heinrich Mann und Sigmund Freud. Durch eine Glasplatte auf dem Platz schauen wir in einen Raum mit leeren Bücherregalen als Mahnmal.

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