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Vom Hauptbahnhof zum Schlossplatz, Fortsetzung

Am Kleinen Schlossplatz avancierte das 2005 eingeweihte Kunstmuseum (geöffnet Di–So 10–18, Mi und Fr bis 21 Uhr; Eintritt 5 €) zum neuen Stuttgarter Wahrzeichen. In dem gläsernen Kubus werden neben schwäbischen Impressionisten und zeitgenössischer Kunst etliche Werke von Otto Dix (1891–1969) gezeigt. Eines der bekanntesten Gemälde des wegen seines provokanten Stils nicht einhellig geliebten Malers ist das „Bildnis der Anita Berber“ (1925). Imposant zeigt sich der Glaswürfel in der Abendbeleuchtung. Auf der Terrasse davor gibt es ein Café zum Sehen und Gesehen werden, in dem für das Tässchen Café fast vier Euro verlangt werden. Dafür liegen an kühleren Tagen Fleecedecken zum Einmummeln aus.
httpwww.kunstmuseum-stuttgart.com

Am Schillerplatz ehrt seit 1839 ein überlebensgroßes Bronzedenkmal den deutschen Dichterfürsten, der zehn Jahre seines Lebens in der schwäbischen Metropole verbrachte, dann aber nach der Uraufführung seiner „Räuber“ in Mannheim mit einem Schreibverbot belegt wurde und Hals über Kopf die Stadt verließ. So gut wie alle Gebäude rund um den Platz brannten im Zweiten Weltkrieg aus, sie wurden nach alten Vorlagen wieder aufgebaut. Der Schillerplatz wird von der Stiftskirche beschattet. Mit ihren unterschiedlichen beiden Türmen ist sie eines der Wahrzeichen der Stadt. Die Kirche steht auf den Überresten eines romanischen Vorgängerbaus. Hinter der spitzgiebeligen Fassade des spätgotischen Fruchtkasten zeigt ein Museum historische Musikinstrumente.

Auf dem Marktplatz findet dienstags, donnerstags und samstags ein Wochenmarkt mit viel frischem Grünzeug aus dem Umland statt. Sommers kann man sich in einem der Liegestühle vor der Bar Scholz entspannen. Den im Blickfeld liegenden nüchternen Rathausbau aus den Fünfzigerjahren muss man allerdings nicht unbedingt mögen.

Wilhelm Hauff schreibt in seinem im Mittelalter angesiedelten Roman „Lichtenstein“ (1826) über den Stuttgarter Marktplatz:
„Der Marktplatz war damals noch das Herz der Stadt Stuttgart; zwar hatten sich schon zwei große Vorstädte, die Sankt Leonhards- und die Turnieracker-Vorstadt, um sie gelagert, welche mit Graben, Mauern und starken Toren versehen, das Ansehen eigener Städte bekommen hatten. Aber noch standen die Ringmauern und Tore der Altstadt, und ihre Bürger sahen nicht ohne Stolz herab auf die Vorstädter. Der Marktplatz war es, wo nach alter Sitte bei jeder besonderen Gelegenheit die Bürger sich versammelten; auch an dem wichtigen Abend vor Mariä Himmelfahrt strömten sie dorthin zusammen. ...“

Südlich vom Rathaus gehört der Tagblatt-Turm zu den bekanntesten Baudenkmälern der Stadt. Der achtzehnstöckige 61 m hohe Turm von 1928 war das erste Hochhaus in Stuttgart (seither sind nur wenige dazu gekommen). Mit seiner Sichtbeton-Bauweise gilt er zudem als der erste „Wolkenkratzer“ dieser Art in ganz Deutschland. Seinen Namen erhielt der Turm nach dem mittlerweile eingestellten Neuen Tagblatt – heute befinden sich darin kulturelle Einrichtungen.

Die Kulturmeile der Landeshauptstadt

Im Eckensee im Oberen Schlossgarten spiegelt sich die halbrunde Sandsteinfassade der Staatsoper (1907–1912) im Flachwasser, die nicht nur durch die dem See zugewandte neoantike Säulenfront, sondern auch durch ausgezeichnete Inszenierungen auf sich aufmerksam macht. Links davon steht das moderne Schauspielhaus, rechts der spiegelverglaste Flachbau des Landtages, dessen zugehöriges Terrassenlokal Plenum nicht nur von Abgeordneten frequentiert wird.

Jenseits der von einer Fußgänger- unterführung untertunnelten lebhaften Konrad-Adenauer-Straße setzt sich die Kulturmeile mit der Musikhochschule und der Staatsgalerie fort. Der bedeutendste Kunsttempel Baden-Württembergs erlaubt einen ausgiebigen Streifzug durch die Geschichte der Malerei. Schwerpunkte der Sammlung sind die altdeutsche, italienische und niederländische Malerei. Die Kunst des 20. Jahrhunderts wird u.a. in bedeutenden Werkgruppen von Paul Klee und Pablo Picasso vorgestellt, zwei Beispiele für zeitgenössische Maler sind Georg Baselitz und Anselm Kiefer. Auch in architektonischer Hinsicht setzt die Galerie einen Akzent. Der bis auf 1843 zurückgehende Altbau wurde 1984 durch den postmodernen Erweiterungsbau des englischen Architekten James Stirling ergänzt. 2009 gab die Staatsgalerie zwei Gemälde an die Erben des jüdischen Vorbesitzers zurück, darunter Adolph Menzels „Stillleben mit umgestürztem Teekessel“. Das Bild von Menzel wurde 1938 von den Nationalsozialisten widerrechtlich angeeignet und versteigert und 2004 von der Staatsgalerie von einem Händler aufgekauft.
Zeiten & Preise
Di–So 10–18, Di und Do bis 20 Uhr;
Eintritt 5,50 €, Mi und Sa Eintritt frei.
www.staatsgalerie.de

Nördlich von der Staatsgalerie erreicht man in wenigen Schritten im Mittleren Schlossgarten das Carl-Zeiss-Planetarium. Mehrmals in der Woche werden Programme und Vorträge angeboten, die in den Sternenhimmel und astronomische Themen einführen. Eintritt 6 €; Programmauskunft Tel. 0711/1629215 oder im Internet unter
www.planetarium-stuttgart.de

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Staatsgalerie gibt das Haus der Geschichte in einer interessanten Dauerausstellung Einblicke in die Landesgeschichte Baden-Württembergs, wobei sich das Zeitfenster auf die letzten 200 Jahre beschränkt. Ein spezieller Themenpark widmet sich dem Wirtschaftswunder im „Musterländle“. Neben der Dauerausstellung gibt es jedes Jahr zwei Sonderausstellungen zu landesgeschichtlichen Themen.
Zeiten & Preise
Di–So 10–18, Do bis 21 Uhr; Eintritt
für die Dauerausstellung 3 €, Sonderausstellung 2,50 € extra.
www.hdgbw.de

Ein kleines Stück vom alten Stuttgart konnte sich im Bohnenviertel in der östlichen City konservieren. Der Schellenturm ist das einzige Überbleibsel von der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Das Areal zwischen Charlotten- und Pfarrstraße war früher das Quartier der kleinen Leute, die von Handwerk und Weinbau lebten und ihre Vorgärten mit Bohnen bestellten. Heute beleben etliche Werkstätten, Trödelläden und Cafés das Viertel.

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