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Reiseführer Tübingen

Tübingen Neckar; pixabay CC0

Die Universitätsstadt Tübingen (341 m, 85.000 Einwohner) wartet mit einer schmucken Altstadt auf, die ohne größere Schäden den Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Mit Abstand größter Arbeitgeber ist die 1536 gegründete Universität, deren Institutionen und Fakultäten maßgeblich das Stadtbild prägen.

Tübingen eine Stadt des Geistes zu nennen, ist nicht verkehrt. Das lässt sich am besten daran ermessen, welche Dichter, Denker und Geistesgrößen an der philosophischen und theologischen Fakultät des Tübinger Stifts und der Universität die Hörsäle besuchten und wer in diesen „heiligen Hallen“ vor versammelter Hörerschaft über Gott und die Welt dozierte. An der Tübinger Universität sind heute 24.000 Studierende eingeschrieben, das heißt fast jeder dritte Einwohner ist Student. Tübingen ist dadurch eine betont weltoffene junge Stadt, mit 38 Jahren hat sie den niedrigsten Altersdurchschnitt von allen deutschen Städten. Das schlägt sich natürlich im kulturellen Angebot und dem städtischen Leben nieder, Studententreffs und Szeneläden gibt es praktisch an jeder Ecke. Stärkste Partei im Gemeinderat sind die Grünen, die seit 2007 auch den Oberbürgermeister stellen.

Tourist-Information

Von dem hilfsbereiten Info-Team werden Übernachtungsmöglichkeiten vermittelt und ein breites Programm an Stadtführungen angeboten, darunter auch eine Karzerführung durch das ehemalige Gefängnis der Universität. Außerdem kann man eine Stocherkahnfahrt auf dem Neckar buchen oder Tickets für kulturelle Veranstaltungen bestellen.

Tourist & Ticket-Center
(Bürger- und Verkehrsverein)
An der Neckarbrücke
72072 Tübingen
Tel. 07071/91360
www.tuebingen-info.de

Wer etwas im Land werden will, muss im Stift gewesen sein, wer außerhalb des Landes etwas werden will, muss aus dem Stift geflogen sein.

Wilhelm II. von Württemberg (1848–1921)

Stadtrundgang

Das Wahrzeichen der Stadt ist der Hölderlinturm an der Neckarfront. Den schönsten Blick darauf hat man von der Neckarbrücke (offiziell Eberhardsbrücke). So gut wie jeder Stocherkahn fährt daran vorbei, zu Fuß erreicht man den Turm über die Bursagasse. In dem Rundturm erzählt die kleine Ausstellung „Hölderlin in Tübingen“ von den Studienjahren im Tübinger Stift und seinem 36-jährigen Aufenthalt im Turm. (geöffnet Di–Fr 10–12 und 15–17, Sa und So 14–17 Uhr, Eintritt 2,50 €)
www.hoelderlin-gesellschaft.de

Vom Hölderlinturm ist es nicht weit zur Burse (1482). Das ehemalige Studentenwohnheim wurde unmittelbar nach der Universitätsgründung gebaut. In dem auch als Lehranstalt genutzten Bau lehrte u.a. der Humanist und spätere Reformator Philipp Melanchthon (1497–1560). Anfang des 19. Jahrhunderts zog in die Burse das Klinikum ein, zu den ersten Patienten gehörte Hölderlin, der nach einer Behandlungszeit von 231 Tagen als unheilbar entlassen wurde. Heute befinden sich in dem Gebäude das Philosophische Seminar und das Kunsthistorische Institut.

Am Fuß des Burghügels gehört der 1536 durch Herzog Ulrich von Württemberg gegründete Evangelische Stift zu den historischen Sehenswürdigkeiten. Besucher können im Außen- und Innenhof die Geschichte der Geistesgrößen atmen, die im letzten halben Jahrtausend in der „Pfaffenschmiede“ die Hörsäle bevölkerten. Sieben Plaketten berühmter „Stiftsköpfe“ finden sich in der Altane im ersten Stock des Nordflügels. Eine kleine Revolution löste die Studentenbewegung von 1968 aus: Seit 1969 haben auch weibliche Stipendiaten zum Stift Zugang.

Vom Stift führt die Burgsteige als steiler gestufter Weg zum Schloss Hohentübingen hinauf. Das Schloss wurde zu Anfang des 16. Jahrhunderts anstelle einer ursprünglichen Burganlage im Stil der Renaissance errichtet. Die Vierflügelanlage mit wehrhaften Ecktürmen gruppiert sich um einen großen Innenhof. Man braucht etwas Zeit um sehenswerte Details zu entdecken, etwa die prächtigen Renaissanceportale, Loggienbalkone und Zwerggiebel. Das Schloss wird heute von verschiedenen Instituten der Universität vereinnahmt.

Im Schlossmuseum (geöffnet Mi–So 10–18, Okt.–März 10–17 Uhr) wird eine herausragende kultur- und alterswissenschaftliche Sammlung gezeigt. Sensationell sind die 1931 in der Vogelherdhöhle bei Heidenheim gefundenen Tierfiguren aus Mammut­elfenbein, darunter ein etwa 35.000 Jahre altes Wildpferd.
Die beiden repräsentativen Fürstenzimmer und die Johanneskapelle sind bislang leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
www.unimuseum.uni-tuebingen.de

Der dreieckige Marktplatz im Mittelpunkt der Altstadt gehört zu den schönsten in ganz Baden-Württemberg. Er wird von stolzen Fachwerkhäusern und dem Rathaus (1435) eingerahmt. An der von Sgrafitto-Malerei ausgefüllten Schaufassade sticht die astronomische Uhr (1511) ins Auge.

In der spätgotischen Stiftskirche oberhalb vom Markt ist ein Flügelaltar (1520) aus der Schule von Albrecht Dürer bemerkenswert. Der Chor diente als Grablege des württembergischen Adels, sehr kunstvoll sind die Glasmalereien auf dem Grabmal der Gräfin Mechthild.

In den ruhigen Gassen der Unterstadt nördlich vom Marktplatz finden sich etliche Szeneläden. Sehr malerisch sind die Ammergasse und die über den schmalen Ammerkanal führende Krumme Brücke. Im Kornhaus (1453), der ehemaligen amtlichen Getreidemessstelle, ist heute das Stadtmuseum (Di–So 11–17, Eintritt 2,50 €) untergebracht. Hinter dem schmucken Fachwerk hält das Tübinger Geräuschearchiv akustische Entdeckungen bereit. Ein weiteres sehenswertes Fachwerkgebäude ist das Nonnenhaus.

Sehenswertes außerhalb der Altstadt

Die Kunsthalle (geöffnet Di–So 11–18 Uhr, Eintritt 7 €) im Philosophenweg in Tübingen Nord hatte ihre große Zeit in den 80er- und 90er- Jahren, als mit Wechselausstellungen zu Cézanne, Renoir, Kandinsky und Toulouse-Lautrec ein großes Publikum erreicht werden konnte. Seit die Kuratoren mehr auf zeitgenössische Kunst setzen ist es etwas stiller geworden.
www.kunsthalle-tuebingen.de

Direkt im geografischen Mittelpunkt von Baden-Württemberg kann man durch den 1969 eröffneten Neuen Botanischen Garten flanieren. In dem zur Universität gehörenden Garten sind etwa 350 Pflanzenfamilien vertreten. Interessante Abteilungen sind u.a. der Alpengarten, das Kanaren- und Sukkulentenhaus und der Fuchsienpavillon (Blütezeit Ende März). Geöffnet tgl. 9–16.45, Schauhäuser 10–16.30 Uhr, Juni – Sept. verlängerte Öffnungszeiten bis 18.45 Uhr, Eintritt frei.
www.botgarten.uni-tuebingen.de

Kunsthistorisch ist das Klosterdorf Bebenhausen 5 km nördlich von Tübingen ein Muss. Das um 1184 von Pfalzgraf Rudolf von Tübingen gegründete Kloster spiegelt den asketischen Stil des Zisterzienserordens wider. Wahrzeichen der von wehrhaften Mauern und Fachwerkbauten umringten Klosterkirche ist der spätgotische filigrane Vierungsturm (1409) mit Maßwerkhelm. Die skurrilen Wasserspeicher an den acht Freipfeilern des Turmes sind im Detail allerdings nur mit einem starken Zoomobjektiv oder Fernglas erkennbar. Nach der Reformation diente das Abthaus als höhere Klosterschule, später wurde es zu einem Jagdschloss umgebaut und nach dem Ende der Monarchie 1918 fand in den historischen Räumlichkeiten das letzte württembergische Königspaar ein Refugium. Geöffnet tgl. 9–18, im Nov.–März Di–So 10–12 und 13–17 Uhr. Das Schloss ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen.
www.kloster-bebenhausen.de

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