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Tübingen City Guide


Tübingen, Seite 2

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Namen & Werke

Johann Friedrich Cotta, 1764–1832; Verleger von Goethe und Schiller, seit 1822 Freiherr Cotta von Cottendorf.
Der Verleger baute die bereits seit 1659 bestehende Cotta’sche Verlagsbuchhandlung nach seiner Übernahme 1787 zum damals weltweit wichtigsten und größten Literaturverlag aus. Zu seinen Autoren gehörten neben Goethe und Schiller praktisch alle Autoren von Rang, darunter Hölderlin, Uhland, Schelling, Fichte, Kleist, Hegel, Herder und Alexander von Humboldt. Daneben verlegte Cotta die von Schiller herausgegebene Literaturzeitung „Die Horen“. Seine Ausnahmestellung verdankte Cotta den persönlichen Beziehungen zu seinen Autoren. An der Fassade des Tübinger Rathauses zeigt ein Portrait den Verleger an der Seite von Hölderlin. Der ehemalige Stammsitz des Verlages (Cotta-Haus) befindet sich in der Münzgasse 15, in dem im September 1797 Goethe für zehn Tage zu Gast war. 1977 ging der Cotta’sche Verlag in dem Stuttgarter Verlag Klett-Cotta auf.

Friedrich Hölderlin, 1770–1843; Lyriker und Dramatiker.
Seine Gedichte im schmalen Reclam-Bändchen sind nach wie vor viel gelesen, sein Dramen-Fragment vom Tod des Empedokles ein Klassiker deutscher Bühnen. Während des Theologiestudiums am Tübinger Stift pflegte Hölderlin Freundschaften zu Hegel und Schelling und wurde später auch mit Fichte, Goethe und Schiller bekannt. Pfarrer zu werden, wie es seine Mutter wünschte, war allerdings nicht sein Ziel. So schlug er sich nach dem Studium zunächst als Hauslehrer durch, nicht zuletzt aus einer tiefen Überzeugung heraus, dass öffentliche Schulen nicht ihrem Bildungsauftrag gerecht werden könnten. Im Alter von 32 Jahren zeigten sich erste Anzeichen von geistiger Erkrankung. Die Mediziner im Tübinger Klinikum Authenrieth attestierten Hölderlin eine unheilbare Geisteskrankheit („Wahnsinn“). 1807 übernahm die Tübinger Tischlerfamilie Zimmer die Pflege des Dichters und quartierte ihn in ihrer Turmstube (Hölderlinturm) über dem Neckarufer ein, wo er 36 Jahre bis zu seinem Tod in geistiger Umnachtung lebte. Hölderlin ist auf dem Tübinger Stadtfriedhof begraben.

Über seine Aufnahme Hölderlins in den Turm schrieb Ernst Zimmer am 22.12.1835:
”Ich besuchte Hölderlin im Klinikum und bedauerte ihn sehr, dass ein so schöner Geist zu Grunde gehen soll. Da im Klinikum nichts weiter zu machen war, so machte der Kanzler Autherrieth mir den Vorschlag Hölderlin in mein Haus aufzunehmen, er wüsste kein passenderes Lokal. Hölderlin war und ist ein großer Naturfreund und kann in seinem Zimmer das ganze Neckartal samt dem Steinlacher Tal übersehen. Ich willigte ein, und nahm ihn auf.“

Ludwig Uhland, 1787–1862; Dichter, Politiker und Wegbereiter der Germanistik.
Gedichte, Balladen und Arbeiten zur Sagenkunde machten Uhland in Deutschland zu einem der am meisten gelesenen Dichter seiner Zeit. Seine 1815 erschienene Gedichtsammlung brachte es zu seinen Lebzeiten auf 60 Auflagen. Während seiner Studienzeit in Tübingen gab er das handschriftlich verfasste „Sonntagsblatt für ungebildete Stände“ heraus. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und Philosophie arbeitete er als Anwalt, bis er 1830 in Tübingen zum Professor für Literatur berufen wurde. Als liberaler Abgeordneter gehörte er im Revolutionsjahr 1848 der Frankfurter Nationalversammlung an. Sein Geburtshaus steht in der Neckarhalde 24, aufgewachsen ist Uhland im großväterlichen Haus in der Hafengasse 3. Uhland ist auf dem Tübinger Stadtfriedhof begraben, der schmucklose Granitstein steht ganz in der Nähe vom Hölderlin-Grab.

Was ist eigentlich mit Tübingen und Goethe? Der deutsche Dichterfürst weilte am 17.9.1797 in Tübingen, hatte jedoch wenig Erbauliches über die Stadt zu berichten. Gegenüber der Stiftskirche (Münzgasse 17) weist unter einem Fenster ein unscheinbares Schild auf seinen Besuch hin („Hier kotzte Goethe“).

Stöbern & Einkaufen

Eine gute Adresse für Kunst ist die Galerie und Werkstatt Art-Tempto nur ein paar Schritte vom Rathaus entfernt. Attraktiver Goldschmuck, filigrane Goldstickerei, Druckgrafiken und ausgefallene Lampen aus Papier.
Haaggasse 3
www.art-tempto.de

Eine ungewöhnliche Kombination hält der Kartoffel- und Pulloverladen bereit. Neben Wollpullis werden alte und neue Kartoffelsorten samt Zubehör wie Kartoffelmesser, Kartoffelpressen und Kartoffelliteratur verkauft. Hand-geschmiedete Äxte ergänzen das Sortiment.
Metzgergasse 11

Bücher & Antiquariate

  • Osiander
    Die mit über 20 Filialen in 16 Orten vertretene älteste Buchhandlung Baden-Württembergs geht auf eine 1596 in Tübingen gegründete Verlagsbuchhandlung zurück. Das Haus in der Metzgerstraße mit vornehmlicher Schöner Literatur befindet sich in einem stolzen Fachwerkbau.
    Metzgergasse 2 und Wilhelmstr. 12
    www.osiander.de
  • Antiquariat J.J. Heckenhauer
    In der 1823 gegründeten Buchhandlung absolvierte von 1895 bis 1899 Hermann Hesse eine Lehre als Buchhändler. Das Geschäft ist heute neben den Geisteswissenschaften auf Hermann Hesse spezialisiert, von dem Erstausgaben, bibliophile Drucke und Originalfotografien zu haben sind. Noch während der Lehrzeit erschien 1898 mit „Romantische Lieder“ das erste Buch des späteren Nobelpreisträgers. In der Buchhandlung kann das Lehrzeugnis eingesehen werden. Geöffnet Do und Fr 14–18, Sa 11–15 Uhr.
    Holzmarkt 5
    www.heckenhauer.net
     
  • Antiquariat H.P. Willi
    Spezialgebiet des klassischen Antiquariats sind Philosophie, Theologie und Literatur. Das Sortiment seltener Bücher des 15. – 20. Jahrhunderts wird durch ein bibliophiles und modernes Antiquariat sowie signierte Bücher ergänzt.
    Wilhelm­tr. 8

Essen & Genießen

  • Weinstube Forelle
    In dem denkmalgeschützten Altstadtlokal ist man ganz nahe an der literarischen Geschichte der Stadt dran. In den historischen Räumlichkeiten befand sich um 1800 eine Druckerei, in welcher der Cotta-Verlag die Erstausgabe von Schillers „Wallenstein“ drucken ließ. Auch Goethe soll hier schon dem württembergischen Wein zugesprochen haben. In der eichenholzgetäfelten Gaststube gibt es außer „zappelfrischen“ Forellen auch einen zünftigen Zwiebelrostbraten vom Albrind oder eine Schwabenpfanne.
    Kronenstr. 8
    72070 Tübingen
    Tel. 07071/24094
    www.weinstube-forelle.de
     
  • Neckarmüllerei
    Die Neckarmüllerei ist vor allem im Sommer ein beliebter Treff. Man sitzt im Schatten von Kastanien im großen Biergarten über dem Flussufer bei einem naturtrüben obergärigen Weißbier und isst vielleicht einen Flammkuchen mit Blattspinat und Schafkäse dazu.
    Gartenstr. 4
    72074 Tübingen
    Tel. 07071/27848
    www.neckarmuellerei.de

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