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Der weltweit größte Flohmarkt: über 2.500 Stände und Geschäfte auf 15 km Länge


Typisches Angebot auf dem Flohmarkt in Paris; pixabay

Die Märkte an der Porte de Clignancourt

Jeden Samstag, Sonntag und Montag verlockt der populärste Trödelmarkt von Paris, der Marché de Saint-Ouen im Stadtnorden unmittelbar am Boulevard Périphérique, frühmorgens bis etwa 16 Uhr zum Stöbern, Bummeln und Entdecken. Über mehrere einzelne, überdachte Hallen mit fixen Ständen, die teilweise ein spezialisiertes Sortiment aufweisen, erstreckt sich dieser strukturierte Markt, der für einen Flohmarkt eigentlich fast zu ordentlich anmutet.

Der größte Flohmarkt der Welt ist auch der kommerziellste der Stadt: Hier wartet richtig großer Trödelhandel und dementsprechend hoch sind die Preise – viele Trödler haben zusätzlich Geschäfte im noblen Louvre des Antiquaires oder anderweitig in Paris.

Schnäppchenjäger sind hier wohl an der falschen Adresse, die Wahrscheinlichkeit, dass man eine perfekt gefälschte Antiquität mit „Echtheitszertifikat“ zum überteuerten Preis ersteht, ist viel größer. Lediglich Kenner und ausländische Wiederverkäufer stoßen frühmorgens unter den soeben ausgepackten Waren auf Antiquitäten, die zum Beispiel in Tokio oder New York gewinnbringend verkauft werden können.

Etwa 11 Mio. Besucher lockt der Flohmarkt jährlich an: Auf einer Länge von 15 Kilometern kann man sich durch ein Labyrinth aus Ständen und Läden schlängeln – der Trödelmarkt von Saint-Ouen ist der weltgrößte. Für Menschen mit Platzangst ist das rege Treiben hier allerdings nichts – wem das körpernahe bis aggressive Gedrängel Herzrasen verursacht, sollte einen Besuch vor elf Uhr einplanen. Wer es geschafft hat, sich von der Endstation der Metro durch die Menschenmassen und an wenig interessanten Ständen mit Billigkleidung, -lederware, -schmuck und sonstigen Ramschartikeln vorbeizukämpfen, der wird dort, wo der eigentliche Flohmarkt anfängt, mit einem besonderen Flair belohnt.

Dieser Trödelmarkt setzt sich aus mehreren Hallen mit festen, teilweise spezialisierten Ständen zusammen – etwa 2.500 Händler präsentieren auf einer Fläche von sieben Hektar eine gefühlt endlose Zahl an preisintensiven, aber auch erschwinglichen Artikeln. Dabei ist der Marché Vernaison mit seinen 300 Ständen äußerst groß und auch der älteste und bunteste Teil des Marktes. Dort lädt das bekannte Flohmarktcafé Chez Louisette zum Pausieren ein, eine ganz besondere Stimmung und alte Chanson begleitet von Akkordeonklängen inklusive.

Der „noble“ Marché Biron mit seinen rund 200 Ständen ist der teuerste, daran schließt sich der Marché Malik mit einem Sortiment an Secondhand-Kleidung, Jeans, Lederware, Rocker- und Punkklamotten an.

Der am meisten einem Flohmarkt ähnelnde Marché Jules Valles hat richtige Flohmarktware zu bieten, auch ambulante Verkäufer versuchen hier unter freiem Himmel, selbst für rostige Schrauben, Käufer zu finden.

Der mit lediglich zwanzig Ständen kleinste und sich über zwei Etagen erstreckende Marché des Rosiers begeistert mit seinem Sortiment rund um Art Deco und Jugendstil.

In einer alten Garage ist der als branché geltende Marché Serpette untergebracht, hier finden sich die trendigsten Händler, die alles anbieten, was derzeit angesagt ist – egal ob beispielsweise Afrikanisches, Fünfzigerjahre oder Art Deco.

250 Stände zählt der Marché Paul Bert, der ein buntes Allerlei offeriert: Alltagsgegenstände, wie ausrangierte Küchenherde, Türklinken oder alte Türen, Reisekoffer, Taschen oder Bücher, dominieren das Angebot.

In einem Neubau befindet sich der Marché Malassis – er verdeutlicht die Tendenz, den Trödelmarkt gewinnorientierter und keimfreier auszurichten. Es ist nämlich nicht sicher, ob der bekannte Pariser Flohmarkt in seinem derzeitigen Zustand verweilen wird – einen Teil des Geländes haben Geschäftsleute schon für Millionen Francs gekauft und diese beabsichtigen eine Modernisierung mit hohen Investitionen. Man nennt diese Tendenz „Professionalisierung“.