Austriazismen: typisch österreichische Wörter und Redewendungen

Bekanntermaßen sind Sprachen vielfältig, das gilt auch für das österreichische Deutsch. Im Nachbarstaat Deutschlands verwendet man nämlich viele Ausdrücke, die im Hochdeutschen nicht existieren und beweisen, dass Deutsch nicht gleich Deutsch ist – und Österreicher und Deutsche nur theoretisch dieselbe Sprache sprechen.

Wer sich als Deutscher näher mit dem Österreichischen beschäftigt, stellt bald fest, wie faszinierend es ist: Hier gibt es nämlich nicht nur völlig andere Begriffe, sondern auch nahezu unzählige Dialekte. Vor allem in ländlichen Regionen, aber auch in den Städten fällt es Deutschsprachigen aus dem Ausland oft schwer, den österreichischen Dialekt zu verstehen. Mancher Deutsche kapituliert dabei bereits bei einem einfachen Wort wie „(Schlag-)Obers“, der ihm nur als „Sahne“ bekannt ist, oder bei der „Karotte“, zu der er „Möhre“ sagt. Österreicher essen außerdem keine „Auberginen“, sondern „Melanzani“. Im Extremfall soll es aber schon notwendig gewesen sein, dass selbst zwei Österreicher aufs Englische zurückgreifen mussten, um einander problemlos zu verstehen. Schließlich spricht man nicht nur im Osten des Landes völlig anders als im Westen, sondern das gilt oft genauso für den Osten und Westen desselben Bundeslandes. Im Allgemeinen werden Dialekte jedoch meist Bundesländern zugeteilt: Es herrscht also ein generelles Verständnis darüber, was zum Beispiel „Steirisch, „Wienerisch“ oder „Tirolerisch“ ist.

Doch nun zu den Begriffen, die österreichweit verstanden und verwendet werden: Zur Begrüßung ein „Grüß Gott“ passt überall, unter Freunden und guten Bekannten sagt man „Servus“– auch beim Verabschieden. Mit „Auf Wiederschaun“ und „Pfiati“ als Verabschiedung liegt man immer richtig. Oberhalb von 1000 Metern ist man überall in Österreich übrigens mit jedem per Du und begrüßt sich mit „Griaß di“. Statt „Januar“ sagen alle Österreicher „Jänner“, viele auch „Feber“ statt „Februar“ – manchen ist nicht einmal bewusst, dass es das im Hochdeutschen nicht gibt. Das gilt auch für „heuer“, was „dieses Jahr“ bedeutet.

Ebenfalls im ganzen Land beliebt und ohne Pendant im Hochdeutschen ist die Phrase „Es geht sich aus!“ – je nach Kontext bedeutet das: „Man hat genug Zeit/Geld/Platz etc.“. „Das geht sich nicht aus!“ heißt also, dass etwas eben nicht passt, klappt oder funktioniert. Diese Phrase erweist sich allerdings nicht nur im sprachlichen Umgang mit Einheimischen als äußerst praktisch, sondern steht auch für eine bestimmte österreichische Lebensweise: „Das wird sich schon irgendwie ausgehen“ – besser mal nicht stressen, man kommt nicht zu spät, das Geld für den Urlaub wird schon wie die kleine Parklücke fürs Auto ausreichen – alles geht sich immer irgendwie aus.

Wer irgendwo in Österreich „mit Karte“ – also „mit EC“ – zahlen möchte, sagt an der „Kassa“ (nicht an der „Kasse“): „Mit Bankomat, bitte!“ Die Einkäufe werden dann ins „Sackerl“, statt in die deutsche „Tüte“ gepackt. Wenn jemand stirbt, wird keine „Todesanzeige“, sondern eine „Parte“ veröffentlicht. Und sagt ein Österreicher „Gatsch“, meint er damit „Schlamm“.

„Ausrasten“ wird in Österreich reflexiv verwendet: „Ich raste mich aus“ – das bedeutet dann auch das Gegenteil von „durchdrehen“, nämlich, dass jemand ausruht. Und legt man sich dazu ins Bett, dann liegt man auf dem „Leintuch“ („Bettlaken“ und deckt sich mit der „Tuchend“ („Bettdecke“) zu. „In der Früh“ („morgens“) zieht man sein „Gewand“ an, nicht die „Klamotten“, oft ist man dabei noch „tramhapert“ („schlaftrunken“). Sagen andere, dass man „fesch“ ist, hat man wohl eine gute Kleiderwahl getroffen, damit bezeichnen die Österreicher nämlich eine gut aussehende Person – ein „Feschak“ ist somit das österreichische Pendant für Schönling. Wer „schaßaugert“ ist, leidet an einer Sehschwäche. Und wer eine „Hetz“ hat, hat es nicht besonders eilig, sondern viel Spaß – in Osttirol sagt man außerdem „hetz“ und meint „jetzt“. „Fladern“ sagt der Österreicher statt „stehlen“.

Zu guter Letzt noch zu den Schimpfwörtern. So mancher meint ja, dass Österreich ein Land der Nörgler ist – was durchaus charmant gemeint ist. So gibt es im Österreichischen viele Möglichkeiten, seinem Ärger Ausdruck zu verleihen. „Des is a Schas!“ bedeutet wörtlich „Das ist ein Furz!“ und ist genauso beliebt wie „So was Gschissenes!“. Wer sich über einen anderen ärgert, bezeichnet diesen als „Volltrottel“, „Fetzenschädel“ oder „Gfrast“ – mit Letzterem bezeichnet man auch nervige, freche Kinder. „Oida“ kann mit der richtigen Betonung auch als Beschimpfung verwendet werden, genauso aber für nahezu für alle Lebenslagen, zum Ausdruck von Emotionen oder zur Begrüßung. Ein „Schlampertasch“ ist eine unordentliche Person, ein „Ungustl“ eine unsympathische und ein „Grantscherm“ ein schlecht gelaunter Mensch. „Hallodri“ bezeichnet in Österreich einen unzuverlässigen Mann. Ein „Owezahra“ ist eine negative Person.

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Beispiele für bekannte Dialektwörter der einzelnen BundesländernWien: Hawara (Freund, Kerl), Tschocherl (kleines Lokal), Tschinelle (Ohrfeige), Eitrige (Käsekrainer)Burgenland: beigln (saufen), Lodiridari (Bohrmaschine), aududlt (besoffen), Leckwa (Marmelade)Steiermark: znaxt (letztens), eahi (drüben), Schochn (Wald), douni (weg, fort)Oberösterreich: oaschlings (rückwärts), Bletschn (Fieberblase), iachtn (stören), Bunki (Kuchen)Niederösterreich: entas (auf der anderen Seiten), Gspodl (abwertend für Frau), rahr (angenehm)Kärnten: Fock (Ferkel), an Schleim haben (auf jemanden sauer sein), letz (schlecht), Mankale (Mann)Salzburg: gwandt (super), Stodinger (Einwohner Salzburgs), putten (essen)Tirol: Karner (Kriminelle, Asoziale), lupfn (heben), woadl (einen Moment, gerade eben)Vorarlberg: agängig (nervig), gsi (gewesen, war), Hääs (Kleidung), hoi (Ausdruck des Erstaunens)