Suche innerhalb von reisebuch.de

Typisch Schwedisch!

schwedische Flagge
Seit 1569 trägt die schwedische Flagge die Farben des schwedischen Königshauses, Blau wie der Himmel und Gelb wie die Sonne.
© jojorno-Pixabay.com

Typisch schwedisch?

Schweden, das skandinavische Land im hohen Norden und zugleich das viertgrößte Europas, galt lange Zeit als Musterland, ein Wohlfahrts- und Wohlfühlstaat. Dafür gab es einen eigenen Begriff: Lagom, was so viel bedeutet, wie „perfekt“, „gut so“, „alles passend“.
Hinter Schweden liegt ein sozialdemokratisches Jahrhundert. Die Sozialdemokratische Partei hat das Land über Jahrzehnte geprägt. Eine Sozialpolitik basierend auf sozialer Gerechtigkeit für alle Bürger wirkte sich auf sämtliche Bereiche des täglichen Lebens aus: Gesundheitswesen, Kranken- und Rentenversicherung, Arbeitsmarkt, Altersfürsorge und Wohnungsbaupolitik.
In den 1990er Jahren begann das System zu bröckeln. Eine Wirtschafts-und Bankenkrise führte zur Kürzung von Sozialleistungen, Änderungen im Rentensystem, Rückgang der Einkommen und weiteren einschneidenden Veränderungen.
Die Schweden galten immer als tolerant und weltoffen. Schon seit den 1950er Jahren waren ausländischen Arbeitskräfte am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt. Es gab sogar für manche Orte im dünn besiedelten Norden statt einer Obergrenze eine Mindestzahl für Einwanderer. Doch seit die Flüchtlingswelle dem Land seit 2015 etwa eine Million Migranten zusätzlicher Migranten beschert hat (Schweden hat in Europa pro Kopf die meisten Asylsuchenden aufgenommen), wandelte sich diese Haltung. Es gab einen Rechtsruck. Bei der Wahl zum Schwedischen Reichstag im September 2018 erzielte die rechtspopulistische Partei der Schwedendemokraten das beste Ergebnis seit ihrem Bestehen, während die Sozialdemokratische Partei das schlechteste Wahlergebnis seit 100 Jahren zu beklagen hatte. Sie verlor jede zehnte Stimme. Schweden fügt sich damit in Reihe der Staaten ein, in denen die Flüchtlingsfrage zur Schicksalsfrage für das Land geworden ist.



Nils Holgersson Denkmal in Karlskrona
Nils-Holgersson-Denkmal in Karlskrona
©Efraimstochter-Pixabay.com

Typisch schwedisch!

Mehrere Generationen von Kindern sind mit den Charakteren aus den Büchern schwedischer Kinderbuchautoren aufgewachsen.
1907/08 erschien von Selma Lagerlöf Nils Holgerssons wunderbare Reise mit den Wildgänsen in deutscher Sprache. Darin erzählt sie von einem 14-jährigen Jungen, der zur Strafe für seine Faulheit und bösen Streiche in ein Wichtelmännchen verwandelt wird und auf dem Rücken des zahmen Gänserichs Martin mit einer Schar Wildgänse durch ganz Schweden zieht und den jugendlichen Lesern so das Land näher bringt. 1909 wurde Selma Lagerlöf mit den Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet.
1949 erschien mit Pippi Langstrumpf das erste Buch von Astrid Lindgren auf Deutsch, dem bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 noch viele weitere folgen sollten: Die Kinder von Bullerbü, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach, um nur einige zu nennen. Astrid Lindgren wurde 1999 zur „Schwedin des Jahrhunderts“ gekürt.
1964 veröffentlichte Runer Jonsson sein spannendes Kinderbuch Wickie und die starken Männer, die Geschichte eines kleinen Wikingerjungen, der auf den Beutezügen der Großen schlau und gewitzt für alle Probleme der Erwachsenen eine Lösung findet. 1965 erhielt Jonsson dafür den Deutschen Jugendbuchpreis. Als Zeichentrick-Serie und als Spielfilm sind seine Figuren heute immer noch sehr beliebt.
Seit 1984 begeistert Sven Nordqvist die kleineren Kinder mit seinen liebevoll illustrierten Geschichten von dem alten Pettersson und seinem sprechenden Kater Findus.
In der Literatur für erwachsene Leser haben viele schwedische Romanautoren ihre teils spannenden Spuren hinterlassen, zum Beispiel Stieg Larsson, Henning Mankell, Håkan Nesser, Jonas Jonasson. Unter den Klassikern wäre August Strindberg zu nennen.

In der Musik kennt jeder die Gruppe ABBA und weiß, dass die Vier aus Schweden kommen. Sie feierten internationale Erfolge, viele ihrer Lieder mit dem unverwechselbaren Sound wurden zu Welthits.

Es hört sich nicht so an, aber auch Zlatan Ibrahimović ist Schwede. Er wurde elf Mal mit dem „Guldballen“ als Schwedischer Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Seit dem 1.1.2020 ist er beim AC Mailand unter Vertrag.

Greta Thunberg, die junge Klimaschutz-Aktivistin, ist ebenfalls Schwedin. Sie initiierte die mittlerweile globale Schulstreik-Bewegung „Fridays for Future“.



Wasa Knäcke
Das Knäckebrot ist eine schwedische Erfindung. Dort ist die traditionelle Form allerdings rund.
© congerdesign-Pixabay.com

Was der Automobilhersteller VW in Deutschland, ist für Schweden Volvo. 1999 übernahm Ford die Volvo Car Corporation, 2010 kaufte der chinesische Multimilliardär Li Shufa das Unternehmen.

Die hierzulande wohl bekannteste Firma ist zweifelsohne Ingvar Kamprads 1943 gegründetes Einrichtungshaus IKEA. Der Kunde holte sich die Möbel in Einzelteilen ab und baute sie zu Hause selber zusammen. Der Inbusschlüssel war geboren. Seit 1974 gibt es IKEA auch in Deutschland. Eigentümerin des schwedischen Unternehmens ist heute die Stichting INGKA Foundation in den Niederlanden.

Das weltweit größte Knäckebrot-Werk Wasa, das 2019 stolze 100 Jahre alt geworden ist, wurde in der schwedischen Stadt Skellefteå gegründet. Wasa war lange das Synonym für Knäckebrot schlechthin. Auch dieses Unternehmen ist nicht mehr in schwedischer Hand, sondern ist 1999 Bestandteil des italienischen Barilla-Konzerns.

Obwohl man die Schweden überwiegend rank und schlank kennt, haben sie den höchsten Zuckerkonsum aller europäischen Länder, insgesamt rund 50 kg pro Person und Jahr. 33 kg davon ist versteckter Zucker in Fruchtsäften und Lebensmitteln, der Rest Süßigkeiten wie Bonbons und Schokolade. Um vor allem die Kindern vor Karies zu bewahren, wurde lange Zeit nur am Wochenende genascht, dann aber richtig. Die Lördagsgodis (Samstagssüßigkeit) wurden am Vortag eingekauft, und am Samstag ließ es sich die ganze Familie schmecken. Inzwischen hat sich diese Tradition etwas gelockert, aber noch immer ist der Umsatz in den Süßwarenläden freitags besonders hoch.

Beim Alkoholkonsum findet man Schweden im europäischen Vergleich am unteren Ende der Skala. Man kann nicht einfach in den Supermarkt gehen und sich Wein, Bier oder Hochprozentiges kaufen. Alles, was mehr als 3,5 Prozent Alkohol hat, wird ausschließlich in lizensierten Systembolaget verkauft, und die haben normale Ladenöffnungszeiten. Die Preise sind etwa doppelt bis dreifach so hoch wie in Deutschland. Alkohol trinken darf man ab 18, Alkohol im Systembolaget kaufen ab 20 Jahren. Die Promillegrenze im Straßenverkehr beträgt 0,2 %.

Wenn ein Autofahrer in Schlangenlinien unterwegs war, musste das bis zum 1. Februar 2018 aber nicht am Alkoholkonsum liegen. Seit diesem Tag gilt das Verbot der Handynutzung im Auto. Als letztes europäisches Land hat Schweden das Handyverbot eingeführt. In Deutschland besteht das Verbot bereits seit 2001.



Dalarna Landschaft
Landschaft in Dalarna © ThomasPikolin-Pixabay.com

Die typisch schwedische Landschaft gibt es eigentlich nicht. Im Norden befinden sich die Weiten Lapplands, Tundra und Fjälls, die Heimat der Samen, Rentiere und Lemminge. Daran anschließend erstreckt sich die Taiga mit Flüssen, Seen und endlosen Wäldern in denen Bären, Elche und Wölfe leben. Schweden ist eines der waldreichsten Länder der Erde. In der Mitte und im Süden des Landes gibt es fruchtbare Ebenen, die für etwa 90 % der landwirtschaftlichen Anbaufläche genutzt werden, und Flüsse, in denen im späten Frühjahr die Lachse laichen. Die meisten Einwohner Schwedens, etwa 40 %, leben in den Regionen Stockholm, Göteborg und Malmö.
Der schwedische Wald wird intensiv genutzt. Nur 93 bis 94 % sind noch echte Urwälder, der Rest ist nicht älter als 80 Jahre.

Rentiewr in Schweden
Rentiere im Norden von Schweden
© natalia kollegova - Pixabay.com
Schwedischer Elch
Ungefähr 350.000 Elche leben in Schwedens Wäldern © barni1 - Pixabay.com

 

Unser Lektüretipp

 

Sommer in Schweden von Thomas und Petra Schulz

Ein ganz besonderer Schweden Reiseführer in 24 Begegnungen vor Ort, die über das schöne skandinavische Land aus unterschiedlichsten Perspektiven Auskunft geben.

 

Mehr Infos hier: 

https://www.reisebuch-verlag.de/programm/buecher_details/buch/sommer_schweden.html

 

 

 

Auf dem Land fallen in ganz Schweden die rot gestrichenen Holzhäuser mit ihren oft weißen Rahmen auf, die schon von dem auch bei uns bekannten Maler Carl Larsson in seinen romantischen Bildern verewigt worden sind. Schwedenrot oder Falunrot ist Schwedens Nationalfarbe. Sie wurde in dem Abraum der Kupfergruben Faluns in Dalarna gewonnen. Viele Schweden stellen sich die rote Farbe selbst her. Die „Zutaten“ dafür gibt’s im Baumarkt.

Schwedenhaus in Falunrot
Schwedisches Haus in Falun-Rot © sommerland -Pixabay.com
Dalapferdchen in Falunrot
Das Dala-Pferdchen, ein beliebtes Souvenir
© mammela - Pixabay.com

Aus Dalarna stammt übrigens auch das beliebteste Souvenir des Landes, das Dala-Pferd, ein aus Kiefernholz geschnitztes Pferdchen, vorzugsweise in Schwedenrot.

Charakteristisch für Schwedens Küsten sind die Schärengärten. Schären sind Überbleibsel aus der letzten Eiszeit, ’zigtausend Inseln und Inselchen, von denen etliche grün und bewohnt sind, andere unbewohnt und viele nur als Felsen aus dem Wasser ragen.

Wenn man in Schweden unterwegs ist, fallen immer wieder Schilder mit der Aufschrift „Loppis“ auf, häufig selbst gemalt. Hierbei handelt es sich nicht um Ortsschilder oder Eigennamen, es sind Wegweiser zu meist privaten Flohmärkten oder Garagenverkäufen. Nicht immer ist dabei auch jemand anwesend. Man deponiert das Geld einfach in einem Behälter.

Schweden Royals
König Carl 16. Gustav und Königin Silvia von Schweden © Holger Motzkau, Wikimedia Commons.org

Seit Ikea in Deutschland auch warme Snacks anbietet, kennt man sie auch in Deutschland: Köttbullar, die traditionellen schwedischen Hackfleischbällchen in feiner Sahnesoße. Wer sie erfunden hat, ist unklar. Angeblich soll König Karl XII. das Rezept 1714 aus der Türkei mitgebracht haben.

Die wichtigste schwedische Zeitung ist die linksliberale Aftonbladet, zu Deutsch Abendblatt mit einer Auflage von 130.000 Exemplaren. Viel populärer ist allerdings die Online-Ausgabe. Diese bringt es immerhin auf 10-20 Millionen Aufrufe pro Tag.

Die meisten Schweden sind Anhänger der Monarchie und lieben die Königliche Familie. Das Schwedische Königshaus hat es in Deutschland zu großer Popularität gebracht, seit die aus Heidelberg stammende Silvia Sommerlath 1976 den schwedischen König Carl XVI. Gustaf geheiratet hat. Ihre drei Kinder Victoria, Carl Philip und Madeleine sind verheiratet und haben dem Königspaar sieben Enkelkinder beschert. Besonders Kronprinzessin Victoria, ihr Mann Daniel und ihre Kinder Estelle und Oscar stehen stark im Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Der König ist politisch neutral und genießt politische Immunität. Außer der Eröffnung des Reichstages in jedem Jahr und dem Vorsitz im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten hat er kaum politische Aufgaben. Bis 1980 galt die männliche Nachfolge, doch in einer Gesetzesänderung wurde festgelegt, dass das erstgeborene Kind Thronfolger sein soll, unabhängig davon, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, und so heißt die schwedische Thronfolgerin Victoria.

Fest in Schweden © lilmedia-Pixabay.com
Tanz um die Mittsommerstange
© lilmedia - Pixabay.com

Seit 1901 werden in Stockholmer Konzerthaus jährlich die von dem schwedischen Industriellen Alfred Nobel gestiftete Nobelpreise für Literatur, Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaft verliehen. Das anschließende Bankett findet im Goldenen Saal des Rathauses statt. Nur der Friedensnobelpreis wird in Oslo übergeben.

Jedes Jahr am 13. Dezember wird in Schweden das Lichterfest zu Ehren der Heiligen Lucia gefeiert. Es hat seinen festen Platz im schwedischen Brauchtum. Das Fest beginnt in den Familien. Die älteste Tochter trägt zu einem weißen Kleid und rotem Taillenband einen Kranz mit Kerzen, brennenden oder elektrischen, auf dem Kopf. Andere weiß gekleidete Mädchen folgen ihr in einer Prozession. Dabei singen sie Lucialieder, trinken „Glögg“ (Glühwein) und essen Safrangebäck. Der Höhepunkt ist die Wahl einer Heiligen Lucia.

Eines der wichtigsten und schönsten Feste in Schweden ist Mittsommer. Es wird an dem Wochenende gefeiert, das dem 24. Juni am nächsten ist. Man stellt die geschmückte Mittsommerstange auf, ähnlich dem Maibaum, Häuser werden mit Girlanden geschmückt. Wer eine Tracht besitzt, zieht sie an. Den Kopf schmücken Kränze aus Blumen, es wird getanzt, gespielt und gesungen.

Zu guter Letzt: Wissen Sie, warum man Gefängnisse umgangssprachlich auch Schwedische Gardinen nennt? In Schweden werden hochwertiges Eisen und Stahl produziert, aus dem die Gitter an den Fenstern hergestellt werden.