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Prag Reiseführer / Weiterreise



Pilsen, die Stadt des Pilsener Bieres © spamiky - Pixabay.com

Plzeň/Pilsen

In Westböhmen liegt die Geburtsstadt des Pilsener Bieres (das eigentlich ein Bayer erfunden hat). Bei den Rangeleien zwischen Hussiten (Protestanten) und der katholischen Macht erbeuteten die Pilsner 1434 ein Kamel. Bis heute ist Pilsen die wohl einzige Stadt Mitteleuropas mit einem Kamel im Wappen. 2015 war die 170.000-Einwohner-Stadt Europäische Kulturhauptstadt, wurde mächtig aufgehübscht und profitiert davon noch heute. In der Region Pilsen gibt es die geringste Arbeitslosigkeit in der ganzen Republik.

Eine Führung in der Brauerei lohnt sich immer: Am Ende des Rundgangs gibt es spezielles, köstliches, ungefiltertes Pilsner Urquell – soviel man nur möchte. Vom Cross Café in den obersten Geschossen eines Bürohochhauses an der Tram-Station Anglické nábřeží aus genießt man einen großartigen Blick auf die Stadt und kann unter anderem das Dach der drittgrößten Synagoge der Welt erspähen.

An der Kirche auf dem Marktplatz, welcher zu den größten Mitteleuropas gehört, gibt es eine Pforte mit einer besonderen Geschichte: Einst wollte ein Henker hier heiraten, doch auf Grund seines Berufes war es ihm verboten. Er schickte einen verkleideten Freund vor, seine Verlobte für ihn zu ehelichen. An einem kleinen Engelchen an einem Tor der Kirche hielt er sich während der Zeremonie fest und betete, dass alles nach Plan verlaufen würde. Die Geschichte ging gut aus und das Engelchen erfüllt noch heute Wünsche, wenn man es mit der linken Hand umgreift und nur ganz fest daran glaubt. Davon sind nicht nur Touristen überzeugt, das glauben auch die Pilsener, die hier auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule halt machen und ihre Wünsche gen Himmel schicken.

 

Kutná Hora

50 Zugminuten westlich von Prag befindet sich das 20.000-Einwohner-Städtchen Kutná Hora (Kuttenberg). Auf die Ausflügler aus Prag ist man mittlerweile eingestellt, die Züge in die Hauptstadt werden am Bahnhof auch auf Englisch durchgesagt.

Kutná Hora ist vor allem für sein Beinhaus (kostnice) berühmt. Viele zehntausende Menschenknochen „schmücken“ hier einen Kirchenraum aus. Vor allem sind es Überbleibsel von Pestopfern oder von Gefallenen aus den Hussitenkriegen (Anfang des 15. Jhd.). Über allem schweben mit Schädeln verzierte Kronleuchter. Ein bizarrer Ort.

Neben dem Beinhaus sind aber auch der Dom der Heiligen Barbara (Chrám Sv. Barbory) und die Innenstadt im Allgemeinen überaus sehenswert. Hier kommt Mittelalterfeeling auf!

Krumrau an der Moldau © lnlnln - Pixabay.com

Český Krumlov

Český Krumlov (Krumau) liegt im Süden Böhmens. 13.000 Menschen bewohnen diese beeindruckende Stadt, deren mittelalterliches Zentrum UNESCO-geschützt ist. Vom Schloss aus hat man einen hervorragenden Ausblick. Direkt daneben schließt sich der Schlosspark mit einem im Sommer bespielten Freilufttheater an. Die Podesterie für die Zuschauer ist drehbar und so wird ringsherum gespielt. Im Egon Schiele Art Centrum gibt es eine Ausstellung zu Leben und Werk des Künstlers. Der Maler (1890–1918) hatte in der Geburtsstadt seiner Mutter eine sehr kreative Phase und zeichnete auch zahlreiche Stadtansichten. Die im Egon Schiele Art Centrum gezeigten Bilder sind jedoch leider größtenteils Kopien. Will man sich umfassend mit Schieles Werk befassen, führt also kein Weg am Wiener Leopold Museum vorbei. Bis zur österreichischen Grenze ist es von hier unten ja gar nicht mehr weit.

 

České Budějovice/Budweis

Den besten Blick über Budweis hat man vom Schwarzen Turm (Černá věž). Man schaut über die ganze Stadt und den großen Marktplatz. Das erfolgreichste Exportprodukt ist wohl neben den Bleistiften von Koh-I-Noor das Bier Budweiser Budvar.

Budweiser Budvar ist die einzige der großen tschechischen Brauereien, die keine Braulizenzen verkauft. Das bedeutet, dass man überall auf der Welt tatsächlich das hier in Südböhmen gebraute Bier mit dem guten Hopfen aus Žatec trinkt. In den USA jedoch ist Vorsicht geboten. Das hier verkaufte „Budweiser“ stammt keineswegs aus Tschechien. Das „echte“ Budweiser wird dort als „Czechvar“ verkauft. Vor dem Ersten Weltkrieg gründeten einige tschechische Emigranten in den Vereinigten Staaten eine Brauerei und nannten sie, in Erinnerung an ihre Heimat, „Budweiser“. Bis heute gibt es einen heftigen Rechtsstreit der Marken, der auch dazu geführt hat, dass Budweiser Budvar heute die einzige staatliche Brauerei Tschechiens ist.

 

 



Karlsbad ist bekannt für seine 12 Thermalquellen. © ralfgervink - Pixabay.com

Karlovy Vary/Karlsbad

Karlsbad bildet mit Františkovy lázně/Franzensbad und Mariánské lázně/Marienbad das Bäderdreieck. Von Prag aus ist der Kurort am besten mit dem Bus zu erreichen, mit dem Zug fährt man über eine Stunde länger.

Karlsbad hat einen eigenartigen Charakter. Allerorts sieht man reichlich Touristen; als Reiseziel ist der Ort vor allem bei graubehaarten, bierbäuchigen Rentnergruppen aus Deutschland beliebt. Goethe war ja schließlich auch schon hier. Manchmal überkommt einen das Gefühl, hier würde gar niemand mehr wohnen. Beim Stadtrundgang fragt man sich, was die kyrillischen Buchstaben allerorts in den Schaufenstern zu suchen haben. Ist man im falschen Land gelandet? Nein, Karlsbad ist bei wohlhabenden Russen lediglich eine sehr gefragte Wohngegend und der Großteil der Immobilien ist in russischer Hand. Neben dem bedeutenden International Film Festival ist Karlsbad für seine 12 Quellen bekannt. Die größte von ihnen ist der vřídlo (Sprudel), der 72 Grad Celsius heißes Wasser in die Höhe stößt. Traditionell trinkt man das Wasser – vermutlich heilt es besser, als es schmeckt – aus einem „Tschutscherle“, das an jeder Straßenecke erhältlich ist. Neben den Karlsbader Oblaten – hier in der Stadt kann man sie erwärmt genießen – ist der Becherovka eine Karlsbader Berühmtheit. Oft wird er auch als die „13. Quelle Karlsbads“ bezeichnet. Im Jan Becher-Museum erfährt man alles über Geschichte und Entstehung des Kräuterlikörs. Ein beliebtes Mischgetränk ist beton – Becherovka mit Tonic Water.

 

Ostrava

Ostrava (Ostrau). Weiter östlich geht es in Tschechien nicht. Die Industriestadt liegt genau auf der Grenze zwischen Mähren und Schlesien. Vom Rathausturm aus sieht man bei gutem Wetter bis nach Polen und in die Slowakei. Alljährlich zieht das Musikfestival „Colours of Ostrava“ zehntausende junge Menschen in eine verlassene Industrieanlage. Hier spielen international gefeierte Musiker, darüber hinaus gibt es Theater und ein breites Begleitprogramm.