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Typisch griechisch!



Akropolis © anestiev-pixabay.com
Die Akropolis in Athen ist eines der berühmtesten Bauwerke der Welt © anestiev-pixabay.com

Was ist typisch griechisch? *

Der „typische Grieche“ ist für die meisten Deutschen bis heute Alexis Zorbas. Der gleichnamige Film von 1965 zählt zu den erfolgreichsten Filmen überhaupt und prägt seither unser Bild des genusssüchtigen und arbeitsscheuen Griechen, der seine Zeit im Cafeníon oder tanzend am Strand verbringt. In dem Roman von Nikos Kazantzakis, der dem Film zugrunde liegt, wird allerdings beschrieben, dass Alexis Zorbas sein Leben zwar in vollen Zügen genoss, aber bis ins hohe Alter schwer gearbeitet hat. Nur hat kaum ein Deutscher dieses Buch gelesen.

Man muss aber sagen, dass der Film durchaus ein Segen für Griechenland war, da er Tausende Touristen angelockt hat. Doch das Klischee des faulen Griechen ist bis heute in den Köpfen geblieben. Nikos Dimou, der bekannte griechische Intellektuelle, behauptet in seinem Klassiker „Über das Unglück, ein Grieche zu sein“: „Zwei Griechen schaffen in zwei Stunden (wegen Streitigkeiten), was ein Grieche in einer Stunde schafft.“

Die Griechen arbeiten anders als wir Deutschen, nicht weniger, nur oft eben weniger produktiv. Dabei fehlt es den Griechen nicht an Fleiß, aber an guter Ausbildung und vor allem Organisationstalent. Die meisten Griechen würden sich einen kreativen Beruf wünschen. Trotzdem träumten vor ein paar Jahren noch viele Griechen von einer Beamtenstelle. Das bedeutete zwar eine wenig abwechslungsreiche Arbeit, aber es war ein sicherer und gut bezahlter Job. Bedingt durch die Krise sowie die viel zu niedrigen Löhnen sind die Griechen heute häufig gezwungen, zwei oder mehr Jobs auszuüben, und arbeiten daher oft mehr als zwölf Stunden.

Aus einer Studie von Eurostat aus dem Jahr 2014 geht hervor, dass die „faulen“ Griechen, so sie Arbeit haben, wöchentlich mehr Stunden arbeiten als die „fleißigen“ Deutschen (44,2 Stunden gegen 41,5 Stunden). Wie alle Südländer kultiviert der Grieche aber durchaus die Ruhe. Alles braucht seine Zeit. Von Hektik hält der Südländer nichts, nur keinen Stress. Und um diese Gemächlichkeit beneiden wir die Griechen insgeheim.



Frappé © pat_scrap-pixabay.com
Frappé, ein schmackhaftes Kaffeekaltgetränk © pat_scrap-pixabay.com

Typisch für die Griechen ist es auch, in aller Ruhe im Café zu sitzen und einen Frappé zu genießen. Merkwürdiger Weise kommt der Name dieses typisch griechischen Getränks aus dem Französischen und bedeutet: schütteln. Geschüttelt werden Eiswürfel, Milch und oder Wasser und Instantkaffeepulver mit etwas oder etwas mehr Zucker in einem großen Papp- oder Plastikbecher. Getrunken wird das aufgeschäumte Kaltgetränk mit einem Strohhalm. Touristen erkennt man daran, dass sie ihren Frappé viel zu schnell trinken, weil er so ausgesprochen köstlich und erfrischend ist. Die Griechen nippen an ihrem Frappé, genießen ihn, sitzen in der Sonne, beobachten Passanten, diskutieren über Politik oder philosophieren über das Leben an sich. Sie nehmen den Becker, der immer noch halbvoll ist, auch gerne mit an den Strand oder zur Arbeit. Auch einen Kaffee zu trinken, braucht in Griechenland seine Zeit. Ebenso nehmen sich die Griechen zum Essen mehr Zeit als wir. Stundenlang kann ein Essen dauern, denn der Grieche isst am liebsten in größerer Gesellschaft, und jeder bestellt etwas, von dem später auch jeder probieren kann. Zuerst werden natürlich die Vorspeisen ausgesucht, und diese sind reichhaltig. Jedes Mal, wenn wir hier in Deutschland griechisch essen gehen, ermahnt mich mein griechischer Ehemann, zu bedenken, dass die Hauptspeisenteller schon so üppig sind, dass es nicht notwendig sei, eine oder sogar mehrere Vorspeisen zu bestellen.

Und jedes Mal ist er es, der sich nicht beherrschen kann, doch wenigstens Chtipití (scharfe Käsecreme), Kolokythákia (gebratene Zucchinischeiben), Dolmadákia (gefüllte Weinblätter) und Saganáki (gebackene Käsescheiben) zu bestellen. essen Ich kenne aber auch keinen Griechen, der auf die Idee käme, nur einen Hauptgang zu wählen. Man bestellt von allem, bis auf dem Tisch kein Platz mehr ist. Doch gerade, wenn man in Gesellschaft ist, dauert das Essen auch entsprechend lang. Man nimmt sich Zeit dafür und genießt Geselligkeit und Gaumenfreuden gleichermaßen. Dazu gehören natürlich auch der unvermeidliche Retsína (geharzter Weißwein) und Ouzo bzw. Tzípuro (Tresterbranntwein, mit Grappa zu vergleichen). Alle Griechen, die ich bisher kennengelernt habe, trinken selbst lieber Tzípuro, der Ouzo ist für die Touristen.

In deutschen Restaurants ist es üblich, leere Gläser und Flaschen abzuräumen und immer nur das zuletzt bestellte Getränk stehen zu lassen. In Griechenland gehört es dazu, alle benutzen Gläser und sämtliche bestellten und auch schon geleerten Flaschen auf dem Tisch stehen zu lassen. Jeder soll schließlich sehen, wie gut es einem geht und was man sich leisten kann.

Bei jedem griechischem Fest, das ich bisher erlebt habe, gab es Livemusik, und nach einem reichhaltigen Essen wurde immer getanzt. Ob Krise oder nicht – der Grieche weiß zu feiern. Vielleicht verstehen es die Griechen so gut und ausgiebig zu feiern, weil sie von jeher einen Hang zum Dramatischen haben. Kleinigkeiten werden gerne übertrieben aufgebauscht und dramatisiert, da braucht man eben einen Ausgleich.



Griechisches Essen © icvelis-pixabay.com
Kalí órexi - Guten Appetit! © icvelis-pixabay.com

Ich kenne aber auch keinen Griechen, der auf die Idee käme, nur einen Hauptgang zu wählen. Man bestellt von allem, bis auf dem Tisch kein Platz mehr ist. Doch gerade, wenn man in Gesellschaft ist, dauert das Essen auch entsprechend lang. Man nimmt sich Zeit dafür und genießt Geselligkeit und Gaumenfreuden gleichermaßen. Dazu gehören natürlich auch der unvermeidliche Retsína (geharzter Weißwein) und Ouzo bzw. Tzípuro (Tresterbranntwein, mit Grappa zu vergleichen). Alle Griechen, die ich bisher kennengelernt habe, trinken selbst lieber Tzípuro, der Ouzo ist für die Touristen.

In deutschen Restaurants ist es üblich, leere Gläser und Flaschen abzuräumen und immer nur das zuletzt bestellte Getränk stehen zu lassen. In Griechenland gehört es dazu, alle benutzen Gläser und sämtliche bestellten und auch schon geleerten Flaschen auf dem Tisch stehen zu lassen. Jeder soll schließlich sehen, wie gut es einem geht und was man sich leisten kann.

Bei jedem griechischem Fest, das ich bisher erlebt habe, gab es Livemusik, und nach einem reichhaltigen Essen wurde immer getanzt. Ob Krise oder nicht – der Grieche weiß zu feiern. Vielleicht verstehen es die Griechen so gut und ausgiebig zu feiern, weil sie von jeher einen Hang zum Dramatischen haben. Kleinigkeiten werden gerne übertrieben aufgebauscht und dramatisiert, da braucht man eben einen Ausgleich.

Tanz © nikoslevkas-pixabay.com
Zur griechischen Männertracht gehört die Fustanella. © nikoslevkas-pixabay.com

Faszinierend finde ich, dass in Griechenland so viel und häufig getanzt wird und jede Region ihre eigenen Tänze hat. Griechen jeden Alters beherrschen die Schrittfolgen und schließen sich dem reigenartigen Tanz an. Der Deutsche tanzt, wenn er gut gelaunt ist oder zu viel getrunken hat. Der Grieche kann auch tanzen, wenn er todtraurig ist. Bei uns tanzen überwiegend Frauen; nicht selten kommt es vor, dass sich auf der Tanzfläche nur Mädchen tummeln. Die Griechen haben Tänze, bei denen ein einzelner Mann mit dramatischen Gesten und finsterer Miene eine bestimmte Schrittfolge ausführt. Die übrigen Tanzwilligen knien sich an den Rand der Tanzfläche und klatschen im Takt des „Zeibekiko“, bis der Tänzer einem anderen Platz macht und sich seinerseits an den Rand hockt.

Die Musikrichtung „Rembetiko“ wird auch als griechischer Blues bezeichnet, denn die Texte berichten von den alltäglichen Sorgen der einfachen Leute. Ursprünglich wurden Rembetika von den Flüchtlingen aus Kleinasien gespielt, später entwickelte sich daraus eine der populärsten Musikrichtungen Griechenlands. Ende 2017 wurde der Rembetiko in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Der Sirtaki, den die meisten Deutschen aus dem Film „Alexis Zorbas“ kennen, ist hingegen kein typischer traditioneller griechischer Tanz. Weil der Schauspieler Antoni Quinn sich beim Lernen der original griechischen Tänze so schwergetan haben soll, wurde eigens für ihn eine einfachere Schrittfolge erdacht. Ganz nach dem Motto: Nur kein Stress, für alles gibt es auch eine griechische Lösung!

(Ina Colen-Simeonidis)

Gewusst? In Griechenland ist ein Geburtstag kein großer Anlass für eine Party – stattdessen feiert man den Namenstag. Etwa 87 Prozent der Griechen gehören nämlich der griechisch-orthodoxen Religion an und die meisten Namen gehen auf christliche Heilige zurück. Deren Todestage feiert man als Gedenktage und gleichzeitig an jenem Tag alle, die den Namen des Heiligen tragen. Jede Geste mit offener Handfläche gegen eine Person fasst man in Griechenland als Beleidigung auf, vor allem wenn beide Hände benutzt werden – so bleibt nichts anders übrig, als mit geschlossener Faust zu winken oder dabei die Handinnenflächen zu sich selbst zu drehen. Menschen, die besonders schön sind, spuckt man ein „ftou, ftou, ftou“ entgegen: Das soll Neider und böse Geister von der Person fernhalten. Auch mit jenen, die von einem Unglück erzählen, wird so verfahren. Mit dieser Art Pusten soll der Teufel vertrieben, aber das Böse auch vor einem selbst ferngehalten werden. Übrigens soll auch das allgegenwärtige Türkis-Blau in Griechenland laut alten Sagen böse Geister vertreiben: Deshalb haben viele griechische Kirchen, etwa auf der Insel Santorin, blaue Kuppeln, ebenso Türen, Fensterläden oder Möbelstücke. Die blau-weiße Farbe auf der griechischen Flagge wurde aber vom ersten König des neuen Griechenlands, Otto I. und Sohn von König Ludwig I., eingeführt. Letzterer war übrigens ein großer Bewunderer der griechischen Antike und der hellenischen Kultur – daher verdankt Bayer Ludwig I. sein „y“. Er verfügte nämlich 1825 per amtlichem Erlass, dass „Baiern“ künftig mit griechischem Ypsilon zu schreiben sei. Aischylos, den berühmten griechischen Tragödiendichter der Antike, soll Überlieferungen zufolge 455 v. Chr. der Tod ereilt haben, da ihn eine Schildkröte, welche ein Adler fallen ließ, erschlug. Vermutlich kam es zu dem Missgeschick, weil der Vogel die Glatze des Dichters mit einem Felsen verwechselte: Diesen hätte er nutzen wollen, um den Schildkrötenpanzer zu knacken.

 

Typisch Griechisch! ist ein Auszug aus:

Länderklischees
Alle Iren haben rote Haare