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Typisch ungarisch!

Salami und Paprika – das ist natürlich typisch ungarisch, genauso wie Gulasch und Kessel. Abseits von Klischees gibt es allerdings noch viel mehr, was typisch für dieses wunderschöne Land ist. Hungarika nennt man übrigens typisch ungarische Erzeugnisse mit bekanntem Namen sowie langer Tradition.

Blick auf das ungarische Parlament in Budapest; (c)if/reisebuch.de

Unmittelbar nach der Ankunft im Land begegnet der Ungarnurlauber einem speziellen Faszinosum: dem Ungarischen! Die ungarische Sprache ist unter den europäischen Amtssprachen lediglich mit dem Finnisch entfernt verwandt – beide zählen zur uralischen Sprachfamilie und stammen höchstwahrscheinlich aus Westsibirien. Ungarisch ist eine wunderschön melodische Sprache, doch auch eine der schwierigsten auf der ganzen Welt. Speziell für Sprecher indogermanischer Sprachen hört sich Ungarisch äußerst fremd und ungewohnt an – viele Landesbewohner, insbesondere in touristischen Gebieten, sprechen allerdings sehr gut Deutsch, das zusammen mit dem ungarischen Akzent sehr charmant klingt. Wer die ungarische Landessprache erlernen möchte, kann sich übrigens mit rund 10 Millionen Ungarn und weiteren 4 bis 5 Millionen außerhalb von Ungarn lebenden Menschen unterhalten.

So sehr sich die Sprache auch durch Exotik auszeichnen mag, so tief verwurzelt ist das ungarische Volk in Europa: Vor 1100 Jahren siedelten sich die Magyaren im Karpatenbecken an, seit 2004 gehört Ungarn zur EU. Den Fall des Eisernen Vorhangs im Jahre 1989 unterstützte die damalige Regierung aktiv. Wer heute ins Land reist, trifft auf Weltoffenheit, Vielfalt und vor allem eine große Gastfreundschaft und natürlich auf folgende Hungarika:

Paprika – das Feuer von Ungarn: Nichts, egal ob zum Verzehr geeignet oder nicht, assoziiert man vermutlich so sehr mit Ungarn wie diese rote Gemüseart. Vor allem in pulverisierter Form ist es aus ungarischen Kochtöpfen nicht wegzudecken, fast alle Gemüse- und Fleischspeisen erhalten dadurch ihre typisch ungarische Note. Der sonnenverwöhnte Süden des Landes um Kalocsa und Szeged ist das Hauptanbaugebiet der pikanten Gewürzschoten. Wahrscheinlich haben einst die Türken den Paprika nach Ungarn gebracht, im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde er vermehrt in der Küche verwendet. Professor Albert Szent-György aus Szeged erhielt 1937 sogar den Nobelpreis, da er belegen konnte, dass sich Vitamin C, das sich in einer besonders starken Konzentration im Paprika finden lässt, positiv auf den menschlichen Organismus auswirkt. Mildes oder scharfes Paprikapulver ist überall in Ungarn erhältlich, selbst Produktvarianten wie Paprikaöl oder -schnaps kann man kaufen.

Kochen im Kessel: Auf keinem Fest fehlt er und jeder Ungarnreisende sollte einmal ein Essen direkt aus dem Bogrács (Kessel) zu sich nehmen. Neben dem beliebten Gulasch und Pörkölt wird darin vor allem Fischsuppe zubereitet. Kochen im Kessel sorgt für einen ganz besonderen Geschmack, der sich mit der herkömmlichen Herdküche kaum vergleichen lässt.

Salami – intensiver Geschmack und eine lange Haltbarkeit: Die ungarische Salami ist heute ein weltweiter Exportschlager, dem Ungarn Mark Pick, der 1869 in Szeged, eine Salamifirma gründete, wird die Einführung der eigentlich italienischen Salami in Ungarn zugeschrieben. Er veränderte allerdings rasch das Originalrezept und die berühmte Pick Wintersalami war bald als eigenständiges Wurstprodukt zu betrachten. Salami aus dem Hause Pick gilt heute als der Inbegriff der ungarischen Salami, die sich übrigens seit jeher durch einen besonders intensiven Geschmack und eine lange Haltbarkeit auszeichnet.
Typisch ungarisch sind außerdem noch kulinarische Spezialitäten wie die Kolbász Wurst, Kürtöskalács, der ungarische Baumkuchen, oder Tejföl, die für den Ungarn unverzichtbare saure Sahne.

Schnaps – Pálinka und Unicum: Er ist obligatorisch nach dem Genuss einer deftigen ungarischen Mahlzeit – der ungarische Schnaps, auch Pálinka genannt. Gebrannt wird er aus beinahe allem, was die ungarische Natur zu bieten hat: aus Aprikosen für den hochprozentigen barackpálinka, Pflaumen für den szilvapálinka oder Honig für den mézespalnika. Zu erwähnen ist dann noch der Unicum, der weit über Ungarns Landesgrenzen hinaus, berühmt ist. Der herbe Kräuterlikör erinnert ein wenig an den deutschen Jägermeister und wurde 1790 dem deutschen Kaiser Joseph II. von seinem ungarischen Hofarzt Dr. Zwack gereicht. „Das ist ein Unicum!“, soll der Kaiser über den Extrakt aus 40 verschiedenen Kräutern ausgerufen haben. 1840 begann die kommerzielle Historie des Unicum mit seiner industriellen Fertigung durch die in Pest gegründete Brennerei Zwack.

Tokajer – ungarischer Wein: Der berühmteste Wein des Landes stammt aus dem Gebiet Tokaj im Nordosten Ungarns. Er besticht durch einen einzigartigen Geschmack und seine goldene Farbe, die sich durch die Lage der Berghänge, intensive Sonne, die Nähe zu den Flüssen Bodrog und Theiß ergeben, diese sorgen nämlich für ein besonderes Klima, in dem die Trauben vom Schimmelpilz Botrytis cinera befallen werden und so eine Edelfäule durchlaufen. So kann der Most dieser Trauben einen Zuckergehalt von 850g/l aufweisen. Eingang fand der Tokajer sogar in die ungarische Nationalhymne, in der man diesbezüglich vom „Geschenk Gottes“ singt, der Spätlese-Wein erfreute sich größter Beliebtheit an den Adelhöfen Europas und in Ungarn wurde er deshalb auch als „flüssiges Gold“ bezeichnet. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. sprach vom Tokajer übrigens vom „König der Weine – Wein der Könige“.

Porzellan aus Herend: Das Herendi Porzellan ist eine der wenigen großen Erfolgsgeschichten der ungarischen Neuzeit. Dieses Hungarikum erlangte seine Berühmtheit nämlich in erster Linie an den europäischen Adelshöfen und durch deren bekanntesten Vertreterinnen. Die Porzellanmanufaktur aus dem Westen des Landes belieferte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beispielsweise die englische Queen Victoria oder Kaiserin Sisi, auch die Familien Rothschild und Esterházy. Der Hochadel begeisterte sich speziell für die filigranen, fernöstlichen Motive. Bis heute werden die Designs in Herend ausschließlich von Hand bemalt.

Béres Csepp Tropfen: Der Name Béres ist einer der prominentesten Markennamen des Landes, vergleich nur noch mit Pick oder Zwack. Eigentlich ist aber vor allem die Geschichte von Glauben oder Nicht-Glauben: Die Tropfen des Erfinders Dr. József Béres sollen nämlich bei der Behandlung von Gelenkschmerzen, Rheuma, Migräne, Multipler Sklerose oder Depressionen, sogar bei der Bekämpfung von Tumoren unterstützen, meinen die einen, andere bezeichnen den bitteren Auszug als reinsten Humbug. In Ungarn sind die Tropfen jedenfalls offiziell als Medikament zugelassen und in der Apotheke erhältlich.

Tihany Lavendelöl: Tihany ragt als einzige Halbinsel in den Balaton hinein und hier finden sich die leuchten lila, duftenden Lavendelstöcke, die erstmals 1924 hier angepflanzt wurden. Das hier hergestellte Lavendelöl ist europaweit bekannt und übertraf selbst die Qualität des original französischen Lavendels.

Die ungarische Zahnmedizin: Auf einem hohen Level befindet sich die ungarische Zahnmedizin, die sogar zur weltweiten Spitzengruppe zählt. Und auch sie muss beim Thema „typisch ungarisch“ wohl Erwähnung finden, da sie über die Landesgrenzen hinaus sehr bekannt ist. Dabei ist es nicht nur die Kompetenz, die so viele Zahnpatienten nach Ungarn bringt, sondern die günstigen Behandlungskosten, diese liegen bis zu unglaublichen 70 Prozent unter den deutschen Tarifen. Die deutschen Krankenkassen rechnen die Behandlung und Kur in Ungarn aber so ab, als hätte die Behandlung in Deutschland stattgefunden.