Die Täter setzen dabei auf zwei psychologische Hebel: Zeitdruck und die Autorität des Portals. Wer glaubt, mit einer offiziellen Nachricht von Booking.com oder „seinem“ Hotel zu tun zu haben, prüft seltener kritisch – und genau das nutzen die Täter aus.
Wenn die Unterkunft zu schön scheint, um wahr zu sein
Ein perfektes Apartment in Barcelonas Altstadt für 40 Euro pro Nacht, dazu makellose Fotos, aber keine einzige Bewertung – solche Angebote sind klassische Köder. In einem dokumentierten Fall aus Spanien nutzten Betrüger die Bilder eines tatsächlich existierenden Luxus-Apartments und legten damit ein neues Profil bei Booking.com an. Innerhalb von fünf Tagen wurden über 60 Buchungen angenommen, bevor die Plattform eingriff. Die Gäste erhielten kurz nach der Buchung Zahlungsaufforderungen per E-Mail, angeblich um „die Reservierung zu sichern“. Das Geld verschwand in Ketten von Auslandskonten.
Auch deutlich zu niedrige Preise sind ein Warnsignal. Selbst in der Nebensaison gibt es marktübliche Untergrenzen – fällt der Preis deutlich ab, ist Skepsis angebracht. Eine britische Familie berichtete 2025 (The Guardian), dass sie ein 5-Sterne-Hotel in Venedig für ein Drittel des normalen Preises buchte. Kurz darauf kam eine Nachricht mit einem Zahlungslink. Die Familie zahlte und stand bei Ankunft vor einem völlig überraschten Rezeptionisten – das Hotel hatte die Zahlung nie erhalten.
Betrug per Nachricht – der „Hotel-Link-Trick“
Besonders heimtückisch sind Fälle, bei denen Betrüger keinen Fake-Account anlegen, sondern ein bestehendes Hotelprofil hacken. Über dieses können sie direkt mit den Gästen kommunizieren. Da die Nachricht im offiziellen Booking.com-Postfach erscheint, ist sie kaum als Fake zu erkennen.
Typischer Ablauf:
- Der Gast erhält kurz nach der Buchung eine Nachricht vom „Hotel“.
- Es wird behauptet, die Kreditkarte sei nicht belastbar oder die Zahlung müsse aus Sicherheitsgründen bestätigt werden.
- Ein Link führt zu einer täuschend echten Kopie der Booking.com-Zahlungsseite.
- Die Gäste geben dort ihre Daten ein – und finanzieren unbemerkt das Konto der Täter.
Laut The Sun (2025) wurden in Großbritannien Schäden von mehreren Hunderttausend Pfund gemeldet. Die Opfer glaubten, direkt mit Booking.com oder dem Hotel zu kommunizieren.
Umleitung auf externe Kanäle
Ein weiteres beliebtes Muster: Der Anbieter bittet darum, den Kontakt auf WhatsApp oder eine private E-Mail-Adresse zu verlagern. Offiziell, um „schneller kommunizieren“ zu können – tatsächlich aber, um außerhalb des überwachten Portals vertrauliche Daten abzufragen. In einem Fall aus Deutschland wurde so eine ganze Reisegruppe um mehrere Tausend Euro gebracht, nachdem sie Ausweiskopien und Kreditkartendaten per WhatsApp verschickt hatte.
Unklare oder fehlende Stornobedingungen
Seriöse Unterkünfte legen Wert auf klare Rücktrittsregelungen. Fake-Angebote nutzen oft vage Formulierungen („kostenlos stornierbar nach Vereinbarung“), die im Streitfall nichts wert sind. Wer diese nicht dokumentiert, hat später kaum Chancen, Geld zurückzubekommen.
Ein Fall aus Italien zeigt, wie perfide das ist: Eine angeblich flexible Ferienwohnung in Florenz ließ sich laut Beschreibung „jederzeit kostenfrei“ stornieren. Nach der Vorauszahlung erhielten Gäste jedoch nie eine Bestätigung. Bei Nachfrage hieß es, Stornierungen seien „nicht mehr möglich, da der Reisezeitraum zu nah sei“ – der Zeitraum lag noch drei Monate in der Zukunft.
Typische Betrugsvarianten
- Kompromittierte Hotelkonten: Echte Profile, die gehackt werden, um gefälschte Zahlungslinks zu versenden.
- Komplett erfundene Unterkünfte: Neu angelegt, mit gestohlenen Bildern, oft nur wenige Tage online.
- Social-Media-Köder: Werbung auf Facebook oder Instagram, die auf gefälschte „Booking“-Seiten führt.
- Scheinbare Umbuchungen: Gäste werden nach der Buchung kontaktiert, man habe „versehentlich ein falsches Zimmer“ gebucht und müsse über einen Link neu reservieren – natürlich gegen Vorauszahlung.
Wenn es schon passiert ist – Handlungsplan für Betroffene
Wer Opfer einer solchen Masche wird, sollte sofort reagieren. Jede Verzögerung reduziert die Chancen, das Geld zurückzubekommen.
- Booking.com informieren – alle Nachrichten, Links, Buchungsnummern und Zahlungsbelege sichern und über den offiziellen Support einreichen.
- Bank oder Zahlungsdienstleister einschalten – Kreditkarten sperren, Chargeback beantragen, Überweisungen stornieren, PayPal-Käuferschutz nutzen (bei „Freunde“-Zahlungen meist ausgeschlossen).
- Polizei einschalten – Anzeige mit allen Belegen erstatten, bei internationalen Fällen Hinweis auf Europol/Interpol geben.
- Konten und Daten sichern – Passwörter ändern, Ausweise sperren, Kreditkarten neu beantragen.
- Verbraucherzentrale informieren – Unterstützung bei rechtlichen Schritten und Meldung zur Prävention.
- Andere warnen – anonymisiert in Foren und Gruppen berichten.
Woran Sie unseriöse Angebote erkennen
Auffällig sind:
- Fehlende oder sehr wenige (extrem positive) Bewertungen
- Preis deutlich unter dem Marktwert
- Zahlungsaufforderungen außerhalb der Plattform
- Drängen auf WhatsApp oder private E-Mail
- Vage Stornoregeln
Im Ernstfall:
- Sofort Booking.com kontaktieren
- Zahlung stoppen
- Polizei einschalten
- Beweise sichern
- Konten schützen
- Verbraucherzentrale informieren
Betrugsmaschen rund um Booking.com sind zunehmend ausgefeilt und nutzen auch offizielle Kanäle. Wer einige zentrale Sicherheitsregeln beachtet, kann sich gut schützen: Niemals Zahlungsdaten über Links in Nachrichten weitergeben, nur direkt auf der offiziellen Plattform kommunizieren und bei Unsicherheiten immer direkt beim Hotel oder Booking.com nachfragen. Im Betrugsfall gilt: Schnell handeln, Bank und Plattform informieren, Anzeige erstatten und Beweise sichern. So sind die Chancen, den Schaden abzuwenden oder zumindest zu begrenzen, am höchsten.

