Wo es sich lohnt – und wo es ruhig bleibt
Wien – Kulturherbst zwischen Kaffeehaus und Oper
Wien entfaltet im Herbst eine Eleganz, die im Sommer leicht untergeht. Wenn die Alleen in den Parks in Gold- und Rottönen leuchten, beginnt die Hochsaison für Kultur. In der Staatsoper startet das Programm, und die großen Museen wie das Kunsthistorische Museum oder die Albertina eröffnen neue Ausstellungen.
Die Atmosphäre ist entspannt: Bei Temperaturen um die 15 Grad im Oktober lässt es sich durch die Altstadt flanieren, ohne Gedränge auf den Straßen. Wer bewusst hinschaut, entdeckt neben bekannten Sehenswürdigkeiten stille Winkel wie die Otto-Wagner-Kirche am Steinhof oder den Lainzer Tiergarten, wo Rehe zwischen Buchenlaub auftauchen.
Auch die Kulinarik prägt die Jahreszeit. Auf den Märkten duftet es nach gerösteten Maroni, die Heurigen am Stadtrand schenken jungen Sturm aus, und viele Gasthäuser servieren Wildgerichte. Im Kaffeehaus wird die Melange zum Begleiter einer Sachertorte, während draußen das Herbstlicht durch die Fenster fällt.
Ein Geheimtipp ist ein Spaziergang durch den Prater am späten Nachmittag: Die Alleen sind menschenleer, das Riesenrad dreht sich vor goldenem Himmel. Für die Reisedauer sollte man mindestens vier Tage einplanen, um Oper, Museen, Prater und einen Heurigenbesuch zu verbinden.
Montréal – Indian Summer mit europäischem Flair
Wenn sich im Oktober die Ahornbäume auf dem Mont Royal leuchtend rot färben, entfaltet Montréal seinen besonderen Zauber. Die Temperaturen liegen bei 10 bis 15 Grad, die Stadt ist ruhig und ideal für Spaziergänge durch die Altstadt. Der Sommerandrang ist vorbei, der Wintertourismus noch fern – perfekte Bedingungen, um die Atmosphäre zu genießen.
Der Kontrast zwischen Natur und Stadt ist einzigartig. Vom Aussichtspunkt auf dem Mont Royal blickt man auf die Skyline im Herbstlaub, während in Vierteln wie Le Plateau Straßencafés und kleine Läden geöffnet haben. In den Parks wie dem Parc La Fontaine treffen sich die Bewohner zu Picknicks im raschelnden Laub. Abends laden Bistros und Jazzclubs zu warmem Licht und Musik ein.
Die Kulinarik steht im Zeichen der Ernte. Auf den Märkten stapeln sich Kürbisse, Äpfel und Ahornsirup-Produkte. Restaurants servieren herzhafte Gerichte, von Poutine bis zu moderner Fusionsküche. Ein Abend in einer Brasserie bei Québec-Wein oder lokalem Bier passt perfekt zur Jahreszeit.
Ein Geheimtipp ist der Botanische Garten, der im Herbst mit Laternen illuminiert wird und fast märchenhaft wirkt. Ebenso lohnend ist ein Spaziergang am Sankt-Lorenz-Strom, der morgens oft von Nebel überzogen ist. Für die Reisedauer sind vier bis fünf Tage ideal, ergänzt durch einen Ausflug in die Laurentides.
Sevilla – Andalusien im milden Herbstlicht
Sevilla zeigt sich im Herbst von seiner angenehmsten Seite. Bei 20 bis 26 Grad ist es warm genug zum Flanieren, aber nicht mehr drückend. Die Stadt ist ruhiger als im Frühjahr, wenn Prozessionen die Straßen füllen. Wer im Oktober oder frühen November reist, findet entspannte Plätze und offene Gassen.
Die großen Sehenswürdigkeiten entfalten nun besonderen Reiz. Der Alcázar zeigt seine Gärten im milden Licht, und wer früh kommt, kann sie in Ruhe erleben. Auf der Plaza de España ist am Vormittag Platz zum Schlendern, am Nachmittag lohnt eine Radtour am Guadalquivir entlang bis zur Insel La Cartuja.
Abends bestimmen die Tapas-Bars das Stadtleben. Hier beginnt der Flamenco, weniger touristisch, oft authentisch und familiär. Auch die Kulinarik wechselt: Wildpilze, Kastanien und junge Weine treten neben Jamón und Gazpacho.
Ein Geheimtipp ist der Ausflug nach Itálica, die römische Stadt vor den Toren Sevillas. Im Herbst wandert man zwischen Mosaiken und dem Amphitheater fast allein. Drei bis fünf Tage reichen, um klassische Highlights, Flamencoabende und einen Ausflug zu verbinden.
Seoul – Paläste im Herbstlaub
Wenn im Oktober die Ginkgos und Ahornbäume in Gelb und Rot erstrahlen, verwandelt sich Seoul in eine Herbstkulisse, die ihresgleichen sucht. Bei 19 Grad im Oktober ist das Klima mild, die Luft klar, die Stadt weniger überfüllt als zur Kirschblüte.
Die Sehenswürdigkeiten wirken jetzt besonders: Der Gyeongbokgung-Palast am Morgen, das Hanok-Viertel Bukchon am Nachmittag im warmen Licht, und abends das Laternenfestival am Cheonggyecheon-Bach. Wer Lust auf Natur hat, findet im Bukhansan-Nationalpark bunte Wälder direkt am Stadtrand.
Die Kulinarik folgt der Saison: geröstete Kastanien an Straßenständen, Songi-Pilze in Suppen, frische Herbstmakrelen und eingelegte Krabben auf den Märkten. Abends wärmt ein Glas Makgeolli oder Soju in studentischen Bars.
Ein Geheimtipp sind die Paläste bei Nacht, die im Oktober für begrenzte Abende geöffnet sind. Unter Laternenlicht im Hof des Kiyongbokgung den Ahornbäumen beim Leuchten zuzusehen, ist einzigartig. Für die Reisedauer sollte man fünf Tage einplanen, um Stadt, Märkte und eine Wanderung zu verbinden.
Lissabon – Spätsommer am Atlantik
Lissabon zeigt sich im Herbst von seiner angenehmsten Seite. Das milde Atlantikklima sorgt für Temperaturen zwischen 18 und 25 Grad, die Tage sind sonnig, das Licht fällt golden auf die Kachelfassaden und die Aussichtspunkte über der Stadt. Der große Besucherandrang des Sommers ist vorbei, die Atmosphäre wirkt entspannter, die Straßenbahnen und Plätze wieder begehbar.
Ein Spaziergang durch Alfama vermittelt das ursprüngliche Stadtgefühl: enge Gassen, kleine Lokale, Fado-Gesang am Abend. Wer weiter hinaufsteigt, erreicht Aussichtspunkte wie den Miradouro da Senhora do Monte, von wo aus sich die Stadt im weichen Herbstlicht präsentiert. Besonders im November ist die Stimmung einzigartig: überall duftet es nach gerösteten Maroni, und zum Martinstag schenken Bars und Weinhändler den ersten jungen Wein aus.
Die Kulinarik ist jetzt reichhaltig. Neben den allgegenwärtigen Pastéis de Nata stehen Gerichte mit Wildpilzen oder Kürbis auf der Karte. Viele Restaurants nutzen die Saison für spezielle Menüs, und in den Markthallen wie der Time Out Market spürt man die Vielfalt portugiesischer Küche – von gegrilltem Fisch bis zu moderner Interpretation traditioneller Rezepte.
Ein Geheimtipp ist der Ausflug nach Sintra, dessen Paläste und Parkanlagen im Herbst eine fast märchenhafte Wirkung entfalten. Der Nebel, der an manchen Tagen vom Atlantik ins Hügelland zieht, verleiht den Gärten einen verwunschenen Charakter. Auch Cascais oder die Küste bei Estoril lassen sich nun ohne sommerliches Gedränge besuchen.
Hinweis
Nach dem tragischen Unfall der Standseilbahn Elevador da Glória im September 2025, bei dem mehrere Menschen ums Leben kamen, bleibt diese Verbindung bis auf Weiteres außer Betrieb. Reisende sollten stattdessen die gut funktionierende Metro oder die Buslinien nutzen, die zuverlässig die Oberstadt erschließen.
Für die Reisedauer sind vier bis fünf Tage ideal: genug Zeit für die klassischen Viertel, einen Abend mit Fado, Ausflüge nach Sintra oder ans Meer – und für viele Pausen, um Lissabon einfach im warmen Herbstlicht wirken zu lassen.
Kyoto – Zen-Gärten im roten Blättermeer
Kyoto ist im Herbst ein Erlebnis. Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember färben sich die Ahornbäume in Rot- und Goldtönen, die Tempelgärten werden zu lebendigen Gemälden. Zwar reisen auch viele Japaner an, doch internationale Besucher sind weniger zahlreich als im Frühjahr zur Kirschblüte.
Die Sehenswürdigkeiten entfalten ihre ganze Wirkung: der Kiyomizu-dera im Abendlicht, der goldene Pavillon vor roten Bäumen, die Alleen des Philosophenwegs. Viele Tempel bieten ab Mitte November Abendbeleuchtungen, die die Gärten in stimmungsvolles Licht tauchen.
Die Kulinarik folgt den Jahreszeiten. Matsutake-Pilze, Kürbisgerichte und Süßkartoffeln sind jetzt typisch, dazu frischer Sake aus den Brauereien von Fushimi. In den Gassen der Altstadt gibt es Wagashi mit Maronenfüllung und Teezeremonien, die das Herbstthema aufnehmen.
Ein Geheimtipp ist der Tempel Otagi Nenbutsu-ji mit seinen hunderten lächelnden Steinstatuen – im Herbst fast menschenleer. Für die Reisedauer sind fünf bis sieben Tage ideal, mit Zeit für Tempel, Märkte und einen Ausflug nach Nara.
Bologna – Genuss- und Kulturherbst unter Arkaden
Bologna ist eine Stadt für Genießer, und im Herbst trägt sie ihren Beinamen „La Grassa“ zu Recht. Unter den Arkaden spaziert man wettergeschützt, auf den Märkten türmen sich Pilze, Kürbisse und Trüffel. Die Studierenden kehren zurück, doch Touristen sind selten – die Atmosphäre ist lebendig, ohne überfüllt zu wirken.
Die Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander: Piazza Maggiore, die Geschlechtertürme, das Marktviertel Quadrilatero. Wer früh den Asinelli-Turm besteigt, sieht die roten Dächer bis zu den Apenninen. Am Abend öffnen kleine Trattorien und servieren Tagliatelle al Ragù oder Tortellini in Brodo.
Auch die Kulinarik außerhalb der Stadt lohnt. In den Hügeln finden im Oktober Trüffelmärkte statt, in den Vororten feiert man die Mortadella, und im November verwandelt sich Bologna bei der Cioccoshow in eine Schokoladenstadt.
Ein Geheimtipp ist die Osteria del Sole, wo man Speisen vom Markt mitbringt und nur den Wein bestellt – eine Tradition seit dem 15. Jahrhundert. Drei bis vier Tage reichen, um Stadt, Küche und einen Abstecher nach Modena oder Parma zu verbinden.
Kapstadt – Frühling am Tafelberg
Während in Europa Herbst herrscht, beginnt in Kapstadt der Frühling. Von September bis November steigen die Temperaturen von mild auf warm, die Natur zeigt sich frisch und grün. Da die Hochsaison erst im Dezember beginnt, ist die Stadt ruhig und preislich attraktiv.
Die Mischung aus Stadt und Natur ist jetzt besonders reizvoll. Auf den Tafelberg steigt man bei klarem Wetter ohne Gedränge, am Lion’s Head erlebt man den Sonnenaufgang fast allein. Der Botanische Garten von Kirstenbosch zeigt ein Farbenmeer aus Proteas, und entlang der Küste blüht das Fynbos.
Auch die Kulinarik profitiert. In den nahegelegenen Winelands sprießen die Weinberge, Verkostungen sind entspannt und lohnend. In der Stadt genießt man frischen Fisch an der Waterfront oder Streetfood im Neighbourgoods Market.
Ein Geheimtipp ist das Kap der Guten Hoffnung im Frühling: Wenig Besucher, klare Sicht bis zum Horizont und blühende Landschaft. Für die Reisedauer sind fünf bis sieben Tage empfehlenswert, mit Stadt, Kap-Halbinsel und einem Abstecher in die Winelands.
Buenos Aires – Jacarandá-Blüte im November
In Buenos Aires ist der November der schönste Monat: Überall blühen die Jacarandá-Bäume und tauchen Straßen und Plätze in ein violettes Meer. Die Temperaturen liegen bei 20 bis 25 Grad, die langen Abende laden zum Bummeln ein, die Sommerferien sind noch fern.
Die Atmosphäre ist ausgelassen, doch nicht hektisch. Auf den Plätzen von San Telmo tanzt man Tango im Freien, in Palermo blühen die Parks, und auf der Avenida de Mayo bilden die Jacarandás ein Blütendach. Ein Spaziergang über den Friedhof von Recoleta ist eindrucksvoll, wenn Familien die Gräber zu Allerheiligen schmücken.
Die Kulinarik ist fest in argentinischer Tradition. Ein Besuch in einer Parrilla gehört dazu, ob Bife de Chorizo oder Provoleta. Daneben locken Eisdielen mit neuen Frühlingssorten, und in den Bars probiert man argentinische Weine – von kräftigem Malbec bis zum duftenden Torrontés.
Ein Geheimtipp ist das Café Tortoni, wo man vormittags spontan einen Platz bekommt und bei Schokolade oder Kaffee den Geist vergangener Literaten spürt. Für die Reisedauer sind fünf bis sieben Tage ideal, mit Zeit für Viertel, Märkte und einen Tagesausflug nach Colonia in Uruguay.
Buchtipp

Cover: amazon.de

