Deutsche verreisen häufiger im Inland – aber der Urlaub zu Hause boomt nicht

| von Hartmut Ihnenfeldt

Die Zahl der mehrtägigen Reisen innerhalb Deutschlands hat 2025 einen Rekord erreicht, während Auslandsreisen deutlich zurückgingen. Auf den ersten Blick sieht das nach einem kräftigen Comeback des Deutschlandurlaubs aus. Die Statistik zeigt jedoch ein differenzierteres Bild: Entscheidend für den Zuwachs waren vor allem Geschäftsreisen.

Deutsche verreisen häufiger im Inland – aber der Urlaub zu Hause boomt nicht
Lübeck ist ein attraktives Reiseziel in Ostseenähe; Foto: if/reisebuch.de

Das Wichtigste vorweg

  • 2025 wurden rund 169 Millionen mehrtägige Inlandsreisen unternommen – 3,9 Prozent mehr als 2024 und rund fünf Prozent mehr als 2019.
  • Gleichzeitig sank die Zahl der Auslandsreisen um 8,3 Prozent auf 105 Millionen.
  • Der wesentliche Wachstumstreiber im Inland waren Geschäftsreisen: Sie nahmen um 10,5 Prozent auf 41 Millionen zu.
  • Die Zahl der Privatreisen insgesamt ging dagegen um 2,9 Prozent auf rund 233 Millionen zurück.
  • Das Auto blieb mit 60,2 Prozent mit Abstand wichtigstes Verkehrsmittel.
  • Der Deutschlandtourismus profitiert trotzdem von einer starken Inlandsnachfrage: 2025 erreichten die Beherbergungsbetriebe mit 497,5 Millionen Übernachtungen einen neuen Rekord.

169 Millionen Reisen innerhalb Deutschlands

Deutschland ist als Reiseziel für die eigene Bevölkerung wichtiger geworden. Nach den am 17. August 2026 veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 rund 169 Millionen mehrtägige Reisen innerhalb Deutschlands unternommen. Gegenüber 2024 entspricht das einem Plus von 3,9 Prozent. Selbst das Vor-Corona-Jahr 2019 wurde um etwa fünf Prozent übertroffen.

Bemerkenswert ist vor allem die gegenläufige Entwicklung der Auslandsreisen. Ihre Zahl sank 2025 um 8,3 Prozent auf rund 105 Millionen.

Damit entfielen rechnerisch knapp 62 Prozent aller mehrtägigen Reisen auf Ziele innerhalb Deutschlands. Insgesamt wurden 274 Millionen Reisen mit mindestens einer Übernachtung gezählt.

Von einem allgemeinen Reiseboom kann trotzdem keine Rede sein. Die Gesamtzahl dieser Reisen sank gegenüber 2024 um 1,1 Prozent. Die Deutschen verlagerten ihre Reisen also teilweise vom Ausland ins Inland, reisten insgesamt aber etwas weniger.

Der entscheidende Unterschied: Reise ist nicht gleich Urlaub

Für die touristische Einordnung ist eine Zahl besonders wichtig: Der starke Zuwachs bei den Inlandsreisen stammt keineswegs ausschließlich von Urlaubern.

Die Zahl der Geschäftsreisen stieg 2025 um 10,5 Prozent auf rund 41 Millionen. Damit näherte sich der Geschäftsreiseverkehr wieder dem Niveau vor der Corona-Pandemie an.

Bei den privaten Reisen sieht die Entwicklung anders aus. Ihre Zahl sank um 2,9 Prozent auf rund 233 Millionen.

Die Aussage „Die Deutschen machen wieder mehr Urlaub in Deutschland“ wäre deshalb zu pauschal. Präziser ist: Deutschland gewinnt bei allen mehrtägigen Reisen deutlich gegenüber dem Ausland, während der private Reisemarkt insgesamt leicht schrumpft.

Das passt auch zu anderen Untersuchungen des Reisejahres 2025. Die Reiseanalyse 2026 kam bei den klassischen längeren Urlaubsreisen zu einem Rückgang der Inlandsnachfrage. Bei Kurzreisen führten zwar weiterhin rund 72 Prozent der Reisen zu Zielen innerhalb Deutschlands, doch auch hier wurde das Niveau früherer Jahre nicht vollständig erreicht.

Je nach Statistik wird also etwas anderes gemessen: eine Geschäftsreise nach Frankfurt, ein Wochenende in Hamburg und zwei Wochen Sommerurlaub an der Ostsee können in der Destatis-Reisestatistik jeweils als mehrtägige Reise erscheinen. Für die Beurteilung des eigentlichen Urlaubsmarktes müssen diese Reisearten auseinandergehalten werden.

Trotzdem: Deutschlands Tourismus erreicht einen Übernachtungsrekord

Dass der Inlandstourismus wirtschaftlich stark bleibt, zeigt eine zweite Statistik. Deutschlands Beherbergungsbetriebe registrierten 2025 insgesamt 497,5 Millionen Gästeübernachtungen – so viele wie noch nie.

Besonders wichtig waren dabei Gäste mit Wohnsitz in Deutschland. Auf sie entfielen 413,7 Millionen Übernachtungen, 0,7 Prozent mehr als 2024. Die Übernachtungen ausländischer Gäste gingen dagegen um 1,8 Prozent auf 83,8 Millionen zurück.

Beide Statistiken widersprechen sich nicht. Die Reisestatistik zählt Reisen von Personen, die Beherbergungsstatistik dagegen Übernachtungen in Hotels, Pensionen, größeren Ferienunterkünften, Campingplätzen und anderen erfassten Betrieben. Ein längerer Urlaub erzeugt beispielsweise eine Reise, aber möglicherweise zehn oder vierzehn Übernachtungen.

Das erklärt, warum die Zahl privater Reisen zurückgehen kann, während die Zahl der Übernachtungen trotzdem steigt.

Camping gehört zu den Gewinnern

Besonders deutlich ist die Entwicklung beim Camping. 2025 wurden auf deutschen Campingplätzen knapp 44,7 Millionen Übernachtungen registriert. Das waren 4,2 Prozent mehr als 2024 und fast ein Viertel mehr als 2019.

Davon profitierten klassische deutsche Ferienregionen. Deutschlands meistbesuchte Campingregion war 2025 erneut die schleswig-holsteinische Ostseeküste mit rund 3,5 Millionen Übernachtungen. Dahinter folgten Schwarzwald, niedersächsische Nordseeküste und Allgäu.

Gerade an den Küsten zeigt sich allerdings auch die Kehrseite der hohen Inlandsnachfrage. Die bekannten Ferienorte sind während der Hauptsaison stark ausgelastet, Unterkunftspreise sind gestiegen und die Verkehrs- und Parkplatzsituation wird vielerorts schwieriger.

Wer an die Ostsee möchte, sollte deshalb nicht allein nach bekannten Ortsnamen auswählen. Reisebuch.de hat die Top 5 Reiseziele an der Ostsee 2026 nach Landschaft, Auslastung und Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet. Für einen klassischen Strandurlaub bietet unser Vergleich der zehn besten Badeurlaubsziele in Deutschland weitere Orientierung.

Auch die deutsche Nordseeküste bleibt stark gefragt, verlangt wegen Gezeiten, Wetter und teilweise hoher Preise aber eine andere Reiseplanung als die Ostsee.

Das Auto bleibt das Verkehrsmittel Nummer eins

Die Renaissance des Reisens innerhalb Deutschlands führt bislang nicht zu einer grundlegenden Veränderung der Verkehrsmittelwahl.

Bei 60,2 Prozent aller mehrtägigen Reisen wurde 2025 das Auto genutzt. Mit erheblichem Abstand folgte die Bahn mit 19,2 Prozent. Das Flugzeug kam auf 15,2 Prozent, der Reisebus lediglich auf 2,7 Prozent.

Das Auto bleibt damit gerade für Ferienregionen abseits der großen Städte entscheidend. Küstenregionen, Seenlandschaften und ländliche Gebiete sind häufig nur eingeschränkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen. Gleichzeitig verschärft die starke Pkw-Nutzung in den Ferienzeiten bestehende Probleme.

An der Lübecker Bucht etwa wird der knappe Parkraum zunehmend zu einem Bestandteil der Reiseplanung. Reisebuch.de hat die Entwicklung im Beitrag „Lübecker Bucht: Was Besuchern beim Parken jetzt droht“ untersucht.

Für ruhigere Küstenabschnitte kann es sich deshalb lohnen, auf weniger bekannte Orte auszuweichen. Die Hohwachter Bucht beispielsweise verbindet Ostseestrände mit einem vergleichsweise wenig verdichteten Hinterland. Einen direkten Vergleich unterschiedlicher Küstenorte bietet unsere Reportage über die Badeorte an Lübecker und Hohwachter Bucht.

Wohin fahren die Deutschen im Ausland?

Trotz des Rückgangs bleiben Auslandsreisen ein erheblicher Teil des deutschen Reisemarktes. Bei 105 Millionen mehrtägigen Reisen führte 2025 mehr als jede dritte Auslandsreise in eines der drei klassischen Urlaubsländer Italien, Österreich oder Spanien.

Die Rangfolge:

  1. Italien: 12,4 Prozent der Auslandsreisen
  2. Österreich: 11,1 Prozent
  3. Spanien: 10,9 Prozent
  4. Frankreich: 8,3 Prozent
  5. Niederlande: 7,7 Prozent

Bemerkenswert ist die Stabilität dieser Auswahl. Diese fünf Länder gehören seit Jahren zur Spitzengruppe. Von einer grundsätzlichen Abkehr der Deutschen vom Auslandsurlaub kann deshalb keine Rede sein.

Der deutliche Rückgang von 8,3 Prozent innerhalb nur eines Jahres zeigt jedoch, dass Auslandsreisen stärker auf wirtschaftliche Unsicherheit, Preise und Reisebudgets reagieren können als näher gelegene Ziele.

Preisbewusstsein dürfte eine zunehmende Rolle spielen

Deutschlandurlaub ist allerdings längst nicht automatisch die preiswerte Alternative zum Ausland. Gerade an Nord- und Ostsee sowie in bekannten Alpen- und Seeregionen erreichen Unterkunftspreise während der Ferien teilweise ein Niveau, bei dem Pauschalreisen ins Ausland konkurrenzfähig oder sogar günstiger werden.

Der Vorteil des Inlandes liegt deshalb häufig an anderer Stelle: geringere Anreisekosten, keine Flugbuchung, flexible Aufenthaltsdauer und die Möglichkeit, kurzfristiger zu entscheiden.

Auch kurze Reisen gewinnen dadurch an Bedeutung. Drei oder vier Tage Ostsee, ein verlängertes Wochenende im Mittelgebirge oder eine Städtereise lassen sich organisatorisch leichter in den Alltag integrieren als ein klassischer zweiwöchiger Jahresurlaub.

Das könnte einen Teil der langfristigen Verschiebung erklären: Nicht unbedingt der große Deutschlandurlaub wächst, sondern ein vielfältiger Markt aus Kurzurlaub, Wochenendreise, Besuchsreise, Geschäftsreise und zusätzlicher Auszeit.

Reisebuch.de-Einordnung

Die neuen Zahlen belegen einen starken deutschen Binnenreisemarkt, aber keinen einfachen „Deutschlandurlaub-Boom“.

2025 kamen mehrere Entwicklungen zusammen: weniger Auslandsreisen, deutlich mehr Geschäftsreisen innerhalb Deutschlands, eine weiterhin hohe Nachfrage nach heimischen Ferienregionen und gleichzeitig ein leichter Rückgang privater Reisen insgesamt.

Für deutsche Destinationen ist das dennoch eine gute Ausgangslage. Fast 414 Millionen Übernachtungen inländischer Gäste und insgesamt knapp eine halbe Milliarde Übernachtungen zeigen, dass Reisen im eigenen Land längst kein Ersatzprogramm für den Auslandsurlaub mehr sind.

Die Herausforderung liegt inzwischen eher im Erfolg selbst. An Nord- und Ostsee, in den Alpen und einigen bekannten Ferienregionen treffen hohe Nachfrage, begrenzter Raum und steigende Preise aufeinander. Gerade deshalb lohnt sich bei Deutschlandreisen zunehmend der Blick auf kleinere Orte, Nebensaison und weniger bekannte Regionen.

Der eigentliche Trend lautet daher nicht: Die Deutschen bleiben zu Hause. Sie verteilen ihre Reisen neu – und Deutschland erhält dabei einen größeren Anteil.


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