Eine kritische Ostsee-Reportage u.a. über Sehlendorf, Pelzerhaken, Kellenhusen, Hohwacht, Grömitz, Travemünde, Dahme und Fehmarn
Für die Bewertung reicht deshalb nicht die Frage, ob ein Ort einen Strand besitzt. Den haben fast alle. Entscheidend ist, ob Meer, Küstenform, Hinterland, Ortsbild, Licht, Naturraum und Infrastruktur zusammenwirken. Ein schöner Badeort muss nicht unberührt sein. Aber er sollte mehr bieten als Strandkörbe in Reih und Glied, Parkautomaten, Ferienwohnungsarchitektur und eine Promenade, die überall ähnlich aussehen könnte.
Die Lübecker Bucht ist der komfortablere Teil dieser Küste. Sie ist gut erschlossen, touristisch dicht, vielerorts familienfreundlich und für kurze Ostseeurlaube praktisch. Die Hohwachter Bucht ist weniger glatt, stellenweise spröder, landschaftlich aber oft interessanter. Hier treten Strandseen, Salzwiesen, Felder, Steilküstenansätze, Gutshöfe und der weitere ostholsteinische Landschaftsraum stärker hervor. Das macht nicht jeden Ort schöner, aber die Küste vielschichtiger.
Das Wichtigste im Überblick
Die landschaftlich überzeugendsten Badeorte und Badeküsten dieses Abschnitts sind nicht unbedingt die bekanntesten Namen. Nach landschaftlicher Wirkung, Ortsbild und Gesamtatmosphäre ergibt sich eine andere Gewichtung als in klassischen Urlaubskatalogen.
Sehlendorfer Strand ist der stärkste Naturbadeort der Hohwachter Bucht: weit, hell, offen, mit Binnensee, Brackwasser, Salzwiesen und Vogelwelt im Rücken.
Pelzerhaken ist der vielleicht überzeugendste Badeort der Lübecker Bucht, weil Licht, Strandlage, Wassersport und Wasserblick hier besonders gut zusammenfinden.
Kellenhusen gehört weit nach vorn, weil Wald, Strand und Seebrücke eine selten harmonische Badeortlandschaft bilden.
Hohwacht ist nicht perfekt, aber eigenständig und noch etwas aus der Zeit gefallen: teils schön, teils brüchig gewachsen, mit Wald und Nähe zu Binnensee, dem herrlichen Gut Panker und einer Landschaft, die über den Strand hinausweist.
Grömitz überzeugt weniger im Zentrum als an den Rändern, vor allem an der großen Promenade und Richtung Lensterstrand und Steilküste.
Behrensdorf (und Lippe) sind schlichte Seebäder, aber starke Orte für Camping, Weite, Wind und unprätentiöse Küste. Leider ist der Hafen Lippe auf Dauer geschlossen und nicht mehr anlaufbar.
Travemünde (mit Priwall) ist landschaftlich nicht idyllisch, aber als (bade-)Ort lebendig und maritim eindrucksvoll.
Dahme besitzt eine gute Lage, enttäuscht jedoch eher als Ort.
Fehmarn ist punktuell reizvoll, insgesamt aber oft erstaunlich flach, windoffen und – bis auf den historischen Ortsteil von Burg – spröde.
Sehlendorfer Strand: Der Maßstab für naturnahes Baden
Wenn man die Küste nicht nur als Badestrand, sondern als Landschaft betrachtet, führt an Sehlendorf kaum ein Weg vorbei. Der Strand ist weit, hell und offen, ohne die massive touristische Fassung vieler Lübecker-Bucht-Orte. Entscheidend ist jedoch nicht allein der feine Sand, sondern der Raum dahinter: der Sehlendorfer Binnensee, ein flacher Strandsee mit Brackwassercharakter, Salzwiesen, Schilf, Vogelwelt und einem selten gewordenen Übergang zwischen Meer und Hinterland.
Genau darin liegt die Qualität dieses Ortes. Sehlendorf zeigt noch, dass die Ostseeküste ursprünglich kein sauber sortierter Ferienprospekt war, sondern ein bewegliches System aus Meer, Strandwall, Dünenresten, Feuchtgebiet, Salzwiesen und offener Feldlandschaft. Für Badegäste heißt das: weniger mondäne Inszenierung, dafür mehr Raum. Für Naturbeobachter ist es einer der besten Punkte zwischen Lübeck und Kiel. Sehr viele (Dauer-)Camper!
Im Hochsommer ist auch Sehlendorf keineswegs einsam. Der Strand ist bekannt, die Parkplätze füllen sich, Familien und Tagesgäste kommen früh. Aber die Landschaft besitzt genug Substanz, um den Betrieb zu tragen. Wer morgens kommt, am Abend bleibt oder außerhalb der Hauptferien reist, erlebt hier eine der stimmigsten Badeküsten Schleswig-Holsteins.
Reisebuch.de-Tipp:
Sehlendorf nicht nur als Badetag planen. Der Spaziergang am Binnensee oder auf dem Steilufer Richtung Weissenhaus entlang, mit Fernglas und etwas Zeit, macht den Unterschied zwischen Strandbesuch und Küstenerlebnis.

Pelzerhaken (und Rettin): Das Licht der Lübecker Bucht
Pelzerhaken ist nicht unberührt, aber landschaftlich stark. Der Ort liegt am nördlichen Rand der Lübecker Bucht und besitzt eine Offenheit, die vielen bekannteren Seebädern fehlt. Der Strand wirkt heller, der Himmel größer, das Meer präsenter. Dazu kommen in Rettin Windsurfer, Kiter, Segler und ein Wasserbild, das ständig in Bewegung bleibt.
Anders als Timmendorfer Strand oder Scharbeutz lebt Pelzerhaken weniger von Promenadenglanz als von der Lage. Der Ort ist touristisch entwickelt, keine Frage: Ferienhäuser, Gastronomie, Parkplätze und Strandservice gehören dazu. Doch die Küste trägt diese Nutzung vergleichsweise gut.
Gerade bei auflandigem Wind zeigt Pelzerhaken seine Stärke. Durch die Südlage der Bucht bleibt es vergleichsweise hell und offen, während das Wasser bereits Bewegung hat – ein klarer Vorteil gegenüber vielen anderen Orten der Lübecker Bucht. Die Ostsee ist hier weniger Badebecken als im Ortsteil Rettin Sport- und Horizontfläche, geprägt von Kitesurfern, Wind und weitem Blick.
In den letzten Jahren wurde der Ort sichtbar aufgewertet: erneuerte Promenade, verbesserte Infrastruktur, mehr Gastronomie und zahlreiche neue Ferienanlagen entlang der Küste. Pelzerhaken wirkt heute moderner und strukturierter, ohne seine landschaftliche Offenheit zu verlieren. Gleichzeitig hat sich ein klares Profil als Wassersportstandort herausgebildet.
Der Schwachpunkt bleibt der fehlende gewachsene Ortskern. Historische Bäderarchitektur oder ein eigenständiges Ortsbild sind kaum vorhanden, die Bebauung ist überwiegend funktional und neueren Datums. Die Qualität des Ortes liegt fast vollständig in seiner Lage – aber genau das reicht aus, um ihn innerhalb der Lübecker Bucht weit nach vorn zu bringen.
Kellenhusen: Wald, Strand und Seebrücke
Kellenhusen wird in landschaftlichen Vergleichen oft unterschätzt. Der Ort ist nicht dramatisch, nicht mondän, nicht spektakulär. Aber er besitzt eine Qualität, die an der Ostsee seltener ist, als man denkt: Maß. Strand, Wald und Seebrücke ergeben eine harmonische Verbindung, die weder so überformt wirkt wie Scharbeutz noch so funktional wie Dahme.
Der Wald ist dabei der entscheidende Unterschied. Er gibt dem Ort Tiefe, Schatten, Spazierwege und einen grünen Rahmen. Viele Ostseebäder bestehen aus Strand, Promenade und dahinterliegender Ferienbebauung. Kellenhusen hat mehr Staffelung. Man kann baden, durch den Ort gehen, in den Wald ausweichen, zur Seebrücke zurückkehren und erlebt dabei tatsächlich unterschiedliche Räume.
Die Seebrücke von Kellenhusen ist ein touristisches Zeichen, aber kein Fremdkörper. Sie setzt einen Akzent, ohne den Ort zu erschlagen. Natürlich ist auch Kellenhusen ein organisierter Ferienort: Kurabgabe, Strandkörbe, Saisonbetrieb, Veranstaltungen, Ferienwohnungen. Aber die Balance stimmt. Kellenhusen wirkt nicht spektakulär, sondern angenehm vollständig.
Wer nicht das große Seebad sucht, sondern einen gut gefassten, familienfreundlichen und landschaftlich angenehmen Badeort, findet hier eine der besten Adressen der ostholsteinischen Küste.

Hohwacht: Die schöne Unvollkommene
Hohwacht ist einer der interessantesten Badeorte dieser Küste, weil er nicht glatt ist. Der Ort liegt geteilt in Alt und Neu an einer weiten Bucht, die mehr ist als grobsandiger Strand. Der Große Binnensee im Hinterland, Steilküstenansätze, alte Siedlungsteile, Waldstücke, Campingplätze, Gut Panker in der Nähe und die hügelige Landschaft Ostholsteins geben Hohwacht eine Tiefe, die vielen reinen Promenadenorten fehlt.
Gleichzeitig ist Hohwacht kein makelloses Seebad. Sturmflutschäden, Provisorien, Leerstände, uneinheitliche Bebauung, saisonale Gastronomie und manche müde Infrastruktur gehören zum Bild. Das muss man nicht übergehen. Gerade im Vergleich zu Kellenhusen wirkt Hohwacht weniger ordentlich, im Vergleich zu Pelzerhaken weniger licht, im Vergleich zu Sehlendorf weniger naturrein. Trotzdem besitzt der Ort etwas, das vielen perfekteren Badeorten fehlt: Eigenart.
Besonders stark ist Hohwacht dort, wo man den unmittelbaren Ortskern verlässt: auf Wegen Richtung Alt-Hohwacht, in der Nähe des Binnensees, auf Spaziergängen zur Steilküste, mit Blicken über die Bucht oder bei Ausflügen nach Panker und Hessenstein. Die Landschaft beginnt hier nicht hinter dem Strand, sondern ist der eigentliche Rahmen des Ortes.

Grömitz: Stark erst jenseits der Mitte
Grömitz ist einer der großen Namen an der schleswig-holsteinischen Ostsee. Das merkt man sofort: breite Promenade, Seebrücke, Gastronomie, Yachthafen, Ferienwohnungen, Veranstaltungen, dichter Saisonbetrieb. Als Badeort funktioniert Grömitz sehr gut. Als Landschaftsort überzeugt der zentrale Bereich nur bedingt.
Im Zentrum ist die Ostsee stark organisiert. Der Strand ist schön, aber gefasst. Die Promenade ist praktisch, aber dominant. Die touristische Maschine läuft zuverlässig, doch sie nimmt der Küste einen Teil ihrer Eigenart. Wer Grömitz nur im Zentrum erlebt, sieht einen professionellen Ferienort, aber keine besonders eindrucksvolle Küstenlandschaft.
Anders wird es an den Rändern. Richtung Lensterstrand und vor allem an der Steilküste gewinnt Grömitz deutlich. Dort treten Gelände, Bäume, Naturstrand und weitere Blicke stärker hervor. Der Ort verliert etwas von seiner Geschäftigkeit, die Küste wird lesbarer. Genau dort liegt der eigentliche landschaftliche Wert von Grömitz.
Für eine faire Einordnung heißt das: Grömitz gehört in den Vergleich, aber nicht unkritisch. Das Zentrum ist komfortabel, die Ränder sind schöner. Wer Grömitz landschaftlich verstehen will, sollte aus dem Kernort herausgehen.
Behrensdorf und Lippe: Weite ohne Pose
Behrensdorf und Lippe besitzen nicht den Glanz der großen Badeorte. Es gibt keine große Seebadgeste, keine mondäne Promenade, keine überstarke touristische Verdichtung. Genau darin liegt ihr Reiz. Die Küste ist ländlicher, offener, windiger und weniger vollständig hergerichtet.
Leuchtturm, Felder, Strandabschnitte, Salzwiesen, Camping, Wege, Wind und viel Himmel prägen den Eindruck. Das ist nicht für jeden bequem. Wer abends Auswahl, Promenade und wetterunabhängige Angebote sucht, ist in Grömitz, Scharbeutz oder Travemünde besser aufgehoben. Wer jedoch Weite, Stille und eine weniger inszenierte Küste sucht, sollte diesen Abschnitt ernst nehmen.
Behrensdorf/Lippe ist kein Hochglanzziel, sondern ein Rand. Und Ränder sind an der Ostsee oft interessanter als Zentren. Hier muss nicht jede Fläche bespielt werden. Hier darf Landschaft auch einmal einfach Landschaft bleiben.
Travemünde und Priwall: Küste als Bühne
Travemünde ist landschaftlich kein Naturbadeort, aber einer der eindrucksvollsten maritimen Räume der Region. Hier treffen Ostsee, Trave, Hafeneinfahrt, Fährverkehr, Seebadgeschichte, Promenade, Mole und Priwall aufeinander. Das ist nicht still, nicht ursprünglich, nicht idyllisch, aber dynamiasch.
Der Reiz liegt in der Bewegung: große Schiffe, Fähren, Lotsen, Segelboote, Möwen, Tagesgäste, Strandkörbe, alte Bäderarchitektur, viel moderne Bebauung, vor allem am Hafen. Travemünde ist keine Landschaft im romantischen Sinn, sondern ein maritimes Theater. Wer dort nur nach Naturidylle sucht, wird enttäuscht. Wer aber Ostsee als Verkehrsraum, Handelsraum und Seebadgeschichte begreift, findet hier mehr Substanz als in manchem hübscheren Ferienort.
Der Priwall ergänzt diese Szene durch offenere Strandbereiche und den Blick zurück auf Travemünde. Allerdings ist auch dort der touristische Sektor in Form von Betonbauten stark gewachsen. Ursprünglichkeit und Naturnähe sollte man nicht (mehr) erwarten. Die Stärke liegt in der Lage: Wasser auf mehreren Seiten, Hafenblick, Strand und Bewegung.
Travemünde ist damit kein Spitzenort für Ruhe, aber ein hervorragender Ort für maritime Atmosphäre. Als Badeort zwiespältig, als Küstenbild stark.
Sierksdorf und Rettin: Die leisen Nebenorte
Sierksdorf und Rettin stehen selten im Mittelpunkt. Das ist kein Nachteil. Beide Orte zeigen, dass landschaftliche Qualität nicht immer mit touristischer Prominenz zusammenfällt.
Sierksdorf besitzt Hanglagen, Blicke über die Lübecker Bucht und eine weniger glattpolierte Atmosphäre. Der Ort wirkt nicht so mondän wie Timmendorfer Strand, nicht so durchorganisiert wie Scharbeutz, nicht so selbstbewusst wie Grömitz. Manchmal erscheint er etwas zufällig, stellenweise fast spröde. Gerade das kann wohltuend sein. Die Küste ist hier weniger Bühne, mehr Alltag.
Rettin wiederum ist die ruhige Verlängerung von Pelzerhaken. Der Ort ist landschaftlich nicht dramatisch, aber angenehm schlicht. Wer Pelzerhaken mag, aber weniger Betrieb sucht, findet in Rettin einen guten Kompromiss. Für Familien, längere Strandtage und Ferienwohnungen ohne großen Trubel ist das sinnvoll.
Beide Orte gehören nicht an die Spitze, aber sie verdienen Erwähnung. Sie sind keine großen Gesten, sondern brauchbare, unaufgeregte Küstenorte.
Dahme: Gute Lage, eher schwacher Ort
Dahme ist ein Beispiel dafür, dass eine gute Küstenlage allein nicht genügt. Der Strand ist lang, die Ostsee offen, der Horizont weiter als in der inneren Lübecker Bucht. In Richtung Dahmeshöved und Kellenhusen wird die Landschaft reizvoller, besonders dort, wo Leuchtturm, Wald und Küstenkante ins Spiel kommen.
Der Ort selbst bleibt jedoch enttäuschend. Dahme wirkt in Teilen zweckmäßig, saisonal, baulich wenig einprägsam. Es fehlt der Charme von Kellenhusen, die Lichtqualität von Pelzerhaken, die landschaftliche Tiefe von Sehlendorf und die eigenwillige Bruchhaftigkeit von Hohwacht. Als Badeadresse funktioniert Dahme. Als Ort überzeugt es deutlich weniger.
Das ist kein Verdikt gegen einen Urlaub dort. Wer baden, spazieren, sich versorgen und eine einfache Ostseewoche verbringen möchte, wird zurecht Gäste finden. Aber landschaftlich gehört Dahme nicht in die Spitzengruppe. Seine besten Seiten liegen an den Rändern, nicht im Zentrum.
Reisebuch.de-Tipp:
Dahme nicht als Ortsidylle erwarten. Wer dort ist, sollte ggf. Richtung Dahmeshöved, Kellenhusen oder Naturstrand ausweichen.

Fehmarn: Inselgefühl ist nicht automatisch Schönheit
Fehmarn wird häufig überschätzt, sobald das Wort „Insel“ fällt. Natürlich hat Fehmarn reizvolle Stellen: den Grünen Brink, die Küsten bei Flügge, einzelne Naturstrände, Katharinenhof, Marienleuchte, den Fehmarnsund, Vogelschutzräume und weite Blicke über Wasser und Land. Aber als Gesamtlandschaft ist die Insel oft erstaunlich nüchtern.
Große Teile Fehmarns sind flach, windoffen, landwirtschaftlich geprägt und visuell eher monoton. Das kann seinen eigenen Reiz haben, besonders für Radfahrer, Vogelbeobachter und Menschen, die Weite mögen. Wer aber eine atmosphärisch dichte, abwechslungsreiche Badelandschaft sucht, wird auf Fehmarn nicht automatisch glücklicher als in Sehlendorf, Kellenhusen oder Hohwacht.
Das Problem ist die Erwartung. Eine Insel wird schnell mit landschaftlicher Besonderheit gleichgesetzt. Fehmarn erfüllt diese Erwartung nur punktuell. Es gibt starke Orte, aber auch viele Strecken, die eher funktional als schön wirken. Dazu kommen Wind, offene Agrarflächen, große Distanzen und eine gewisse Sprödigkeit, die nicht jeder als Urlaubsschönheit empfindet.
Fehmarn gehört deshalb nicht als Spitzen-Badeort in diese Auswahl, sondern als Sonderfall: punktuell reizvoll, insgesamt rau, flach und nicht selten landschaftlich karg. Wer genau das sucht, kann die Insel mögen. Wer ein abwechslungsreiches Badeortbild erwartet, sollte vorsichtig sein.
Neustadt in Holstein: Hafenstadt statt Badeort
Neustadt in Holstein ist für die Region wichtig, aber kein Badeort ersten Ranges. Die Stadt hat Hafen, Stadtkante, Binnenwasser, maritime Geschichte und eine gute Lage zwischen Pelzerhaken, Rettin, Sierksdorf und Grömitz. Ihre Stärke liegt in der Funktion als Ankerort der nördlichen Lübecker Bucht.
Zum Baden fährt man eher an die umliegenden Strände. Neustadt selbst bietet Atmosphäre, Versorgung, Hafenleben und Stadtraum, aber nicht die landschaftliche Qualität der eigentlichen Badeorte. Für eine Reise durch die Region ist das kein Nachteil. Im Gegenteil: Neustadt ergänzt die Küste um Urbanität und Alltag. Nur sollte man es nicht künstlich zum Strandort aufwerten.

Scharbeutz, Haffkrug, Timmendorfer Strand und Niendorf: Komfort mit Grenzen
Scharbeutz, Haffkrug, Timmendorfer Strand und Niendorf sind touristisch stark, landschaftlich aber nicht führend. Scharbeutz bietet eine moderne Promenade, breite Strände, Gastronomie und kurze Wege. Haffkrug wirkt bodenständiger, weniger auf Lifestyle getrimmt. Timmendorfer Strand hat Namen, Preise, Nachfrage und eine eingespielte touristische Infrastruktur. Niendorf ist durch Hafen, Ortsmaßstab und Nähe zum Hemmelsdorfer See interessanter als der Kern von Timmendorfer Strand.
Aber die Küste ist hier stark überformt. Wer Ostsee als komfortables Ferienprodukt sucht, wird zufrieden sein. Wer Landschaft sucht, wird eher an den Rändern fündig. Diese Orte sind bequem, gut organisiert und oft angenehm. Nur sind sie nicht die landschaftlichen Höhepunkte der Region.
Niendorf schneidet dabei besser ab als Timmendorfer Strand, weil der Hafen und der Übergang zum Hinterland mehr Eigenart erzeugen. Haffkrug wirkt sympathischer als Scharbeutz, weil es weniger demonstrativ auftritt. Doch in einer Rangliste landschaftlicher Attraktivität gehören alle vier nicht nach vorn.
Die Reisebuch.de-Auswahl
1. Sehlendorfer Strand
Der stärkste Naturbadeort der Region. Strand, Binnensee, Brackwasser, Salzwiesen und Vogelwelt ergeben die überzeugendste landschaftliche Gesamtwirkung.
2. Pelzerhaken
Der beste Badeort der Lübecker Bucht. Stark durch Licht, offene Strandlage, Wassersport und Weite.
3. Kellenhusen
Wald, Strand, Seebrücke und überschaubarer Ort verbinden sich zu einer harmonischen Badeortlandschaft.
4. Hohwacht
Nicht perfekt, aber eigenständig. Interessant durch Bucht, Binnensee-Nähe, Steilküstenansätze mit „Wald“, schönes Hinterland und sichtbare Brüche.
5. Grömitz – vor allem Randbereiche und Steilküste
Im Zentrum stark touristisch, an den Rändern deutlich reizvoller.
6. Behrensdorf/Lippe
Still, ländlich, weit. Weniger komfortabel, aber echter als viele bekannte Badeorte.
7. Travemünde/Priwall
Nicht idyllisch, aber maritim eindrucksvoll. Ein Ort für Konsum, Kulinarik, Hafen, Schiffe, Seebadgeschichte und Ostseebühne.
8. Sierksdorf/Rettin
Unterschätzt, unaufgeregt, nicht spektakulär. Gute Nebenorte für ruhige Ostseetage.
9. Dahme
Landschaftlich an den Rändern brauchbar, als Ort enttäuschend. Gute Lage, schwache Ortswirkung.
10. Fehmarn
Punktuell reizvoll, insgesamt aber oft flach, windig und landschaftlich spröde. Kein automatischer Spitzenplatz.
Wo die Küste wirklich gewinnt
Die schönsten Badeküsten zwischen Lübecker und Hohwachter Bucht liegen nicht zwingend dort, wo der touristische Betrieb am dichtesten ist. Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Grömitz-Zentrum oder Dahme bieten solide Urlaubsinfrastruktur, aber nicht unbedingt die stärkste Landschaft. Fehmarn bietet Inselgefühl, aber nicht automatisch Schönheit.
Wer Ostsee vor allem bequem konsumieren möchte, findet an der Lübecker Bucht viele passende Orte. Wer jedoch Küste als Landschaft erleben will, sollte genauer wählen: Sehlendorf für Natur, Pelzerhaken für Licht und Wasser, Kellenhusen für Harmonie, Hohwacht für Charakter, Behrensdorf für ländliche Weite und Travemünde für maritimes Ambiente.

