Warum Event- und Reisegutscheine als Geschenk oft eine schlechte Idee sind

| von Hartmut Ihnenfeldt

Erlebnisgutscheine gehören seit Jahren zu den beliebtesten Geschenkideen. Ein Rundflug über die Küste, eine Hafenrundfahrt, ein Kochkurs, ein Konzertbesuch oder ein Fallschirmsprung – viele Anbieter werben mit dem Versprechen, man schenke keine Dinge, sondern Erinnerungen. Gerade in Zeiten, in denen materielle Geschenke als austauschbar gelten, klingt das überzeugend. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild. Viele dieser Gutscheine werden nie eingelöst oder entwickeln sich für die Beschenkten zu organisatorischen Problemen. Aus der Perspektive von Reisenden und Konsumenten lohnt daher ein nüchterner Blick auf die strukturellen Schwächen dieses Geschenktyps.

Warum Event- und Reisegutscheine als Geschenk oft eine schlechte Idee sind
Ein Gutschein für eine Kreuzfahrt ist ggf. ein riskantes Geschenk; Fotoo: barni 1, pixabay, CC4

Zwischen gut gemeinter Überraschung und praktischer Enttäuschung

Das Terminproblem

Der größte Nachteil liegt im grundlegenden Charakter eines Events: Es findet zu einem bestimmten Zeitpunkt statt.

Ein Geschenk, das an einen Termin gebunden ist, passt selten reibungslos in den Alltag des Beschenkten. Besonders problematisch wird dies bei:

  • beruflichen Verpflichtungen
  • Familien- oder Betreuungspflichten
  • saisonalen Veranstaltungen
  • begrenzten Terminkontingenten

Viele Gutscheine wirken zunächst flexibel, erweisen sich bei der Buchung aber als stark eingeschränkt. Beliebte Termine sind schnell ausgebucht, freie Plätze oft nur an ungünstigen Tagen verfügbar.

Das Geschenk verwandelt sich damit ungewollt in eine organisatorische Aufgabe.

Die psychologische Verpflichtung

Ein weiterer unterschätzter Aspekt ist die soziale Dynamik.

Ein Event-Gutschein ist selten neutral. Wer ihn erhält, spürt meist eine implizite Erwartung: Man soll das Erlebnis tatsächlich nutzen – und anschließend davon berichten. Diese Erwartung erzeugt Druck.

Während ein Buch, eine Flasche Wein oder ein Reisebild problemlos weitergegeben oder später genutzt werden kann, wirkt ein Erlebnisgutschein verbindlicher. Der Beschenkte fühlt sich verpflichtet, das Angebot anzunehmen, selbst wenn es eigentlich nicht seinen Interessen entspricht.

Typische Beispiele sind:

  • Action-Erlebnisse für Menschen, die keine Abenteuer suchen
  • Wellness-Arrangements für Personen, die solche Angebote meiden
  • Gruppenevents, die nicht zum persönlichen Umfeld passen

Gut gemeint ist hier nicht automatisch gut getroffen.

Die versteckten Zusatzkosten

Viele Eventgutscheine decken nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab.

Häufig kommen zusätzliche Ausgaben hinzu wie:

  • Anreise zum Veranstaltungsort
  • Verpflegung oder Getränke
  • Aufpreise für beliebte Termine
  • Begleitpersonen

Gerade bei überregionalen Events kann der Gutscheinwert schnell relativiert werden. Ein vermeintliches Geschenk über 80 Euro wird dann zu einem Ausflug, der mehrere hundert Euro kostet.

Das Geschenk verschiebt damit Kosten, statt sie zu ersparen.

Begrenzte Gültigkeit

Rechtlich gelten für Gutscheine bestimmte Fristen, doch die Praxis der Anbieter ist oft komplizierter. Manche Gutscheine:

  • verfallen nach ein bis drei Jahren
  • müssen gegen neue Tickets umgebucht werden
  • verlieren durch Preissteigerungen an Wert

Seit 2024 wurde die Rechtslage etwas vereinfacht: Reine Wertgutscheine können nach Ablauf der Einlösefrist häufig in ihren Geldwert umgewandelt werden, Termingutscheine für konkrete Veranstaltungen bleiben dagegen zeitlich gebunden.

In der Eventbranche mit vielen kleinen Veranstaltern und Plattformen kommt hinzu, dass Angebote verschwinden oder Betriebe aufgeben. Ein Gutschein kann dann schnell zum wertlosen Stück Papier werden.

Plattformökonomie statt persönliches Erlebnis

Der Markt für Erlebnisgeschenke hat sich stark professionalisiert. Große Plattformen bündeln tausende Angebote, von Weinverkostungen bis zu Hubschrauberflügen.

Diese Standardisierung hat einen Nebeneffekt: Das Geschenk wirkt oft weniger individuell als gedacht. Viele Gutscheine sind austauschbar und folgen einem ähnlichen Muster.

Der Unterschied zwischen

  • einer persönlichen Einladung zu einem gemeinsamen Ausflug und
  • einem standardisierten Erlebnisgutschein

ist größer, als es die Werbung suggeriert. Während ersteres eine echte soziale Geste darstellt, bleibt letzteres häufig ein bloßes Produkt aus dem Geschenkregal.

Die hohe Quote nicht eingelöster Gutscheine

Branchenintern wird selten offen darüber gesprochen, doch ein erheblicher Anteil von Erlebnisgutscheinen wird nie eingelöst.

Das liegt an einer Kombination aus:

  • Terminproblemen
  • organisatorischem Aufwand
  • nachlassender Motivation

Studien und Beobachtungen der Verbraucherzentralen zeigen, dass 30 bis 40 Prozent solcher Gutscheine ungenutzt bleiben. Ökonomisch profitieren die Anbieter davon – ein nicht eingelöster Gutschein verursacht keine Leistungskosten.

Für den Schenkenden bedeutet das allerdings, dass ein Teil des Geschenkwerts im Alltag schlicht verpufft.

Reisegutscheine – scheinbar flexibler, aber mit ähnlichen Problemen

Als Alternative zu Event-Gutscheinen werden häufig Reisegutscheine angeboten. Reiseveranstalter, Fluggesellschaften, Hotelplattformen oder Kurzreiseanbieter verkaufen solche Gutscheine seit Jahren. Auf den ersten Blick wirken sie flexibler: Der Beschenkte erhält keinen festen Termin, sondern ein Guthaben für eine spätere Reise.

In der Praxis zeigen sich jedoch ähnliche strukturelle Schwächen.

Reisegutscheine treten meist in drei Varianten auf:

  • Wertgutscheine von Reiseveranstaltern
    Der Beschenkte erhält ein Guthaben, das bei einer späteren Buchung eingelöst werden kann. Ziel, Termin und Unterkunft bleiben offen.
  • Hotel- oder Kurzreisegutscheine
    Hier wird ein konkretes Arrangement verschenkt – etwa zwei Nächte im Wellnesshotel oder ein Städtereisenpaket.
  • Flug- oder Plattformgutscheine
    Airlines oder Buchungsportale verkaufen Gutscheincodes, die bei einer späteren Flug- oder Hotelbuchung verrechnet werden.

Diese Konstruktionen sollen Flexibilität schaffen, führen aber häufig zu neuen Problemen.

Zum einen sind viele Gutscheine an bestimmte Anbieter oder Plattformen gebunden. Wer ein Guthaben eines Veranstalters besitzt, muss seine Reise zwangsläufig dort buchen – selbst wenn sich später günstigere oder passendere Angebote bei anderen Anbietern finden.

Zum anderen wirken Preissteigerungen im Tourismus direkt auf den Gutscheinwert. Wenn Flüge oder Hotels einige Jahre später teurer sind, deckt das Geschenk nur noch einen Teil der ursprünglich geplanten Reise.

Hinzu kommen ähnliche praktische Hürden wie bei Eventgutscheinen:

  • eingeschränkte Verfügbarkeiten bei Hotels
  • saisonale Preisaufschläge
  • begrenzte Gültigkeit
  • Umbuchungsgebühren oder Aufpreise

Der Gutschein ersetzt damit keine Reise, sondern wird häufig lediglich zu einem Teilbetrag innerhalb einer späteren Buchung. Das Geschenk finanziert dann nur einen kleinen Anteil dessen, was ursprünglich als großzügige Reiseidee gedacht war.

Wann Erlebnisgeschenke dennoch funktionieren

Trotz aller Kritik gibt es Situationen, in denen ein Eventgutschein sinnvoll sein kann – entscheidend ist die Passung zwischen Geschenk und Person.

Gut funktionieren Erlebnisgeschenke vor allem dann, wenn:

  • der Termin bereits gemeinsam festgelegt wird
  • der Schenkende selbst teilnimmt
  • das Erlebnis unmittelbar genutzt werden kann
  • der Ort leicht erreichbar ist

Ein gemeinsamer Theaterbesuch oder eine Hafenrundfahrt während eines bereits geplanten Aufenthalts ist daher oft die bessere Variante als ein abstrakter Gutschein.

Reisebuch-Gedanke

Sowohl Event- als auch Reisegutscheine zeigen ein Grundproblem moderner Geschenkideen: Man versucht, ein zukünftiges Erlebnis zu verpacken und zu übergeben – doch echte Reiseerfahrungen entstehen eher selten auf diese Weise.

Reisen entwickeln sich meist aus einer konkreten Gelegenheit: einer spontanen Idee, einem passenden Zeitpunkt, einer Einladung oder einem gemeinsam gefassten Plan. Ein Gutschein kann diese Entscheidung kaum ersetzen. Oft verschiebt er sie nur in eine unbestimmte Zukunft – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie überhaupt umgesetzt wird.

Wer wirklich etwas schenken möchte, das mit Reisen zu tun hat, liegt daher oft näher an der Realität des Unterwegsseins, wenn er etwas Konkretes und unmittelbar Nutzbares wählt: ein gutes Buch über ein Reiseziel, eine Einladung zu einem gemeinsamen Ausflug, ein Bahnticket für einen bestimmten Termin oder schlicht die Verabredung, gemeinsam aufzubrechen.

Denn Reisen beginnt selten mit einem Gutschein – sondern mit einer Entscheidung.

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