Hohwacht gehört zu den auffälligen Verlierern der schleswig-holsteinischen Tourismusstatistik 2026. Von Januar bis Juni wurden 71.819 Übernachtungen registriert, 8,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei kamen sogar etwas mehr Gäste. Sie blieben nur kürzer.
Wie unterschiedlich sich die Ferienorte im Land derzeit entwickeln, zeigt unser aktueller Überblick Tourismus in Schleswig-Holstein 2026: Rekord – aber nicht überall.
Für Hohwacht gibt es keine einfache Erklärung. Einen Belastungsfaktor konnte allerdings jeder sehen, der in diesem Sommer nach Alt-Hohwacht kam: die Großbaustelle unmittelbar am Strand.
Baustelle mitten in der Saison
Nach den Sturmflutschäden von 2023 wird der Regionaldeich in Alt-Hohwacht verstärkt und die Promenade wiederhergestellt. Das Land Schleswig-Holstein unterstützt die Maßnahme mit rund 730.000 Euro. Einzelheiten zum Küstenschutz nennt das Land Schleswig-Holstein.
Gebaut wurde praktisch während der gesamten Saison. Zwischen Frühjahr und Mitte September bestimmten Absperrungen, Baumaschinen und ein gesperrter Strandabschnitt das Bild zwischen den Fischerhütten.
In Alt-Hohwacht fällt das stärker ins Gewicht als in einem großen Seebad. Der Ortsteil ist klein, und genau hier konzentriert sich ein erheblicher Teil des touristischen Lebens.
Wer Ruhe suchte, bekam 2026 zeitweise eine Baustelle direkt am Wasser dazu.
Dass allein dies das Minus von 8,9 Prozent verursacht hat, lässt sich nicht belegen. Wetter, Preise, kürzere Aufenthalte und das Unterkunftsangebot spielen ebenfalls eine Rolle. Die monatelangen Arbeiten als Faktor auszublenden, wäre allerdings wenig realistisch.
Hohwacht verliert – Sehlendorf gewinnt
Auffällig ist gleichzeitig die Entwicklung wenige Kilometer weiter.
Während Hohwacht 8,9 Prozent seiner Übernachtungen verlor, legte Blekendorf mit dem Sehlendorfer Strand um 13,4 Prozent zu.
Eine direkte Abwanderung lässt sich daraus nicht ableiten. Der Unterschied ist trotzdem bemerkenswert.
Der Sehlendorfer Strand besitzt innerhalb der Bucht den stärkeren eigentlichen Badestrand: breiter, sandiger und landschaftlich offener.
Hohwacht punktet mit anderen Qualitäten.
Der Ort ist ruhig, grün und bis heute weitgehend frei von jenem Tourismusrummel, der größere Ostseebäder während der Saison prägt. Keine lange Einkaufsmeile, wenig Eventbetrieb, dafür Wald, Binnensee, Steilküste und ein Hinterland, das unmittelbar hinter dem Ort beginnt.
Wer Hohwacht mag, sucht meist genau das.
Nicht nur die Baustelle
Trotzdem wäre es zu einfach, den Rückgang ausschließlich mit dem Deichbau zu erklären.
Hohwacht hat auch strukturelle Schwächen. Die gastronomische Auswahl ist überschaubar, Einkaufsmöglichkeiten gibt es nur wenige, und das Preisniveau bei Unterkünften und Gastronomie unterscheidet sich längst nicht mehr grundsätzlich von anderen Ferienorten an der Ostsee.
Mit dem Kiek in de See verschwindet Ende September zudem eine vertraute Adresse aus Alt-Hohwacht. Der seit Jahrzehnten bestehende Strandimbiss schließt, einen Nachfolger gibt es bislang nicht.
Gerade hier zeigt sich das Dilemma des Ortes: Das begrenzte Angebot trägt einerseits zur Ruhe bei. Andererseits wünschen Gäste, die inzwischen erhebliche Preise für ihren Urlaub zahlen, zumindest eine gewisse Auswahl bei Gastronomie und Versorgung.
Hohwacht braucht deshalb keine Einkaufsmeile und kein Unterhaltungsprogramm nach Grömitzer Vorbild. Etwas mehr Auswahl und eine bessere ganzjährige Infrastruktur würden dem Ort dennoch guttun.
2027 könnte zunächst besser werden
Mit der Fertigstellung von Deich und Promenade fällt 2027 eine erhebliche Belastung weg. Der provisorische Zustand nach der Sturmflut endet, und besonders der Bereich um die Fischerhütten dürfte gewinnen.
Mehr zu den aktuellen Veränderungen in der Region bietet unser Beitrag Hohwachter Bucht Sommer 2026.
Doch wer glaubt, Alt-Hohwacht sei danach fertig, dürfte sich täuschen.
Nach dem Deich kommt die Strandstraße
Seit Jahren wird über die Zukunft der Strandstraße diskutiert. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Strandhotel, Haus Wellenschlag und Haus Waterkant. Abriss, Neubauten, Ferienwohnungen und neue gastronomische Nutzungen sind seit längerem Thema.
Die Gemeinde hat dafür einen städtebaulichen Wettbewerb zur Strandstraße durchführen lassen.
Geradlinig verlief das Verfahren allerdings nicht. Der Aufstellungsbeschluss für die geplante Änderung des Bebauungsplans Nr. 21 „Alt-Hohwacht/Strandstraße“ wurde Ende 2024 wieder aufgehoben. Die entsprechenden Unterlagen sind beim Amt Lütjenburg veröffentlicht.
Das heißt nicht, dass der Wandel gestoppt wäre. Im Gegenteil: Neue Ferienhäuser und Apartmentanlagen haben das Ortsbild längst verändert, weitere Projekte zeichnen sich ab.
Die Frage ist deshalb weniger, ob sich Alt-Hohwacht verändert, sondern wie.
Veränderung lässt sich nicht verhindern
Gerade in Hohwacht gibt es verständlicherweise eine starke Bindung an das Gewachsene. Vieles soll möglichst so bleiben, wie es war.
Nur: Dieses alte Hohwacht existiert bereits heute nur noch teilweise.
Neue Ferienhäuser, hochwertige Apartmentanlagen und modernisierte Unterkünfte haben in den vergangenen Jahren Einzug gehalten. An der Strandstraße dürfte sich dieser Prozess fortsetzen.
Das muss nicht schlecht sein. Einige Gebäude sind sichtbar in die Jahre gekommen. Gute neue Architektur, zusätzliche Gastronomie und eine ansprechende Promenade können Alt-Hohwacht verbessern.
Problematisch würde es erst, wenn Modernisierung fast ausschließlich mehr hochpreisige Ferienwohnungen bedeutet.
Mehr Betten schaffen noch keine bessere Infrastruktur. Und mehr Ferienimmobilien bedeuten nicht automatisch mehr Leben im Ort.
Hohwacht muss nicht Grömitz werden
Alt-Hohwacht ist kein klassisches Bilderbuch-Seebad. Es gibt hübsche Häuser, belanglose Zweckbauten, alte Ferienunterkünfte und manches Improvisierte.
Gerade diese Mischung gehört zum Ort.
In unserem Vergleich der Badeorte an Lübecker und Hohwachter Bucht haben wir Hohwacht deshalb als die „schöne Unvollkommene“ bezeichnet.
Sehlendorf hat den besseren Naturstrand. Grömitz bietet erheblich mehr touristische Infrastruktur. Kellenhusen wirkt gepflegter und geordneter.
Hohwachts Kapital ist ein anderes: Ruhe, Naturnähe und wenig Tourismusrummel.
Auch deshalb gehört die Hohwachter Bucht in unserem Vergleich der Top-Reiseziele an der Ostsee 2026 weiterhin zu den interessanteren Regionen der Küste.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Hohwacht nach dem Baustellensommer 2026 touristisch wieder zulegt. Noch wichtiger wird aber sein, was aus Alt-Hohwacht selbst wird.
Modernisierung ist nötig. Stillstand ist ohnehin keine realistische Option.
Hohwacht muss nicht spektakulärer werden. Es sollte besser werden, ohne weniger Hohwacht zu sein.


Moin zusammen.
Da ich persönlich von den Abrissplänen in der Strandstraße betroffen bin, muss ich mein tiefes Bedauern ausdrücken, daß das letzte Stück Alt-Hohwacht der Abrissbirne zum Opfer fallen soll.
Moin,
das ist ja ein Bericht, der teilweise nicht stimmt. Wir als Eigentümer vom Strandtreff Kiek in de See sollten es wissen wenn der Imbiss oder das Haus abgerissen wird. Wir schließen zum Ende September aber es wird nichts abgerissen. Neue Gastronomie ist leider auch nicht mehr geplant für Alt Hohwacht. Es sollen nur noch neue Ferienwohnungen entstehen. Es wird nicht besser in Alt Hohwacht, das steht wohl leider fest.
Mit freundlichen Grüßen
Die Eigentümer der Strandstraße 16
Hohwacht
Dank für Ihr Feedback. Allerdings wurde uns vor einigen Wochen in Ihrem Imbiss genau diese Auskunft gegeben. Grund für den Abriss sei ein „fehlender Meter“ bei der Höhe des Gebäudes. Wie erklärt sich das? Wir haben den Satz angepasst!
Ein Bild von den neuen Ferienwohnungen kann man sich ja auch seit einiger Zeit dank der aufgestellten Posterwände machen.
Hallo Herr Ihnenfeldt,
das stimmt nicht. Da haben Sie was falsch verstanden. Es fehlen 15 cm an der Deckenhöhe. Dadurch können wir nicht verpachten. In Deutschland gibt es die Bestimmung mit 2,30 m Deckenhöhe. Von einem Abriss war nie die Rede. Vielleicht tut sich ja noch irgendetwas. Im Moment wird nur geschlossen. Restaurants wird es auch keine neuen geben.
O.K., dann war das leider ein Missverständnis. Wir haben das geklärt und bereinigt. Dank für Ihren Hinweis!
Seit vielen Jahren bin ich Gast in Hohwacht und beobachte die Veränderung mit Argusaugen .
Immer mehr Ferienwohnungen und Ferienhäuser werden gebaut und immer mehr Fläche versiegelt .
Von den explodierenden Preisen mag ich gar nicht reden .
Letzten Endes wird Hohwacht dann auch nur noch ein Ziel für zahlungskräftige Urlauber sein .
Die Schönen und Reichen werden sich in den teuren Lokalen verköstigen und die ohnehin rare Gastronomie wird auch noch sterben.
Und die Investoren reiben sich die Hände.
Hohwacht sollte sich m.E. eher auf sanften Tourismus , Gemütlichkeit und auf die Erhaltung der Natur konzentrieren .
Malle gibt es schon überall .
Hallo, ich komme seit vielen Jahren nach Hohwacht. Und ich bin traurig, dass sich Alt-Hohwacht so verändert hat. Früher hatte es den Flair eines Fischerdorf. Schöne ältere Häuser, bezahlbare Unterkünfte, nette Begegnungen, und vor allem Entspannung.
Heute sind einige der schönen Häuser verschwunden und haben Platz machen müssen für mehrstöckige Häuser, die viel zu teure Ferienwohnung anbieten.
Das gefällt den meisten nicht, denn durch diese Umbauten geht der Flair von diesem vorher idyllische Ort verloren. Und weitere Abriss werden folgen. Dass etwas getan werden muss, ist, glaube ich, jedem Gast bewusst. Aber warum kann man Altes nicht erhalten? Der Investor hätte dazu genug Geld.
Es werden weitere Gäste wegbleiben, wenn Hohwacht weiter so zugebaut wird.
Grüße Susanne A.
Hallo Frau Ammann, Sie wohnen bestimmt auch noch in einer alten Hütte in einem Dorf und fahren genau warum nach Hohwacht?
Oder wohnen sie am Ende in einer Stadt mit all Ihrem Lärm und Stress – und freuen sich, daß sie in einem ruhigen Dorf mal 2 Wochen entspannen können? Fortschritt nur für sich selbst – die anderen dürfen weiter in Ihren Dörfern leben, wo es ja so idyllisch ist. Einfach mal drüber nachdenken.
Die Anbindung von Althohwacht am Strand, Richtung Flunder ist eine Katastrophe. In Hohwacht sollten auch neue bezahlbare Mietwohnungen entstehen. Wie wäre es, wenn Althohwacht die Neubauten außen mit typischen roten Backsteinen realisiert? Und wäre ein gratis Bus von Lütjenburg nach Hohwacht belebend?