Kappeln an der Schlei – mehr als ein Tagesausflugsziel?

| von Hartmut Ihnenfeldt

Kappeln an der Schlei, einem "Ostsee-Fjord" in Schleswig-Holstein, gehört zu den Orten, die man leicht unterschätzt. Hafen, Heringszaun, Klappbrücke, Kirche, Mühle – wer nur Sehenswürdigkeiten zählt, könnte nach einigen Stunden weiterfahren.

Kappeln an der Schlei – mehr als ein Tagesausflugsziel?
Kappeln vom Wasser aus gesehen; Foto: if/reisebuch.de

Wir würden eher bleiben.

Denn Kappeln ist keine hübsch hergerichtete Ferienkulisse, die außerhalb der Saison wenig zu bieten hat. Die kleine Stadt ist regionales Zentrum für die Gegend an der unteren Schlei, mit guten Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten, Apotheken, Schulen, Gastronomie und überraschend viel Alltag. Man bekommt hier praktisch alles, was man während eines Urlaubs braucht, und kann das Auto trotzdem häufig stehen lassen.

Dazu liegen Hafen und Schlei mitten in der Stadt. Arnis, Maasholm, Schleimünde und die Ostsee sind schnell erreicht.

Für zwei oder drei Tage reicht das allemal. Wer gern Rad fährt oder aufs Wasser geht, kann auch deutlich länger bleiben.

Kappeln ist noch eine richtige kleine Stadt

Das gefällt uns an Kappeln besonders: Die Innenstadt ist überschaubar, aber keineswegs tot. Rund um Poststraße, Schmiedestraße und die kleinen Passagen gibt es neben den üblichen Ketten weiterhin individuelle Geschäfte, Mode, Buchhandel, kleinere Fachgeschäfte und Cafés.

Man kann hier also tatsächlich einkaufen und nicht bloß Andenken und Strandbedarf erwerben.

Für eine Stadt mit weniger als 10.000 Einwohnern ist das bemerkenswert. Selbst ein ordentliches kleines Kino hat sich gehalten. Das Capitol Kino Kappeln in der Poststraße zeigt aktuelle Filme und gelegentlich anspruchsvolleres Programm. An einem regnerischen Abend ist das durchaus willkommen.

Kappeln wirkt dadurch auch im zweiten oder dritten Urlaubstag noch angenehm normal. Ein wichtiger Unterschied zu manchen kleineren Ostseeorten, in denen nach Schließung der letzten Souvenirläden am Abend kaum noch etwas übrig bleibt.

Brücke Kappeln
Die berühmte Klappbrücke von Kappeln; Foto: if/reisebuch.de

Unten am Hafen wird es maritim

Vom Zentrum sind es wenige Minuten bis zur Schlei.

Hier verändert sich das Bild. Segelyachten, Fahrgastschiffe, Traditionsschiffe und Fischerboote liegen dicht beieinander. Am Kai wird gegessen, verkauft, gearbeitet und natürlich auch gebummelt.

Über allem steht die große Klappbrücke von 2002, die Angeln und Schwansen miteinander verbindet. Diese kann von Autos, Radfahrern und Fußgängern bequem überquert werden.

Wenn sich die beiden Brückenklappen heben, wartet der (Auto)verkehr, und auf der Schlei ziehen Segelboote, Motoryachten oder Ausflugsschiffe hindurch. Das geschieht regelmäßig und gehört hier zum Alltag. Trotzdem schaut man auch beim dritten Mal wieder hin.

Für Kappeln ist diese Brücke fast ebenso charakteristisch wie der Heringszaun.


Heringsstadt mit lebendiger Fischereitradition

Der historische Heringszaun unmittelbar neben der Brücke gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der Schlei.

Mit solchen trichterförmigen Anlagen wurden über Jahrhunderte die Heringe gefangen, die zum Laichen in die Schlei zogen. Früher gab es zahlreiche Heringszäune. Der Kappelner ist als letzter erhalten geblieben.

Wer Genaueres über Geschichte, Hafen und Heringszaun wissen möchte, findet gute Hintergrundinformationen beim Ostseefjord Schlei.

Der Zaun selbst hat heute keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Daraus sollte man aber nicht schließen, die Fischerei sei aus Kappeln verschwunden.

Es gibt weiterhin Berufsfischer, Fischverkauf und Räuchereien. Natürlich ist das gegenüber früher erheblich weniger geworden. Aber im Hafen ist Fischerei noch als tatsächliches Gewerbe erkennbar und nicht ausschließlich als touristische Erinnerung.

Das passt zu einer Stadt, die ihre Heringstage nicht erfinden musste, um sich nachträglich ein maritimes Image zuzulegen.

Alte Räucherei Kappeln
Die Alte Räucherei, ein gemütliches Fischlokal direkt am Hafen; Foto: if/reisebuch.de

Fisch essen: die Alte Räucherei

Direkt am Hafen mögen wir die Alte Räucherei Fischlokal.

Das kleine Lokal befindet sich in einer früheren Räucherei und beschränkt sich erfreulich konsequent auf Fisch. Es ist rustikal, überschaubar und trotz seiner prominenten Lage an der Hafenpromenade keine jener riesigen Terrassen, auf denen an schönen Sommertagen ein Bus nach dem anderen abgearbeitet werden könnte.

Natürlich kann es auch hier voll werden. Aber uns gefällt die Alte Räucherei gerade deshalb, weil sie etwas kleiner und persönlicher geblieben ist.

Wer anschließend über die Preise an der Ostsee nachdenkt, liegt damit übrigens nicht falsch. Die Entwicklung haben wir in unserem Beitrag Überhöhtes Preisniveau an der Ostsee ausführlicher untersucht.

Kaffee lieber etwas abseits vom Hafen

Für Kaffee und Kuchen würden wir ein paar Schritte in die Stadt zurückgehen.

Erna’s Cafe in der Poststraße besitzt eine schöne, schattige Terrasse und hebt sich mit eigenen Kuchen- und Tortenkreationen angenehm von standardisierter Caféware ab.

ernas café kappeln
Ernas Café, eine Oase mitten in Kappeln; Foto: if/reisebuch.de

Vor allem an warmen Tagen sitzt man hier gut. Und man entkommt für eine Stunde dem Betrieb an Hafen und Promenade.

Von dort kann man weiter zur Mühle Amanda gehen, die weithin über den Dächern Kappelns sichtbar ist. Für einen Stadtrundgang reichen Hafen, Kirche, Innenstadt und Mühle ohne weiteres für einige interessante Stunden.

Mehr sollte man aus den Sehenswürdigkeiten aber auch nicht machen. Kappeln ist keine Museumsstadt.

Auf die Schlei gehört mindestens eine Schiffsfahrt

Spätestens am zweiten Tag würden wir aufs Wasser gehen.

Direkt vom Kappelner Hafen starten mehrere Ausflugsschiffe. Besonders auffällig ist die Schlei Princess, ein moderner Schaufelraddampfer mit großen Außendecks.

Schön ist die Fahrt schleiabwärts über Maasholm Richtung Schleimünde. Man erlebt dabei zunächst die breite untere Schlei, später die Nähe zur Ostsee und schließlich die Schleimündung selbst.

Ebenso möglich sind Fahrten in die andere Richtung, vorbei an Arnis nach Sieseby oder weiter nach Schleswig.

Den jeweils aktuellen Fahrplan sollte man vorher beim Schleiraddampfer Kappeln prüfen. Im Frühjahr und Herbst wird naturgemäß weniger gefahren als in der Hauptsaison.

Solche Touren sind einer der Gründe, weshalb wir Kappeln nicht auf einen Tagesausflug reduzieren würden. Man geht mitten im Ort an Bord und ist ohne Auto mehrere Stunden unterwegs.

Arnis: besser zu Fuß oder mit dem Fahrrad

Unser schönster kleiner Ausflug von Kappeln führt nach Arnis.

Deutschlands kleinste Stadt liegt nur wenige Kilometer entfernt. Mit dem Auto ist man schnell dort, aber damit vergibt man eigentlich den besseren Teil des Ausflugs.

Wir würden zu Fuß oder mit dem Fahrrad fahren.

Die Strecke ist kurz genug für einen halben Tag, führt durch die Schleilandschaft und endet in einem Ort, der ohnehin zu klein ist, um dort lange Autofahrten zu rechtfertigen.

Arnis selbst besteht im Wesentlichen aus seiner langen Hauptstraße, kleinen Häusern, Gärten, der Schifferkirche, Werften und immer wieder überraschenden Durchblicken aufs Wasser.

Auch mit dem eigenen Boot lässt sich Arnis gut anlaufen. Hinweise zu Gastliegeplätzen und zum Ort gibt es auf der offiziellen Seite von Arnis.

Wer die Strecke zu Fuß zurücklegt, sollte für Hin- und Rückweg genügend Zeit einplanen. Beim Fahrrad bleibt anschließend problemlos noch Zeit für Kappeln oder einen Abstecher Richtung Ostsee.

Und Schleswig?

Schleswig muss man in einem Kappeln-Artikel nicht übermäßig groß machen.

Die Stadt am anderen Ende der Schlei ist kulturhistorisch bedeutender. Dom, Schloss Gottorf, Holm, Haithabu und Danewerk rechtfertigen ohne weiteres einen eigenen Tagesausflug.

schloss gottorf schleswig
Das imposante Schloss Gottorf in Schleswig; Foto: if/reisebuch.de

Wer mehrere Tage in Kappeln bleibt, kann also durchaus einmal nach Schleswig fahren – oder sich einen ganzen Tag Zeit für eine Fahrt über die Schlei nehmen.

Für den Charakter Kappelns ist der Vergleich dennoch interessant: Schleswig lebt stärker von Geschichte und Kultur, Kappeln vom Hafen und seiner Nähe zur Ostsee.

Damit ist eigentlich schon genug gesagt.

Die Ostsee ist nur wenige Kilometer entfernt

Kappeln selbst liegt an der Schlei und besitzt keinen Stadtstrand.

Zum Weidefelder Strand fährt man aber nur wenige Kilometer. Dort trifft man auf einen breiten Sandstrand und die offene Ostsee.

In unserem Vergleich Die besten Strände zwischen Kiel und Flensburg haben wir Weidefeld zusammen mit Schönhagen, Eckernförde, Kronsgaard und anderen Stränden der Region genauer eingeordnet.

Wer im Sommer baden möchte, findet außerdem in unserem Ratgeber Ist das Baden in der Ostsee bedenklich? aktuelle Informationen zu Wasserqualität, Blaualgen, Vibrionen und anderen möglichen Problemen.

Für einen Kappeln-Urlaub ist die Nähe zur Ostsee ein großer Vorteil. Morgens kann man durch die Stadt gehen oder an der Schlei radeln und nachmittags am Strand liegen.

Übernachten: Schlei Hotel

Für einen kurzen Aufenthalt haben wir mit dem Schlei Hotel in der Theodor-Storm-Straße gute Erfahrungen gemacht.

Es ist kein besonders schönes Hotel und auch kein Schnäppchen.

Schlei Hotel Kappeln
Das solide Schlei Hotel in Kappeln; Foto: if/reisebuch.de

Dafür liegt es günstig. Die Durchgangsstraße vor dem Haus empfanden wir nicht als allzu laut, Innenstadt und Hafen sind gut zu Fuß erreichbar. Wer mit dem Auto kommt, kann die hoteleigenen Parkplätze direkt vor und hinter dem Gebäude ohne Aufpreis nutzen.

Zimmer und Frühstück sind ordentlich, der Service angenehm unkompliziert.

Mehr braucht man für zwei oder drei Tage oft gar nicht. Informationen und Buchungsmöglichkeiten gibt es direkt beim Schlei Hotel Kappeln.

Wie viele Tage?

Für die Stadt selbst reicht ein Tag.

Bleibt man länger, ergibt sich das Programm fast von allein.

Am ersten Tag kann man Hafen, Heringszaun, Klappbrücke, Innenstadt und Mühle ansehen, bei Erna Kaffee trinken und am Abend in der Alten Räucherei Fisch essen.

Am zweiten Tag bietet sich eine Schiffsfahrt nach Maasholm und Schleimünde an.

Für den dritten Tag würden wir Arnis zu Fuß oder mit dem Fahrrad vorsehen und bei gutem Wetter noch an die Ostsee fahren.

Wer einen vierten Tag anhängt, kann Schleswig, die Geltinger Birk oder weitere Orte an der Küste besuchen.

Würden wir mehrere Tage bleiben?

Ja.

Nicht wegen einer langen Liste von Sehenswürdigkeiten. Die gibt es nicht.

Kappeln gefällt uns, weil die Stadt klein genug für kurze Wege und groß genug für einen normalen Alltag ist. Man kann einkaufen, essen gehen, ins Café oder Kino gehen, ohne ständig auf touristische Einrichtungen angewiesen zu sein.

Und sobald man vor die Tür tritt, ist die Schlei da.

Dazu ein Hafen, in dem noch gefischt wird, eine Klappbrücke, die sich tatsächlich für die Schiffe öffnet, Ausflugsdampfer nach Schleimünde, Arnis in Fahrradentfernung und die offene Ostsee wenige Kilometer weiter.

Für einen Tagesausflug reicht Kappeln – wer länger bleibt, erschließt sich mit Schlei, Ostsee und den kleinen Orten ringsum eine ganze Urlaubsregion


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