An öffentlichen Ladesäulen – besonders entlang der Autobahnen oder in touristischen Regionen – entstehen Preise, die viele Fahrer erst dann bemerken, wenn der Ladevorgang bereits läuft. Während Haushaltsstrom in Deutschland je nach Vertrag grob zwischen Mitte 20 und rund 40 Cent pro Kilowattstunde liegt (Stand 2026), bewegen sich Schnellladetarife unterwegs häufig zwischen etwa 50 und 75 Cent pro kWh. Mit Ad-hoc- oder Roaming-Tarifen sind in Einzelfällen auch rund 80 Cent und mehr möglich.
Darin zeigt sich ein grundlegendes Problem des öffentlichen Ladens: Die Technik ist hochentwickelt, das Preissystem dagegen weiterhin schwer durchschaubar!
Warum Strom unterwegs teurer wird
Der Preisunterschied zwischen Haushaltsstrom und Schnellladen hat mehrere Ursachen. Ein Teil ist durchaus realwirtschaftlich begründet. Schnellladeparks entlang von Autobahnen benötigen leistungsstarke Netzanschlüsse, Transformatoren und teilweise eigene Trafostationen. Hinzu kommen Baukosten, Wartung, Grundstückspachten sowie häufig noch relativ geringe Auslastungen. Betreiber müssen diese Investitionen über den Strompreis refinanzieren.
Daneben wirkt jedoch ein zweiter Faktor: das komplizierte Tarifsystem. Anders als an einer klassischen Tankstelle gibt es beim Laden nicht einen klar sichtbaren Einheitspreis, sondern verschiedene Abrechnungsmodelle, die parallel existieren können.
Die drei häufigsten Varianten sind:
- Kilowattstunden-Tarif – Abrechnung nach tatsächlich geladener Energiemenge
- Zeitbasierte Tarife – Kosten pro Minute Ladezeit
- Ad-hoc-Laden ohne Vertrag – spontane Nutzung, meist mit dem höchsten Preis
Gerade spontane Ladevorgänge ohne App oder Vertrag können teuer werden. Wer lediglich einen QR-Code scannt oder mit Kreditkarte startet, zahlt oft automatisch den teuersten Tarif des jeweiligen Betreibers.
Reale Kosten unterwegs
Ein typisches Mittelklasse-Elektroauto benötigt auf der Autobahn etwa 18 bis 22 kWh pro 100 Kilometer.
Bei einem Schnellladetarif von 0,79 € pro kWh ergeben sich Energiekosten von ungefähr 14 bis 17 Euro pro 100 Kilometer.
Zum Vergleich: Ein sparsamer Diesel mit rund 5 Litern Verbrauch kostet bei etwa 2,10 € pro Liter (Stand Frühjahr 2026) ungefähr 10,50 Euro pro 100 Kilometer.
Damit verschwindet der oft angenommene Kostenvorteil des Elektroautos auf langen Autobahnstrecken teilweise oder vollständig. Der Unterschied zwischen „günstigem Laden zuhause“ und „teurem Laden unterwegs“ ist also erheblich.
Gleicher Strom, andere Preise
Besonders irritierend ist für viele Fahrer ein anderes Phänomen: Der Preis hängt nicht nur von der Ladesäule ab, sondern auch davon, mit welcher App oder Karte bezahlt wird.
An einer Schnellladesäule mit 150 kW Ladeleistung können gleichzeitig mehrere Tarife existieren:
- Ad-hoc-Ladung ohne Vertrag: etwa 0,89 €/kWh
- Roaming-App eines Drittanbieters: etwa 0,79 €/kWh
- Tarif des Säulenbetreibers: etwa 0,59 €/kWh
- Vertrag mit Monatsgebühr: etwa 0,49 €/kWh
Bei einer typischen Reisepause mit 50 kWh Ladung ergibt sich daraus eine erstaunliche Differenz: Der teuerste Tarif kostet rund 44 Euro, der günstigste etwa 25 Euro.
Der Unterschied liegt damit bei fast 20 Euro – für exakt denselben Strom aus derselben Säule.
Tourismusregionen und Preismuster
Ein Blick auf die Preisstruktur zeigt zudem ein Muster, das Reisende aus anderen Bereichen des Tourismus kennen. Besonders hohe Tarife finden sich häufig dort, wo Alternativen knapp sind:
- Autobahnraststätten
- große Verkehrsknotenpunkte
- Innenstadtparkhäuser
- touristische Küstenregionen
Das Prinzip ähnelt klassischen Preisaufschlägen in Feriengebieten. Wer unterwegs laden muss, hat selten Zeit oder Energie, längere Umwege zu fahren. Diese strukturelle Abhängigkeit ermöglicht höhere Preise.
Gerade entlang stark frequentierter Ferienrouten – etwa an der Ostsee oder auf den Autobahnen Richtung Alpen – liegen Schnellladetarife deshalb häufig im oberen Bereich der Skala.
Die Falle der Zeittarife
Besonders tückisch sind zeitbasierte Tarife. Hier wird nicht die geladene Energiemenge berechnet, sondern die Dauer des Ladevorgangs.
Ein Beispiel verdeutlicht das Problem:
- Tarif: 0,12 Euro pro Minute
- Ladezeit: 45 Minuten
Die Kosten betragen zunächst 5,40 Euro.
Entscheidend ist jedoch, wie viel Strom tatsächlich geladen wurde. Wenn ein Fahrzeug in dieser Zeit nur 12 kWh aufnimmt – etwa weil die Batterie bereits teilweise gefüllt war – entspricht das effektiv etwa 45 Cent pro kWh.
Bei noch geringerer Ladeleistung kann der reale Strompreis sogar über 1 Euro pro kWh steigen.
Apps und Roaming-Netze
Ohne Apps oder Ladekarten funktioniert öffentliches Laden heute kaum noch. Viele Anbieter betreiben selbst keine Infrastruktur, sondern fungieren lediglich als Vermittler im sogenannten Roaming-Netzwerk.
Das Prinzip ähnelt dem Mobilfunk-Roaming früherer Jahre:
- Der Betreiber stellt die Ladesäule bereit.
- Ein Anbieter ermöglicht den Zugang über App oder Karte.
- Beide verdienen an der Transaktion.
Für Nutzer entsteht dadurch eine zusätzliche Preisstufe zwischen Infrastruktur und Fahrer.
Wie Reisende hohe Preise vermeiden können
Mit etwas Planung lassen sich viele teure Situationen vermeiden. Erfahrene Elektroautofahrer gehen ähnlich vor wie früher Vielfahrer mit Tankkarten: Sie vergleichen Preise und planen Ladepausen bewusst.
Einige Strategien haben sich dabei bewährt:
- Preise vor der Fahrt prüfen: Dienste wie A Better Routeplanner, Chargemap oder EnBW mobility+ zeigen oft bereits die konkreten Tarife verschiedener Anbieter.
- Mehrere Ladekarten nutzen: Viele Fahrer kombinieren zwei oder drei Anbieter, um flexibel den günstigsten Tarif wählen zu können.
- Reisebuch.de Tipp: Nicht direkt an der Autobahnraststätte laden: Ladeparks in Gewerbegebieten oder an Supermärkten liegen oft nur wenige Minuten abseits der Strecke und sind häufig günstiger.
- Destination Charging nutzen: Hotels, Ferienwohnungen oder Campingplätze bieten zunehmend Ladepunkte an – oft zu Preisen nahe dem normalen Haushaltsstrom oder pauschal pro Nacht.
Gerade letzteres kann auf längeren Reisen erhebliche Kosten sparen.
Das Tarifsystem im Umbau
Deutschland verfügt inzwischen über knapp 200 000 öffentliche Ladepunkte, darunter rund 50 000 Schnellladepunkte (Stand Februar 2026). Die Infrastruktur wächst weiterhin schnell.
Gleichzeitig befindet sich das Tarifsystem noch in einer Übergangsphase. Neue Schnelllader müssen beispielsweise bereits Kartenzahlung ermöglichen, und künftig sollen Preise transparenter angezeigt werden.
Bis sich ein einheitlicher Markt etabliert hat, bleibt öffentliches Laden jedoch ein System mit erheblichen Preisunterschieden.
Reisebuch.de Einschätzung
Elektrisches Reisen mit dem Auto funktioniert heute problemlos – technisch. Wirtschaftlich verlangt es allerdings mehr Aufmerksamkeit als eine klassische Tankfüllung. Während Benzinpreise entlang einer Autobahn meist nur um wenige Cent variieren, können Ladepreise je nach Anbieter um 50 Prozent oder mehr auseinanderliegen.
Für Reisende bedeutet das vor allem eines: Wer Ladepausen bewusst plant, Preise vergleicht und nicht automatisch an der erstbesten Autobahnsäule stoppt, spart oft überraschend viel Geld. Elektromobilität ist unterwegs weniger eine technische Herausforderung als eine Frage der Vorbereitung.
