Auf Reisen sieht die Sache teilweise anders aus. Bei Mietwagen, Hotelgarantien und größeren Kautionen kann eine echte Kreditkarte weiterhin erhebliche Vorteile haben – und gelegentlich wird sie ausdrücklich verlangt.
Das Erstaunliche daran: Technisch wäre das zumindest bei Visa vielfach gar nicht notwendig.
Debit statt Credit: Im Alltag meist kein Problem
Bei einer Debitkarte werden Zahlungen unmittelbar dem Girokonto zugerechnet. Eine klassische Kreditkarte verfügt dagegen über einen von der Bank eingeräumten Kreditrahmen; die Umsätze werden üblicherweise später über das Girokonto abgerechnet.
Für normale Reiseausgaben spielt dieser Unterschied kaum eine Rolle. Restaurant, Supermarkt, Eintrittskarten oder Shopping lassen sich mit einer modernen Visa Debit oder Mastercard Debit in vielen Reiseländern problemlos bezahlen.
Interessant wird der Unterschied dort, wo nicht nur bezahlt, sondern ein größerer Betrag reserviert werden soll.
Beispiel 1: Mietwagen – bezahlt, aber ohne Credit kein Auto?
Das ist der klassische Problemfall. Ein Mietwagen wird bei einem Vermittler mit Visa Debit bezahlt. Bei der Abholung verlangt die Autovermietung jedoch eine Kreditkarte für die Kaution.
Einige Vermieter verschärfen die Anforderungen bei höherwertigen Fahrzeugen und verlangen eine Kreditkarte oder sogar zwei Karten.
Die naheliegende Erklärung wäre, dass Credit dem Vermieter technisch mehr Sicherheit bietet. Doch zumindest Visa widerspricht dieser Vorstellung ausdrücklich. Nach den Visa-Informationen zu Debit und Credit beim Mietwagen können mit beiden Karten Mietkosten und Kaution vorautorisiert werden. Nach erfolgreicher Autorisierung seien beide Verfahren für den Händler gleich sicher.
Warum Autovermieter trotzdem teilweise auf Credit bestehen und was bei der Buchung zu beachten ist, erklären wir ausführlich in Mietwagen ohne Kreditkarte: Warum Debitkarten bei der Kaution zum Problem werden können.
Beispiel 2: Hotel – das Zimmer ist bezahlt, trotzdem wird Geld blockiert
Auch im Hotel zeigt sich ein praktischer Unterschied.
Das Zimmer ist beispielsweise bereits vollständig bezahlt. Beim Check-in reserviert das Hotel trotzdem 300 Euro für mögliche Nebenkosten wie Restaurant, Minibar oder Parkplatz.
Bei einer Kreditkarte reduzieren diese 300 Euro zunächst den verfügbaren Kreditrahmen. Das Girokonto bleibt unberührt.
Bei einer Debitkarte kann dagegen ein entsprechender Teil des Kontoguthabens blockiert werden. Das Geld ist nicht unbedingt ausgegeben, steht während der Vormerkung aber nicht für andere Reiseausgaben zur Verfügung.
Ausführlicher erklären wir Vorautorisierungen und andere Besonderheiten in Bezahlen im Hotel: Welche Zahlungsart ist sinnvoll?.
Beispiel 3: Auf Rundreisen summieren sich die Vormerkungen
Angenommen, auf dem Reisekonto stehen 3.000 Euro. Der Mietwagenvermieter blockiert 500 Euro, das erste Hotel weitere 300 Euro. Kurz darauf folgt die nächste Hotelvormerkung.
Das Geld ist noch nicht ausgegeben. Ein wachsender Teil des Girokontos steht aber vorübergehend nicht zur Verfügung.
Bei einer Kreditkarte laufen solche Reservierungen zunächst über den Kreditrahmen. Für Individualreisende kann das ein erheblicher Vorteil sein.
Allerdings muss auch das Kreditkartenlimit hoch genug sein. Eine Karte mit einem sehr niedrigen Verfügungsrahmen löst das Problem nicht.
Beispiel 4: Die physische Karte bleibt wichtig
Smartphone und Smartwatch reichen im normalen Reisealltag häufig aus. Bei Mietwagen und manchen Hotels sollte man sich darauf nicht verlassen.
Vermieter können verlangen, dass die für die Kaution verwendete Karte auf den Namen des Hauptfahrers ausgestellt ist und physisch vorgelegt wird. Ein hinterlegtes Zahlungsmittel in Apple Pay oder Google Pay ersetzt diese Vertragsbedingung nicht automatisch.
Die eigentliche Karte gehört deshalb weiterhin ins Reisegepäck.
Beispiel 5: Zwei Karten schaffen eine zweite finanzielle Ebene
Für Individualreisende liegt hierin vielleicht der größte Vorteil einer zusätzlichen Kreditkarte.
Die Debitkarte wird für Restaurant, Supermarkt, Nahverkehr und andere laufende Ausgaben genutzt. Mietwagenkautionen, Hotelgarantien und größere Reservierungen laufen über die Kreditkarte.
Damit wird nicht nur das Girokonto von Vormerkungen entlastet. Es steht auch ein zweites Zahlungsmittel zur Verfügung, wenn eine Karte verloren geht, gesperrt wird oder aus irgendeinem Grund nicht akzeptiert wird.
Weitere Hinweise zur Absicherung der Reisekasse gibt unser Ratgeber Bargeld und Konten unterwegs sichern.
Ausgerechnet Credit ist für Händler nicht billiger
Die Vorliebe mancher Unternehmen für Kreditkarten lässt sich auch nicht mit niedrigeren Gebühren erklären.
Nach den EU-Regeln für Kartenzahlungen sind die Interbankenentgelte für normale Verbraucherkarten grundsätzlich auf maximal 0,2 Prozent bei Debitkarten und 0,3 Prozent bei Kreditkarten begrenzt.
Die tatsächlichen Händlerkosten enthalten weitere Gebühren und können je nach Vertrag und Kartenprodukt unterschiedlich ausfallen. Dennoch gilt: Die klassische Kreditkarte wird nicht deshalb bevorzugt, weil sie grundsätzlich das billigere Zahlungsmittel für den Händler wäre.
Reisebuch.de-Tipp: Debit plus Credit statt entweder – oder
Für Individualreisende ist häufig die Kombination beider Systeme sinnvoll:
- Debitkarte: Restaurants, Einkäufe, Nahverkehr, Eintrittskarten und normale tägliche Ausgaben.
- Kreditkarte: Mietwagen, Hotelgarantien, größere Kautionen und finanzielle Reserve.
Vor der Reise sollte der Kreditrahmen kontrolliert werden. Bei einer längeren Rundreise können mehrere gleichzeitig bestehende Vormerkungen überraschend viel davon beanspruchen.
Und unabhängig vom Kartentyp gilt im Ausland: Bietet das Terminal die Wahl zwischen Euro und Landeswährung an, ist normalerweise die Abrechnung in Landeswährung günstiger. Die angebotene Sofortumrechnung in Euro – Dynamic Currency Conversion – enthält häufig einen ungünstigeren Wechselkurs.
Weitere Hinweise dazu finden Sie in Sicher bezahlen auf Reisen.
Braucht man die klassische Kreditkarte also noch?
Für viele alltägliche Reiseausgaben nicht. Visa Debit und Mastercard Debit haben die klassische Kreditkarte beim normalen Bezahlen weitgehend ersetzt.
Auch die verbreitete Vorstellung, eine Debitkarte könne technisch grundsätzlich nicht für eine Mietwagenkaution eingesetzt werden, ist überholt. Zumindest Visa widerspricht ihr ausdrücklich.
Trotzdem bleibt die klassische Kreditkarte für Individualreisende sinnvoll. Sie hält größere Kautionen und Vormerkungen vom Girokonto fern, schafft einen zusätzlichen finanziellen Spielraum und verhindert Probleme bei Unternehmen, die aufgrund ihrer Geschäftsbedingungen weiterhin ausdrücklich Credit verlangen.
Wer lediglich einen Pauschalurlaub bucht und vor Ort hauptsächlich Restaurant- und Einkaufsausgaben bezahlt, kommt häufig problemlos mit Debit aus. Wer dagegen individuell reist, häufiger Hotels wechselt und Mietwagen nutzt, sollte die klassische Kreditkarte noch nicht vorschnell abschaffen.
Das Ergebnis ist paradox: Als alltägliches Zahlungsmittel wird die Kreditkarte zunehmend entbehrlich. Als Reserve und Sicherheitsinstrument auf Reisen hat sie noch lange nicht ausgedient.
