Neue EU-Handgepäckregeln: Mehr Transparenz, weniger Zusatzkosten

| von if

Die Europäische Union setzt ein deutliches Zeichen für mehr Verbraucherfreundlichkeit im Flugverkehr. Ab dem Sommer 2025 sollen neue Regeln für Handgepäck auf allen EU-Flügen gelten – mit dem Ziel, die bislang verwirrende Gebührenpraxis der Airlines zu vereinheitlichen und versteckte Kosten zu vermeiden. Der Beschluss des Europäischen Parlaments vom Juni 2025 markiert einen Wendepunkt für Flugreisende.

Neue EU-Handgepäckregeln: Mehr Transparenz, weniger Zusatzkosten
Wie groß darf das kostenfreie "Handgepäck" im Flieger sein? Die Bedingungen variieren je nach Airline. Foto: Bild von Spencer Wing auf Pixabay CC0

Einheitliche Standards: Zwei Gepäckstücke kostenlos erlaubt

Künftig haben Passagiere das Recht, zwei Handgepäckstücke kostenlos mit an Bord zu nehmen – unabhängig von der Fluggesellschaft oder dem gewählten Tarif. Diese Regelung soll flächendeckend für alle Flüge innerhalb der EU sowie bei Abflug oder Ankunft in einem EU-Mitgliedsstaat gelten.

Konkret umfasst das neue Handgepäckrecht:

  • Ein persönlicher Gegenstand, z. B. eine Handtasche, ein Rucksack oder eine Laptoptasche, mit den maximalen Maßen von 40 × 30 × 15 cm
  • Ein zusätzliches Kabinengepäckstück mit einem maximalen Gesamtmaß von 100 cm (z. B. 55 × 35 × 10 cm) und einem Gewicht von bis zu 7 kg

Beide Gepäckstücke dürfen ohne Aufpreis mitgeführt werden – eine deutliche Verbesserung gegenüber vielen bisherigen Billigtarifen, bei denen selbst kleine Gepäckstücke kostenpflichtig waren.

Reaktion auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs

Die neue Regelung folgt der Linie eines EuGH-Urteils von 2014, das Airlines bereits untersagte, für sogenanntes „vernünftiges Handgepäck“ zusätzliche Gebühren zu verlangen. In der Praxis wurde dieses Urteil jedoch über Jahre hinweg umgangen, indem Airlines ihre Gepäckregeln individuell auslegten oder das „große Handgepäck“ nur gegen Aufpreis zuließen. Die EU zieht mit der neuen Verordnung nun klare Grenzen und zwingt Fluggesellschaften zur Vereinheitlichung.

Zusätzliche Klarheit beim Buchungsprozess

Die Neuregelung sieht außerdem vor, dass alle Zusatzkosten für Gepäck und Sitzplatzwahl bereits beim ersten Buchungsschritt transparent angezeigt werden müssen. Undurchsichtige Preisaufschläge am Ende der Buchung sollen damit der Vergangenheit angehören. Auch dies ein Plus für Verbraucher, die künftig realistischer planen können, was ihr Flug tatsächlich kostet.

Lockerung bei Flüssigkeiten in Aussicht

Ein weiteres Element der EU-Flugreform betrifft die Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck. Zwar gilt derzeit noch die bekannte 100-ml-Grenze pro Behälter (in einem 1-Liter-Zip-Beutel), doch moderne Sicherheitstechnik in Form von 3D-CT-Scannern könnte diese Einschränkungen bald überflüssig machen. Einige Flughäfen – darunter Amsterdam-Schiphol und Rom-Fiumicino – testen bereits neue Systeme, mit denen Passagiere auch größere Mengen Flüssigkeit bis zu zwei Litern im Handgepäck transportieren dürften. Die EU gibt hierfür nun grünes Licht. Wann die Flughäfen flächendeckend umstellen, hängt jedoch von deren technischer Aufrüstung ab.

Mögliche Auswirkungen auf Ticketpreise

Kritiker warnen, dass Airlines die wegfallenden Zusatzgebühren für Handgepäck künftig durch höhere Basistarife kompensieren könnten. Auch ein Verteilungskonflikt beim Stauraum in der Kabine ist denkbar, wenn alle Passagiere ihr Gepäck vollständig mit an Bord bringen wollen. Dennoch überwiegt aus Sicht der Verbraucherverbände der Vorteil klarer Regeln und gerechterer Behandlung aller Reisenden – unabhängig vom gewählten Tarif.

Übersicht: Die neuen Handgepäckregelungen im Überblick

KategorieNeue Regel (ab Sommer 2025)
Persönlicher GegenstandMax. 40 × 30 × 15 cm – gebührenfrei
Zusätzliches HandgepäckMax. 100 cm Gesamtmaß, bis 7 kg – gebührenfrei
FlüssigkeitenWeiterhin 100 ml je Behälter; Lockerung mit CT-Scannern möglich
GeltungsbereichAlle EU-Flüge, inkl. Abflug oder Ankunft in der EU
Preisangaben beim BuchenVollständige Kostenaufschlüsselung ab dem ersten Klick

Weg mit dem Gepäck-Klein-Klein

Die neue Verordnung ist ein Meilenstein für fairere Bedingungen im europäischen Flugverkehr. Reisende dürfen sich auf mehr Planungssicherheit, weniger versteckte Kosten und künftig vielleicht auch auf entspannteres Packen freuen. Wichtig ist nun, dass auch Flughäfen und Airlines diese Veränderungen transparent und kundenfreundlich umsetzen – damit aus dem Regelwerk auch spürbarer Fortschritt wird.

1 Gedanke zu „Neue EU-Handgepäckregeln: Mehr Transparenz, weniger Zusatzkosten“

  1. Einige Flughäfen definieren die Gefahrgutregeln im Handgepäck sehr eigenwillig. Ich hatte auf dem Flug nach Kota Kinabalu in Ostmalaysia, eine Zwischenlandung in Shanghai. Beim Hinflug wurde meine an die Handtasche fest geknipste kleine Alarmanlage weggenommen, weil da eine integrierte Batterie war. Beim Rückweg wurde mir meine power Bank aus der Handtasche abgenommen ebenfalls mit der Begründung integrierte Batterie.

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