Quallenarten in der Ostsee
Die an der deutschen Ostseeküste häufigsten Quallen sind die Ohrenqualle (Aurelia aurita), deren Nesselkapseln meist nur leichte Hautreize verursachen, und die Gelbe Haarqualle (Feuerqualle, Cyanea capillata). Letztere ist eine größere Nesselqualle mit langen, feinen Tentakeln, die vor allem im Spätsommer auftritt und deren Gift schmerzhafte Verbrennungen und Juckreiz auslösen kann.
Die Verteilung von Quallen ist stark wetterabhängig. Starke Winde und Strömungen können Quallenbänke rasch an Land treiben oder wieder verdrängen.
Generell sind flachere Buchten und offene Strände an der Ostsee in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern anfälliger für Massenansammlungen, insbesondere wenn der Wind aus Richtung der Ostsee auf das Land weht (auflandiger Wind).
Besonders betroffen sein können:
- Offene Küstenabschnitte und tiefe Buchten mit breiter Öffnung nach Osten oder Südosten: Hierzu zählen exponierte Strände in der Kieler Bucht und der Hohwachter Bucht. Auch die gesamte Lübecker Bucht mit Orten wie Travemünde, Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Haffkrug sowie die Neustädter Bucht mit Grömitz und Pelzerhaken können bei entsprechenden Windverhältnissen stärker betroffen sein.
- Offene Strände in Mecklenburg-Vorpommern: Abschnitte in Kühlungsborn, Warnemünde oder auf Rügen, etwa in Binz oder Sellin, sind ebenfalls anfällig für Qualleneintrag bei auflandigem Wind.
Zu Beginn des Sommers 2025 wurden zunächst keine massenhaften Vorkommen wie in 2024 gemeldet, doch Experten erwarten, dass in warmen Jahren spätere Zunahmen, insbesondere von Feuerquallen, häufiger werden.
Ursachen des Quallenaufkommens
Das vermehrte Auftreten von Quallen in der Ostsee hat mehrere Gründe. Der Klimawandel und Temperaturanstieg verlängern die Fortpflanzungs- und Wachstumsphase der Quallen, da höhere Meerestemperaturen dies begünstigen. Die Ostsee hat sich in den letzten Jahrzehnten bereits um rund 1,6 °C erwärmt. Ein weiterer Faktor ist die Überfischung, die zum Rückgang natürlicher Fressfeinde der Quallen führt, sodass sich Quallenpopulationen ungehindert ausbreiten können. Die Eutrophierung durch Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Abwässern fördert zudem großflächige Planktonblüten, die den Quallen als Nahrung dienen. Schließlich spielen Wind und Strömung eine entscheidende Rolle, indem sie Quallen passiv in Küstennähe treiben und ansammeln.
Der Einfluss der Windrichtung auf spezifische Küstenabschnitte zeigt sich deutlich:
- Bei westlichen Winden driften Quallen tendenziell stärker an die östlich ausgerichteten Küstenabschnitte Schleswig-Holsteins, wie die Strände der Kieler Bucht, der Hohwachter Bucht, der Neustädter Bucht (Grömitz, Pelzerhaken) oder der Lübecker Bucht.
- Bei östlichen Winden hingegen könnten westlich ausgerichtete Strände oder geschützte Buchten, wie etwa in der Wismarer Bucht oder weniger exponierte Abschnitte an der Insel Fehmarn, weniger betroffen sein oder sogar eine Ausweichmöglichkeit bieten.
Diese Faktoren schaffen zusammen günstige Bedingungen für ausgedehnte Quallenpopulationen.
Auswirkungen auf Tourismus und Gesundheit
Quallen beeinflussen das Ostsee-Urlaubserlebnis. Während sie von vielen Badegästen hauptsächlich als lästig empfunden werden, können Stiche von Feuerquallen starke, brennende Schmerzen, Rötungen und Blasenbildung auf der Haut hervorrufen. Ein Beispiel dafür ist der Sommer 2024, als allein auf Fehmarn über 80 Personen wegen Quallenverbrennungen medizinisch versorgt werden mussten. Solche Vorfälle können dazu führen, dass Strände vorübergehend gesperrt oder bewacht werden. Viele Urlaubsorte informieren ihre Gäste vorsorglich mit Warnschildern über mögliche Quallenkonzentrationen und erlassen bei starkem Befall zeitweise Badeverbote.
Ein weiteres Gesundheitsrisiko geht von Bakterien der Gattung Vibrio aus, die in wärmerem Ostseewasser gedeihen. Diese vermehren sich ab etwa 20 °C stark und können bei offenen Wunden in seltenen Fällen Wundinfektionen bis hin zu einer Sepsis auslösen. Nach Angaben von Landesämtern betrifft diese Gefahr jedoch fast ausschließlich Menschen mit chronischen Vorerkrankungen oder Immunschwäche; diese Risikogruppen sollten den Kontakt mit Ostseewasser meiden, wenn sie Hautverletzungen haben. Für die breite Öffentlichkeit gelten Vibrionen nicht als Grund für generelle Badeverbote.
Für den Tourismus bedeutet die Quallenproblematik meist vor allem negative Schlagzeilen und Verunsicherung. Wirtschaftliche Auswirkungen durch rückläufige Buchungszahlen sind bisher nicht belegt, da sich die Lage meist rasch beruhigt, wenn sich die Saison abkühlt.
Umgang und Schutzmaßnahmen
Touristen sollten sich am Ostseestrand sorgfältig informieren und verhalten. Viele Küstenorte und Rettungsschwimmer bieten aktuelle Hinweise zu Quallen durch Flaggen, Strandansagen oder Online-Infos.
Es ist ratsam, Massenvorkommen zu meiden. Wenn Sie beispielsweise an einem offenen Strandabschnitt an der Kieler Bucht oder in Grömitz bei auflandigem Wind große Quallenansammlungen sehen, steigen Sie nicht ins Wasser. Die feinen Nesselfäden sind im Wasser oft unsichtbar und können auch am Ufer noch stechen. Entdecken Sie im Wasser eine Feuerqualle, schwimmen Sie ruhig weg – hastige Bewegungen können Quallen anziehen. Bleiben Sie mit Kindern zusammen und weisen Sie diese auf die Gefahr hin. Generell hilft das Tragen von Badeschuhen oder Neoprenanzügen, da auch abgestreifte Tentakel bei Hautkontakt noch nesselnd wirken können. Wer dennoch ins Wasser geht, sollte nahe am Ufer bleiben, um nach einem Quallenkontakt schnell aussteigen zu können. Öffnen Sie unter Wasser nicht ungeschützt die Augen, da Nesselfäden auch auf Schleimhäuten brennen können.
Nach einem Stich spülen Sie die betroffene Hautstelle sofort mit Meerwasser ab – kein Süßwasser, da dies weitere Nesselkapseln aktiviert. Entfernen Sie alle noch klebenden Tentakel vorsichtig mit einer Karte oder Rasierschaum (letzteren kurz einwirken lassen und danach abstreifen). Anschließend kann eine kühlende bzw. juckreizstillende Salbe (z.B. Fenistil-Gel oder spezielle Quallensalbe) lindernd sein. Wichtig: Reiben Sie die Stelle nicht und waschen Sie sie nicht mit Alkohol oder Süßwasser, das verschlimmert die Beschwerden. Bei Anzeichen von Kreislaufreaktionen, starker Schwellung oder Atemnot suchen Sie sofort einen Arzt auf.
Aktuelle Quallenwarnungen und Informationsquellen
Um stets die aktuellste Situation zu erfahren, sind folgende Quellen und Verhaltensweisen entscheidend:
Achten Sie auf die Hinweise von Rettungsschwimmern und Behörden, die oft durch Badeflaggen und Schilder kommuniziert werden. Die lokale DLRG-Strandwache ist meist die zuverlässigste Quelle vor Ort; fragen Sie dort direkt nach. Auch die örtlichen Tourismusagenturen und Kurverwaltungen, beispielsweise in Boltenhagen, Heiligendamm, Sellin, Hohwacht, Grömitz oder Pelzerhaken, bieten auf ihren Websites und in den Touristinformationen tagesaktuelle Informationen zur Badewasserqualität und eventuellen Quallenwarnungen an.
Sollte ein Strand stark betroffen sein, wie etwa ein offener Strand in der Hohwachter Bucht oder in Grömitz und Pelzerhaken bei starkem auflandigem Wind, kann es sich lohnen, kurzfristig eine geschützte Bucht oder einen Strand mit anderer Ausrichtung aufzusuchen, wo die Wind- und Strömungsverhältnisse die Quallen abtransportiert haben könnten. Beispielsweise könnten die Strände an der Wismarer Bucht oder in geschützteren Abschnitten der Insel Usedom, die vom Wind abgewandt liegen, eine bessere Option sein, wenn der Wind die offenen Küstenabschnitte Mecklenburg-Vorpommerns oder die Kieler Bucht mit Quallen beaufschlagt.
Lokale Warnungen
Aktuelle Badegewässerberichte der Landesgesundheitsämter sind online verfügbar und bieten allgemeine Informationen, sind aber selten tagesaktuell für spezifische Strandabschnitte.
Eine zentrale, flächendeckende App für Quallenmeldungen existiert derzeit nicht.
Die direkte Information vor Ort bleibt daher die effektivste Methode, um vor dem Baden das aktuelle Quallenaufkommen zu prüfen und unangenehme Begegnungen zu vermeiden.
Tipp: Die aktuellsten Warnungen erhalten Sie meist direkt an den Stränden durch die DLRG!

Ich war gestern in der Eckernförder Bucht ganze 15 min, ca.15.30 h , im Wasser,
Anfangs in Strandnähe, habe ich nichts gemerkt. dann aber einen brennesselartigen Schmerz an beiden Beinen und am linken Arm.
Daraufhin schnell zurück, es war überhaupt keine Rötung nachweisbar.
Es folgte ein ca , 14 h anhaltender, sehr schwerer Schmerz, trotz lokal Cortison, Fenistil und oralem Kortison.
Auch jetzt, 21 h später, besteht noch ein leichter Schmerz an wenigen Stellen. Es war sehr anstrengend, Schlaf nicht möglich.
IN Eckernförde gab es keine Warnansagen, keine Schilder, hätte wohl den Tourismus gestört.
DLRG ist nicht mehr aktiv, hätte mir sowieso nicht helfen können.
Im Wasser spielten in Strandnähe auch Kinder. Ich finde das unverantwortlich gegenüber den Gästen.
Bei Westwind hätte immer prophylaktisch gewarnt werden müssen!!! (als Eckernförderin hätte ich das natürlich auch selbst wissen müssen, aber es waren doch etliche im Wasser…)