Wer kann sich Urlaub leisten?
Aktuellen Erhebungen zufolge lebt rund ein Fünftel der Bevölkerung in Haushalten, die sich keine einwöchige Urlaubsreise leisten können. Das betrifft etwa 17,4 Millionen Menschen. Unterschiede zeigen sich deutlich zwischen verschiedenen Haushaltsformen:
- Alleinerziehende: rund 38 % ohne Urlaubsreise.
- Alleinlebende: rund 29 %.
- Familien mit drei oder mehr Kindern: knapp 30 %.
- Familien mit ein oder zwei Kindern: 16–19 %.
Damit ist klar: Urlaubsreisen sind für einen Teil der Bevölkerung weiterhin selbstverständlich, für andere aber mit erheblichen finanziellen Hürden verbunden. Besonders betroffen sind Haushalte mit niedrigem Einkommen, in denen bereits die laufenden Kosten für Wohnen und Energie den Spielraum stark einschränken.
Eigenes Einkommen und Ersparnisse als Hauptquelle
Die meisten Haushalte finanzieren ihren Urlaub direkt aus dem laufenden Einkommen oder durch Rücklagen. Typisch sind Sparstrategien im Alltag: Verzicht auf größere Anschaffungen, Einschränkungen bei Freizeit oder Konsum sowie gezieltes Zurücklegen kleiner Beträge über das Jahr hinweg. Manche legen gezielt eine „Reisekasse“ an, andere verschieben Anschaffungen, um die Urlaubskosten abfedern zu können.
Ein weiterer Trend ist die Anpassung des Reiseverhaltens: Kürzere Aufenthalte, günstigere Unterkünfte oder die Wahl von Reisezielen innerhalb Deutschlands ersetzen bei vielen die früher selbstverständliche Flugreise ins Ausland. Das verlängerte Wochenende in den Alpen oder an der Nordsee tritt an die Stelle eines ein- bis zweiwöchigen Aufenthalts im Mittelmeerraum.
Urlaubsgeld – ein stabilisierender Faktor
Knapp die Hälfte der tariflich Beschäftigten in Deutschland erhält Urlaubsgeld. Es trägt in vielen Fällen erheblich zur Finanzierung bei, ist jedoch ungleich verteilt:
- In der Industrie und im öffentlichen Dienst ist Urlaubsgeld verbreiteter als im Dienstleistungssektor.
- Im Westen wird es häufiger gezahlt als im Osten.
- Höhe und Verlässlichkeit sind vom jeweiligen Tarifvertrag abhängig.
Für Beschäftigte mit Anspruch auf Urlaubsgeld bedeutet es eine spürbare Entlastung und in vielen Fällen den entscheidenden Unterschied, ob eine längere Reise überhaupt realisiert werden kann. Für alle anderen Haushalte spielt es keine Rolle.
Staatliche Zuschüsse
Neben privaten Mitteln existieren Förderprogramme für Haushalte mit geringem Einkommen. Landesprogramme, Wohlfahrtsverbände und Familienferienstätten ermöglichen ermäßigte Aufenthalte oder gewähren Zuschüsse zu Unterkunft, Verpflegung und Fahrtkosten. Die Zielgruppe sind insbesondere Alleinerziehende, kinderreiche Familien oder Personen mit besonderen Belastungen.
Diese Angebote sind in ihrer Reichweite begrenzt, stellen aber für Berechtigte eine wichtige Möglichkeit dar, überhaupt verreisen zu können. Sie sind an Einkommensgrenzen gebunden und müssen aktiv beantragt werden, was die Nutzung erschwert. Dennoch sind sie ein relevanter Baustein innerhalb der Gesamtfinanzierung.
Großeltern als Mitfinanzierer
Eine wachsende Bedeutung kommt den Großeltern zu. Viele tragen in unterschiedlichem Umfang zur Finanzierung der Urlaubsreisen ihrer Kinder und Enkel bei – sei es durch direkte Geldzuwendungen, die Übernahme von Unterkunftskosten oder die Mitgestaltung von Mehrgenerationenreisen.
Typische Formen sind:
- Großeltern übernehmen den Hauptteil der Kosten für Ferienhaus oder Hotel.
- Sie geben den Enkeln Taschengeld für den Urlaub.
- Gemeinsame Reisen werden als generationsübergreifendes Familienprojekt gestaltet, das sie wesentlich finanzieren.
- Urlaube mit den Enkeln ersetzen klassische Geschenke zu Geburtstagen oder Festtagen.
Schätzungen zufolge stammen rund 10 % der Urlaubsbudgets direkt oder indirekt aus Zuwendungen der Großeltern. Damit sind sie ein relevanter Bestandteil in der Finanzierungsstruktur – auch wenn dies statistisch schwer exakt zu erfassen ist.
Erbschaften und Vermögensübertragungen
Ebenfalls von wachsender Bedeutung sind Erbschaften und Schenkungen. Jährlich werden in Deutschland dreistellige Milliardenbeträge übertragen. Während kleinere Beträge meist in den Alltag fließen, eröffnen größere Erbschaften zusätzlichen finanziellen Spielraum – etwa für Fernreisen, Zweiturlaube oder den Erwerb von Ferienimmobilien oder Wohnmobilen.
Erbschaften wirken sich oft indirekt auf die Urlaubsfinanzierung aus: Wer durch Vermögensübertragungen größere Rücklagen hat, kann den Urlaub aus laufendem Einkommen bestreiten, ohne andere Ausgaben zu stark zu beschneiden.
Diese Möglichkeit ist allerdings ungleich verteilt: Familien mit ererbtem Vermögen verfügen über andere Spielräume als Haushalte ohne solche Mittel.
Infografik: Finanzierungsquellen im Überblick
Zur besseren Übersicht eine grafische Zusammenfassung der wichtigsten Finanzierungswege:

Strategien der Haushalte
Neben direkten Geldquellen spielt die Budgetsteuerung eine Rolle. Typische Strategien sind:
- Einschränkungen bei Konsum und Freizeit im Alltag.
- Frühzeitiges Buchen oder Ausweichen auf günstigere Ziele.
- Kostenaufteilung innerhalb der Familie (Eltern, erwachsene Kinder, Großeltern).
Damit reagieren viele flexibel auf steigende Preise und sich verändernde Rahmenbedingungen. In manchen Familien wird sogar ein gemeinsames Haushaltsbudget für Reisen gebildet, an dem mehrere Generationen beteiligt sind.
Urlaub auf Kredit
• Immer mehr Deutsche finanzieren ihren Urlaub mit Krediten. Laut Studie der Norisbank stieg die Bereitschaft von 29,1% (2021) auf 31,1% (2025).
• Besonders Familien (45,5%) und Fernreisende (bis zu 47,9%) greifen häufiger zum Kredit.
• Diese Entwicklung zeigt, dass viele trotz angespannter Finanzlage an teure Reisen glauben – was finanzielle Risiken birgt.
• Experten raten zu kurzen Laufzeiten (max. 36 Monate), um hohe Zinskosten und Schuldenfallen zu vermeiden.
Entwicklung der Kosten
Die Kostensteigerungen im Reisebereich sind deutlich spürbar. Fluggesellschaften, Hotels und Ferienwohnungen haben ihre Preise erhöht, während gleichzeitig höhere Lebenshaltungskosten das verfügbare Einkommen reduzieren. Für manche Haushalte bedeutet dies eine Verlagerung hin zu kürzeren oder regionalen Reisen, für andere eine Reduktion der Reisetage.
Im Durchschnitt steigen die Gesamtkosten für Urlaubsreisen pro Haushalt spürbar, sodass bei gleichbleibendem Einkommen weniger Spielraum bleibt. Für Familien mit mehreren Kindern ist die Belastung besonders hoch, da jeder zusätzliche Mitreisende den finanziellen Aufwand erhöht.
Reisebuch.de Resümee
Die Urlaubsfinanzierung in Deutschland 2025/26 basiert überwiegend auf privaten Mitteln (inkl. Kredite), ergänzt durch Urlaubsgeld, innerfamiliäre Zuschüsse – insbesondere durch Großeltern – sowie in geringerem Maße durch staatliche Förderungen und Vermögensübertragungen.
Die Daten zeigen: Reisen bleibt für viele ein fester Bestandteil, doch die Finanzierung erfordert wachsende Anpassungen. Unterschiede zwischen Einkommensgruppen und Haushaltsformen bleiben bestehen und prägen das Reiseverhalten nachhaltig. Großeltern und Erbschaften wirken dabei als zusätzliche Finanzquellen, die für manche Familien den Unterschied machen, für andere aber nicht zur Verfügung stehen.

