Reisen in Zeiten von Waldbrandgefahr: Was Urlauber wissen müssen

| von Hartmut Ihnenfeldt

Waldbrände gehören im Mittelmeerraum inzwischen zu den Risiken, mit denen Reisende im Sommer rechnen müssen. Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Südfrankreich, Kroatien und die Türkei sind immer wieder betroffen. Das bedeutet nicht, dass Reisen in diese Länder grundsätzlich gefährlich wären. Wohl aber sollten Urlauber wissen, wie sie Risiken einschätzen und im Ernstfall reagieren.

Reisen in Zeiten von Waldbrandgefahr: Was Urlauber wissen müssen
Heftige Waldbrände drohen nicht nur in Mittelmeerregionen; Foto: reinhardthrainer, Pixabay, CC4

Das Wichtigste vorweg

  • Waldbrandgefahr ist meist regional und kein Grund, ein ganzes Reiseland zu meiden.
  • Bei extremer Hitze und Trockenheit können sich Brände sehr schnell ausbreiten.
  • Warnungen der örtlichen Behörden haben Vorrang vor Reiseplänen.
  • Besonders aufmerksam sollten Camper, Wanderer und Mietwagenreisende sein.
  • Eine Reiseversicherung deckt nicht automatisch jede Beeinträchtigung durch Waldbrände.

Der Mittelmeerurlaub verändert sich

Wer im Juli oder August nach Südeuropa reist, muss inzwischen nicht nur mit großer Hitze rechnen. Trockenheit, starke Winde und ausgedörrte Vegetation können ideale Bedingungen für Waldbrände schaffen.

Das betrifft viele klassische Urlaubsregionen. Besonders gefährdet sind bewaldete Küstengebiete und das Hinterland. Ein Strandhotel mitten in einer größeren Stadt ist anders zu beurteilen als ein Ferienhaus zwischen Pinienwäldern oder ein abgelegener Campingplatz.

Die zunehmenden Hitzeperioden stellen deshalb auch die Frage, ob der Sommerurlaub am Mittelmeer bei extremer Hitze noch zu den eigenen Reisegewohnheiten passt.

Nicht jedes Feuer gefährdet den Urlaubsort

Nachrichten über „Waldbrände in Griechenland“ oder „Feuer in Spanien“ sagen zunächst wenig aus. Zwischen einem Brandgebiet und dem eigenen Ferienort können Hunderte Kilometer liegen.

Entscheidend sind:

  • genaue Lage des Feuers,
  • Windrichtung,
  • Zufahrts- und Fluchtwege,
  • Anweisungen der Behörden,
  • mögliche Straßensperrungen,
  • Rauchentwicklung.

Reisende sollten sich deshalb nicht allein auf soziale Netzwerke verlassen. Maßgeblich sind Behörden, Zivilschutz, Polizei und gegebenenfalls Reiseveranstalter oder Unterkunft. Grundsätzlich lohnt es sich, schon vor der Abreise die wichtigsten Hinweise für ein sicheres Reisen im Ausland zu beachten.

Ferienhaus und Campingplatz verlangen besondere Aufmerksamkeit

Wer individuell mit dem Mietwagen auf Reisen ist, trägt mehr Eigenverantwortung als ein Pauschalreisender. Bei einem abgelegenen Ferienhaus sollte man wissen, welche Straßen aus dem Gebiet führen.

Noch wichtiger ist das beim Camping. Campingplätze liegen häufig in landschaftlich attraktiven, aber dicht bewachsenen Gebieten. Bei einem Brand können wenige Zufahrtsstraßen zum Problem werden.

Das Auto sollte deshalb nicht so abgestellt werden, dass eine schnelle Abfahrt unmöglich ist. Ausweise, Medikamente, Mobiltelefon, Ladegerät und Zahlungsmittel gehören so zusammen, dass man sie kurzfristig mitnehmen kann.

Auch für andere unerwartete Situationen lohnt eine gewisse Vorbereitung. Unser Ratgeber Wenn die Reise schiefläuft – Pannen und Missgeschicke im Urlaub zeigt, welche Reserven und Notfalllösungen unterwegs hilfreich sein können.

Bei Evakuierung nicht diskutieren

Ordnen Behörden die Räumung eines Gebietes an, sollte man dieser Aufforderung unverzüglich folgen. Der Versuch, noch Gepäck zusammenzusuchen oder auf eigene Faust eine vermeintlich bessere Route zu wählen, kann gefährlich werden.

Rauch ist dabei ein oft unterschätztes Risiko. Auch wenn Flammen weit entfernt sind, können Sicht und Luftqualität erheblich beeinträchtigt sein.

Reisebuch-Tipp

Speichern Sie vor einer Reise die Notrufnummer 112 im Telefon – sie gilt in der gesamten EU. Aktivieren Sie außerdem die Warnfunktionen des Smartphones und informieren Sie sich über das Warnsystem des Reiselandes.

Wichtige Dokumente, Zahlungsmittel und Karten sollten möglichst nicht sämtlich an einem Ort liegen. Wie sich die finanzielle Reserve unterwegs sinnvoll organisieren lässt, erläutert unser Ratgeber Bargeld und Konten unterwegs sichern.

Kann man eine Reise wegen Waldbrandgefahr stornieren?

Eine allgemeine Waldbrandgefahr reicht normalerweise nicht aus, um eine gebuchte Reise kostenlos abzusagen. Anders kann es aussehen, wenn der konkrete Urlaubsort unmittelbar betroffen ist, nicht erreichbar wird oder Behörden vor Reisen in das Gebiet warnen.

Bei Pauschalreisen bestehen andere Rechte als bei einzeln gebuchten Flügen, Hotels oder Ferienwohnungen. Individualreisende müssen häufig jeden Vertrag separat betrachten.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte bereits vor der Buchung prüfen, was eine Reiserücktritts- oder Reiseabbruchversicherung tatsächlich abdeckt. Einen Überblick bietet reisebuch.de im Beitrag Vom Sinn und Nutzen verschiedener Reiseversicherungen.

Der Süden bleibt bereisbar – aber nicht mehr sorglos

Waldbrandgefahr macht den Mittelmeerraum nicht zum Sperrgebiet. Sie verändert jedoch die Reiseplanung. Flexible Buchungen, eine realistische Einschätzung extremer Hitze und die Bereitschaft, Pläne kurzfristig zu ändern, werden wichtiger.

Wer hohe Temperaturen ohnehin schlecht verträgt, kann außerdem über andere Reisezeiten nachdenken. Mai, Juni, September und teilweise Oktober bieten vielerorts angenehmere Bedingungen.

Und vielleicht verändert sich langfristig sogar die europäische Urlaubskarte: Während manche Mittelmeerregionen im Hochsommer mit Hitze und Feuer kämpfen, gewinnen Nord- und Ostsee als sommerliche Alternativen an Attraktivität. Auch ein Sommerurlaub in Skandinavien kommt für Reisende infrage, die extreme Hitze möglichst vermeiden möchten.


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