Tourismus in Schleswig-Holstein 2026: Rekord – aber nicht überall

| von Hartmut Ihnenfeldt

Schleswig-Holstein verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 so viele touristische Übernachtungen wie nie zuvor. Hinter dem Rekord stehen jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen: Die Ostsee legt leicht zu, die Nordsee verliert – und selbst benachbarte Ferienorte bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen.

Tourismus in Schleswig-Holstein 2026: Rekord – aber nicht überall
Kappel an der Schlei gehört zu den Gewinnern in 2026; Foto: if/reisebuch.de

4,276 Millionen Gäste und 15,821 Millionen Übernachtungen von Januar bis Juni: Schleswig-Holstein hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen touristischen Höchststand erreicht. Die Gästezahl stieg um 1,3 Prozent, die Zahl der Übernachtungen allerdings nur um 0,4 Prozent.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 3,7 Tagen. Mehr Gäste bedeuten also nicht automatisch entsprechend mehr Urlaubstage im Land.

Die Zahlen des Statistikamts Nord erfassen größere Beherbergungsbetriebe sowie Campingplätze ab zehn Stellplätzen. Kleine private Ferienvermieter sind daher nicht vollständig enthalten.

Schwacher Juni trotz Halbjahresrekord

Der Rekord darf auch deshalb nicht überbewertet werden, weil ausgerechnet der Juni deutlich schwächer ausfiel. Rund 1,075 Millionen Gäste bedeuteten 5,4 Prozent weniger als im Juni 2025, die 4,285 Millionen Übernachtungen lagen 4,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Auch das Tourismusministerium Schleswig-Holstein weist auf immer kurzfristigere Buchungen hin. Für Hotels, Ferienanlagen und Gastronomie erschwert das die Planung, selbst wenn die Auslastung über das Jahr insgesamt stimmt.

Ostsee leicht im Plus, Nordsee im Minus

Regional ergibt sich ebenfalls kein einheitliches Bild:

  • Ostsee: 7,82 Millionen Übernachtungen, +1,0 Prozent
  • Nordsee: 5,22 Millionen, –1,0 Prozent
  • Holsteinische Schweiz: rund 451.000, –0,8 Prozent
  • übriges Binnenland: 2,33 Millionen, +1,8 Prozent

Die Ostsee bleibt mit Abstand der wichtigste Ferienraum Schleswig-Holsteins. Doch schon wenige Kilometer können erhebliche Unterschiede ausmachen. Reisebuch.de hat die Ferienorte zuletzt ausführlich im Vergleich der Badeorte an Lübecker und Hohwachter Bucht untersucht.

Grömitz und Neustadt wachsen – Travemünde verliert

In Ostholstein entwickelten sich mehrere große Ferienorte positiv. Grömitz erreichte 597.141 Übernachtungen und legte um 4,6 Prozent zu, Scharbeutz um 3,2 Prozent. Neustadt in Holstein kam auf ein Plus von 6,4 Prozent, Dahme auf 6,3 Prozent und Timmendorfer Strand auf 1,8 Prozent.

Ganz anders Travemünde: Das Lübecker Seebad verlor 6,4 Prozent der Übernachtungen und 6,1 Prozent der Gäste. Die bekannte Marke, gute Verkehrsanbindung und Nähe zur Lübecker Altstadt garantieren also keineswegs automatisch Wachstum. Mehr zu Stadt und Seebad bietet unser Beitrag Lübeck für Anfänger.

Auch Fehmarn lag mit 905.965 Übernachtungen 2,9 Prozent unter dem Vorjahr, bleibt aber eines der touristischen Schwergewichte des Landes.

Hohwacht verliert deutlich – Sehlendorf gewinnt

Besonders auffällig ist die Entwicklung an der Hohwachter Bucht.

Hohwacht kam im ersten Halbjahr auf 71.819 Übernachtungen, 8,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig stieg die Gästezahl leicht. Die Aufenthalte wurden also kürzer.

2026 war allerdings ein ungewöhnliches Jahr: Alt-Hohwacht war von Mitte April bis weit in den September hinein durch die Verstärkung des Regionaldeichs und den Neubau der Promenade geprägt. Ein zentraler Strandabschnitt blieb während der Saison gesperrt. Dass dies allein den Rückgang erklärt, lässt sich statistisch nicht beweisen; als Belastungsfaktor liegt die Dauerbaustelle jedoch nahe.

Auffällig ist gleichzeitig der Zuwachs im wenige Kilometer entfernten Blekendorf mit Sehlendorfer Strand: Dort stiegen die Übernachtungen um 13,4 Prozent. Eine Verlagerung von Gästen lässt sich daraus nicht nachweisen, erscheint angesichts der Nähe und des ähnlichen Urlauberpublikums aber durchaus denkbar.

Mehr zur Region bietet unser aktueller Überblick zur Hohwachter Bucht im Sommer 2026.

Im Binnenland entwickelte sich Plön dagegen positiv: 110.766 Übernachtungen bedeuteten ein Plus von 4,6 Prozent. Malente legte um 1,6 Prozent zu.

Kappeln und Eckernförde gehören zu den Gewinnern

Weiter nördlich fällt Eckernförde mit einem Plus von 15,3 Prozent auf. Kappeln erreichte 271.972 Übernachtungen und legte um 6,5 Prozent zu, Glücksburg sogar um 13,7 Prozent.

Kappeln profitiert dabei von einer Struktur, die vielen reinen Ferienorten fehlt: Hafen und Schlei, eine lebendige Innenstadt, Einzelhandel, Gastronomie und die nahe Ostsee. Reisebuch.de hat den Ort deshalb ausführlich in Kappeln an der Schlei – mehr als ein Tagesausflugsziel? vorgestellt.

Für den nördlichen Küstenabschnitt bietet außerdem unser Vergleich der besten Strände zwischen Kiel und Flensburg einen Überblick.

Nordsee: Sylt legt zu, St. Peter-Ording verliert

Auch die Nordsee zeigt kein einheitliches Bild.

Sylt erreichte rund 1,42 Millionen Übernachtungen und legte um 1,3 Prozent zu. Büsum stagnierte nahezu.

Dagegen verlor Sankt Peter-Ording 3,6 Prozent, Husum 6,5 Prozent. Insgesamt lag die Nordsee damit ein Prozent unter dem ersten Halbjahr 2025.

Kaum internationale Gäste

Schleswig-Holstein bleibt ungewöhnlich stark vom deutschen Binnenmarkt abhängig. Von 15,82 Millionen Übernachtungen entfielen mehr als 15 Millionen auf Gäste aus Deutschland. Der Auslandsanteil liegt damit nur bei rund fünf Prozent.

Selbst aus dem unmittelbaren Nachbarland Dänemark gingen die Übernachtungen im ersten Halbjahr um 8,4 Prozent zurück.

Der Landesrekord verdeckt große Unterschiede

Auch Deutschland insgesamt meldete im ersten Halbjahr einen neuen Übernachtungsrekord. Schleswig-Holstein liegt mit seinem Plus von 0,4 Prozent nur knapp über dem bundesweiten Zuwachs.

Interessanter als der neue Höchststand sind deshalb die Unterschiede zwischen den Orten. Grömitz wächst, Travemünde verliert. Plön legt zu, Hohwacht fällt zurück. Kappeln und Eckernförde gewinnen kräftig, andere bekannte Ziele stagnieren.

„Ostseeurlaub“ oder „Nordseeurlaub“ sind damit immer weniger aussagekräftige Kategorien. Für Gäste zählt der einzelne Ferienort: Unterkunftspreise, Gastronomie, Strandqualität, Infrastruktur, Ausweichmöglichkeiten bei schlechtem Wetter und nicht zuletzt die Frage, wie viel Urlaubswert man für sein Geld erhält.

Auch deshalb beurteilt Reisebuch.de in seinen Top-Reisezielen an der Ostsee 2026 nicht allein Bekanntheit und Besucherzahlen.

Der Tourismusrekord ist eine gute Nachricht für Schleswig-Holstein. Über Gewinner und Verlierer entscheidet sich jedoch vor Ort.


Reisebuch.de bei Google bevorzugen
Du möchtest unsere Reise-News und Empfehlungen häufiger sehen? Füge Reisebuch.de zu deinen bevorzugten Quellen bei Google hinzu.

Reisebuch.de bei Google bevorzugen

Schreibe einen Kommentar