Unsere Wanderbuchreihe im Reisebuch Verlag: Vier Bücher über Wege, Weite und langsames Reisen

| von Hartmut Ihnenfeldt

Wandern ist die langsamste Form des Reisens – und oft die genaueste. Vier Bücher aus dem Reisebuch Verlag zeigen, wie unterschiedlich dieses Unterwegssein sein kann: als europäische Fernwanderung, als Pilgern vor der Haustür, als Jakobsweg in Frankreich oder als skurriles Experiment mit Sofa.

Unsere Wanderbuchreihe im Reisebuch Verlag: Vier Bücher über Wege, Weite und langsames Reisen
Vier Wanderbücher aus dem Reisebuch Verlag; Kollage: if/KI, reisebuch.de

Es gibt Reisen, die nicht am Flughafen beginnen, sondern mit dem ersten Schritt. Sie brauchen keine große Inszenierung, sondern Zeit, Aufmerksamkeit, Kondition und die Bereitschaft, Landschaften nicht nur zu betrachten, sondern wirklich zu durchqueren. Genau hier setzt die Wanderbuchreihe des Reisebuch Verlags an.

Im Mittelpunkt stehen vier Titel: 4500 km auf dem Fernwanderweg E3 von Sabine Gärtner, Auf heimischen Wegen von Dagmar Höner, Wandern wie Gott in Frankreich von Kai Born und Wandern mit Couch – Sofa(r) – so Good! von Jeppe Reinhardt.

Das Wichtigste vorweg

Vier Bücher, vier Formen des Gehens:

Europa zu Fuß: Sabine Gärtner folgt dem Fernwanderweg E3 bis zum Cabo de São Vicente – durch Luxemburg, Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal.
Pilgern in der Nähe: Dagmar Höner zeigt, dass der Jakobsweg nicht erst in Spanien beginnt. Auch Deutschland besitzt ein dichtes Netz an Pilgerwegen.
Frankreich als Wanderland: Kai Born beschreibt französische Jakobswege diesseits der Pyrenäen – mit Startpunkten wie Genf und Routen durch ein oft unterschätztes Pilgerland.
Wandern als Versuchsanordnung: Jeppe Reinhardt zieht mit einer Couch los und macht aus einer absurden Idee einen eigenwilligen Reisebericht.

Warum Wanderbücher heute wieder passen

Viele Reisen sind auf Tempo, Komfort und maximale Programmdichte angelegt. Wandern entzieht sich diesem Prinzip. Wer geht, kann nicht beliebig beschleunigen. Wege, Wetter, Dörfer, Pausen, Schmerzen, Einkehr und Begegnungen bestimmen den Rhythmus.

Die Bücher dieser Reihe nehmen das Gehen ernst, ohne es zu überhöhen. Sie erzählen von Erfahrung, Ausdauer, Umwegen und genauer Beobachtung – nicht von perfekten Outdoor-Momenten. Gerade das macht sie glaubwürdig.

4500 km auf dem Fernwanderweg E3: Europa Schritt für Schritt

Sabine Gärtners 4500 km auf dem Fernwanderweg E3 ist der große Fernwanderbericht der Reihe. Über Monate hinweg durchquert die Autorin verschiedene Länder, Landschaften und Kulturräume bis zum äußersten Südwesten Europas.

Seine Stärke liegt nicht allein in der Distanz, sondern im genauen Blick auf das Unterwegssein: Grenzen, Sprachen, Herbergen, Kirchen, Felder, Städte, Müdigkeit und Zufälle. Europa erscheint hier nicht als abstrakter Begriff, sondern als begehbarer Raum. Besonders eindrücklich ist der Übergang von Mitteleuropa über Frankreich und Spanien nach Portugal, wo sich Fernwanderung, Pilgertradition und Atlantik verbinden.

Geeignet für Leser, die lange Strecken planen, Fernwanderberichte schätzen oder Europa nicht nur bereisen, sondern im Wortsinn erfahren möchten.

Auf heimischen Wegen: Pilgern beginnt vor der Haustür

Dagmar Höners Auf heimischen Wegen setzt bewusst im Nahbereich an. Der Untertitel „Pilgern zwischen Rhein und Weser“ macht deutlich: Der Weg muss nicht erst in Spanien beginnen.

Das Buch ergänzt das reisebuch.de-Thema Jakobsweg: Von Deutschland aus nach Santiago de Compostela. Der Gedanke ist derselbe: Auch in Deutschland gibt es historische Routen, stille Landschaften und eigenständige Etappen.

Höner zeigt, dass Nähe kein Mangel ist. Vertraute Orte verändern sich, wenn man sie zu Fuß erschließt. Ein Dorf, eine Kirche, ein alter Wegabschnitt oder eine Begegnung am Rand der Strecke wirken anders, wenn man sie nicht aus dem Auto heraus registriert, sondern erlaufen hat.

Geeignet für Leser, die Pilgern ohne Fernreise ausprobieren möchten und ihre eigene Umgebung neu entdecken wollen.

Wandern wie Gott in Frankreich: Jakobswege jenseits der Routine

Kai Borns Wandern wie Gott in Frankreich richtet den Blick auf französische Jakobswege, die im deutschen Blick oft hinter dem spanischen Camino zurücktreten. Dabei ist gerade Frankreich ein eigenständiges Pilger- und Wanderland: landschaftlich vielfältig, kulturell dicht, kulinarisch reizvoll und stellenweise organisatorisch anspruchsvoll.

Der Perspektivwechsel trägt das Buch. Frankreich erscheint nicht als Transitland nach Spanien, sondern als Wanderraum mit eigener Würde. Routen wie die Via Gebennensis ab Genf verbinden die Schweiz mit der französischen Pilgerlandschaft. Andere Wege führen durch Regionen, die man touristisch kennt, aber selten zusammenhängend erwandert.

Born schreibt nüchtern, persönlich und mit trockenem Humor – ohne Pilgerpathos, ohne Outdoor-Rhetorik, ohne Verklärung. Im Vordergrund stehen Wege, Orte, Unterkünfte, Essen, Umwege, Schwierigkeiten und die leise Komik langer Etappen.

Geeignet für Leser, die Frankreich neu entdecken, alternative Jakobswege suchen oder den Camino nicht auf Spanien reduzieren möchten.

Wandern mit Couch: Die schräge Ergänzung

Jeppe Reinhardts Wandern mit Couch – Sofa(r) – so Good! ist der bewusste Ausreißer der Reihe. Während andere jedes Gramm Ausrüstung optimieren, nimmt Reinhardt ein Sofa mit.

Was wie eine Schnapsidee wirkt, wird zur konsequenten Versuchsanordnung. Die Couch ist Ballast, Hindernis, Symbol und Gesprächsanlass. Sie erschwert den Weg – und macht ihn erzählbar.

Das Buch zeigt eine andere Seite des Wanderns: weniger Askese und Leistung, mehr Eigensinn, Komik und Ausdauer. Damit passt es gut in die Reihe. Denn auch hier geht es um langsames Reisen, nur unter erschwerten und sehr eigenen Bedingungen. Wer sonst auf reisebuch.de durch klassische Reiseziele weltweit stöbert, findet hier die humorvolle Gegenbewegung: Man braucht nicht immer das berühmte Ziel. Manchmal reicht eine absurde Idee.

Geeignet für Leser, die ungewöhnliche Reiseberichte schätzen und Wandern nicht nur als sportliches Programm verstehen.

Vier Bücher, vier Perspektiven

4500 km auf dem Fernwanderweg E3 steht für die große europäische Fernwanderung: Weite, Ausdauer und das langsame Durchqueren von Landschaften.

Auf heimischen Wegen steht für die Entdeckung der Nähe: Pilgern ohne Fernwehpose, aber mit offenem Blick für Landschaft, Geschichte und Begegnung.

Wandern wie Gott in Frankreich steht für Frankreich als eigenständigen Wanderraum: stillere Wege, regionale Eigenheiten und eine Alternative zur üblichen Camino-Routine.

Wandern mit Couch – Sofa(r) – so Good! steht für das absurde Experiment als Reiseform: eine Wanderung mit Ballast, Witz und der Frage, warum man sich Wege manchmal absichtlich schwer macht.

Reisebuch.de-Tipp

Diese vier Bücher sind keine klassischen Reiseführer mit Checklistencharakter. Es sind Lesebücher für Menschen, die Reisen als Erfahrung begreifen: als Annäherung, als Herausforderung, als Perspektivwechsel und gelegentlich auch als Prüfung der eigenen Vernunft.

Empfehlenswert sind sie für Leser, die längere Wege planen, Pilgern jenseits gängiger Klischees betrachten oder Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Spanien oder Portugal zu Fuß neu entdecken möchten – und auch dann weiterlesen, wenn ein Sofa zur Hauptfigur wird.

Die Wanderbuchreihe im Reisebuch Verlag

4500 km auf dem Fernwanderweg E3
Sabine Gärtner
Ein europäischer Fernwanderbericht über Natur, Kultur, Jakobspilger-Erfahrung und persönliche Grenzerfahrungen.

Auf heimischen Wegen
Dagmar Höner
Pilgern zwischen Rhein und Weser – nahe Wege, neue Perspektiven und ein veränderter Blick auf die eigene Region.

Wandern wie Gott in Frankreich
Kai Born
Französische Jakobswege abseits der Hauptrouten – persönlich, sachlich und unprätentiös.

Wandern mit Couch – Sofa(r) – so Good!
Jeppe Reinhardt
Ein eigenwilliger Reisebericht über eine Tour mit Sofa – skurril, konsequent und überraschend zugänglich.

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