Das Wichtigste vorweg
Die Hohwachter Bucht bleibt auch 2026 einer der ruhigeren Küstenabschnitte Schleswig-Holsteins – und gerade deshalb für viele Urlauber attraktiver als die stark inszenierten Badeorte zwischen Timmendorfer Strand, Grömitz oder Scharbeutz. Zwischen Hohwacht, Behrensdorf, Sehlendorf, Panker, Hessenstein, Weißenhäuser Strand und Weißenhaus zeigt sich eine Ostseeküste, die landschaftlich stark, touristisch aber bewusst zurückhaltend geblieben ist.
Neu sind mehrere Entwicklungen, die Reisende tatsächlich betreffen: das neue Meeresschutzgebiet in der südlichen Hohwachter Bucht, die Deichsanierung in Alt-Hohwacht, die endgültige Schließung des Hafens Lippe, die sichtbare militärische Präsenz rund um Behrensdorf, Veränderungen auf Gut Panker mit der „Ole Liese“, die stabile Bedeutung des Forsthauses Hessenstein, gastronomische Anpassungen am Sehlendorfer Strand sowie die strategische Neuaufstellung rund um Schloss WEISSENHAUS.
Die Hohwachter Bucht als Gegenmodell zur Event-Ostsee
Während andere Ostseebäder auf neue Seebrücken, Eventpromenaden und touristische Dauerbespielung setzen, lebt die Hohwachter Bucht von ihrer Zurückhaltung. Steilküste, Naturstrand, Buchenwald, kleinere Hotels, Ferienwohnungen und weite Landschaft prägen den Eindruck stärker als Shoppingzonen oder Showgastronomie.
Zwischen Hohwacht, Behrensdorf und Sehlendorf findet sich noch jene selten gewordene Mischung aus Ruhe, Weite und funktionierender Unaufgeregtheit. Das Hinterland mit Panker, Lütjenburg, Hessenstein und der Holsteinischen Schweiz verstärkt diesen Charakter.
Neues Meeresschutzgebiet: Die südliche Hohwachter Bucht unter strengeren Regeln
Am 24. März 2026 trat die Schutzgebietsverordnung für die „Ostseefläche südliche Hohwachter Bucht“ in Kraft – als erstes der drei neuen marinen Naturschutzgebiete in der schleswig-holsteinischen Ostsee. Die beiden anderen Gebiete (Geltinger Bucht bis Schleimündung, westlich Fehmarn) folgten in derselben Woche. Zusammen umfassen die drei Gebiete 23.800 Hektar bzw. 238 Quadratkilometer neue Schutzfläche – damit stehen nun 7,56 Prozent der schleswig-holsteinischen Ostseefläche unter strengem Schutz. Ziel des „Aktionsplans Ostseeschutz 2030″ ist es, diesen Anteil bis 2030 auf 12,5 Prozent zu steigern.
Geschützt werden in der südlichen Hohwachter Bucht vor allem Riffe, Seegraswiesen und Lebensräume für Fische, Schweinswale und Seevögel. Die Bucht gilt als wichtigstes Rastgebiet in Schleswig-Holstein für den Sterntaucher; der Schwarzhalstaucher kommt im Winter landesweit nur hier vor.
Für Strandurlauber ändert sich wenig: Schwimmen, Baden, Tauchen und das Angeln vom Ufer oder watend mit der Handangel bleiben erlaubt.
Für Bootsfahrer gelten jetzt konkrete Verbote. Angeln vom Boot in der Schutzzone ist untersagt – unabhängig davon, ob es sich um ein Motorboot, ein Segelboot oder ein Kajak handelt. Ankern in Seegraswiesen ist verboten. Für motorisierten Wassersport gilt ganzjährig eine Geschwindigkeitsbegrenzung (die genauen Werte werden noch per Befahrensverordnung festgelegt). Geplant, aber noch nicht in Kraft: Zwischen November und März sollen Segeln, Kiten, Surfen und Foilen in Rastvogelschwerpunkten nur noch in ausgewiesenen Zonen möglich sein.
Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten; je nach Einzelfall können mehrere hundert bis tausend Euro Bußgeld fällig werden. Wer mit älteren Revierführern oder Gewohnheiten aus dem Vorjahr unterwegs ist, sollte die aktuellen Verordnungen prüfen.
Alt-Hohwacht: Deich wird saniert, Promenade wartet noch
Die Sturmflut vom Oktober 2023 hat Alt-Hohwacht empfindlich getroffen. Promenade und Regionaldeich wurden erheblich beschädigt, teilweise unterspült. Seitdem liegen große Teile der Promenade unter blauen Kunststoffbahnen — einschränkend nutzbar und für Urlauber, die das aus früheren Besuchen nicht kennen, erklärungsbedürftig.
Seit dem Frühjahr 2026 wird der Regionaldeich auf 140 Metern umfassend saniert und verstärkt. Das Land Schleswig-Holstein fördert das Projekt mit rund 730.000 Euro. Für die Promenade selbst gibt es Planungen, aber noch keinen verbindlichen Zeitplan.
Wer 2026 nach Alt-Hohwacht kommt, findet die laufenden Deicharbeiten vor — und sollte zunächst keine wiederhergestellte Strandpromenade erwarten.
Behrensdorf: Ostseeidylle mit Warnschild
Wer in Behrensdorf Urlaub macht, merkt schnell: Hier endet das klassische Ostseeidyll nicht am Strand, sondern oft am militärischen Hinweisschild.
Die Region rund um den Truppenübungsplatz Todendorf (Putlos) gehört seit Jahrzehnten zu den militärisch geprägten Küstenabschnitten Schleswig-Holsteins. Schießübungen, Sperrzonen und zeitweise gesperrte Küstenabschnitte sind hier Alltag. Besonders sichtbar wird das Richtung Lippe und in Teilen des Küstenstreifens. Bei Schießbetrieb werden Wasserflächen zum Sperrgebiet – dann dürfen auch Schwimmer, Surfer, Kiter und Boote bestimmte Bereiche nicht nutzen.
Paradoxerweise hat genau diese militärische Nutzung dazu beigetragen, dass große Teile der Landschaft von intensiver touristischer Bebauung verschont geblieben sind.
Hafen Lippe: geschlossen
Der kleine Naturhafen Lippe ist seit dem 31. März 2025 endgültig geschlossen. Ursachen: massive Schäden durch Bohrmuschelbefall, zunehmende Versandung, hohe Sanierungskosten, fehlende wirtschaftliche Perspektiven. Die Stege wurden entfernt, die Ansteuerungstonne eingezogen, Betriebsgenehmigungen beendet.
Wer noch mit älteren Hafenführern unterwegs ist, sollte umplanen. Alternativen bleiben vor allem Heiligenhafen als nächster Yachthafen und Kiel als größere nautische Infrastruktur.
Sehlendorfer Strand: Einer der stärksten Naturstrände der Region
Der Sehlendorfer Strand ist breiter, offener und deutlich stiller als die klassischen Kurstrände von Hohwacht. Keine große Promenade, dafür Dünenreste, ein angrenzendes Naturschutzgebiet und die Nähe zum Sehlendorfer Binnensee – eine Landschaft, die für Familien, Hundebesitzer, Camper und ruhesuchende Urlauber funktioniert.
Gastronomisch gibt es zwei verlässliche Adressen: die Gaststätte „Zum alten Packhus“ mit bodenständiger regionaler Küche und die FISCHBAR Sehlendorf mit unkomplizierter Strandgastronomie und verstärktem Sommerbetrieb. Hinzu kommen kleinere Angebote wie Café StrandSeele sowie saisonale Strandversorgung.
Forsthaus Hessenstein
Das Forsthaus Hessenstein liegt auf dem Pilsberg zwischen Gut Panker und der Hohwachter Bucht und bietet einen der schönsten Fernblicke der Region über Wälder, Seen und bis zur Ostsee. Es ist seit Jahrzehnten ein eigenständiges Restaurant mit gehoben-ländlicher Regionalküche – klassische norddeutsche Gerichte, saisonale Wild- und Fischküche, vegetarische Alternativen.
Im Zusammenspiel mit Gut Panker und der „Ole Liese“ bildet das Forsthaus eines der stärkeren gastronomischen Zentren im Kreis Plön. Viele Besucher fahren nach Panker – wer die Region kennenlernen will, fährt auch nach Hessenstein.
Gut Panker: „Ole Liese“ vor einem neuen Kapitel
Das Hotel-Restaurant „Ole Liese“ wird neu ausgerichtet. Seit 2025 arbeitet die Unternehmensgruppe Prinz von Hessen gemeinsam mit Koncept Hotels an einem schrittweisen Betriebsübergang. 2026 wurde das Guts-Café im Nachtwächterhaus eröffnet, die ehemalige Meierei zu Apartments umgebaut, Zimmer renoviert und die Küche modernisiert. Mit Sascha Kurgan kam ein neuer Küchendirektor mit Sterne-Erfahrung. Der eigentliche Pachtvertrag soll nach Abschluss weiterer Modernisierungen 2027 greifen.
Weißenhäuser Strand: der wirtschaftliche Motor der Region
Rund 1.200 Ferienunterkünfte, Ferienhäuser, Apartments, ein Vier-Sterne-Strandhotel, das subtropische Badeparadies, „Abenteuer Dschungelland“, Adventure-Golf, Wassersportangebote und zahlreiche Restaurants machen den Standort zu einer eigenen touristischen Welt. Der Park gehört zu den größten Ferienanlagen Norddeutschlands; für viele Familien ist er weniger Badeort als vollständiges Urlaubssystem mit dem entscheidenden Vorteil der Wetterunabhängigkeit.
Wirtschaftlich wichtig ist vor allem die Saisonverlängerung durch Festivals:
- Grand Soul Supreme: 8.–10. Mai 2026
- Schlagerwelle: 6.–8. November 2026
- Rolling Stone Beach: 13.–15. November 2026
- Plage Noire: 20.–22. November 2026
- Metal Hammer Paradise: 27.–29. November 2026
„Rolling Stone Beach“ und „Metal Hammer Paradise“ bringen Gäste weit außerhalb der klassischen Badesaison – für die regionale Infrastruktur oft relevanter als manches Sommerfest.
Schloss Weißenhaus: nicht verkauft, aber neu finanziert
Das WEISSENHAUS Private Nature Luxury Resort ist das vollständige Gegenmodell zum Ferienpark: Schlossanlage, Gourmetrestaurant, Private Beach, Schlosstherme, Villen, Spa – maximal rund 120 Gäste auf 75 Hektar Naturfläche direkt an der Ostsee.
2025 wurde das Anwesen mit einem Angebotspreis von rund 185 Millionen Euro zum Verkauf angeboten. Ein vollständiger Eigentümerwechsel ist bislang nicht erfolgt. Eigentümer Jan Henric Büttner finanziert weitere Entwicklung und Modernisierung über tokenisierte Anleihen.
Kurabgabe 2026
Die Kurabgabe in Hohwacht bleibt 2026 unverändert:
- Nebensaison: 1,50 Euro pro Tag
- Hauptsaison: 2,50 Euro pro Tag
- Kinder unter 18 Jahren: frei
Mit der Ostseecard gibt es Rabatte bei Ausflugszielen, Führungen und teilweise im regionalen Nahverkehr.
Was 2026 wirklich zählt
Das neue Meeresschutzgebiet verändert die Nutzung des Wassers konkret – mit Verboten, die bereits gelten, und weiteren Einschränkungen, die noch kommen. In Alt-Hohwacht laufen Deicharbeiten, die Promenade bleibt vorerst eingeschränkt. Ein Hafen verschwindet. Gut Panker wird neu ausgerichtet. Weißenhaus sucht neue Finanzierungsmodelle, während Weißenhäuser Strand mit Festivals die Saison verlängert.
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