Die USA verfügen über fast alles, was ein erfolgreiches Reiseland braucht: weltbekannte Metropolen, spektakuläre Nationalparks, Strände, Roadtrips und eine touristische Infrastruktur, die jährlich viele Millionen Gäste aufnehmen kann. Trotzdem verliert das Land seit geraumer Zeit internationale Besucher – und zwar gegen den weltweiten Trend.
Am 2. September traf Präsident Donald Trump deshalb im Weißen Haus Vertreter großer Fluggesellschaften, Hotelkonzerne und anderer Tourismusunternehmen. Das Treffen, das auch vom Weißen Haus dokumentiert wird, hatte ein ungewöhnlich konkretes Thema: Wie können wieder mehr ausländische Gäste in die Vereinigten Staaten gebracht werden?
Der erwartete Aufschwung bleibt bislang aus
2026 hätte eigentlich ein außergewöhnliches Jahr für den amerikanischen Tourismus werden sollen. Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko, das 250-jährige Jubiläum der Vereinigten Staaten und das 100-jährige Bestehen der Route 66 boten eine Kombination, wie sie sich kaum planen lässt.
Doch die Zahlen passen bislang nicht dazu. Nach den jüngsten Daten lagen die internationalen Besucherzahlen bis einschließlich Juli 2026 rund 4,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besonders bemerkenswert ist das deshalb, weil die amerikanische Reisebranche für 2026 eigentlich mit einer Erholung gerechnet hatte. Die U.S. Travel Association hatte noch im Frühjahr einen Anstieg der internationalen Besucherzahlen um 3,4 Prozent auf 70,6 Millionen prognostiziert.
Die laufenden offiziellen Besucherstatistiken veröffentlicht das amerikanische National Travel and Tourism Office in seinem I-94 Arrivals Program.
Der aktuelle Rückgang ist zudem kein einzelner schlechter Sommer. Schon 2025 sank die Zahl internationaler USA-Besucher nach Angaben des World Travel & Tourism Council um 5,5 Prozent. Die Ausgaben ausländischer Gäste gingen gleichzeitig um 4,6 Prozent auf rund 176 Milliarden Dollar zurück.
Wir hatten diese Entwicklung bereits im Frühjahr in unserem ausführlichen Beitrag USA Sommer 2026: Lohnt sich die Reise? analysiert. Die damals erkennbare Schwäche hat sich bislang nicht erledigt.
Die Welt reist – aber nicht unbedingt in die USA
Genau darin liegt das eigentliche Problem. Es handelt sich nicht um eine allgemeine Krise des internationalen Tourismus.
Nach Angaben des WTTC unternahmen 2025 weltweit rund 80 Millionen Menschen mehr internationale Reisen als im Jahr zuvor. Gleichzeitig sank die Zahl ausländischer USA-Besucher. Nordamerika war mit einem Wachstum des Reise- und Tourismussektors von lediglich einem Prozent zudem die schwächste Weltregion.
Die USA verlieren damit Marktanteile in einem insgesamt wachsenden Markt.
Auch die amerikanische Reisebranche selbst spricht inzwischen offen darüber. Die U.S. Travel Association weist darauf hin, dass die Vereinigten Staaten seit dem Jahr 2000 rund 41 Prozent ihres Anteils am weltweiten Markt für Fernreisen eingebüßt haben. 2025 kamen noch rund 68 Millionen internationale Besucher ins Land.
Das ist für ein Land von der Größe und touristischen Bedeutung der USA keineswegs dramatisch wenig. Problematisch ist vielmehr die Richtung.
Warum bleiben internationale Gäste weg?
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Mehrere Faktoren überlagern sich.
Die USA sind teuer geworden. Hotels, Gastronomie, Mietwagen, Eintrittspreise und Nebenkosten können eine USA-Reise erheblich verteuern. Hinzu kommen teilweise hohe Flugpreise. Gerade für europäische Reisende konkurriert ein zweiwöchiger USA-Urlaub damit zunehmend mit Fernreisen nach Asien oder mehreren Reisen innerhalb Europas.
Die Einreise wirkt komplizierter. Für deutsche Urlauber bleibt das Visa Waiver Program zwar bestehen. Für normale touristische Aufenthalte bis zu 90 Tagen genügt grundsätzlich eine ESTA-Genehmigung zusammen mit dem vorgeschriebenen Reisepass. Dennoch werden elektronische Kontrollen, Datenerfassung und Einreisebestimmungen umfangreicher.
Was deutsche Reisende derzeit konkret beachten müssen, haben wir in unserem aktuellen Ratgeber USA-Einreise 2026: ESTA-Regeln, Gebühren und Formalitäten zusammengefasst. Einen größeren Überblick bietet außerdem Reisedokumente und Visumpflichten 2026.
Für Besucher aus Ländern, die nicht am Visa Waiver Program teilnehmen, ist die Situation teilweise deutlich schwieriger. Die amerikanische Reisebranche beklagt Wartezeiten von mehreren Monaten für Visa-Interviews in wichtigen Herkunftsmärkten.
Hinzu kommt ein Faktor, der sich schwerer in Zahlen ausdrücken lässt: das Image des Landes. Politische Auseinandersetzungen, Diskussionen über Einreisebedingungen und eine zunehmend restriktiv wahrgenommene Grenzpolitik können eine Reiseentscheidung beeinflussen, auch wenn ein einzelner Urlauber davon praktisch gar nicht betroffen wäre.
Besonders deutlich ist der Rückgang bei Reisenden aus Kanada. Dort lagen die Besucherzahlen zuletzt rund 20 Prozent niedriger. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern war in den vergangenen Monaten erheblich politisiert worden.
Die Branche will 100 Millionen Besucher
Dass sich inzwischen das Weiße Haus einschaltet, zeigt die wirtschaftliche Dimension.
Die amerikanische Reiseindustrie möchte die Zahl internationaler Besucher langfristig von zuletzt rund 68 Millionen auf 100 Millionen pro Jahr erhöhen. Internationale Reisende sind besonders interessant, weil sie im Durchschnitt wesentlich länger bleiben und mehr Geld ausgeben als amerikanische Inlandsurlauber. Die U.S. Travel Association beziffert die durchschnittlichen Ausgaben eines Überseegastes auf etwa 4.000 Dollar pro Reise.
Dabei geht es nicht nur um Hotels in New York, Las Vegas oder Miami. Internationale Gäste finanzieren Flugverbindungen, Mietwagenstationen, Restaurants, Museen und touristische Dienstleistungen ebenso wie Arbeitsplätze in den großen Nationalparkregionen.
Die Vereinigten Staaten bleiben trotz aller Probleme der weltweit größte Reise- und Tourismusmarkt. 2025 trug der Sektor nach Berechnungen des WTTC rund 2,63 Billionen Dollar zur amerikanischen Wirtschaftsleistung bei. Gerade deshalb fällt die Schwäche beim internationalen Incoming-Tourismus besonders auf.
Werden Europa und Asien zu Gewinnern?
Aus den amerikanischen Zahlen lässt sich nicht ableiten, dass ehemalige USA-Urlauber nun automatisch nach Spanien, Frankreich oder Japan reisen. Reiseentscheidungen sind dafür zu unterschiedlich.
Der internationale Wettbewerb um Reisende hat sich jedoch verschärft. Wer früher relativ selbstverständlich über New York, Florida, Kalifornien oder einen Roadtrip durch den Westen nachdachte, findet heute zahlreiche gut erreichbare Alternativen.
Japan gehört zu den dynamisch wachsenden Fernreisezielen. Innerhalb Europas profitieren gleichzeitig Regionen, die Sicherheit, unkomplizierte Einreise, gute Verkehrsverbindungen und überschaubare Reisezeiten miteinander verbinden. Selbst klimatische Veränderungen verschieben die Nachfrage: Der Trend zur „Coolcation“ in Nordeuropa ist dafür ein Beispiel.
Wie stark sich klassische Reiseziele inzwischen auseinanderentwickeln, zeigt auch unser Überblick Die Welt als Reiseziel 2026.
Sollte man deshalb auf eine USA-Reise verzichten?
Nein. Aus sinkenden Besucherzahlen folgt nicht, dass eine Reise in die Vereinigten Staaten problematisch sein muss.
Für deutsche Urlauber mit gültigem Reisepass, genehmigtem ESTA und einem nachvollziehbaren touristischen Reisezweck bleibt eine USA-Reise grundsätzlich gut machbar. Nationalparks wie Yellowstone, Yosemite oder Grand Canyon, Städte wie New York und San Francisco und klassische Roadtrips haben nichts von ihrer touristischen Bedeutung verloren.
Man sollte die Rahmenbedingungen allerdings nüchterner kalkulieren als früher. Einreisebestimmungen gehören ebenso zur Reiseplanung wie Hotelpreise, Mietwagenkosten, Versicherungen und die erheblichen Entfernungen innerhalb des Landes.
Der Rückgang der Besucherzahlen erzählt deshalb weniger davon, dass die USA plötzlich kein attraktives Reiseland mehr wären. Er zeigt vielmehr, dass selbst eines der bekanntesten Reiseziele der Welt internationale Gäste nicht als selbstverständlich betrachten kann.
Wenn andere Länder leichter erreichbar, preislich attraktiver oder schlicht unkomplizierter erscheinen, haben Reisende heute genügend Alternativen.
Und genau das ist das eigentliche Problem des amerikanischen Tourismus.

