Wien – Märkte mit Geschichte und der Duft von Vanillekipferln
Wien ist bis heute ein Synonym für ein Weihnachtsmärchen. Schon seit dem 13. Jahrhundert werden in der Stadt Märkte abgehalten, ursprünglich als „Dezembermarkt“, aus dem sich die Tradition des Christkindlmarktes entwickelte. Der bekannteste, am Rathausplatz, ist längst weltberühmt. Dort reihen sich Buden mit Kerzen, Kunsthandwerk und Punsch aneinander, flankiert von der gotischen Kulisse des Rathauses.

Die Musikstadt Wien setzt zusätzlich Akzente: Adventkonzerte im Stephansdom, die Sängerknaben, Aufführungen in der Staatsoper. Doch wo Geschichte und Musik noch immer Magie verbreiten, mischt sich längst auch der große Touristenstrom. Schon im Advent 2024 meldeten Hoteliers Auslastungen von über 95 Prozent, für 2025 liegen die Preise zum Teil über 200 Euro pro Nacht – auch für Mittelklassehotels.
Infobox: Wien im Dezember
- Temperatur: Ø 0–5 Grad, häufige Kältewellen.
- Märkte: Mehr als ein Dutzend in der Innenstadt, viele kleinere in den Bezirken.
- Kritik: Kommerzialisierung, überfüllte Plätze, steigende Preise.

London – Weihnachten als Spektakel
London inszeniert das Fest in großem Stil. Schon im November sind Oxford Street und Regent Street in ein Lichtermeer getaucht, der Trafalgar Square erhält seinen traditionellen Tannenbaum aus Norwegen, und in Covent Garden erklingt Straßenmusik vor festlich dekorierten Schaufenstern.
Das berühmte Winter Wonderland im Hyde Park ist längst mehr als ein Weihnachtsmarkt: Es gleicht einem Freizeitpark, mit Riesenrad, Achterbahn und mehreren Eisbahnen. Viele lieben genau diese Übertreibung, die London zum winterlichen Disneyland macht. Andere empfinden es als Überinszenierung – Weihnachten als Event, nicht als Besinnung.
Auch preislich ist London eine Herausforderung: Flüge über Weihnachten liegen zum Teil doppelt so hoch wie im November, Hotelzimmer kosten 250 Euro und mehr. Hinzu kommt der ökologische Fußabdruck: Ein Kurztrip nach London wirkt verlockend, doch der Nutzen – ein paar Tage Glanz – steht in keinem Verhältnis zu den Emissionen.
Palma de Mallorca – mildes Licht und stille Plätze
Mallorca im Dezember überrascht mit einer selten wahrgenommenen Seite. Die Strände sind fast menschenleer, die Insel atmet durch, und Palma leuchtet in feierlichem Licht. Kleine Weihnachtsmärkte bieten Turrón, Ensaimadas und Schokolade mit Churros.
Für viele Deutsche ist es der Kompromiss: nicht zu weit reisen, aber doch Sonne und mediterrane Stimmung erleben. Doch der Kompromiss ist nicht frei von Widersprüchen. Kritiker fragen, ob es sich lohnt, für 14 Grad am Tag und ein paar Stunden Sonne ins Flugzeug zu steigen – die Klimabilanz eines Flugs steht in keinem Verhältnis zu dem geringen Gewinn an Wärme. Und dennoch: Die Kombination aus Weihnachtslichtern, Meerblick und Ruhe bleibt ein Argument, das viele nicht loslässt.
Infobox: Mallorca im Dezember
- Temperatur: Ø 14–15 Grad, nachts 6–8 Grad.
- Stimmung: deutlich weniger Tourismus, mehr Raum für Einheimische.
- Kritik: Kurze Flugdauer, aber hohe CO₂-Belastung für geringen Klimaunterschied.

Istanbul – zwischen Basar und Festlichkeitsimport
Istanbul feiert Weihnachten nicht traditionell, und gerade das macht den Reiz aus. In Vierteln wie Beyoğlu oder Nişantaşı sind die Schaufenster festlich geschmückt, Hotels und Cafés dekorieren ihre Räume, und in Einkaufsstraßen hängen bunte Lichterketten.
Das Bild wirkt europäisch, doch dahinter bleibt es ein importiertes Fest. Viele Istanbuler nehmen Weihnachten lediglich als westliches Spektakel wahr, das für Touristen inszeniert wird. Tagsüber aber bleibt Istanbul das, was es immer war: eine Stadt, in der die Kulturen aneinanderstoßen – Basare, Moscheen, orthodoxe Kirchen und moderne Einkaufszentren.
Gerade hier wird spürbar, wie sehr Weihnachten globalisiert ist: Ein Fest, das von New York bis Bangkok konsumiert wird, oft losgelöst von seiner religiösen Wurzel.
Athen – antike Kulisse, moderner Zauber
Auch Athen hat Weihnachten für sich entdeckt. Auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament erstrahlt ein riesiger Baum, Kinderchöre singen, und auf Märkten gibt es die traditionellen Süßigkeiten Melomakarona und Loukoumades.
Das Klima bleibt mild, sodass sich Sightseeing und Festtag verbinden lassen. Vormittags ein Besuch der Akropolis, nachmittags ein Spaziergang durch Plaka, abends ein Marktbesuch – eine Mischung, die Athen zu einem besonderen Ziel macht. Kritisch wird jedoch angemerkt, dass auch hier Weihnachten zunehmend Touristenattraktion wird, während die wirtschaftliche Realität in Griechenland mit hohen Arbeitslosenzahlen und Inflation eine ganz andere Sprache spricht.
Hurghada und Ägypten – Sonne pur, Weihnacht light
Wer Weihnachten barfuß im Sand erleben möchte, landet oft am Roten Meer. Mit 24 Grad Lufttemperatur und warmem Wasser ist Ägypten der Inbegriff der Winterflucht. Resorts dekorieren festlich, bieten Weihnachtsmenüs und internationale Buffets.
Doch der weihnachtliche Zauber bleibt oberflächlich – ein touristisches Bühnenstück, das in erster Linie die Bedürfnisse der Gäste befriedigt. Kritiker sprechen von einem „Weihnachten ohne Seele“, einer reinen Kulisse. Für viele Reisende ist das kein Problem, denn sie suchen Sonne, Erholung und einen Kontrast zum kalten Europa.
Kanarische Inseln – Weihnachten im T-Shirt
Die Kanaren gehören zu den Klassikern der Weihnachtszeit. Gran Canaria, Teneriffa oder Lanzarote bieten Sonne, 20 Grad und sichere Verhältnisse. Städte wie Las Palmas inszenieren Märkte, Santa Cruz beleuchtet seine Straßen, und am Strand von Las Canteras entsteht jedes Jahr eine monumentale Sandkrippe, die als Symbol des besonderen Inselweihnachtsgefühls gilt.
Doch auch hier gilt: Weihnachten auf den Kanaren ist weniger ein Fest der Religion, sondern eher eine Chiffre für Sonne, Urlaub und Konsum. Flugpreise steigen in der Hochsaison, und die Diskussion über nachhaltigen Tourismus macht auch vor den Inseln nicht Halt.
Thailand – tropische Exotik mit Fragezeichen
Phuket, Koh Samui oder Krabi sind Synonyme für tropische Weihnachten: 30 Grad, weiße Strände, Palmen. Hotels dekorieren, veranstalten Galadinners, und westliche Touristen feiern Weihnachten unter Palmen. Doch es bleibt die Frage: Ist es noch Weihnachten, wenn die Umgebung keinerlei Bezug zur Tradition hat? Für viele ist es gerade der Reiz, für andere ein Verlust. Hinzu kommt die ökologische Frage: Ein Flug nach Thailand verursacht ein Vielfaches der Emissionen einer Reise nach Wien oder London. Weihnachten im Paradies hat seinen Preis – nicht nur finanziell, sondern auch für die Umwelt.
Rovaniemi – das perfekte Märchen, teuer erkauft
Im hohen Norden, am Polarkreis, liegt Rovaniemi – offiziell die „Heimat des Weihnachtsmanns“. Hier sind alle Zutaten des Märchens vorhanden: Schnee, Nordlichter, Huskyschlitten, Rentierkutschen. Kinder erleben Weihnachten wie aus dem Bilderbuch, Erwachsene bewundern die Polarlichter.
Doch das Märchen ist teuer. Ein Paket mit Unterkunft, Schlittenfahrten und Eintritt ins Weihnachtsdorf kostet schnell mehrere Hundert Euro am Tag. Zudem warnen Umweltschützer, dass die Touristenmassen sensible Ökosysteme Lapplands belasten. Weihnachten in Rovaniemi ist authentisch – und gleichzeitig hochkommerzialisiert.
Neue Ziele 2025 – Dubai, Kapstadt, Marrakesch, Karibik
Neben den Klassikern treten neue Favoriten auf. Dubai lockt mit Luxus und spektakulären Beleuchtungen, Kapstadt verbindet Sommer, Natur und Weinlandschaften, Marrakesch verführt mit mildem Klima und orientalischer Architektur, und die Karibik – von St. Lucia bis Barbados – wird zunehmend als exklusives Weihnachtsziel vermarktet.
Doch gerade diese Ziele sind umstritten: lange Flugzeiten, hohe Preise, und eine Inszenierung, die mit Weihnachten im engeren Sinn kaum mehr etwas zu tun hat. Sie sind Symbole einer globalisierten Festkultur, in der Weihnachten eher als Reiseanlass fungiert denn als familiäres Ritual.
Weihnachten 2025 – offener Blick auf ein globales Fest
Die Vielfalt der Weihnachtsreisen 2025 ist größer denn je: Märkte mit Geschichte in Wien, glitzernde Events in London, mediterrane Besinnung in Palma, Exotik in Thailand, Sonne in Ägypten, Polarlichter in Lappland. Man kann darin eine Bereicherung sehen – ein Fest, das sich den Kulturen anpasst und neue Horizonte eröffnet.
Genauso gut kann man darin aber die Kommerzialisierung eines ursprünglich religiösen und familiären Ereignisses erkennen. Weihnachten ist ein Produkt geworden, buchbar in Reisebüros und auf Plattformen, bepreist und verpackt. Am Ende bleibt die Frage offen: Wollen wir das Fest wirklich anders erleben – oder verlagern wir es nur, mit allem Konsum, den wir auch zuhause hätten?
