Weltraumtourismus 2026: Welche Reisen ins All heute wirklich möglich sind

| von Hartmut Ihnenfeldt

Weltraumtourismus gilt seit Jahren als nächste große Entwicklungsstufe des Reisens. Unternehmen präsentieren spektakuläre Bilder von Schwerelosigkeit, schwarzem Himmel und der gekrümmten Erde. Tatsächlich ist der Markt jedoch wesentlich kleiner, unregelmäßiger und experimenteller, als die Werbung vermuten lässt.

Weltraumtourismus 2026: Welche Reisen ins All heute wirklich möglich sind
Eine Vision von Weltraumtourismus; Foto: if/KI; reisebuch.de

Zwar haben Privatpersonen bereits an suborbitalen Flügen, mehrtägigen Erdumrundungen und Aufenthalten auf der Internationalen Raumstation teilgenommen. Von einem normalen touristischen Angebot mit verlässlichen Terminen, frei buchbaren Plätzen und transparenten Preisen kann 2026 aber keine Rede sein. Der Weltraumtourismus bleibt ein Grenzbereich zwischen Raumfahrt, Forschung, Prestigeprojekt und extrem teurem Abenteuer.

Das Wichtigste vorweg

  • Regelmäßige touristische Raumflüge finden im Sommer 2026 nicht statt.
  • Virgin Galactic verlangt für neu angebotene suborbitale Flüge 750.000 US-Dollar und plant den Neustart frühestens Ende 2026.
  • Blue Origin hat seine bemannten New-Shepard-Flüge für mindestens zwei Jahre ausgesetzt.
  • Mehrtägige Reisen in die Erdumlaufbahn kosten mehrere Dutzend Millionen Dollar.
  • Ballon- und Parabelflüge vermitteln Weltraumeindrücke, erreichen aber nicht den Weltraum.
  • Reisen zum Mond und Weltraumhotels existieren bislang nur als Planungen.

Weltraumtourismus ist nicht gleich Weltraumtourismus

Unter dem Begriff werden sehr unterschiedliche Reiseformen zusammengefasst. Einige führen tatsächlich über die anerkannte Grenze zum Weltraum, andere bleiben innerhalb der Erdatmosphäre und werden lediglich als „Near Space“ oder Reise an den Rand des Weltraums vermarktet.

ReiseformDauerHöhe beziehungsweise ZielPreisniveau 2026Tatsächlicher Stand
Parabelflugmehrere StundenVerkehrsflughöherund 8.000 Eurobuchbar, aber kein Raumflug
Stratosphärenballonetwa sechs Stundenrund 30 Kilometerangekündigt ab etwa 125.000 bis 180.000 Euroüberwiegend Entwicklungsstadium
Suborbitaler Raumflugrund 10 bis 15 Minutenetwa 80 bis über 100 Kilometerbis 750.000 US-Dollarderzeit kein regelmäßiger Betrieb
Orbitaler Freiflugmehrere Tageniedrige Erdumlaufbahnmehrere Dutzend Millionen US-Dollarnur individuell organisierte Missionen
Aufenthalt auf der ISSetwa zwei bis drei Wochenrund 400 Kilometerzuletzt mehr als 65 Millionen US-Dollar je Teilnehmereinzelne Missionen
Mondflugmehrere Tage oder WochenMondumrundung beziehungsweise Mondnähenicht veröffentlichtbislang nicht touristisch verfügbar

Parabelflüge: Schwerelosigkeit ohne Weltraum

Die mit Abstand zugänglichste Möglichkeit, Schwerelosigkeit zu erleben, ist ein Parabelflug. Dabei steigt ein Flugzeug steil auf und geht anschließend in einen kontrollierten Sinkflug über. Während jeder Parabel herrscht für ungefähr 20 bis 30 Sekunden annähernde Schwerelosigkeit.

Der französische Anbieter Air Zero G führt mit einem Airbus A310 jeweils 15 Parabeln durch. Der Preis liegt 2026 bei 7.950 Euro pro Person. Eine ärztliche Untersuchung ist erforderlich. Die Passagiere verlassen dabei weder die Erdatmosphäre noch erreichen sie eine Weltraumgrenze. Das körperliche Erlebnis entspricht dennoch für kurze Zeit der Schwerelosigkeit in einem Raumfahrzeug.

Parabelflüge sind deshalb eher ein außergewöhnlicher Erlebnisflug als Weltraumtourismus. Sie zeigen zugleich, wie groß der Preisabstand zwischen einer kurzen Schwerelosigkeitsphase und einer tatsächlichen Reise ins All noch immer ist. Schon gewöhnliche Flugpreise und ihre Entwicklung wirken im Vergleich geradezu bescheiden.

Stratosphärenballons: Aussicht wie aus dem All

Mehrere Unternehmen entwickeln Druckkapseln, die von großen Ballons in die Stratosphäre getragen werden sollen. Die geplante Flughöhe liegt meist bei rund 30 Kilometern. Dort erscheint der Himmel bereits weitgehend schwarz, der Horizont ist sichtbar gekrümmt und der größte Teil der Atmosphäre liegt unterhalb der Passagiere.

Weltraum ist das dennoch nicht. Die international häufig verwendete Kármán-Linie liegt bei 100 Kilometern. Auch Schwerelosigkeit entsteht bei einem Ballonflug nicht. Dafür sollen Aufstieg, Aufenthalt und Abstieg mehrere Stunden dauern und deutlich ruhiger verlaufen als ein Raketenstart.

Das französische Unternehmen Zephalto nennt für seine geplanten Stratosphärenreisen inzwischen einen Preis von 180.000 Euro je Passagier. Andere Anbieter haben Preise ab etwa 125.000 US-Dollar angekündigt. Regelmäßige touristische Flüge haben sich daraus bis zum Sommer 2026 jedoch noch nicht entwickelt.

Diese Angebote zeigen ein grundsätzliches Problem der Branche: Reservierungen, Wartelisten und aufwendig gestaltete Kabinen sind noch kein Nachweis dafür, dass ein verlässlicher Reisebetrieb unmittelbar bevorsteht. Gerade bei kostspieligen Zukunftsangeboten sollten Anzahlungen und Rücktrittsbedingungen ähnlich kritisch geprüft werden wie bei Event- und Reisegutscheinen.

Suborbitale Flüge: Wenige Minuten im Weltraum

Suborbitale Raumflüge erreichen den Weltraum, treten aber nicht in eine dauerhafte Erdumlaufbahn ein. Die Flugbahn ähnelt einem sehr hohen Bogen: Start, Aufstieg, einige Minuten Schwerelosigkeit und anschließende Rückkehr.

Virgin Galactic

Virgin Galactic verwendet ein Raumflugzeug, das zunächst von einem Trägerflugzeug in große Höhe gebracht und dort ausgeklinkt wird. Anschließend beschleunigt ein Raketenmotor das Raumflugzeug weiter nach oben.

Nach dem letzten Flug des Vorgängermodells VSS Unity im Juni 2024 stellte das Unternehmen den Flugbetrieb ein, um die neue Delta-Klasse fertigzustellen. Im Mai 2026 befand sich das erste neue Raumflugzeug nach Unternehmensangaben in der Bodentestphase. Flugtests waren für das dritte Quartal und ein erster Raumflug für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Eine begrenzte Zahl neuer Plätze wird für jeweils 750.000 US-Dollar angeboten. Ob der Zeitplan eingehalten wird, bleibt abzuwarten.

Die Flüge sollen vom Spaceport America in New Mexico starten. Für Besucher lässt sich ein Raumfahrtinteresse deshalb schon heute mit einer Reise durch den Südwesten der USA verbinden – auch ohne selbst in das Raumflugzeug zu steigen.

Blue Origin

Blue Origins New Shepard startet senkrecht und befördert bis zu sechs Passagiere in einer automatisch gesteuerten Kapsel über die 100 Kilometer hohe Kármán-Linie. Der gesamte Flug dauert ungefähr elf Minuten, davon entfallen nur wenige Minuten auf die Schwerelosigkeit.

Am 22. Januar 2026 absolvierte New Shepard seinen 38. Flug. Nur acht Tage später kündigte Blue Origin jedoch an, das Programm für mindestens zwei Jahre auszusetzen und Personal sowie finanzielle Mittel stärker auf die bemannte Mondfahrt zu konzentrieren. Bis dahin hatte New Shepard nach Unternehmensangaben 98 Menschen über die Kármán-Linie gebracht.

Damit ist ausgerechnet der Anbieter, der dem regelmäßigen suborbitalen Betrieb zuletzt am nächsten kam, vorerst aus dem touristischen Markt ausgeschieden.

Orbitale Raumflüge: Mehrere Tage um die Erde

Ein orbitaler Flug ist technisch ungleich anspruchsvoller. Das Raumfahrzeug muss so stark beschleunigen, dass es nicht wieder unmittelbar zur Erde zurückfällt, sondern den Planeten umkreist. Die Passagiere verbringen mehrere Tage in dauerhafter Schwerelosigkeit und erleben zahlreiche Sonnenauf- und -untergänge.

SpaceX hat mit Crew Dragon bereits mehrere vollständig oder überwiegend privat finanzierte Missionen durchgeführt. Dazu gehörten Inspiration4, Polaris Dawn und die Mission Fram2, die vom 31. März bis zum 4. April 2025 erstmals eine bemannte Umlaufbahn über den Polarregionen nutzte.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um Linienflüge, für die Interessenten einfach einen einzelnen Sitzplatz auswählen. Üblicherweise finanziert ein vermögender Auftraggeber einen großen Teil oder die gesamte Mission. Dazu kommen eine intensive Ausbildung, medizinische Untersuchungen und monatelange Vorbereitung.

Die Starts erfolgen in der Regel in Florida, wo sich das Kennedy Space Center und die Cape Canaveral Space Force Station befinden. Für normale Besucher bleibt die Raumfahrt dort vor allem ein eindrucksvolles Besichtigungsziel innerhalb einer USA-Reise.

Aufenthalte auf der Internationalen Raumstation

Die exklusivste derzeit erprobte Form des Weltraumtourismus ist eine Reise zur Internationalen Raumstation. Axiom Space hat zwischen 2022 und 2025 vier privat organisierte Missionen zur ISS durchgeführt. Allerdings waren viele Teilnehmer keine klassischen Urlauber, sondern staatlich finanzierte Astronauten, Forscher oder Repräsentanten nationaler Raumfahrtprogramme.

Die vierte Axiom-Mission startete im Juni 2025 und blieb 18 Tage an der Raumstation. Drei Teilnehmer wurden von Indien, Polen und Ungarn entsandt. Für zahlende Missionsplätze wurden damals mehr als 65 Millionen US-Dollar je Teilnehmer genannt. Die fünfte Axiom-Mission ist frühestens für Januar 2027 vorgesehen und soll bis zu 14 Tage an der ISS verbringen.

Der Ausdruck „Urlaub auf der ISS“ ist dennoch irreführend. Teilnehmer durchlaufen eine lange Ausbildung, müssen sich in den Stationsbetrieb einfügen und absolvieren häufig Forschungs-, Bildungs- oder Medienprogramme. Ein Hotelbetrieb mit frei wählbaren Reisedaten, Zimmerservice und touristischem Tagesprogramm existiert nicht.

Weltraumhotels: Große Pläne, noch keine Gäste

Private Raumstationen sollen langfristig Forschung, Produktion und kommerzielle Aufenthalte ermöglichen. Die NASA möchte die ISS bis 2030 betreiben und danach Dienstleistungen auf privat finanzierten Stationen einkaufen. Unterstützt werden unter anderem Projekte von Axiom Space, Vast, Starlab und Blue Origin.

Das Unternehmen Vast plant den Start seiner ersten kleinen Station Haven-1 inzwischen für 2027. Sie soll sowohl staatliche Missionen als auch private Astronauten aufnehmen. Ob daraus tatsächlich ein touristisch nutzbares Weltraumhotel entsteht, hängt von Entwicklung, Finanzierung, Zulassung und erfolgreichen Testmissionen ab.

Begriffe wie „Weltraumhotel“ sind daher vorerst eher Marketing als Reisebeschreibung. Realistisch sind zunächst kompakte Forschungsstationen mit wenigen Plätzen, strikten Abläufen und hohen technischen Anforderungen.

Reisen zum Mond bleiben Zukunftsmusik

SpaceX wirbt mit möglichen Starship-Missionen zum Mond und nennt sowohl Mondumrundungen als auch spätere Landungen als denkbare kommerzielle Angebote. Öffentliche Preise und belastbare touristische Termine gibt es dafür nicht. Auch die technischen Voraussetzungen für bemannte Starship-Reisen befinden sich weiterhin in der Entwicklung.

Bis ein privater Reisender den Mond umrundet oder betritt, können deshalb noch viele Jahre vergehen. Verzögerungen gehören in der Raumfahrt nicht zur Ausnahme, sondern zur normalen Entwicklung hochkomplexer Systeme.

Wie sicher ist Weltraumtourismus?

Kommerzielle Raumflüge werden in den USA rechtlich anders behandelt als gewöhnliche Passagierflüge. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA weist ausdrücklich darauf hin, dass sie Raumfahrzeuge nicht als sicher für den Transport von Menschen zertifiziert.

Anbieter müssen Passagiere schriftlich über bekannte und unbekannte Risiken sowie über die Sicherheitsbilanz des Raumfahrzeugs informieren. Die Teilnehmer erklären anschließend, dass sie diese Risiken verstanden haben. Dieses Prinzip des „informed consent“ ist eher mit einer freiwilligen Teilnahme an einer riskanten Expedition als mit dem Kauf eines normalen Flugtickets vergleichbar.

Auch körperlich sind die Belastungen beträchtlich. Beschleunigungskräfte, Vibrationen, räumliche Enge, Reisekrankheit und die medizinischen Folgen der Schwerelosigkeit können selbst bei kurzen Missionen eine Rolle spielen. Orbitalreisende benötigen deshalb erheblich mehr Vorbereitung als Teilnehmer eines suborbitalen Kurzflugs.

Umweltbelastung: Mehr als nur eine CO₂-Frage

Die Umweltwirkung von Raketen lässt sich nicht seriös mit einer einzigen pauschalen CO₂-Zahl beschreiben. Verschiedene Triebwerke verbrennen Kerosin, Methan, Wasserstoff oder feste Treibstoffe und setzen sehr unterschiedliche Stoffe frei.

Besonders problematisch ist, dass Rußpartikel, Wasserdampf, Aluminiumoxide und andere Rückstände teilweise direkt in hohe Atmosphärenschichten gelangen. Dort können sie länger verbleiben und die Temperaturverteilung sowie die Ozonschicht beeinflussen. Wissenschaftliche Modellrechnungen zeigen, dass eine starke Zunahme kerosinbetriebener Raketenstarts relevante Auswirkungen auf Stratosphäre und Ozon haben könnte.

Noch ist der touristische Anteil an allen Raketenstarts gering. Sollte sich der Markt jedoch tatsächlich vervielfachen, würde die Umweltfrage an Bedeutung gewinnen. Ein glaubwürdiger Beitrag über nachhaltiges Reisen kann Weltraumtourismus deshalb nicht allein danach beurteilen, ob eine Raketenstufe wiederverwendet wird.

Wiederverwendbarkeit reduziert den Materialverbrauch und kann Kosten senken. Sie macht einen Raketenflug aber weder emissionsfrei noch automatisch nachhaltig.

Ein Reisemarkt für Staaten und Superreiche

Weltraumtourismus wird häufig als kommender Massenmarkt dargestellt. Die tatsächliche Entwicklung weist bislang in eine andere Richtung. Suborbitale Flüge bleiben selten, orbitale Missionen werden meist vollständig gechartert und ISS-Aufenthalte zunehmend von Staaten finanziert, die eigene Astronauten ohne eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm ins All schicken möchten.

Das Angebot bewegt sich damit zwischen Forschung, nationalem Prestige und einer besonders extremen Form des Reisens als Statussymbol. Selbst eine deutliche Senkung der Startkosten würde daran kurzfristig wenig ändern, weil Ausbildung, Versicherung, Raumfahrzeug, Bodeninfrastruktur und Rettungssysteme teuer bleiben.

Was Reisende in den nächsten Jahren erwarten können

Am wahrscheinlichsten ist zunächst ein Nebeneinander verschiedener Angebote:

  • Parabelflüge bleiben die vergleichsweise erschwingliche Möglichkeit, Schwerelosigkeit zu erleben.
  • Stratosphärenballons könnten eindrucksvolle Ausblicke ohne Raketenstart bieten, müssen ihre Alltagstauglichkeit aber erst beweisen.
  • Virgin Galactic könnte Ende 2026 oder 2027 wieder suborbitale Passagiere befördern.
  • Private Missionen in die Erdumlaufbahn werden weiterhin von Unternehmen, Staaten und sehr vermögenden Auftraggebern finanziert.
  • Erste kommerzielle Raumstationen könnten gegen Ende des Jahrzehnts zusätzliche Plätze schaffen.
  • Mondreisen bleiben auf absehbare Zeit Entwicklungsprojekte und keine realistisch buchbaren Urlaubsreisen.

Der Weltraumtourismus hat damit zweifellos begonnen. Eine neue, allgemein zugängliche Form des Reisens ist daraus jedoch noch nicht entstanden. Im Jahr 2026 ist eine Reise ins All weniger ein touristisches Produkt als die Teilnahme an einem technisch anspruchsvollen, riskanten und außerordentlich teuren Raumfahrtprojekt.

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