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Heute wundert sich niemand mehr, wenn amerikanische Popstars wie Ricky Martin oder Jennifer Lopez auf Englisch und auf Spanisch singen und in ihren Liedern Pop und Salsa kombinieren. Vor nur zwanzig Jahren war so etwas noch ungewöhnlich. Die kreative Verbindung von amerikanischem Pop mit Latino- Rhythmen wurde in den 1980ern in der Musikszene Miamis geboren. Es war vor allem die Band Miami Sound Machine, die damals mit Hits wie Conga oder Rhythm Is Gonna Get You Erfolge feierte und in den ganzen USA und in Europa eine erste Latino-Pop-Mode auslöste.

Die Sängerin der Miami Sound Machine, Gloria Estefan, begann bald auch eine Solo-Karriere und veröffentlichte ihre eigenen englischen, spanischen und zweisprachigen Platten und CDs. Manche ihrer frühen Lieder sind noch ziemlich der Disco-Mode verpflichtet, doch gerade spätere Alben sind stark karibisch geprägt. Abriendo Puertas erinnert an kubanische Tanzmusik der 1930erund 1940er-Jahre und auch ihr Album Alma Caribeña ist eine nostalgische Liebeserklärung an ihre kubanische Heimat.

Gloria Estefans Musik spiegelt ihren eigenen Lebensweg wider, der typisch ist für die über eine Million kubanisch-stämmigen Amerikaner, die heute in Florida zu Hause sind. Als Gloria Maria Fajardo kam sie am 1. September 1957 in Havanna auf die Welt. Da ihr Vater einer der Leibwächter des kubanischen Diktators Fulgencio Batista war, mussten ihre Eltern nach der Revolution und der Machtübernahme durch Fidel Castro sofort flüchten. So kam die gerade zwei Jahre alte Gloria nach Miami, wo sie mit ihrer Familie in Little Havana zunächst in armen Verhältnissen lebte. Als ihr Vater José sich 1961 an der misslungenen Invasion Kubas beteiligte, die bereits bei der Ankunft der Exilkubaner in der Schweinebucht scheiterte, wanderte er dort ins Gefängnis, und die Situation der Familie wurde noch schwieriger.



1975 wurde Gloria dann von dem Musiker Emilio Estefan in seine Band The Miami Latin Boys geholt. Nachdem die beiden drei Jahre später geheiratet hatten, wurde aus der Band die Miami Sound Machine. Mit Dr. Beat schafften sie es 1984 zum ersten Mal in die amerikanischen Top Ten. Dann jagte ein Erfolg den anderen. 1989 veröffentlichte Gloria Estefan ihr erstes Solo-Album Cuts Both Ways mit mehreren No. 1-Hits wie Anything for You oder Don’t Wanna Lose You. 1996 wurde ihr eine besondere Ehre zuteil, als sie bei der Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele in Atlanta singen durfte. Mittlerweile hat die Latino-Diva über 70 Mio. CDs verkauft und ist die erfolgreichste Musikerin Floridas. Sie ist längst von Little Havana auf die teure kleine Insel Star Island bei Miami Beach umgezogen und auch als Geschäftsfrau erfolgreich. So gehört ihr z.B. das Cardozo Hotel am Ocean Drive in Miami Beach.

Wie die meisten Kubaner in Miami ist auch Gloria Estefan überzeugte Anti- Kommunistin. Sie hat mittlerweile fast überall auf der Welt gesungen, doch in Kuba war sie nach der Flucht ihrer Familie nur ein einziges Mal und zwar auf der berüchtigten amerikanischen Militärbasis Guantanamo Bay. Als sie 1998 eingeladen wurde, um in Havanna beim Papstbesuch aufzutreten, lehnte sie ab: Solange Fidel Castros Regime auf Kuba regiere, teilte sie mit, würde sie dort nicht singen. Daran hat sie sich trotz einer gewissen Annäherung zwischen den USA und Kuba unter Präsident Obama konsequent gehalten. Seit Donald Trumps Amtsantritt hat sich das Klima ohnehin wieder abgekühlt...