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Indianer Mural © by Hans-R. Grundmann - Reise-Know-How - Verlag
Indianer Mural © by Hans-R. Grundmann - Reise-Know-How - Verlag

Bureau of Indian Affairs

Schon vor den letzten kriegerischen Auseinandersetzungen kam es zur Gründung des noch heute für alle indianischen Angelegenheiten zuständigen Bureau of Indian Affairs. Es soll vorrangig die Rechte der Indianer sichern helfen, diente aber lange eher der Durchsetzung gegen sie gerichteter Interessen.

Dawes Act

Als Folge des Dawes Act von 1887, der faktisch eine Privatisierung der Reservate vorsah, begann eine schrittweise Reduzierung der noch in indianischem Besitz befindlichen Flächen. Besonders betroffen waren die Gebiete, in die als erste die sog. fünf »zivilisierten Nationen« des Südostens (Cherokee u.a.) verbracht worden waren und die zunächst 22 Stämme beherbergten.
Schon 1890 entstand dort das weiße Territorium Oklahoma und 1907 dann der gleichnamige Staat nach Einverleibung fast des gesamten Restes ehemals indianischer Areale. Die Indianer, soweit sie blieben, wurden in eine Minoritätenposition gedrängt. Insgesamt gingen den Indianern mit dem Dawes Act rund zwei Drittel der ehemals zugebilligten Ländereien verloren. 550.000 km2 reduzierten sich auf nur wenig mehr als 200.000 km2. Die Verluste betrafen – das lässt sich denken – die qualitativ besseren und mineralogisch vielversprechenderen Landstriche.

Meriam Report

Erst nach der Teilnahme von Indianern am 1. Weltkrieg und Verleihung der Staatsbürgerschaftswürde an sie – nicht immer eine vorteilhafte Ehre, denn damit ist u.a. die Steuerpflicht verbunden – führte der Meriam Report 1928 zu einer langsamen Wende in der Indianerpolitik. Neben Statusverbesserungen bei den Bürgerrechten und finanziellen Zugeständnissen kam es zum Indian Reorganization Act: Eine Reprivatisierung der Reservate durch Rückkauf und Zusammenfassung von zwischenzeitlich separiertem Besitz wurde zugelassen und gefördert.

Navajo-Code

Ebenso wie bereits im ersten kämpften Indianer auch im zweiten Weltkrieg in der US-Armee. Berühmt wurden die Navajo Wind Talkers, die im Pazifikkrieg eine überragende Rolle bei der Chiffrierung amerikanischer Funksprüche spielten, siehe auch unter wikipedia. Eine kleine Ausstellung zu diesem Thema gibt es im Burger King (!) von Kayenta.

Termination

Eine neue Bewegung in den 1950er-Jahren schrieb die Befreiung der Indianer von der Bevormundung auf ihre Fahne, erreichte mit der sogenannten Termination-Politik aber unbeabsichtigt eine Art Reinstitutionalisierung des 70 Jahre alten Dawes Act. Faktisch entließ man zahllose Indianer mit einigen tausend Dollar Erlös aus dem Verkauf ihrer Grundstücke ohne Vorbereitung in die weiße Zivilisation der Städte. Das Ergebnis war verheerend.

1970er Jahre

Trotzdem führte die vereinte Kraft derjenigen Indianer, die sich assimilierten und unter Weißen behaupten konnten, zu einer früher nicht vorhandenen politischen Handlungsfähigkeit und zu ersten Erfolgen im Kampf gegen indianisches Elend und Unrecht.

Die Proteste in den 1970er Jahren – wie der »Marsch der gebrochenen Verträge« nach Washington (1972), die Verbarrikadierung von Mitgliedern des American Indian Movement im Dorf von Wounded Knee, dem Ort des Massakers von 1890, samt der daraus resultierenden, damals weltweit Aufmerksamkeit erregenden Belagerung durch die Ordnungskräfte (1973) und die Feiern 200 Jahre Widerstand zum 200jährigen Geburtstag der USA (1976) – waren zwar Ausdruck einer tiefempfundenen Ohnmacht, spiegelten aber gleichzeitig das gestiegene Selbstbewusstsein und den Willen zur Auflehnung gegen weitere Unterdrückung wider.

Heutige Situation

Seitdem hat sich manches verändert. Die Selbstbestimmungsmöglichkeiten der Indianer, die Emanzipation von der Bevormundung durch das »Büro für indianische Angelegenheiten« und die Integration der indianischen Völker in die US-amerikanische Gesellschaft bei gleichzeitiger Betonung ethnischer Herkunft und Zusammengehörigkeit sind vorangekommen.
Die Probleme der Indianer wurden deshalb aber noch lange nicht gelöst. Sie sind für aufmerksame Touristen offensichtlich. Armut, Arbeitslosigkeit, trotz allem eine immer noch unzureichende Gesundheitsfürsorge, Alkoholismus, schlechte Schulbildung und hohe Jugendkriminalität betrifft die Indianer noch stärker als manch andere benachteiligte Randgruppe, wenn auch offenbar stammabhängig sehr unterschiedlich.