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Als Frau alleine mit Kindern unterwegs im Camper


Ein Beitrag von Hilde Spanger

Als ich gemeinsam mit meinen beiden Söhnen – damals 11 und 14 Jahre alt – unsere erste von bisher drei Touren durch den Westen der USA plante, war die Reaktion im Freundes- und Verwandtenkreis neben ungläubiger Bewunderung fast überall Skepsis. Dass ich, eine Autofahrerin aus Notwendigkeit und nicht aus Leidenschaft, ohne die geringsten technischen Kenntnisse ein solches Abenteuer wagen wollte und mir eine Tour von über 5.000 Kilometern in vier Wochen ohne (erwachsenen) männlichen »Beistand« zutraute, schien zumindest nicht selbstverständlich.

Um es gleich vorweg zu sagen – tatsächlich ist so ein Unternehmen überhaupt kein Problem, auch wenn kein zweiter Fahrer zur Verfügung steht. Ganz wichtig für das Gelingen unserer Reisen, denke ich, war die jedes Mal ziemlich intensive Vorbereitung. Darüber, wo wir starten wollten, welche Hotels uns für die erste Nacht und die letzten Tage als geeignet erschienen und welcher Wohnmobiltyp uns zusagte, darüber hatten wir uns schon allerhand Gedanken gemacht, diskutiert und Kataloge gewälzt, bevor wir letztlich buchten.

Beim Wohnmobil war für uns (neben den Kosten) ganz wichtig, dass der dritte Passagier nahe bei Fahrer und Beifahrer sitzen konnte und wir uns auch während der Fahrt alle gut miteinander verständigen konnten.

Der entscheidende Teil der Planung war die Reiseroute. Unsere Vorstellungen von dem, was wir sehen wollten, mussten wir – mit der Straßenkarte vor Augen und der zur Verfügung stehenden Zeit – in einen realisierbaren Plan umsetzen. Ein wesentlicher Aspekt dabei war, dass die Tagesetappen immer bei Tageslicht geschafft werden sollten.

Praktisch haben wir Strecken von 50 km bis 450 km pro Tag bewältigt und dafür fast immer länger gebraucht als veranschlagt. Denn für Fahrpausen, für Einkäufe und Essengehen hatten wir regelmäßig zu wenig Zeit vorgesehen. Trotzdem gelang es uns, den ursprünglichen Reiseplan einigermaßen einzuhalten, und so wussten wir von vornherein, wo wir jeweils die Nacht unterkommen wollten. Das im voraus bekannte Tagesziel gab mir Sicherheit auch dann, wenn es mal etwas später wurde. Obwohl wir auf unserer ersten Fahrt die meisten ins Auge gefassten Campingplätze auf gut Glück ansteuerten (also nicht reserviert hatten, was großenteils auch gar nicht möglich war), sind wir nie abgewiesen worden, nicht einmal im Yellowstone Park. Bei den nächsten Reisen hatte ich dann aber die Campgrounds im Grand Canyon und Yosemite Park lange im voraus reserviert. Unsere Detailplanung war unterwegs eine große praktische Hilfe – obwohl wir uns durchaus nicht immer genau daran hielten – und hat uns den Kopf frei gehalten wie auch mehr Zeit gelassen für die Dinge, die wir in Amerika erleben wollten.

Wie eingangs erwähnt, hatten wir das Wohnmobil für alle Reisen von Deutschland aus gebucht, auf den ersten beiden Fahrten einen kleineren 19 Fuß-Van Camper (5,70 m), auf der dritten ein Motorhome mit 22 Fuß (ca. 6,50 m). Für amerikanische Verhältnisse handelt es sich beim Van Camper um einen sehr kleinen Wagen, und beim Motorhome um die kleinste verfügbare Kategorie. 70 Vorüberlegungen und Reiseplanung Für uns waren sie gerade richtig. Ich konnte beide gut handhaben, obwohl mich angesichts der Ausmaße »unserer« Camper jedesmal fast (wieder) der Schlag traf. Solche Ungetüme sicher über viele tausend Meilen zu steuern, schien mir auf den ersten Blick fast unmöglich. Meine Kinder machten mir aber Mut: »Gemeinsam schaffen wir das!« Und so war es auch. Man/frau kommt nach kurzer Gewöhnung mit diesen Campmobilen ganz gut zurecht, aber es ist angenehm, wenn in bestimmten Situationen – Rückwärtsfahren, Wenden, Einparken und Überholen – jemand da ist, der mitgucken kann. Mit ganz kleinen Kindern, die das noch nicht leisten können, hat man es vor allem mit dem großen Motorhome schwerer.

Zunächst jagte mir nicht nur die Größe unseres Autos einen Schrecken ein, auch die erste engere Kurve hatte es gleich in sich: Obwohl ich alles gut verstaut hatte, wie ich glaubte, flogen Bücher und alles mögliche mit großem Getöse wild durchs Auto. Ich sah schon auf den ersten Metern das Ende der Reise gekommen. Von da an achteten wir mehr auf Sicherheit als auf Ordnung, und es klappte besser. Aber ganz lösen konnten wir das Problem nie: immer mal wieder schossen in Kurven oder bei starkem Bremsen ein Buch, die Zahnpastatube und andere Gegenstände durch den Wagen. Ganz besonders misslich sind bei der Abfahrt übersehene, bereits geöffnete Getränkedosen oder Milchtüten, wie wir leidvoll erfahren mussten.

Zu fahren waren die Camper im Grunde einfach, alle hatten ein Automatikgetriebe, so dass ich mich auf das Wesentliche konzentrieren konnte. In die Technik wurde ich bei der Übernahme gut eingewiesen. Auch in der Betriebsanleitung stand zum Vergewissern noch einmal, wo welcher Ölstab zu finden ist und wie das Wasser aufgefüllt/entsorgt werden muss.

Gefeit vor Pannen waren wir natürlich nicht. Den kochenden Motor an einer starken Steigung (ich hatte vergessen, die Klimaanlage abzudrehen) gab es ebenso wie einen (unverschuldeten) Getriebeschaden im Yosemite Park. Das erste Gefühl in so einer Situation ist Panik. Als ich dann auch noch den Ersatzwagen, der gebracht wurde (statt eines Van Camper ein ausgewachsenes Motorhome, das viel höher und breiter ist), bei einem McDonald’s Drive-in unters Dach setzte, war die Stimmung nicht mehr die beste.

Aber selbst in solchen Situationen kam Hilfe immer rasch – ob es sich um den Ranger im Yosemite handelte, um fachkundigen Rat auf dem Parkplatz bei kochendem Motor oder um hilfsbereite Männer, die unser Auto von dem McDonald’schen Dach befreiten.

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