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Klima, Wetter und Reisezeiten für die USA und Kanada


Klima und Geographie des Nordostens der USA und Kanadas

Der Blick auf den Globus wirkt beruhigend: Montréal liegt auf der Höhe von Mailand, Man hattan gar auf dem Breitengrad von Neapel, das südliche Nova Scotia entspricht Südfrankreich, und selbst Labrador liegt nicht nördlicher als Großbritannien. Der Schein trügt indessen, denn bis auf die Sommermonate ist der Nordosten Nordamerikas kalt. Schneestürme in New York und Temperaturen von -30° Celsius in Montréal sind im Winter keine Seltenheit.

Neuengland wirbt denn auch mit ausgeprägten Bilderbuch-Jahreszeiten: Skilaufen in weißem Schnee, Verliebte unter blühenden Obstbäumen, Kinder am hellen Strand vor herrlicher Brandung und Farbenpracht des Herbstlaubes im Indian Summer, der sich im T-Shirt genießen lässt – und alles unter strahlend blauem Himmel, versteht sich.

In der Realität kann all das zutreffen, muss es aber nicht:

Wechselhafte Wetterlagen

Stabile Wetterlagen mit extremen Unterschieden zwischen Sommer und Winter – wie sie die Great Plains oder auch noch Michigan kennzeichnen – sind in Neuengland und Canadas Osten eher die Ausnahme. Das wechselhafte Wetter ist in allen hier beschriebenen Regionen Gesprächsstoff. Oft genug schmilzt die weiße Pracht in Skigebieten von einem Tag zum anderen, und die Schneekanonen müssen nachhelfen. An den Stränden von Cape Cod, Maine oder Prince Edward Island darf die Badehose selbst im Hochsommer schon mal ein- und die Regenjacke ausgepackt werden – ganz wie bei uns.

Wetterfronten

Die Gebirge im nordöstlichen Amerika sind erstens nicht sehr hoch und verlaufen zweitens in Süd-Nord-Richtung. Sie können daher weder kalten Nordwestfronten noch tropischen Luftmassen aus dem Golf von Mexiko den Weg versperren. Diese beiden Einflüsse dominieren wechselseitig das Klima im südöstlichen Canada und in Neu-England. In der gesamten Region sind daher viele Sommertage wegen der südlichen Warmluft heiß und zugleich auch schweißtreibend feucht.

Ebenso sind kühle, regnerische Tage keine Seltenheit. Generell gilt, dass dank langer Perioden mit herrlichem Wetter (bis 30° C) das Wasser vieler Seen im Juli/August Badetemperatur erreicht. Laue Sommernächte kommen dagegen nicht so oft vor. Ein Pullover für den Abend ist daher nie verkehrt.

Atlantische Einflüsse

Da der Wind auch auf dem amerikanischen Kontinent meistens von West nach Ost weht, hat der Atlantik in den maritimen Provinzen nicht den gleichen starken Einfluss wie in Europa. Dennoch wirken die Wassermassen wie eine große Klimaanlage. In den maritimen Provinzen Nova Scotia und Prince Edward Island wird es nie so kalt wie im Inland von Ontario oder Québec, und natürlich auch nie so warm. Außerdem sorgt der kalte Atlantik für Nebelbildung, auch und gerade im Sommer. Die Wassersysteme des St. Lorenz-Unterlaufs und der Großen Seen mildern ebenfalls die größte Sommerhitze wie auch extreme Winterkälte.

Hauptsaison

Der Sommer ist klimatisch die beste Reisezeit für den Nordosten – mit der Einschränkung, dass die vergleichsweise kurze Hauptsaison – offiziell von Memorial Day (letzter Montag im Mai) bis Labour Day (erster Montag im September), faktisch Ende Juni bis Ende August – auch die Hauptreisezeit der Amerikaner und Kanadier ist. Außerdem gibt es in Neuengland eine zweite Hauptsaison während des Indian Summer etwa von Mitte September bis Mitte Oktober (je nach Region und Höhenlage).

An den Küsten

Wegen der hohen Bevölkerungsdichte zwischen Washington und Boston sind die Küsten Neuenglands in diesen Monaten besonders stark besucht, Quartiere und Campingplätze am Meer und an populären Seen früh ausgebucht. In den meisten Gebieten im Binnenland hält sich der Betrieb aber nach unseren Maßstäben sowohl in Canada als auch in den USA in durchaus noch erträglichen Grenzen. Ausweichmöglichkeiten bieten selbst in der jeweiligen Hauptsaison Motels und Motor Inns an Durchgangsstraßen, wenn die Suche nicht zu spät am Abend beginnt, bzw. weniger optimal gelegene Campingplätze.

Zwischensaison

Juni und September sind klimatisch wechselhafter, aber beide Monate können schon/noch sehr sommerlich sein. Probleme, unterzukommen, gibt es dann höchstens an Wochenenden (Ausnahme Indian Summer).

Vor- und Nachsaison

Der Frühling ist selbst für Outdoor-Enthusiasten keine gute Reisezeit. Bis in den Mai hinein kann es viel regnen und immer wieder Kälteeinbrüche geben. Das Grün kommt erst im Mai richtig durch. Im vielgepriesenen Herbst sind gerade bei klarem Wetter die Nächte schon ziemlich kalt. Eine Reise im Indian Summer mit Spazierfahrten und Wanderungen durch die bunten Wälder ist (speziell wegen der frühen Dunkelheit) am schönsten als – dann leider besonders teurer – Indoor Trip in gemütlichen Country Inns mit Kamin und guter Küche.

Aber auch Camper werden den Herbst auf den Plätzen von State und Provincial Parks oder in National Forests genießen, soweit sie noch geöffnet sind (viele Schließungen bereits Mitte Oktober).

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