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USA und Kanada Abweichende Verkehrsregeln

Autofahren in den USA; pixabay CC0


Autofahren ist in den USA einfacher und im Allgemeinen weit weniger stressig als in Europa. Außerhalb der Ballungsgebiete sind geringe Verkehrsdichte, mehrheitlich beachtete Geschwindigkeitsgrenzen, Getriebe automatik der meisten Fahrzeuge und größere Gelassenheit der Amerikaner und Kanadier am Steuer einige Gründe dafür. Es wird in beiden Ländern rechts gefahren, und die wenigen andersartigen Verkehrszeichen erklären sich durch ihre Symbolik weitgehend von selbst. Ein Umdenken ist also nicht erforderlich:

Aber die folgende kurze Liste wichtiger abweichender Regeln sollte man sich einschärfen:



Vorfahrt

Stoppzeichen mit dem Schild 4-way für alle Fahrtrichtungen an Kreuzungen bedeuten »wer zuerst kommt, fährt zuerst«. Das Anhaltegebot wird strikt befolgt. Die Regel ist genauer als »rechts vor links« und besonders in Wohngebieten Standard. Dabei überqueren mehrere sich der Kreuzung nähernde Wagen diese nach kurzem Halt in der Reihenfolge der Ankunft. Das gilt auch bei aufgestautem Verkehr (Ankunft am weißen Balken auf der Fahrbahn zählt); die Überquerung läuft dann ringsum einer nach dem anderen. Bei Unklarheit darüber wird das Problem in der Regel durch Fahrerhandzeichen gelöst.

Ampeln

Zeigt eine Ampel rot, darf unter Beachtung der Vorfahrt des Querverkehrs rechts abgebogen werden, es sei denn, eine Schrifttafel untersagt dies ausdrücklich (No Turn on Red); in New York City und in Québec ist dies allerdings generell verboten.
Im Fall einer gesonderten Abbiegerspur muss sogar bei Rot abgebogen werden, solange dies der Querverkehr zulässt. Die Lichterfolge an der Ampel ist Grün-Gelb-Rot-Grün; die Rot/Gelb-Phase vor dem Grün entfällt also.

Schulbusse

Die gelben Schulbusse dürfen weder überholt noch vom Gegenverkehr (!) passiert werden, wenn sie anhalten und Kinder ein-/aussteigen lassen. Ein seitlich ausgeklapptes Stoppschild und Blinkleuchten an den Bussen signalisieren das Anhalten. Nichtbeachtung gilt als schweres Delikt.


Überholen

Auf mehrspurigen Straßen wird in Amerika legal rechts überholt. Theoretisch ist dies zwar nur erlaubt, wenn dafür nicht die Spur gewechselt wird, aber in der Praxis sind Überholmanöver auf der rechten Seite üblich. Daran muss man sich gewöhnen und den rechten Fahrbahnen auf Freeways mehr Aufmerksamkeit schenken als bei uns. Eines der obersten Gebote auf mehrspurigen Straßen ist nicht zuletzt aus diesem Grund stures Spurhalten. Auf voll besetzten Straßen kann ein Spurwechsel deshalb etwas schwierig sein. 

Geschwindigkeitsgrenzen 

Schon 1995 fiel in den USA die bundesweite Höchstgeschwindigkeitsgrenze auf Autobahnen (65 mph=104 km/h). Es ist seither den Bundesstaaten überlassen, sie festzulegen. Die meisten Oststaaten blieben bei der alten Regelung, lediglich im Westen des Landes und in einigen Präriestaaten gelten neue Höchstgrenzen
von 70 mph oder 75mph. Auf allen anderen Straßen gilt seit eh ein generelles Limit von 55 mph, innerörtlich von 30 mph, wenn nicht ausdrücklich anderes vorgeschrieben ist.

In Canada darf nur auf wenigen Autobahnen 100 km/h überschritten werden. Auf Landstraßen gilt allgemein 80 km/h, manchmal 90 km/h, innerorts 50 km/h.

Die Überwachung erfolgt durch in Polizeiwagen installierte Radargeräte. Wer am Sheriff zu schnell »vorbeibrettert«, hat ihn bald im Rückspiegel und wird sogleich zur Kasse gebeten. Bußgeld für Geschwindigkeitsüberschreitung in Canada: Bei 120
km/h statt 100 km/h: c$100, bei 140 statt 100 km/h: c$295.

Parken und Parkverstöße

Parkvorschriften sind in den USA und Kanada strenger als bei uns und tunlichst zu beachten. Die Polizei ist ständig unterwegs, verteilt Tickets an Parksünder oder lässt rigoros abschleppen (Gebühr ab $150). Auch wer auf Parkplätzen ohne Parkuhr die auf Hinweis-Schildern vermerkten Zeiten überschreitet, ist vor einem Ticket nicht sicher. Polizeikontrolleure verbinden mit einem Kreidestrich den untersten Punkt des Autoreifens mit dem Straßenasphalt. Ist bei der nächsten Kontrolle nach Ablauf
der maximalen Parkzeit der Strich zwischen Reifen und Straße immer noch durchgängig, wurde der Wagen nicht bewegt. Folglich gibt’s ein Ticket.

Entlang gelber Kantsteinmarkierungen ist Parken verboten; ebenso dürfen Hydranten – die Dinger stehen in Nordamerika alle Naselang – nicht zugeparkt werden: ca. 5 m nach rechts und links müssen freibleiben.

Oft sind Parkvorschriften auf Tafeln erläutert, deren genaues Studium angeraten ist. Die Ausnahmen vom Parkverbot bzw. von der Parkerlaubnis werden darauf minutiös erklärt (für Straßenreinigung, Markttage und Anwohner-Vorrechte).

Zahlung

Wer ein Ticket erhält, muss entweder im vorgefundenen Umschlag Dollars bar verschicken oder bei einer Bank per Money Order die Bußgeldsumme einzahlen. Versäumt er das, landet die Aufforderung zur Zahlung bald zu Hause auf dem Tisch, denn der Autovermieter muss die Adresse herausrücken. Nach dreimaliger erfolgloser Zahlungsaufforderung gibt der Polizeicomputer auf. Aber nur bei Bagatellbeträgen, sonst holt man sich das Geld beim Verleiher, und der wiederum kennt die Kreditkartennummer seines sündigen Kunden.

So kann es laufen, muss es aber nicht. Die Handhabung der Verfolgung kleiner Verstöße durch ausländische Touristen ist uneinheitlich und – so der Eindruck – eher zurückhaltend.

Alkohol am Steuer

Alkohol am Steuer wird auch und gerade in Amerika nicht toleriert. Es gilt überall die Null-Promille-Grenze. Es darf sich nicht einmal eine geöffnete Flasche mit einem alkoholischen Getränk auch nur im Innenraum des Fahrzeugs befinden – theoretisch auch nicht die bereits entkorkte, aber nicht geleerte Weinflasche vom Vorabend im Kühlschrank des Campers. Selbst trinkende Beifahrer rund um einen stocknüchternen Fahrer zählen bereits zum Tatbestand »Alkohol im Verkehr«.

Drogen am Steuer

Gegenüber Drogen (nicht nur) am Steuer gilt ebenso die Zero Tolerance-Politik. Wer in dieser Beziehung auffällt, wird registriert und nach Bestrafung und Heimreise nicht ein weiteres Mal ins Land gelassen – in beiden Staaten.