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Mallorcas kleine Schmuggel-Geschichte - Teil 2

Joans Schmugglerbucht ist heute eine Badebucht im Südosten der Insel. Nur zwei Kilometer entfernt liegt ein typischer Ferienort: im Winter ist er ausgestorben und im Sommer sind die zehn- und zwölfstöckigen Hotels ausgebucht. Doch auf dem gesamten Schmugglerweg ist von dem Ort nichts zu sehen. Nur unberührte Natur.
Aus Joans schmalem Trampelpfad ist längst ein breiter Wanderweg geworden, der gemächlich bergab führt, vorbei an wilden Olivenbäumen, Kiefern und Farn. Aber Joan und die anderen Schmuggler hatten keinen Blick für die Schönheit der Landschaft. Natur bedeutete für sie harte Arbeit, denn die meisten schufteten als Landarbeiter.  
In einer Schmuggelnacht verdiente Joan so viel wie in einer ganzen Woche auf dem Feld. Von dem Geld kaufte die Familie einen Bauernhof, den sie jahrzehntelang bewirtschaftete und heute an Feriengäste vermietet.
“Das ist ein typisch mallorquinisches Schicksal”, erklärt Pere Ferrer Guasp, mallorquinischer Historiker, der gerade ein Buch über die Schmuggler Mallorcas geschrieben hat. Es ist das erste Buch, das sich den Schmugglern der Franco-Zeit widmet.

(Fußnote 1: Pere Ferrer Guasp: ´Contraban. República i Guerra´)



“Viele Landarbeiter schafften dank der zusätzlichen Einnahmen aus dem Schmuggel und dank großer Sparsamkeit den Sprung vom abhängigen Lohnarbeiter zum Hotelbesitzer,” berichtet der Historiker: “Manche Chefs der Schmugglerbanden brachten es auch zum Fabrikinhaber”. Joan March, Sohn eines Bauern, wurde sogar zu einem der reichsten Männer der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts organisierte er den Schmuggel von Tabak nach Mallorca und kaufte kurzerhand eine Tabakfabrik in Algerien- er war gerade 24 Jahre alt. Mit seinem Geld half er General Franco an die Macht: der Militärputsch wäre ohne Marchs Vermögen nicht geglückt. Im Gegenzug ließ ihm Franco freie Hand beim Schmuggeln und anderen illegalen Geschäften. 1962 starb March bei einem Autounfall. Die „Banca March“, ein Geldinstitut, das der König der Schmuggler gründete, ist mittlerweile eine der bedeutendsten Banken Spaniens und erinnert überall an den „letzten großen Piraten des Mittelmeers“.

(Fußnote 2: Manuel Domínguez Benavides hat so einen biographischen Roman über Joan March betitelt.)